völlig unwichtig

Ich war gerade beim „derEmil“ auf seiner Seite und habe seinen Artikel zur Person und dem Konzert von Kurt Demmler gelesen. Eigentlich wollte ich einen Kommentar dazu schreiben – weil ich aber Wessi bin und bestimmte Befindlichkeiten nicht treffend nachvollziehen kann oder beurteilen kann… Erinnerung, Bedeutung, Kindheit… da kann und will ich nicht mitreden!

Das Lied vom Demmler finde ich großartig, seine Geschichte ist Geschichte und wir wollen hoffen, das es alles nicht wahr ist. Es wurde soviel gelogen und erpresst: Er ist tot und ich will ihn in Frieden ruhen lassen. Das Lied ist großes Tennis! Ganz große Klasse.

Was ich eigentlich wollte, war, eine kleine Geschichte zu erzählen. Sehr kurz, sehr trivial und außer für mich selber für niemanden von wirklichem Interesse.

Kurz nach der „Grenzöffnung“ hatte ich das Privileg, beruflich mit der Sängerin Tamara Danz zusammenzuarbeiten. Ich kannte weder sie noch ihre Band, die Band kannten die Verhältnisse nicht, unter denen sie in Zukunft arbeiten sollten und wir alle zusammen hatten eine fürchterliche Grippe. Am schlimmsten hatte es Tamara erwischt. Für eine Sängerin sozusagen der „schlimmste anzunehmende Unfall“, in Anbetracht des völlig unwichtigen Konzertes in der Provinz aber kein echter Beinbruch. Die Band und Tamara gingen los wie die Hölle, ich sah zum ersten Mal „Silly“ und war hin und wech! Vor allem von Tamara und ich reihte mich in die 200,300 Tausend Fans ein, die sie für die schönste und großartigste Frau der Welt hielten – die eigene natürlich ausgenommen!
Nach der Show – ich war gerade wieder zu Hause – erreicht mich ein Anruf, das unser Truck mit der Tonanlage aufgrund eines verblödeten Fahrers im Graben gelandet war und ich am sehr, sehr frühen Morgen mit einem zweiten Fahrzeug zurückfahren mußte; teils um das Material zu bergen, den Fahrer ruhigzustellen und überhaupt: Es war eben kein anderer da! Die „Materialübergabe“ klappte, die letzten verbliebenen Reste der Volkspolizei sperrten mit ihren Ladas die Straße und erleuchteten uns und die Nacht, auf daß wir arbeiten konnten. Unter Blaulicht gelang die Aktion, es wurde langsam Hell und die Autos der Vopos hatten im tapferen Einsatz mit Licht und Lalülaternen ihre Batterien leergesaugt. Der frische Tag begann also mit Starthilfe für die Volkspolizei und einem Panzer der Volksarmee, der den verunglückten Laster wieder auf die Räder stellte Es gibt Konzerte, die man nie vergisst!

Ja, mein Konzert mit Tamara Danz. Seitdem war ich „Fan“! Dann lange nichts, bis auf einen Fernsehabend, einer Dokumentation über sie auf irgend einem Sender im Westfernsehen.
Das war ein Interview in einer säkularisierten Kirche – die FDJ hatte da wohl geübt oder sonstwer – und da steht sie auf und beginnt zu singen. Keine Scheinwerfer, keine Tonanlage. Nichts. Steht auf und singt ein Lied von Berthold Brecht. Das Licht schien durch die Kirchenfenster hinter ihr, sie schloss die Augen und sang. Da bin ich aufgestanden – vorm Fernseher – und habe geheult wie ein Schlosshund.

Kurz danach ist sie gestorben

Das wollte ich erzählen

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0 Kommentare zu völlig unwichtig

  1. Line sagt:

    Ich weiß, warum ich dich so liebe…

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  2. opalkatze sagt:

    Ja. Kann ich verstehen. So was gibt’s.

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  3. der_emil sagt:

    Danke. Diese Geschichten, die außer einem selbst niemanden interessieren, die gehören trotzdem immer zu den Interessanteren.

    Ja, Tamara war auch einer von den Menschen, die ich unwahrscheinlich mochte. Leider hab ich nur drei Konzerte und einen kleinen Umtrunk hinterher mit ihr erlebt. Aber diese Geschichte aus dem Interviewfilm – ich muß mal suchen, ob es den noch gibt.

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