Vertrauen, völlig zerstört

Souvlaki-plate

Wikipedia von Heidi Bauer cc-by-sa-2.5

 

Wer hat den Sinn so verdreht
wer hat den Sinn so verdreht?
Jedes Wort
das legten sie falsch aus
und dafür gab es Applaus
Wer hat mein Lied so zerstört?

Nein! Nicht von Wolfgang Schäuble, sondern von Daliah Lavi 1971. Also schon ein wenig älter. »Griechischer Wein« von Udo Jürgens wäre auch noch im Angebot; das hat eine kleine Spitze in der zweiten Strophe:

Sie sagten sich immer wieder: Irgendwann kommt er zurück.
Und das Ersparte genügt zu Hause für ein kleines Glück.
Und bald denkt keiner mehr daran, wie es hier war.

Auch dieser Schlager ist nicht gerade aktuell, erinnert aber an die guten, alten Zeiten. Das war zu der Zeit, als der Grieche noch nicht gierig, sondern Gastarbeiter in der BRD war. Zu Hause im Süden herrschte die Militärjunta mit besten Beziehungen zu allen konservativen Regierungen Europas außerhalb des Ostblocks, auf den Baustellen Deutschlands tummelten sich Arbeiter aus aller Herren Länder, fern der Heimat und Mindestlohn. Man gewöhnte sich daran, Pizza beim Italiener zu bestellen oder Fleissspieße mit Fitzelchen Zitron von Schale im Restaurant Athen.
Wie gesagt: Die guten, die alten Zeiten. Schäuble hüpfte noch wie ein junges Reh und war in der Steuerverwaltung tätig. Nach Feierabend zur Vereinssitzung der Jungen Union, danach zum Griechen. Fleissspieße und Alkohol aufgelöster gehäckselter Weihnachtsbaum.

Rund 45 Jahre später ist dieses Vertrauen in die Kochkünste Athens geschwunden – wenn nicht sogar zerstört. Ohne daß man es wirklich wahrnahm, bevölkerten andere Nationen die Baustellen der Republik, die Militärs waren auch wie vom Erdboden verschwunden und in Griechenland wurde gewählt. Falsch, wie der jetzige Finanzminister nicht müde wird zu betonen, falsch und durchaus vertrauenszerstörend. »Sie haben alles Vertrauen zerstört. Das ist ein schwerer Rückschlag«. In Griechenland kann sich nun kaum noch jemand Fleissspieße leisten und das Ersparte reicht weder für ein kleines noch ganz kleines Glück. »Ich bin auch dafür, daß wir die europäische Währung stärken«. Schäuble fordert Fleissspieße für Deutschland und Salat für den gierigen Griechen. Deswegen ist er Finanzminister. Das ist seine Pflicht und sein Vergnügen.

Nun hat die Kanzlerin den Griechen eingeladen. Nach Berlin. Eigentlich wollte der Minister ja einen Almosenempfänger abseits des roten Teppichs auf dem Rollfeld begrüßen, aber daraus wurde leider nichts. Premierminister Tsipras kommt auf Einladung und nicht in Landestracht eines afrikanischen Stammesfürsten, um sich seine Entwicklungshilfe abzuholen. Daß das aber wenigstens nicht in die Presse kommt! Das mit der Einladung. »Griechischer Premier kommt, um zu betteln!« So oder so ähnlich muß das klingen. Und weil Schäuble ein berühmter Minister im reichen Teil der EU ist, klingt es dann auch so.

Was aber auf keinen Fall in die Presse darf, sind die weiteren Reisepläne des griechischen Premierministers. Am 8.April fliegt Tsipras nämlich nach Moskau. Ins Reich des Bösen zu dem noch böseren Putin. Dort wird er den allerbösesten Wirtschaftsminister Dr. oec. Publ. Anton Germanowitsch Siluanow treffen. Auch ein Fachmann (Fachrichtung Finanz- und Kreditlehre).
Plan B.
Schäuble hat nur Plan A, von dem er auch dann nicht abweicht, wenn niemand mehr die Schrift lesen kann und die Sprache beherrscht, in dem dieser verfasst wurde.

Das ist der eigentliche Grund, warum Finanzminister Schäuble so zerstört ist, beziehungsweise die Reste seines Vertrauen. Das sagt er nicht laut und das darf auch niemand anderes laut sagen. Weil es aber noch unabhängige Zeitungen gibt (zum Beispiel in England) kann man es dort im Guardian nachlesen.

Das waren noch Zeiten! Damals beim Griechen! Schunkeln mit den Kameraden des RCDS und erst die Lieder…

Griechischer Wein, und die altvertrauten Lieder.
Schenk’ noch mal ein!
Denn ich fühl’ die Sehnsucht wieder:
in dieser Stadt werd’ ich immer nur ein Fremder sein,
und allein.

Der Wirt begleitet die betrunkene Horde – »Wir sind wieder wer und das wird man ja wohl wieder sagen dürfen!« – langsam zur Türe und sammelt das Trinkgeld ein. Abschließen, Feierabend.
Pegida marschiert. Auch das darf man wieder sagen. Bis jetzt nur vor dem Asylantenheim und nicht vor dem Restaurant Athen. Eine Umbenennung und Neueröffnung liegt nahe: »Zum goldenen Kalb« mit blonder Bedienung.
Man spricht Deutsch. Nur Deutsch.

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0 Kommentare zu Vertrauen, völlig zerstört

  1. derda sagt:

    Das dritte mal daß am deutschen Wesen die Welt genesen muß. Und meine Prognose ist daß es wie die letzten beiden male wieder scheitern wird. Ich hoffe diesmal mit weniger Toten.

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  2. GrooveX sagt:

    “Alkohol aufgelöster gehäckselter Weihnachtsbaum”

    das rahm ich mir ein!

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