Verblüff mich

Verblüff mich mit mehr Liebe
mehr und mehr im Übermaß
Und sei gnädig!
mit dem glühenden Herzen,
das die Liebesflamme zerfraß

Wenn ich darum flehe
dich in der Wahrheit zu bestaunen
So erlaube!
Lass deine Antwort nicht jene sein:
Nein! du darfst nicht, Nein!

Oh mein Herz!
Versprochen hast du mir einst,
in der Liebe Geduld zu zeigen.
So wehe!
aufzugeben oder dich zu langweilen

Die Liebe ist das Leben
So sterbe der Liebe wegen
weinend um ihn.
Es ist ein ehrwürdiger Tod
Entschuldigen wird man deine Not.

Sagt den Ersten,
die mir vorausgegangen sind
Und erzählt den Letzten
Sowie jedem,
der mein Elend sieht:

Von mir lernt
Als Vorbild sollt ihr mich nehmen
Von mir hört
Von meinem Augenwasser
Erzählt allen Menschen

Und doch war ich mit dem Geliebten
Ganz Allein!
Ein feines Geheimnis war dazwischen
weniger als eine Brise Morgenwind
war es fein.

Erlaubt hat er meiner Seele
Ihn lang zu bewundern
Davor war meine Liebe
Im Tiefsten versteckt
Nun ist sie allerdings aufgedeckt

 

[…]

Imām Ibn al-Fāriḍ (1181-1235 n. Chr.)

Eine Klassenarbeit in Physik mit einer praktischen Aufgabe:

»Zeigen Sie, wie man mit Hilfe eines Barometers die Höhe eines Hochhauses bestimmen kann.«

»Man nimmt das Barometer mit aufs Dach, bindet es an eine lange Schnur und läßt es daran auf die Straße hinunter. Dann holt man es wieder herauf und mißt die Länge der Schnur. Diese Länge entspricht der Höhe des Gebäudes.«

Es kam, wie es kommen mußte. Der Lehrer konnte sich zwar nicht der Lösung, wohl aber dem Ansatz verschließen. Schließlich ging es um Physik und nicht um praktisches Denken. Aber man gab dem Schüler eine zweite Chance.

»Man nimmt das Barometer mit auf das Dach des Gebäudes und lehnt sich über die Dachkante. Dann läßt man es fallen und stoppt die Dauer des Falls mit einer Stoppuhr. Schließlich ermittelt man die Höhe, indem man folgende Formel benutzt: s = ½ gt2

Immerhin eine Formel, auch wenn die Messung über eine Stoppuhr und nicht explizit über das Barometer erfolgte. Ob dem Studenten noch andere Lösungen für das Problem eingefallen wären?

»O ja«, sagte der Schüler, »es gibt noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten um die Höhe eines Hochhauses mit einem Barometer zu ermitteln. Zum Beispiel können Sie an einem sonnigen Tag das Barometer mit nach draußen nehmen und seine Höhe sowie die Länge seines Schattens abmessen. Dann messen Sie, wie lange der Schatten des Hochhauses ist, und bestimmen mit einer einfachen Verhältnisgleichung die Höhe des Gebäudes.«

Der Schüler hatte angedeutet, noch andere Lösungen erarbeitet zu haben, also ließ man ihn weiter reden.

»Da gibt es noch eine sehr grundsätzliche Methode, die Ihnen gefallen wird. Sie nehmen das Barometer und gehen die Treppen hoch. Dabei markieren Sie die Höhe der Wand jeweils in Barometer-Einheiten. Dann brauchen Sie nur diese Barometer-Einheiten zusammen zu zählen und Sie erhalten die Höhe des Gebäudes in Barometer-Einheiten. Es ist allerdings eine sehr handgreifliche Methode. Sollten Sie an einer etwas subtileren Methode interessiert sein, dann könnten Sie das Barometer an eine Schnur binden und es als Pendel schwingen lassen. Sie bestimmen den Wert von ‘g’ (Schwerebeschleunigung) in der Formel T = 2√ 1/g auf Straßenniveau und auf dem Dach. Aus der Differenz zwischen g1 und g2 können Sie prinzipiell die Höhe des Gebäudes errechnen.«

Schließlich meinte er:

»Wenn Sie mich nicht auf eine physikalische Lösung festlegen, dann gibt es noch viele andere Möglichkeiten. Zum Beispiel könnten Sie das Barometer nehmen und beim Hausmeister anklopfen. Sobald er öffnet, sprechen Sie wie folgt: ‘Lieber Herr Hausmeister, ich habe hier ein wunderbares Barometer. Wenn Sie mir die Höhe dieses Hauses verraten, dann gehört es Ihnen.’«

Hier endlich fragte man den Schüler, ob er die erwartete Lösung wirklich nicht wisse. Er gab zu, daß er sie wußte. »Aber”, bemerkte er »er sei es leid, daß die Lehrer immer versuchten, ihm beizubringen, wie er denken und seinen kritischen Verstand gebrauchen sollte, statt ihm grundsätzliche Zusammenhänge zu zeigen und zu erklären.« Deswegen habe er beschlossen, an einem Beispiel einmal zu zeigen, was für ein Theater das sei.

Angeblich war dieser Schüler Niels Bohr

»Die erste Nacht. Eule! Wie oft ließen mich die Schreie deiner Totenwache im Schatten der Nacht zusammenschrecken? Traurig und einsam, gleich dir, streife ich in der Dunkelheit durch die schier grenzenlose Stadt. Keineswegs vermag der Schein der Straßenlaternen die Schatten zu vertreiben, sie treten bloß umso markanter hervor: Das Chiaroscuro der Maler! Allein wanderte ich umher, um die Menschheit zu verstehen … Wie viel es doch zu sehen gibt, wenn alle Augen geschlossen sind.«

Restif de la Bretonne

Actaeon

mittags erst dünne zypressenschatten harkend

die sonne über den hügeln liefst du die stiege

am haus herauf an mir vorbei weniger denn wortlos

und ich sah auch an deinem offenen haar

roch daß etwas anders war

ein blick nur keine erwiderung erwartend

ich ging dir nach – deine sandalen in der diele

wo du aus dem kleid geschlüpft warst sorglos

auch deine ledertasche auf den fliesen – ich bückte

mich nicht nach ihr drückte

zögernd die tür zur dusche auf – hörte dich singen

im falsett aufschreien starrte dich an wie du

mich über den rücken hände

schmal über die brüste errötend dann

und wusste du kamst von einem andren mann

dass du nackter standest als ich dich je finden

oder die welt es würd von strähnen zu

auf die schlüsselbeine tropfte es als schlänge

sich ein netz um dich – sprich red was du willst sagen

doch daß ich dich beim jagen

auf das selbe überrascht hatte schnitt mir die zunge

ab – deine finger spritzten mir wasser hart

wie regen ins Gesicht ich sank auf die ferse

die wahrheit ein zerbrochner spiegel

scham die unsichtbare wunde

hunde hechelnd im gras unten ineinander verkrallt

ihr gebell als ob es sich in die hitze fresse

Raoul Schrott

 

Allen Lesern noch einen schönen Sonntag.

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3 Kommentare zu Verblüff mich

  1. GrooveX sagt:

    danke! dir auch – was da halt noch an rest übrig ist.

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    • Pantoufle sagt:

      Ich bin mir über das Maß an Sarkasmus durchaus bewußt, wenn man den Text erst um 23:57 liest.
      Aber vielleicht wird es ja ein himmlischer Abend mit Wein, Weib, Kerzen und Jodeln gegen rechts.

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      • GrooveX sagt:

        manchmal ahnt man aber auch um 15:10, wie es um 23:57 aussehen könnte… wein – nöh, weib – nöh, kerzen – andermal, schlitten fahren mit den rechten – erledigt.

        angeblich gewinnen jetzt in berlin die anderen

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