…und nun zum Sport

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Pic via zuckerfabrik24.de

Am Wochenende fahren sie wieder, die katalysierten Rasenmäher der Formel 1. Jetzt noch leiser, noch grüner, noch langweiliger. Gefahren wird wie immer in zwei Klassen: Untalentierte, aber reiche Bürschlein, denen Papi das bezahlt und diejenigen, die zwar schnell fahren können, es sich aber eigentlich nicht leisten können.
Die neuen Regeln, die ab diesem Jahr gelten, die alten Regeln vom letzten und die aus den Jahren davor: Ihnen allen ist gemein, daß sie diesen Sport langsam, aber umso sicherer aus den Schlagzeilen gebracht haben. Es ist nicht einmal mehr totenlangweilig!

Aber wo Not ist, da ist auch Hilfe! Die Schrottpresse, Fachblatt für Rat und Tat, hilft gerne! (Nein, keinen Dank an dieser Stelle – das tut man doch gerne!)

Man braucht weder eine tiefgründige noch komplette Analyse, um die Problem nicht auf Anhieb zu erkennen; bleibt nur die Frage, was tun? Neue Regeln müssen her! Besser noch: Back to the roots, wie der Deutsche zu sagen pflegt.
Es ist doch ganz einfach! Beim Wort Rennfahrer denkt kein normaler Mensch an geschniegelte Millionärssöhnchen, die auf Zuruf der Sponsoren in die Händchen klatschen und im Kreis hüpfen. Nein: Kernige Gestalten mit Hang zu Sex, wilden Parties und schnellen Autos. Gefährlich muß es sein, sonst nimmt ihnen das »kernig« kein Schwein ab. Schnell müssen die Autos auch sein und laut, damit man sie schon von weitem hört. Sprit dürfen sie soviel saufen, wie sie wollen. Formel 1! Das ist nicht das Dreiliterauto – das ist archaischer, rückwärtsgewandter Dinosauriersport aus vergangenen Jahrhunderten. Ben Hur – nicht Boris Becker. Kein Rennfahrer läßt sich im Kleiderschrank einen blasen, damit sie ausgerechnet davon schwanger wird!

Zeit also, die edle Raserei wieder dahin zu bringen, wohin sie gehört: In die Vergangenheit! Packen wir es an und formulieren ein paar einfache Regeln, damit wieder Schwung in die Bude kommt. Spiel, Spaß und sprudelndes Blut statt Knautschzone.

Die Rahmenbedingungen

Die Einnahmen für die Teams rekrutieren sich aus den Eintrittsgeldern an der jeweiligen Rennstrecke. Die Verteilung erfolgt abhängig von den Plazierungen.

Sponsoren sind herzlich willkommen. Eine Kommission wacht streng darüber, daß diese Gelder nur den Betreibern der Rennstrecke zukommen (Erhalt der Strecke, Parkplatzwächter, Eis- und Popcornverkäufer ect)

Gefahren wird bei jedem Wetter.

Über die Fahruntüchtigkeit des Fahrers entscheidet die Plazierung. Merke: Auch mit Promille hat jeder ein Recht auf Punkte! Wie im richtigen Leben! (Dopingkontrollen werden von den jeweiligen Teams in Eigenverantwortung durchgeführt)

Ein Auto, das brennend oder sonst irgendwie fahruntüchtig im Graben liegt, scheidet aus.

Das technische Reglement

Wichtigste Neuregelung: Die Mechaniker sind ausschließlich für die Betreuung der Rennwagen vor- und nach dem Rennen verantwortlich!
Während des Rennens obliegt es allein dem Fahrer, sämtliche Wartungsarbeiten, Reifenwechsel oder das Nachtanken zu erledigen. Das Mitführen eines Beifahrers ist erlaubt.

Sämtliche Ersatzteile, die man glaubt auswechseln zu müssen, haben sich zwingend an Bord der Boliden zu befinden. Ob das in einem Kofferraum, einem Anhänger oder als loses Ersatzteillager aufgeschnallt an der Karosserie stattfindet, ist den Rennställen überlassen.

Mindestgewicht des Fahrzeugs inklusive Fahrer beträgt 1000kg.

Die Mitnahme eines Ersatzreifens ist zwingend vorgeschrieben. Im Übrigen kann der Fahrer/Beifahrer jede Art von Reifen in beliebiger Menge zu jedem Zeitpunkt wechseln.

Es darf soviel nachgetankt werden, wie man lustig ist. Öl, Benzin, Lachgas (NOS), JP8. Jede Art von Brennstoff ist erlaubt.

Automatische, mechanisierte Tankanlagen sind verboten. Es wird ausschließlich aus Kanistern beliebiger Größe vom Fahrer und/oder Beifahrer getankt.

Esoterische Kunststoffe sind verboten. Stahl, Alu, Gußeisen – alles was der Schmelzofen hergibt (Kunstlederbezüge für die Sitze ausgenommen.)

Alle Motoren bis exakt 4 Litern Hubraum sind zugelassen. Keine Begrenzung der Zylinderzahl. 2Takt, 4Takt, Diesel, Wankel… alles außer Gasturbine oder Ramjet. Pulverraketen zur besseren Beschleunigung sind in ihrer Brenndauer auf 30 Sekunden limitiert!

Keine elektrischen Anlasser! Kurbel, Kickstarter, anschieben, Druckluft oder Schwarzpulverpatronen – alles, nur eben nicht elektrisch.

Elektronik darf nur in folgenden Fahrzeugkomponenten eingesetzt werden: Blinker, Fernlicht, Klimaanlage, Zigarettenanzünder und Car-HiFi.

Wer glaubt, er müsse Elektromotoren, Batterien und ähnlichen Ballast mitschleppen, kann das gerne machen. Ansonsten siehe Regel Elektronik.

Turbolader sind verboten, mechanische Kompressoren erlaubt (die sind einfach erheblich lauter!)

Mechanische Einspritzanlagen sind erlaubt. Kein elektronisches Motormanagement!

Katalysatoren sind unerwünscht. Es steht allerdings jedem frei, sich eine grüne Plakette ganz gleich wohin zu kleben.

Verbot von hydraulische Bremsen. Die Betätigung hat durch Bowden, Gestänge, Bremsfallschirme, Anker ö.Ä. zu erfolgen.

Keinerlei automatisierten Anfahrhilfen und ähnlicher Unsinn.

Keine Automatikgetriebe.

Aerodynamische Auf-, ab-, und Seitensteuer-Hilfen sind in jeder Menge, Dimension und Gewicht erlaubt solange sie ohne Elektronik auskommen.

Regelwerk für das  Rennens.

Ein Rennen dauert 2½ Stunden

Wer zuerst ankommt, hat gewonnen.

Die Punktevergabe zur Ermittlung des Weltmeisters erfolgt nach einem einfachen Schlüssel: Der Sieger erhält so viele Punkte wie Fahrzeuge das Ziel erreichen (wieviele am Start waren spielt keine Rolle). Der nächstfolgende Fahrer bekommt einen Punkt weniger und so weiter bis zum letzten Mann/Frau. Erreichen nicht genügend Fahrzeuge das Ziel: Mein Gott! Die Welt ist eben nicht gerecht!

Wer den Gegner in erkennbar böser Absicht von der Strecke fegt, muß für eine Runde auf die Strafbank.

Die Mitnahme und der Gebrauch von Hieb-, Stich- und Schußwaffen ist unerwünscht. Bei Zuwiderhandlung eine Runde Strafbank.

Die Rennleitung wird gebeten, ein sogenanntes Safety-Car herauszuschicken, wenn bewegungsunfähige, brennende Rennwagen oder ihre Trümmer auf der Strecke auch nicht mehr über den Seitenstreifen zu umfahren sind.

Alle Fahrer sind dazu angehalten, die Situation während einer Safety-Car-Phase nach besten Kräften zur Verbesserung ihrer Plazierung zu nutzen.

Es wird darum gebeten, die Flaggensignale der Streckenposten zu beachten.

So, liebe Leute: Das war es dann auch schon in groben Zügen! Mehr Regeln braucht kein Mensch, um einen vergnüglichen Nachmittag mit den Lieben bei einem Formel 1 Rennen zu haben.
Gentleman: Start your Engines!

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0 Kommentare zu …und nun zum Sport

  1. tikerscherk sagt:

    Das klingt nach Lärm, Metall, Öl, Sex, Schmutz, Tempo, Gefahr und Tod. Handarbeit. Nach harten Männern mit Nerven aus Stahl.

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    • pantoufle sagt:

      @Tikerscherk
      Was Deine Leser so denken oder auch nicht… vielleicht hast Du ja vollkommen andere als ich; gut möglich. Für meinen Teil aber unterschätze ich nicht den alttestamentarischen Reflex des Christentums, den Lohn der Moral auf ein Leben danach schieben zu wollen. Nicht im Diesseits empfangen wir die Bestätigung für ein einwandfreies Leben – das hat auf den Urteilsspruch einer höheren Instanz zu warten.
      Das steckt in den Knochen der Menschheit tiefer drin als man vermuten mag.(Typisch: Gender Gap mußte ich jetzt erst googeln.)

      Kennst Du eigentlich das hier? (vermutlich ja)

      Ich bin so wild nach deinem Erbeermund
      Du…du…ich bin so wild nach deinem Erbeermund,
      ich schrie mir schon die Lungen wund,
      nach deinem weißen Leib, du Weib.
      Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
      da blüht ein süßer Zeitvertrieb
      mit deinem Leib die lange Nacht.
      Da will ich sein im tiefen Tal.
      Dein Nachtgebet und auch dien Sterngemahl.

      Im tiefen Erbeertahl, im schwarzen Haar,
      da schlief ich manchen Sommer lang
      bei dir und schlief doch nie zuviel.
      Komm…komm…komm her…
      ich weiß ein schönes Spiel
      im dunklen Tal, im Muschelgrund…
      Ah…ah…ah…ah du…ah du… du ach,
      ich bin so wild nach deinem Erbeermund!

      Die graue Welt macht keine Freude mehr,
      ich gab den schönsten Sommer her,
      und dir hat´s auch kein Glück gebracht;
      nicht wahr, hast nur den roten Mund noch aufgespart,
      für mich, für mich, für mich, so tief im Haar verwahrt.
      Ich such ihn schon die lange Nacht
      im Wintertal, im Aschengrund.
      Ich bin so wild nach deinem Erbeermund.

      Im Wintertal, im schwarzen Erbeerkraut,
      da hat der Schnee ein Nest gebaut
      und fragt nich, wo die Liebe sei.
      Ich habe doch das rote Tier so tief
      erfahren, als ich bei dir schlief.
      Ach, oh wär nur der Winter erst vorbei
      und wieder grün der Wiesengrund!
      Oh du…du oh.. du,
      ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!
      Oh, ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

      Francois Villon * 1431 – † 1463

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      • tikerscherk sagt:

        Das Christentum steckte auch mir in den Knochen, und ich habe lange Jahre gebraucht, bis ich nicht mehr das Gefühl hatte sämtliche Taten, die gegen das Moralgesetz verstießen, nicht insgeheim durch gute Taten oder mindestens Schuldgefühle/ Selbstgeißelung ausgleichen zu müssen. Das ist zum Glück vorbei.
        Aus dem Vollen lebt es sich soviel schöner.

        Und Villon! Natürlich kenne ich das.
        So sinnlich und voller Lust. Wie gerne hätte man mit ihm das Lager geteilt, wenn er alles so gut konnte, wie schreiben.

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  2. pantoufle sagt:

    Damen sind jederzeit willkommen und gerne gesehen – als Fahrerinnen wohlgemerkt. Scheiß auf die Allianz-Generation. Am Sonntag ist ein Rennen!

    Ach: Gerade bei Dir Brecht gelesen: Und jetzt bin ich auch noch schuld 😀

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    • tikerscherk sagt:

      Du bist schuld an der ganzen Erotikwoche, weil du weiland zu recht moniertest, dass Blogs das Thema Erotik und Sex schön aussparen, während über alles andere ausgiebig salbadert wird.
      Jetzt hast du den Salat.

      Frauen als Zuschauerinnen oder Boxen..-Quatsch, die Box gibt es ja nicht mehr, wenn die Fahrer alles selbst machen- sind doch sicher auch willkommen?
      Gehst du am Sonntag zum Rennen?

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      • pantoufle sagt:

        Wie kommst Du auf die Idee, es gäbe dann keine Boxengasse mehr? Natürlich! Irgendwo müssen die Fahrer ja aus den Eimern den Brennstoff nachkippen. Wer in dieser »explosiven« Atmosphäre Lust hat, das Bein, das nackte, zu schwingen, mag das ruhig tun.
        Wie Du etwas weiter unten recht anschaulich sehen kannst, haben Lazarus und ich durchaus vergleichbare Vorstellungen, welche Art von Fahrzeug einen da erwartet.

        Klar: Jetzt bin ich wieder schuld. Damit hatte ich bereits gerechnet. Pantouflen sind immer schuld, sozusagen von Haus aus und Geburt an. Aber zu meinem Glück hast Du die Empörung und das betretene Schweigen jetzt bei Dir in der Hütte und nicht hier. Ich betreibe derweil meinen Wochenendsport »politisch unkorrekt« in dieser Form.

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        • tikerscherk sagt:

          Ich liebe es, wenn es rußt und flammt und knattert.
          Mein alter Benz, der Bus mit seinem 4 Liter-Motor erzeugt eine riesige Rußwolke beim Anlassen, aus der wir dann schaukelnd heraus fahren, und deretwegen uns schon gegen das Auto getreten wurde, weil ein Kerl meinte seine ganz in weiß gekleidete Lady gegen unseren Urschmutz, der auf sie herab rieselte verteidigen zu müssen.
          Er ist uns noch eine ganze Weile auf der Autobahn hinterher, mit seinem Joghurtbecher, aber was wollte er machen gegen einen solchen Panzer?
          Will sagen: ich kann die Leidenschaft dafür absolut nachvollziehen.

          Schuld, Schuld! Bin ja froh, dass du mich auf die Idee gebracht hast. Die Zugriffszahlen sprechen Bände, aber alle schweigen.
          Meinst du die sind so verklemmt und peinlich berührt?

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          • pantoufle sagt:

            Ich spar mir jetzt mal die Spekulationen darüber, wie sehr die aufsteigenden Säfte mit dem heeren Anspruch auf einwandfreie Moral im Streit liegen – die Angst, sich auf Kommentarebene zu weit aus dem Fenster zu lehnen und den gefährlichen ***- Rechtler/Innen zum Fraße vorgeworfen zu werden, spielt sicher eine Rolle 😀
            Irgend ein verletztes Grundrecht findet sich ja immer wie das Haar in der Suppe.

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          • tikerscherk sagt:

            Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Leser und Leserinnen sich um die Empfindlichkeiten irgendwelcher Rechtler_innen scheren (du hast den gender gap vergessen!).
            Ich befürchte es sind die eigenen Gitterstäbe vor denen man sich im Kreise dreht.

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  3. altautonomer sagt:

    „Formel 1! Das ist nicht das Dreiliterauto “ Doch, bezogen auf den Hubraum, (nicht auf den Verbrauch)! Ansonsten haben diese teuersten fahrenden Werbeflächen mit einem „Auto“ (Standard-Bezeichnung der kommentierenden Sportjournalisten) nur gemeinsam, dass es 4 Räder hat. Böse antifeministische Zungen bauhaupten ja, es sei ein reiner Frauensport: „Immer nur im Kreis fahren, ohne einparken zu müssen.“ Na ja!

    Als Minderheitenveranstaltung in den Tagesthemen unverständlichrweise stets präsent aber überflüssig wie die Börsenkurse.

    Läßt man im ersten Absatz oben das eine oder andere Wort weg, oder tauscht es aus, passt es auch auf die Apotheken-Rundfahrt in Frankreich mit kettengetriebenen offenen Zweiventilern, Deckname „Tour de France“..

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    • pantoufle sagt:

      Moin Altautonomer

      Um erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin strikter Gegner einer vernünftigen Welt. Diese Klientel, die moralisch unanfechtbar mit Verboten um sich wirft und eine geradezu perverse Freude an Gängelung verspürt, die in jedem Fahrzeug ohne Cat einen Anschlag auf das Leben ihrer Kinder unterstellt, aber von München nach Hannover mit dem Flugzeug fliegt… da könnte ich kleine, würfelförmige Bröckchen kotzen!

      Weder wird man Autorennen noch die mit Fahrrädern abschaffen können – es scheint im Menschen drinzustecken. Ob Ben Hur mit dem Vierspänner oder abgedrehte Heranwachsene mit mit den Anzügen einer mutierten Federmaus und einem Fallschirm an den Füßen, um sich von Wolkenkratzern herunterzustürzen.
      Sie tun es und sie werden es auch weiterhin tun. Je mehr Verbote, umso dämlicher die nächste Nischensportart.
      Wer bin ich, es ihnen zu verbieten. Aber das nur nebenbei.
      Für Benzinrennen habe ich eine alte Liebe und Sympathie. Ob Boote, Motorräder oder Autos: Ein Mensch, seine Maschine und der unbedingte Wille, schneller zu sein als die anderen. Finde ich gut! Einen Campbell, einen Fangio oder einen Mike (»the bike«) Hailwood.

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      • altautonomer sagt:

        Ich schlage noch folgende Regel für das Rennen vor: Ein Fahrer wird ausgelost, der in entgegengesetzter Richtung um den Pacours fahren muss.

        Vielleicht würde ich dann auch mal wieder zuschauen.

        Und demnächst Elektro-F-1-Boliden (sonsored by EON oder RWE) wie der mit seinen 739 PS dem Benziner SLS AMG total überlegen hier:

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  4. lazarus09 sagt:

    Gentleman: Start your Engines! …NASCAR , CHAMP CAR WORLD SERIES & IndyCar Series [ die letzteren beiden auch inzwischen abgefuckt ] nicht F1.. 😉

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    • pantoufle sagt:

      Moin Lazarus
      DTM! Eine völlig unterbewertete Serie. Auch wenn ich beim schreiben eher so etwas wie Stoppelfeldrennen mit gasturbinengetriebenen Fahrzeugen im Kopf hatte 😀
      Irgend so etwas wie das hier:

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      • lazarus09 sagt:

        Hi Pantoufle…. Yeah das waren noch „Autos“ in Tradition eines Blizen-Benz ..kennst’e das Project Brutus in Sinsheim .. ? Ich fahre öfters zu Santa Pod .. besser als F1 und der Schmarn 😀

        http://youtu.be/2pcRRk0msas

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        • pantoufle sagt:

          Klar kenn ich diese Wahnsinnigen. Mir gefiel nur die Anordnung der Auspuffrohre beim Bentley besser. Irgendwie ehrlicher.
          Ach siehste – das hätte ich in den Text noch reinschreiben müssen: Beliebig viele Zylinder, solange sie nur in einer Reihe angeordnet sind.
          UpDate: Mensch scheiße – das lag ganz bei mir in der Nähe und ich wußte das nicht! Läppische 80 Meilen.

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          • lazarus09 sagt:

            Pantoufle
            Ach siehste – das hätte ich in den Text noch reinschreiben müssen: Beliebig viele Zylinder, solange sie nur in einer Reihe angeordnet sind.
            Auch wenn du jetzt Klugscheißer rufst der Brutus hat soweit ich weiß einen V12 Flugmotor von BMW ….und keinen Reihenmotor ?!

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          • pantoufle sagt:

            … und der Bentley einen 42l V12-Packard.
            Ich bin sowieso am grübeln: explizit nur Reihe ist auch Scheiße, weil dann keine Sternmotoren drin wären – da würde was fehlen. Genau wie die Hubraumbeschränkung auf 4l. Realistisch gesehen fängt der Spaß da erst an. Es ist gar nicht so einfach, die Formel 1 neu zu erfinden…

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          • lazarus09 sagt:

            http://youtu.be/hirsRnytTkU

            Sternmotor da fällt mir nur Frank Ohles M.v.R. Moped ein 😀 ..Geile Kiste ich Wette die gefällt dir auch ..

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          • lazarus09 sagt:

            …huch war der Link schon vorher drin … ? dann erübrigt sich mein comment ..cheers Jürgen

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      • tikerscherk sagt:

        Auf so ein Rennen würde ich sofort mitkommen!

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  5. Stony sagt:

    Beim lesen mußte ich Lachen, herzerfrischend Lachen … das Zwerchfell tut noch ein bißchen weh, aber das ist ein guter ‚Schmerz‘. 😀

    Da ich in den Regeln nichts explizit fand: das Rauchen ist bei/um das Rennen doch sicherlich erlaubt, wie aber schaut es mit dem Schnippsen der Kippenstummel in die Kraftstoffeimer der Konkurrenz aus, Strafbank?

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    • pantoufle sagt:

      Die Situation in der Boxengasse stellt sich vor meinem inneren Auge so dar, daß selbst ich dort nicht rauchen würde. Jedenfalls nicht solange da einer mit dem Benzineimer hantiert. Da ja jede Art Treibstoff erlaubt ist… einige Mischungen sollten erst ganz kurz vor dem Tanken gemixt werden, da hochflüchtig und zu spontanen Verpuffungen neigend.

      Ansonsten aber Strafbank. Strafbank finde ich gut: Ich mag diese grimmigen Gesichter beim Eishockey, wenn sie da hocken und man ihnen ansieht wie sie denken »Wenn ich hier erst wieder weg bin, dann hau ich Dir aber dermaßen aufs Maul…«

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  6. Black_Unicorn sagt:

    Ich kann mit Autorennen (darum ging es, oder? Möglich, daß mir die eine oder andere Ironie entging) herzlich wenig anfangen. Und richtig, diese Dinger sind ja keine Autos. Einmal wo leicht antippen, schon zerlegen sie sich in ihre teuren Einzelteile und möglicherweise den Fahrer gleich mit. Und sie sehen nach nix aus. So häßlich wie die Nacht finster.

    Aber ich liebe Oldtimer. Hach! Das ist noch Blech, nicht dieser postmoderne Autoschrott. Das Wetter ist schöner, also dürfen die auch wieder aus den Garagen, wo sie den Winter verpennt haben. Und sie fallen auf wie Mohn im Weizenfeld, schon von weitem. Während man bei den heutigen Autos mit der Nase ans Logo muß, um zu erkennen, welche Firma man vor sich hat… *gähn*

    Ich fahre übrigens was ganz Böses – einen Geländewagen. Die sind ja bekanntlich samt Fahrer des Teufels und mindestens an allem schuld. Inzwischen ist das Auto 19 Jahre alt, also kurz vor Youngtimer. H-Kennzeichen.schaffen wir hoffentlich.

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    • pantoufle sagt:

      Moin Einhorn
      Du bist hier auf der Schrottpresse, wo man fluchen, saufen, rauchen und ganz unanständige Worte wie Ficken, Lysergsäurediethylamid und Gustav Landauer sagen darf, ohne schief angesehen zu werden.
      Notfalls darf man sogar sogenannte Geländewagen fahren (auch als »Suff« bekannt).

      Was die Haltbarkeit von Rennwagen betrifft, hat Ferdinand Porsche einmal sinngemäß gesagt: Wenn ein Rennwagen beim Zieleinlauf noch heile ist, hat der Konstrukteur etwas falsch gemacht (womit er sich auf den von ihm favorisierten Leichtbau bezog).
      In diesem Text aber mag hier und da ein Krümel Ironie zwischen den Zeilen herumliegen; im Übrigen handelt es sich bei Benzin-Rennen um einen kultischen Vorgang, der mit Andacht und Ernsthaftigkeit betrieben sein will.
      Deswegen werden hier ja wenigstens von Lazarus und mir sehr ernsthafte Überlegungen darüber angestellt, wie der Rennwagen der Zukunft auszusehen hätte (inklusive eines nachvollziehbaren Reglements). Und diese Grübeleien folgen hauptsächlich der Maxime: Der Gott, der Erz und Eisen wachsen ließ, wollte keine Rennwagen aus Plastik!

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  7. Thelonious sagt:

    Mit diesem Reglement kann ich mich anfreunden. Einfach und klar. Alles ist erlaubt, außer es wird explizit verboten. Alerdings gab es solch ein Regelwerk schon einmal. Beim ersten Autorennen von Paris nach Rouen im Jahre 1894. Und hier werter pantouffle beginnt meine Kritik an deinem Text.

    Ein Passus in den Regeln dieses Rennens war das Verbot von Schuß- oder Stichwaffen. Ein Duellverbot falls es zu einem Unfall zwischen den Teilnehmern kommen sollte. Warum? Autos waren zur damaligen Zeit eine sehr elitäre Angelegenheit und daher ließt sich die Teilnehmerliste auch wie ein Auszug aus dem who’s who des französischen Hochadels. Autorennen waren schon immer ein Spielplatz für reiche Jüngelchen. Und so war der Schnellste auf der Strecke auch ein gewisser Comte Jules-Albert de Dion. Gewonnen hat er aber nicht, da sein Dampfwagen nicht komfortabel genug war. Das gab Abzüge in der Wertung.

    Niemand hätte gewagt, die hochgeschlossenen Damen an Start und Ziel als Boxenluder zu bezeichnen. Schließlich waren es die großen Kokotten des fin de siècle. Maitressen, die ihre Körper nur dem Männern von Adel oder Geld zur Verfügung stellten. Das gemeine Volk war zwar nicht ausgeschlossen, musste aber den standesgemäßen Abstand zu den hohen Herren und Damen wahren. So gesehen ist die heutige Formel 1 ein Muster an Demokratie.

    Jener Comte de Dion war jedoch, das sei zugegeben, ein begnadeter Konstrukteur und Rennfahrer. (Übrigens nicht nur im Auto. Auch mit dem Motorrad und dem Fahrrad hatte er einige Erfolge).

    Politisch war der Marquis eher eine sinistre Gestalt. Der äußersten Rechten zugehörig forderte er erst die Wiedereinführung des Kaisertums. Engagierte sich später für eine die Hinrichtung Dreyfus und machte sich im Alter mit dem Maréchal Pétain und seiner Vichy-Regierung gemein. Das Einzige was er an den Nazis nicht mochte war, dass es Deutsche waren. Dion war für die politische Presse damals das, was Lothar Mathäus heute für den Boulevard ist.

    Aber zurück zum Rennsport. Eher als Segler, denn als Rennfahrer bekannt, war Albert Wilhelm Heinrich von Preußen, der Bruder von Wilhelm II, ein Konkurrent Dions bei einigen Rennen.

    Manfred von Brauchitsch – ein Onkel des ehemaligen Flick-Managers Eberhardt, dem Erfinder der Abkürzung wg (von Lambsdorff 100.000 Mark wg Bundestagswahl) – war in seiner Jugendzeit ebenfalls kein armer Mensch. Der Werksfahrer von Mercedes wurde zwar nie Weltmeister aber war trotzdem sehr erfolgreich. Deshalb machten ihn die Nazis zum Sturmführers beim Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps. Später wurde er Präsident des AvD und flüchtete irgendwann in die DDR, da der Generalbundesanwalt wegen Hochverrat und Staatsgefährdung gegen ihn ermittelte.

    Graf Berghe von Trips, Gunter Sachs, die Liste lässt sich schier endlos erweitern. Deine These vom Rennsport als Betätigungsfeld für echte Malocher ist, zumindest im Automobilbereich, kaum haltbar.

    „Proletarisch“ ist der Auto-Rennsport nur selten und meist nicht lange. In den 50er und 60er Jahren waren es die Indy-Car-Rennen in Indianapolis oder Daytona. Die Bergrennen in Europa. Rallyes. Aber sobald die Zuschauerzahl stimmte, wurden die Rennen von der Industrie übernommen und ein Geschäft damit gemacht. Die Autos und die Technik wurden für normale Freizeitfahrer unbezahlbar.

    Hach, und nun hast du mir mit deinem Artikel eine Steilvorlage geliefert. Ich weiß, es ist dein blog und du solltest die Geschichten erzählen und die Artikel schreiben. Aber vielleicht hast du ja Spaß am lesen.

    Ich liebe die amerikanischen big blocks von Ford oder GM. Den 366 Chevrolet mit seinen 6,9 Litern Hubraum, die FE-Maschine aus dem Thunderbird oder die RB 440 des Charger. Den XJ12 von Jaguar (zugegeben „nur“ ein Engländer). Was für herrliche Motoren und welch wunderbare Autos. Leider habe ich sie immer kaputt gefahren. Mit Absicht.

    Bis vor 15 Jahren war ich leidenschaftlicher Bangers-Pilot. Für die Unkundigen, Bangers ist wie diese Stock-Car Challenge von Stefan Raab. Nur für Erwachsene. Also nicht in einer Turnhalle, sondern unter freiem Himmel und auf Asphalt ausgetragen. Die Strecke ist oval, die Geraden sind meist eine viertel Meile lang. Es gibt nur zwei Regeln: Es ist verboten, entgegen der Rennrichtung zu fahren und die Fahrertür des Gegners absichtlich zu rammen. Ein Sport, der zur seelischen Ausgeglichenheit führt. Nach dem Rennen kennt man über Monate hinweg nicht einmal die Bedeutung des Wortes „Aggression“.

    Es ist ein vergleichsweise günstiges Vergnügen. Alles was man dafür braucht, ist ein Auto vom Schrottplatz, mit einem funktionierenden Motor und einen Sicherheitskäfig, den man sich selbst zusammenschweißt. Einen Benzinkanister, Vier-Punkt-Sicherheitsgurte, einen Helm, einen Feuerlöscher und einen großen Wassertank. Das reicht theoretisch schon, um an einem solchen Rennen teilzunehmen. Mit etwas Glück kann man sogar den einen oder anderen Lauf gewinnen.

    Interieur und Scheiben und Stoßstangen ausbauen, Kofferraum und Türen verschweißen. Kühler ausbauen und den Wasserkreislauf mit dem Behälter hinter dem Fahrersitz verbinden. Dort ist auch der Benzinkanister. Er dient als Tank. Die Motorhaube an den Längsträgern verschrauben und fertig ist der Rennwagen. Ach halt, ein Not-Aus-Schalter ist ebenfalls vorgeschrieben. Das war es. Mit ein wenig handwerklichem Geschick kann man sich für zwei- oder dreihundert Mark einen formidablen Renner bauen. Noch etwas Farbe drüber und los geht’s.

    Aber nicht in Deutschland. Die wenigen Strecken, die es gab, sind aus Umweltschutzgründen meist längst geschlossen. Holland, Belgien und Frankreich sind angesagt. Dort werden Rennen bis drei Liter Hubraum gefahren. In dieser Klasse dominieren Anfang und Mitte der neunziger Jahre Ford Granada und Consul. Stabil und mit der 2,8-Liter-Maschine auch einigermaßen schnell. Ein /8 oder W123 hat bei diesen Rennen keine Chance. Viel zu weich. Einzig die Datsun sind zu fürchten. Der 280Z oder der Fairlady. Die Gitterbauweise der Rahmen macht sie beinahe unzerstörbar. Aber der Granada ist besser zu fahren.

    Rennen ohne Hubraumbegrenzung gibt es nur in England. Dann wird es teuer.

    Besser als ein Auto vom Schrottplatz ist ein gut erhaltener Gebrauchtwagen. Es lohnt sich wirklich die Kleinanzeigenblätter zu durchforsten. Hemd und Anzugjacke angezogen und dann ab. Die Spritpreise steigen ständig und die Säufer von Ford will eigentlich niemand haben und der Student vor der Tür macht einen so wohl erzogenen Eindruck. Er ist begeistert von der Rentnerschaukel und bei ihm ist das Schätzchen samt gehäkeltem Klopapierhut gut aufgehoben. Und so wechselt der Wagen den Besitzer. Ein paar Monate später erinnert nichts mehr an Opas gemütliche Familienkutsche. Die Radkästen an den Vorderrädern sind großzügig ausgeflext und der ganze Wagen dick mit Unterbodenschutz lackiert. Freitags geht es los zum Rennen und am Sonntag zahlt der Schrotthändler an der Rennstrecke noch ein paar Mark für den Totalschaden.

    Mein Verbrauch liegt bei zwei bis drei Autos pro Jahr. Nicht alle werden für die Rennen benutzt. Ein Granada A Coupé mit Vinyldach steht noch heute in meiner Einfahrt. Eine Krawallschachtel mit einer 3,4-Liter-Maschine von Cosworth. Eine echte Proll-Schleuder. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei etwa 16 Litern und der Schadstoffausstoß treibt dem TÜV-Prüfer regelmäßig Tränen der Freude in die Augen. Meiner Frau ist das Auto peinlich. Deshalb benutze ich es nur als Dienstwagen.

    Mit der Geburt meines ersten Sohnes werden die Rennen weniger. Und irgendwann ist es Zeit aufzuhören. Aber das letzte Rennen muss schon etwas besonderes sein. England. Mit einem big block. Seit Jahren steht ein 72er Challenger in der Scheune und wartet auf seinen Einsatz.

    Firecracker, das ist das Rennen für die großen Jungs. Mehr als drei Liter Hubraum sind erlaubt. Es wimmelt nur von Jaguars, Rovern, S-Klassen, Mustangs, Chargern ein Bentleys selbst ein Rolls Royce ist dabei. Der Challenger steht gut da. Ein Jahr Arbeit, aber schön im eigentlichen Sinne ist er nicht. Die Konkurrenten haben sich dagegen richtig Mühe gegeben. Die Autos blitzen und blinken. Der Rolls hat sogar eine Airbrush-Lackierung bekommen. Der Challenger wurde mit Rostschutzfarbe gerollert. Leider hat diese einen starken Stich ins Rosane. Auf die Fahrertür hat mein Sohn einen bösen Dinosaurier gemalt. Er erinnert stark an eine Wurst auf vier Beinen. Stolz zeigt der Kleine den anderen Fahrern sein Werk und wird gelobt, während ich mitleidige Blicke ernte. Trotzdem kommt ein Oldtimerfan vorbei und will mir den Wagen abkaufen. Nichts zu machen. Nein, mein Herr, Sonntagabend geht es um alles. Rund 10000 Leute stehen dann am Oval und ich will König werden. König für eine Nacht.

    Drei Europäer vom Festland, der Rest Engländer. Blöde Rechtslenker. Sie sind es gewohnt von der linken Seite anzugreifen. Ich nicht. Ich werde mich komplett umstellen müssen, sonst werde ich disqualifiziert. Darauf werden sie jedoch keine Rücksicht nehmen. Ich kann nur versuchen schneller zu sein. Sonst reißen sie mich in Stücke. Aber ich bin vorbereitet. Während die meisten anderen ihre Bigblocks gegen kleinere Sechszylinder eingetauscht haben, um mehr Knautschzone zu haben, fahre ich mit dem Originalmotor. 7,2 Liter Hubraum knapp 420 PS. Das sollte reichen. Ich habe es getestet. Am Ende der Viertelmeile fahre ich knapp 120 km/h ein Granada schafft nur etwa 70 km/h. Ich muss nur aufpassen, dass der Motor nicht überhitzt.

    Abends ist es schon ziemlich frisch. Schließlich ist es November. Ein paar hundert Meter weiter liegt die Arena. Dort werden schon die ersten Rennen in den kleinen Klassen ausgetragen. Ich sitze mit ein paar Engländern am Lagerfeuer und trinke Bier, während mein Sohn mit ein paar anderen Kindern spielt. Es ist erstaunlich. Er kann kein Wort Englisch und versteht trotzdem, was sie sagen. Er hat seinen Spaß an unserem „Männerwochenende“, denn seine Mutter weigert sich strikt, noch einmal in ihrem Leben ein Rennen mit mir als Teilnehmer zu sehen. „Mein“ Mechaniker wird während des Rennens auf ihn aufpassen. Aber auch ohne ihn wäre es kein Problem, einen Aufpasser zu finden. Die meisten Fahrer sind mit Kind und Kegel angereist. Viel davon kenne ich vom Sehen, sie fahren auch auf dem Festland.

    Sie sind die Cracks. Halbprofessionell und beinahe jedes Wochenende bei einem Rennen. Sie fahren viel besser als ich und wir sind uns einig, dass ich keine Chance habe. Es ist Tradition auf der Insel, dass die Fahrer vom Kontinent als erste rausgekegelt werden und zudem gibt es noch einen Holländer, der gerne ein Hühnchen mit mir rupfen will. Beim letzten Rennen habe ich seinem Kombi das Heck abgerissen und so seinen sicheren Sieg vereitelt. Lachend erklärt er, was er im Rennen mit mir machen werde. Wir trinken weiter Bier zusammen und amüsieren uns prächtig. Hier im Fahrerlager feiern wir uns, aber auf der Strecke gibt es keine Freundschaften.

    Am nächsten Tag werden die Auslosungen für den Vorlauf bekannt gegeben. Insgesamt sind wir 20 Fahrer in der Gruppe. Die ersten zehn erreichen das Halbfinale. Ich fahre zusammen mit dem Rolls. Glück gehabt, denn den werden alle jagen. Außer mir. Das Halbfinale ist mir so gut wie sicher.

    Einmarsch der Gladiatoren. Es ist ein echter Sonntag. Beinahe frühlingshaft. Aus den Lautsprechern dröhnt „Spiel mir das Lied vom Tod“. Das ist so albern, dass ich lachen muss. Wir fahren in die Arena. Die automobile Oberklasse gibt sich ein Stelldichein. Vor der Arena demonstrieren Autofreaks gegen unser Vorhaben.

    Vorneweg der Rolls – sein großer Auftritt. Soll er ihn haben. Auf der Motorhaube sitzt mein Sohn. Er wächst um mindestens zehn Zentimeter als wir in die Arena einfahren. Er winkt in die Menge. Der kleine Prinz. Und ich denke an meine Frau und habe kurz ein schlechtes Gewissen. „Alles ganz harmlos“, habe ich immer betont. Aber natürlich gibt es in jedem Rennen Knochenbrüche. Gerade bei den schweren Kisten. Aber jetzt konzentriere ich mich auf meine Bestie.

    Leerlauf rein und ein kurzer Gasstoß. Ein Höllenlärm geht los und mein Sohn fällt vor Schreck beinahe von der Haube. Das sollte ich lieber lassen.

    Der erste Lauf ist beinahe langweilig. Ich starte von der zweiten Reihe aus und ziehe davon. Die anderen sind mit sich selbst und dem Rolls beschäftigt. Jeder will ihn erlegen.

    Zehn Runden später bin ich im Halbfinale. Der Challenger ist noch so gut wie neu, wenn man davon absieht, dass ich ein paar Konkurrenten aus dem Weg räumen musste und damit die Front eingedellt habe.

    Jetzt endet das Glück jedoch. Ich erwische einen Startplatz weit hinten. Hey, du Rover, ich will nicht mit dir raufen, ich will ins Finale. Es hilft nichts. Er nimmt förmlich Anlauf und rammt mich auf Höhe der Fahrertür. Idiot. Ich bin ein Linkslenker und das hast du genau gesehen. Dich kriege ich. Vergessen ist der Traum vom Finale. Den Wichser werde ich jetzt und sofort abschießen. Ach Bürschchen du entkommst mir nicht. Zwei Runden später hänge ich an seinem Heck. Eine Runde bleibe ich hinter ihm. Hin und wieder stupse ich ihn ein wenig an. Er weiß genau, was passieren wird. Weg kann er nicht. Er hat das schnellste Auto des Feldes hinter sich. Bete, mein Freund, bete, dass mich einer erwischt bevor ich mit dir Ernst mache. Im Moment will ich nur spielen.

    In der Zwischenzeit ist es reichlich unübersichtlich auf der Strecke geworden. Immer wieder kommt die rote Flagge wenn ein Auto nicht mehr fahren kann. Dann wird angehalten oder im Schritttempo weitergefahren. Der Rover-Fahrer schaut in den Rückspiegel und ich winke ihm freundlich zu. Er wird das Ende des Rennens nicht mitbekommen und er weiß es. Und ich weiß, wie er sich fühlt. Ich habe selbst schon ein paar mal erlebt. Der Psychoterror ist das Schlimmste. Am liebsten würde er jetzt aussteigen und gehen. Dann wäre er aber für alle Zeiten ein Weichei. Nein, es gibt keinen Ausweg. Aber vielleicht mache ich einen Fehler? Vielleicht erwischt mich einer seiner Kumpels?

    Hoffnung kann so ein schlimmes Gefühl sein.

    Neben mir steht der Holländer. Wie oft haben wir uns in Warneton oder auf anderen Strecken beharkt. Was wollte er mir nicht alles antun. Aber ich zeige auf den Rover und er nickt. Wir vom Festland halten zusammen. Ab jetzt habe ich Geleitschutz. Und dann geht es weiter.

    Der Rover versucht wieder wegzukommen. Er setzt seine Bremspunkte immer später. Und jetzt ist es zu spät. Er will einem Wrack ausweichen. Der Wagen kommt ins rutschen und ich gebe Gas. 420 Pferdchen wiehern und ich habe ihn. Er steht quer vor meiner Motorhaube und ich schiebe ihn auf die Bande. Eine Vollbremsung und der arme Kerl schlittert weiter und landet in der Mauer. Bang! Das nennt sich wohl Totalschaden. Mein Freund. Du hast es dir verdient!

    Ach, die Momente des Triumphes sind so kurz. Nur ein paar Sekunden stehe ich regungslos auf der Strecke und dann bekomme ich einen Schlag. Mein Fuß rutscht von der Bremse und meine Motorhaube bohrt sich in die Flanke des Rover. Der stolze Challenger wird um knapp zwei Meter verkürzt. Ein Datsun fährt mir mit etwa 80 km/h ins Heck. Scheiß Gitterrohrahmen. Das Ding ist hart wie ein LKW und der Challenger nur noch Schrott. Der Terminator wurde terminiert.

    Das Publikum johlt und applaudiert. Dafür sind sie hergekommen. Ich fluche.

    Obwohl ich das Ziel nicht erreicht habe, darf ich im Finale antreten. Als die Zielflagge sich senkte war ich sechster. Aber was nützt es? Der Motor ist tot. Eine klaffende Wunde zieht sich durch den Block. Nichts zu machen.

    Der Rover-Mann kommt vorbei mit zwei Bieren in der Hand. Er begutachtet den Challenger und grinst. „This was a really great bang“. Wir köpfen die Flaschen und schauen uns zusammen das Finale an.

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    • Stony sagt:

      Mir blutet und lacht das Herz zugleich – einen 72er Challenger so… meine Fresse, welch grandiose ‚Dekadenz‘! 😀

      Chapeau! und merci für die G’schicht!

      (*und wech*)

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      • Thelonious sagt:

        Das mit der Dekadenz ist so eine Sache. Zu der Zeit, als ich den Challenger kaufte, waren Autos wie diese keine Wertanlage, sondern Alteisen. Ihre Vorbesitzer hatten meist so klangvolle Namen wie Loddl-Lothar oder Klaus vom Kiez. Jeder Gebrauchtwagenhändler war froh, sie vom Hof zu bekommen.

        Zu meinem 18 Geburtstag bekam ich von der Verwandtschaft Geld für ein eigenes Auto. Tausend Mark. Sie dachten dabei an einen Käfer, eine Ente oder einen R4. Ich erstand für 500 Mark einen Cadillac Eldorado Cabriolet mit einem 8,2-Liter-Motor. Der Händler machte mir sogar noch frischen Tüv auf die Kiste, nur um sie loszuwerden. Die nächsten Jahre war ich meist Fußgänger oder Fahrradfahrer, denn ich konnte mir den Sprit für die Karre nicht leisten. Kaufen wollte ihn niemand. Irgendwann habe ich das Biest verschrottet. Es war mir selbst im stehen zu teuer. Was aus heutiger Sicht wie ein Frevel anmutet, war damals ein Ding der Notwendigkeit. Ich wollte schließlich Auto fahren.

        Seit ein paar Jahren sind Bangers-Rennen mit Oldtimern übrigens verboten. Alte Autos sind heute ein „Kulturgut“.

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        • Stony sagt:

          Da habe ich geflissentlich das „Bis vor 15 Jahren war ich…“ als Vorwort zur Geschichte überlesen, drum kam sie mir näher am heute vor und die „Dekadenz“ lachte mich an. Den Eindruck verändert das jetzt ein klein wenig, schmälert aber die Story in keiner Weise. Befreit von Überschattung liest sie sich immer noch wunderbar und zeichnet ein aufschlußreiches Bild.

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  8. pantoufle sagt:

    *lufthol*

    morgen!

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