… und dann wurde Frankfurt mit einer Meinung konfrontiert

„[…] so werden Bürger mit Meinungen konfrontiert, denen sie nicht oder nur nur schwer ausweichen können“ .

Ob die Polizei, aus deren Feder dieser Satz stammt, dafür ein „Sondereinsatzkommando Philosophie“ gegründet hat, ist unklar. Diese Begründung für das Demonstrationsverbot von Occupy fiel dabei inhaltlich in die selbe Kategorie wie Norbert Röttgens „leider entscheiden die Wähler“. Mit solch selbstgestrickten Begründungen lassen sich nicht nur Demonstrationen, sondern auch Bücher oder Fernsehbeiträge verbieten. Leider schweigt sich die Begründung darüber aus, welcherart denn die Meinungen sind, vor denen der unmündige Bürger mit soviel Einsatz geschützt werden muß.

Frankfurts Demokratiedefizite waren es nicht, die in der ARD zur besten Sendezeit diskutiert wurden. Günther Jauch gab unverbotenerweise statt dessen Thilo Sarrazin und einem abgehalfterten SPD-Recken das Wort. Der Exbanker und Rassist Sarrazin durfte fast ununterbrochen eine Meinung vertreten, der der Bürger nicht oder nur schwer ausweichen konnte. Als ehemaliges Mitglied im Vorstand der Deutschen Bank nicht ganz unschuldig an den Zuständen, die ursächlich für die Occupy-Bewegung verantwortlich sind, darf Sarrazin mit öffentlich rechtlichen Geldern für sein neues Buch (und seine Meinung) werben. Ein monströses Polizeiaufgebot erledigte in Frankfurt während dessen das, was sich eigentlich die Demonstranten vorgenommen hatten: Die Stadt lahmzulegen. Warum man für dieses Ergebnis aber das Recht beugen muß, ist schwer nachvollziehbar. Das Resultat war jedenfalls dasselbe.
Einen Glückwunsch von der Schrottpresse-Redaktion an Günther Jauch und die ARD für die geschickte Themen – und Personenwahl.

„[…] so werden Bürger mit Meinungen konfrontiert, denen sie nicht oder nur nur schwer ausweichen können“

Bürger, die sich beispielsweise in den Bussen befanden, die die Polizei auf der Autobahn zurückschickte, versehen mit der Drohung, verhaftet zu werden, wenn man die Stadt Frankfurt trotzdem betreten sollte.

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0 Kommentare zu … und dann wurde Frankfurt mit einer Meinung konfrontiert

  1. susannegerdom sagt:

    Das war wieder mal ein Paradebeispiel dafür, was Meinungsfreiheit und das Recht auf die Äußerung des eigenen Unmuts hier und heute wert sind, wenn sie auch noch direkt ins Herz des Bankenunwesens zielen. Heiliger Mammon, dein Reich ist längst gekommen, dein Wille regiert. Amen. Nee. O Mann!

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  2. Nanu, seit wann so naiv? Wer erwartet denn wirkliche Aufklärung und tatsächlichen Journalismus, wenn er den Fernseher einschaltet? Das investigativste im deutschen Fernsehen ist noch immer das Wetter. Und die Drohung, dass man verhaftet wird, wenn man Frankfurt betritt, die sollte eigentlich das ganze Jahr aufrecht erhalten werden – is´ doch ´ne gute Sache 🙂

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    • susannegerdom sagt:

      Keine so üble Idee. (Nur im Oktober müsste man für ein paar Tage mal reingelassen werden. Zur Buchmesse … ;-))

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    • pantoufle sagt:

      Reisende: Meidet Bayern!” So K.Tucholsky 1924 – das war eigentlich der Arbeitstitel für die zwei Absätze, die mir dazu eingefallen sind (listig und plietsch, wie Schrottpressen nun mal sind, hätte ich Bayern durch Frankfurth ersetzt!). Das hätte man schön abändern können, hätte sich im Mief von Weltliteratur sonnen können … war aber wieder nix. So einen genialen Verriss wie Jacobs Themenhäxelmaschine hätte ich auch nicht hinbekommen. Also mußt Du mit meiner Naivität leben – in Anbetracht dieser perfiden Hinterfotzigkeit eines Sarrazin oder Jauch steht man mit seiner kindlichen Naturtrübheit noch ganz gut da.
      Und überhaupt: Wer bistn Du, ey? … frei nach Nina Hagen. Deutsch-Italienische Freundschaft ohne Essen? Und ohne Wein? Dafür aber die Lage in Berlin in 8849 Zeichen zusammenfassend. Nicht schlecht!
      Ne, der Artikel von Jacobs ist schon sehr, sehr gut – alles, bis auf die Formulierung “(Sarrazin) … langjähriger Sozialdemokrat”. Das klingt so ähnlich wie “Teilzeitfaschist”.
      Ja, soweit das…
      … und weil ich auf Deinem Blog gar kein Impressum finde oder einen kernigen Nick, grüße ich Dich unbekannterweise.
      LG
      das Pantoufle

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  3. gnaddrig sagt:

    Meinung ist dem Bürger vor allem durch die deutsche Themenhäckselmaschine zu verabreichen. Dann ist alles schön vorgekaut, leicht verdaulich, und man muss sich selbst keine Gedanken mehr machen.

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