Spielzeug 2

Nicht, das ich diesen Blog zu einer Photoseite umbauen will, aber von Zeit zu Zeit…

Gelöste Probleme: Die eigene Dunkelkammer! Sie ist fertig! Mit fließendem Wasser, richtig dunkel und schon sehr komfortabel eingerichtet – Badezimmer ade!

Da war doch noch ein Raum unter der Treppe, seit Jahren mit Müll, alten Zeitungen, Besen und anderen Reinungsmitteln verstopft und eigentlich ein Ärgernis. Nach gründlichem Ausmisten, einer groben Vorbehandlung mit Kuhfuß und Hammer und Beseneinsatz kam dort ein Zimmerchen von ca. 2,5 Meter im Quadrat zum Vorschein, welches alle Voraussetzungen für mein Projekt bot. An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank meiner lieben Frau, die das allervollste Verständnis dafür aufbrachte, daß wir in unserem durchaus nicht vollständig renoviertem Fachwerkhaus nichts besseres zu bauen haben als eine Dunkelkammer. Nur sehr wenige Menschen erkennen auf Anhieb die wirklich wichtigen Probleme der Menschheit von Pantouflen!

Die Scheune mit ihrer „Wertstoffsammlung“ enthielt alle benötigten Materialien (inklusive Waschbecken, den benötigten Armaturen und Leitungen), Strom, Holz für Tische und der Wandfarbe. Die zusätzlich benötigten Ausgaben beliefen sich auf sensationelle 17,50 € für Zement und Hagalith! Was dennoch fehlte, wurde aus der Nachbarschaft zusammengeschnorrt mit der Versicherung späterer Kompensation. Das Leben auf dem Lande hat so seine Vorteile; vor allem, wenn jeder deiner Nachbarn selber renoviert. Sonst wäre ich zum Beispiel wohl kaum in der Lage gewesen, die Kacheln im „Nassbereich“ mit alleredelstem Steingut zu realisieren. Die waren halt irgendwo noch über… (danke, Adi!)

Die Dunkelkammer hat ihren Dauerbetrieb aufgenommen.

Auch gelöst ist vorläufig das Problem mit Chemie und Filmmaterial. Unter dem Handelsnamen „Adox“ ist das alte AGFA – Zeug erhältlich. Billig, erprobt, narrensicher und mit einem betörenden fünfziger Jahre Look. Zusammen mit dem uralten Papiermaterial gleich noch einmal 30 Jahre älter. Mir gefällt es soweit ganz gut, wenn auch die Berechenbarkeit der Ergebnisse gelegentlich gegen null tendiert.

Der Umgang mit der Pentax hat die Eingewöhnungsphase überwunden und es wird langsam produktiv. Man glaubt gar nicht, wie lange es dauert, sich an eine neue Kamera zu gewöhnen! Nachdem die Handhabung von den Nikons wie das Essen mit Messer und Gabel geworden war, entsprach die Umstellung auf Pentax in etwa dem Umstieg auf chinesische Ess-Stäbchen. Aber mit genügend Hunger ist auch das zu bewältigen.

Die Laborausrüstung selber entstammt einem Angebot aus der Lokalzeitung. Opa hatte sich kurz vor seinem Ableben ein Ausrüstung gekauft, die die Enkel Jahre lang nicht losgeworden waren. Für 99€ ergab sich eine geradezu unanständig überkomplette Ausstattung, deren wahrer Wert mir immer wieder dann vor Augen gehalten wird, wenn ich mich auf den einschlägigen Seiten im Netz über die Neupreise informiere. Nun gut: Für sie war es wertloser Schrott – für andere ein Paradies. So ist das im Leben.


Nicht gelöste Probleme: Das digitale Abphotographieren von Negativen. Das geht wahrscheinlich am besten mit einem Balgen für die D90 und einem selbst zu bauenden Kasten mit Negativhalter und Beleuchtung, am besten mit einem Repro-Objektiv. Scheitert bisher an den Kosten, hat aber auch nicht die höchste Priorität. Vorläufig photographiere ich die Papierabzüge.

Der Umgang mit Multigrade-Papier und dem Farbmischkopf des Vergrößerers ist mir noch nicht wirklich klar, ebenso wenig wie die richtige Dunkelkammerbeleuchtung dafür. Die Ergebnisse werden zunehmend besser, sind aber noch nicht das, was ich haben will.

Das größte Problem aber ist, das ich eigentlich gar nicht weiß, was ich da mache. Es fehlt so viel an Theorie, am Wissen über Chemie und Optik. Es ist unendlich schwer, entgegen dem eigen Stolz genügend Kritikfähigkeit zu bewahren, die eigenen „Werke“ jedesmal wieder kritisch unter die Lupe zu nehmen und zu einem Punkt zu kommen, an dem man zu sich selber sagt „da hast Du leider Schrott abgeliefert! Schmeiß es weg! Nochmal!“ Ich muß noch sehr, sehr viel lernen.

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0 Kommentare zu Spielzeug 2

  1. DU weißt aber schon, daß das „sehr grenzwertig“ ist? „Anderswo verhungen die Menschen …“.
    Hast Du aber natürlich „trotzdem“ richtig fotografiert/gesehen und geschrieben 😉
    Ein guter Beitrag von Dir, dem ich gerne mehr Besinnung widmen wollte.

    Schönes Wochenende
    Frank

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  2. Derek Jefferson sagt:

    Fliegerass in Holzkommode?

    Ein Foto, welches wohl vermuten lässt, dass dem Schlummerzustand der Geschichte nachgeholfen wurde? Man möchte dem Zeremonienmeister des Bildes wünschen, dass die Vaterschaft des Eindrucks den man erwecken wollte, nicht Dritte zu treuen Dienern fremder, wohlmöglich eigener Vorstellungen macht. Darum navigieren Sie doch einmal für uns durch das Motiv Ihrer chemischen Dichtkunst, damit die Untertanen Ihrer Vorstellungen keine schwarzen Flecken in der Seele bekommen und diese, gewissermaßen als Kunstfigur ihrer Vorstellungen, dann ja keinen Schritt in die Wirklichkeit mehr machen könnten. Hier könnte der Leser und Betrachter Ihrer Kulturtheorie etwas hinzulernen. Auch- damit es nicht nur vorübergehende Wirksamkeit besitzt.
    Opponierende Vorstellungen, wie sie möglicherweise Frau Fanny, die ich recht herzlich grüße, in ihrem Herzen trägt, könnten damit eben auch etwas besonnt werden.

    Mit freundlichen Grüßen L. Derek Jefferson

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    • pantoufle sagt:

      Chemische Dichtkunst – welch harte Worte!
      Na gut: Es lag da nicht – hätte aber da liegen können. Ein Fliegerass war es auch nicht. Kein Pilot; ein Beobachter, ein Held des großen Krieges, der an einer Mandelentzündung im Jahre ´14 starb. Im Bett, welches nicht die schlechteste Art des Sterbens ist, auch wenn das von meist uniformierten Geistern des öfteren behauptet wird. Mein Großonkel ist also nicht gefallen, sondern lag bereits!
      Im Übrigen mag ich das Bild. Auf der Suche nach Kamerafutter wird man in meinem Haus schnell fündig. Es hat museumsartige Stellen, deren Artefakte zur Darstellung vieler Seelenzustände gut sind – Frau Fanny kennt das und schätzt es in Maßen… Aber ich gebe schamgebeugt zu, das ich etwas nachgeholfen habe – ich habe die Schublade aufgezogen… hmm. Na ja, vielleicht habe ich auch die Erkennungsmarke etwas zurechtgerückt – also aus einer anderen Schublade in jene gerückt. In wie weit das Arrangement für schwarze Flecken sorgt, kann ich nicht beurteilen. Bilder erzählen bisweilen Geschichten; dieses ist ein Teil meiner eigenen. Ich ziehe des öfteren solche und ähnliche Schubladen auf und sehe dann Dinge, die wohl nur für mich alleine bestimmt sind.
      Warum ich das Bild mag? Nun, zum einen, weil es das Ergebnis meiner eigenen Überlegung, der technischen Umsetzung und nicht das Zufallsprodukt einer noch immer nicht hundertprozentrig vertrauten Kamera ist. Ich mag die Umsetzung der Idee, die ich beim Aufwachen nach einem Mittagsschlaf hatte.
      Der andere Punkt: Als ich das Bild bekam, war es auch das Aufziehen einer verstaubten Schublade im Hause meiner Eltern (nur das die Kamera nicht dabei war). Wieder einer dieser Momente, da die Vergangenheit für mich erheblich stärker, anziehender war als die Gegenwart. Was ist denn das? Das verblichene Bild eines jungen Mannes, eine Erkennungsmarke – wessen Geschichte erzählt sich? Das der offenen Schublade? Oder reicht das Photo an sich? Und wem gegenüber bin ich für meine „eigene Geschichte“, die sich in dort erzählt, Rechenschaft schuldig?
      Das Bild klagt nicht an, verherrlicht nichts – ein Flieger und seine Marke (die im übrigen gar nicht die seine ist: Es ist eine aus dem anderen Krieg… sie gehörte einem Schlachthofbesitzer) und die geöffnete Schublade.
      Es fällt in die selbe Kategorie wie die Mensur-Karten des Urgroßvaters oder das Extrablatt des „Tagesspiegels“ (10 Pfennig) vom Dienstag, 1.Oktober 1946: Urteil der Geschichte, die Urteile des Nürnberger Prozesses. Sie werden all diese Dinge und noch viel mehr in meinen Regalen finden. Ach ja… und wenn Sie noch was zu lachen suchen, in den „Feldausgabe fünf deutsche Kriegslieder von Guido v. Gillhausen“ der Wiesbadener Hofbuchhandlung Heinrich Staadt von 1915:

      Hört! Italien, uns verbündet
      Uns verdankend, was es ist,
      Hat, von Raubgier sinnverblendet,
      Uns´rer Feinde Fuß geküsst!

      Treulos! In der Weltgeschichte
      Einzig treulos steht es da
      tief´re Schuld als die von Japan,
      England und Amerika

      u.s.w, u.s.w

      Ja, solche Perlen finden sich in meinem Besitz. Da steht Churchill neben dem großen Ranke (ich hoffe, das die Wertschätzung Churchills auf Gegenseitigkeit beruht; aber jedenfalls steht er da sicher gerne), eine kleine Sammlung ausgesuchter dummer Schundhefte, die Klassiker des Sozialismus neben denen der Polarforschung (ich bin stolzer Besitzer der deutschen Erstausgabe von Nansens „Nacht und Eis“!) und ein Haufen Papier über alle möglichen Arten von Maschinen.
      Das alles gibt es auf der Welt und noch viel mehr.
      Ich bin sicher, das Sie von der Vielfalt der Welt keinerlei schwarze Flecken auf ihre Seele bekommen – das kann ich mit Bestimmtheit sagen. Die Frau Fanny nebenbei auch nicht, weil sie auch ein besonderer Mensch ist. Und was den Rest der Menschheit anbelangt, möchte ich auf einen Satz in meinem Impressum verweisen: Wer nur liest, um seine Meinung bestätigt zu sehen, sollte das Lesen bleibenlassen.

      Aber mal im Ernst: Mögen Sie das Bild wirklich nicht?

      Mit hochachtungsvollen Grüßen
      Pantoufle
      P.S. Schön, mal wieder etwas von Ihnen zu hören!

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  3. studerpr99 sagt:

    Pantoufle

    Deine Antwort erinnert mich doch recht stark an eine Scene in einem Roman Erich Kästners
    (dem Fabian) worin beschrieben wird, wie der Redakteur einer Zeitung noch rasch einige Druckspalten füllen muss, damit die Zeitung von morgen in den Satz gelangen kann. Dieser findige Herr lässt also einmal geschwind 15-20 Menschen bei Unruhen in Asien ihr Leben aushauchen um sein Problem zu lösen. Die Gegenwart des Publikums, Herrn Fabians und dessen moralischen Empörung ob solcherlei Erfindung, die braven Inder einfach hinzumachen um eine Spalte zu füllen, stört ihn dabei gar nicht, da sie sich, so sein Argument, ja noch bester Gesundheit erfreuen würden. Auch Fabians Aufforderung die Leutchen einfach wahrheitsgemäß weiterleben zu lassen verfängt nicht, da der Redakteur ihm die Ansicht entwickelt, dass es ja durchaus so hätte sein können- überdies dem Zwecke diene- eben jene Zeitung in den Druck zu bringen, welche ja übermorgen diese handvoll Seelen auch zweifelsfrei wieder auferstehen lassen könne……………..
    Gruß und nimms verspaßt

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