Sie betreten Schlaand

Zwei Schlangen vor der Passkontrolle, von denen sich die eine bewegt, während die andere stillsteht. Herzinfakt des Beamten hinter der Scheibe? Leider nein: Der Herr hat heute seinen gründlichen Tag. Der Terror lauert überall – besonders auf einem Nachtflug von Manchester nach Deutschland. Bekanntlich tarnt sich der Taliban besonders gerne als sturzbetrunkener Engländer oder deutscher Geschäftsmann.
Pantoufle ist weder das eine noch das andere, aber langsam stinksauer. Als er endlich auch seinen Passport vorzeigen darf, schüttelt er verständnislos den Kopf. »Sie schütteln den Kopf?« »Ja!« Der völlig falsche Ansatz, um hier schnell durchzukommen. Egal: Es hat jetzt schon so lange gedauert. Kamikaze. »Wie lange waren Sie denn im Ausland?« Das Wort Ausland zieht er bedenklich in die Länge. Wie erkläre ich nur den Schnellkurs bei al-Quaida in England? »Ein paar Tage. Steht das nicht auf Ihrem Bildschirm?«
Pantoufle: Komm runter! Beruhige dich. Der Herr versucht nur das zu tun, was er für seine Pflicht hält!
»Wie kommen Sie darauf, das stünde auf dem Bildschirm?« Ah, sehr gut: Der Mann sucht das Gespräch. »Weil es sonst ziemlich sinnlos wäre, solange darauf zu starren, wenn da nichts als mein Name stehen würde. Soll ich buchstabieren? Tango – alpha – alpha – kilo – echo.
Super Idee, Pantoufle. Jetzt läuft er sich warm. »Ich kann lesen!« Genau diesen Punkt will Pantoufle gerade klären, als ein beschäftigungsloser Kollege von der anderen Seite herüberkommt. »Ein Problem?« Pantoufle wird vermutlich durch den kurz bevorstehenden Feierabend der Beamtenschaft gerettet. Letzter Flug, ein langer Tag für alle und die Engländer hinter mir werden langsam richtig laut. Ein drohender Blick, ein schwarzes Kreuz ins Reise-Kärtchen von Pantoufle und ich darf gehen. Für dieses Mal.

Was da wohl auf dem Bildschirm stand? Vielleicht die Geschichte, als ich mit meinen Kollegen – alle leicht angetrunken – in Nürnberg vor der Kontrolle stand. »Was ist das?« Pantoufle hatte ein winziges Messmikro, den dazugehörigen Stecker in einer Plastikschachtel und den unbedingten Aufklärungswillen. »Oh, ganz einfach, sehen Sie? Sie nehmen diesen Stecker und drehen ihn langsam und vorsichtig auf das Kabel… das hier! Etwa so. [kleine Begreifpause] Und dann ist die Bombe scharf!« »Das finden wir hier überhaupt nicht lustig!« Mit mehreren Ausrufezeichen. Sie haben mir dann etwa zwei Stunden versucht klarzumachen, wie unlustig sie das finden. Drogenkontrolle, Rechner auseinandernehmen, Jugendstrafregister – das ganze Programm. Pantoufle wird’s wahrscheinlich niemals lernen.

Ist irgendwer interessiert, wie man Waffen, Sprengstoff, anarchistische Flugblätter und ähnliches nach England schmuggelt? Und wieder zurück, wenn ungebraucht? Einfach mit einem Lieferwagen an der Fähre von Dover oder Calais warten und sich übersetzen lassen. Fertig. So einfach ist das. Die Wahrscheinlichkeit einer gründlichen Kontrolle ist gleich Null. Für kleinere Anschläge reicht ein Motorrad.

So. Das sollten jetzt genügend Schlüsselworte gewesen sein, um keine Langeweile beim nächsten Flug aufkommen zu lassen.

Ach ja: Ich bin wieder zu Hause. Schön hier, so weit weg von der Flughafen-kontrolle. Oder ist sie gar nicht so weit entfernt?
Erst mal die Nachrichtenlage prüfen. Siehe da: Die Bundesregierung hat einen Hurrikan bestellt, der die Akten von NSA und Co endgültig vom Tisch fegt (erfolgreich), die SPD behauptet auf ihrem Parteitag, es ginge ihnen nicht um Posten und Pöstchen (ohne die Frage anzuschneiden, worum es ihnen dann tatsächlich geht) und Hannes Hans-Peter Theodor Franz-Josef Edmund Roman Kristina Christian Wulff versichert »Ich habe mich korrekt verhalten!«
Na, dann ist ja alles wie immer.

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