Sicherheitsrisiko Bügelfalte

Der ehemalige Sicherheitschef des Flughafens von Tel Aviv Rafi Ron nannte es in einem Interview mit der WeltOnline „[…] alles großer Humbug, eine lächerliche Sicherheitsshow.“ Die Rede war von den sogenannten Nacktscannern, die auf den Flughäfen der Welt den Verfolgungswahn der westlichen Welt vor dem „internationalen Terrorismus“ symbolisieren.
Auf dem Flughafen Hamburg dienten diese Geräte in den letzten 10 Monaten zum Aufspüren von Manschettenknöpfen, Schweißflecken und Hosenträgern.

Das Sicherheitsrisiko Innenminister Friedrich gab gestern bekannt, das der Test dieser Scanner auf deutschen Flughäfen bis auf weiteres beendet wäre. Die jetzige “[…] Generation der Körperscanner (seien) – trotz der hohen Detektionsleistung – noch nicht für den allgemeinen Praxisbetrieb geeignet.”

Das Eingeständnis kommt einigermaßen überraschend: Nutzlose und teure Technik waren bis zum jetzigen Datum kein Grund, sie trotzdem flächendeckend einzusetzen – als Beispiel seien nur biometrischer Personalausweis und elektronische Gesundheitskarte genannt. Das Versagen der Scanner muß also alttestamentarische Dimensionen gehabt haben.

Das Geschäft mit dem Terror hat eine kleine Schlappe erlitten. Technisch ungefähr so sinnvoll wie der sogenannte „Sprengstoffschnüffler“ ADE 651, dessen vollkommene Funktionslosigkeit 2010 für einen Skandal sorgte, ist der Nacktscanner in Deutschland erst einmal auf Eis gelegt. Kein Grund zur Erleichterung: Mindestens in den USA müssen selbst Piloten weiterhin durch diese Geräte… auf der Suche nach Pistolen, die sich die Piloten selbst an die Stirn halten können – ein hübsches Beispiel dafür, das eine paranoide Terroristenangst keinerlei Grenzen mehr kennt – schon gar nicht die der Vernunft.

Der ausschließlich symbolische Sicherheitsgewinn hat bei einem Stückpreis von ca. 130.000€ pro Gerät den Steuerzahler also ein paar Millionen Euro gekostet. Der Verzicht auf die Scanner darf als ein Zeichen dafür gewertet werden, daß die Schmiergelder der Lobbys in Zeiten der Rezession offensichtlich nicht mehr so ergiebig fließen wie in früheren Zeiten.

Der Optimist (der ja bekanntlich ein schlecht informierter Pessimist ist) könnte nun auf die Idee kommen, daß das der erste Schritt sei, einige andere Nutzlosigkeiten wie die Fluggastdatenspeicherung oder die Mitnahme von Flüssigkeiten im Flugzeug auf den Prüfstand zu stellen – die Liste wäre lang. Daß dem nicht so ist, kann man in der Erklärung des Innenmisteriums erkennen. „Die Bundespolizei wird die Entwicklung auf diesem Gebiet weiter eng begleiten, sodass wir hoffentlich bald Geräte zur Verfügung haben, die sowohl unseren hohen Sicherheitsansprüchen genügen als auch dem Passagieraufkommen Rechnung tragen.

Also nur eine Gnadenfrist, bis diese Geräte imstande sind, zu erkennen, daß sich überhaupt jemand in ihnen befindet.

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