Science Fiction

Im Jahre 1997 drehte Kevin Kostner den Endzeitfilm „Postman“. Die Handlung, das übliche Wirrwar von Atom – und Bürgerkrieg, war beruhigend weit in der Zukunft angesiedelt: Im Jahre 2013 … Es besteht also noch Hoffnung.

Das Bundesamt für Strahlenschutz BfS scheint solche Szenarien ebenfalls zu mögen. Ihre Prognose, daß die Räumung des absaufenden „vorläufigen Endlagers“ Asse II frühestens im Jahre 2036 beginnen könnte, legt das nahe. Damit übertreffen sie Kevin Costners „Postman“ um 8 Jahre.
Der neue Umweltminister Peter Altmaier (CDU) war schnell. Gut eine Woche nach Amtsantritt besuchte er das marode Endlager, das, wenn es nicht in kürzester Zeit geräumt wird, das Grundwasser radioaktiv verseuchen wird – von anderen unabsehbaren Folgen ganz zu schweigen.
Amtsvorgänger Röttgen war da gelassener: Er brauchte ungefähr 2 Jahre, um dann bei seiner Visite mit erstaunlicher Ahnungslosigkeit zu glänzen. Von Röttgens Versprechen, die Verursacher, hauptsächlich die großen vier Energieerzeuger, die die Asse als wilde Müllkippe nutzten, zur Verantwortung zu ziehen, ist heute leider nichts mehr zu hören. Auch Altmaier schwieg sich darüber aus.

Genau das aber wäre recht interessant. An Warnungen hat es eigentlich nie gefehlt: Seit 1967 waren Wassereinbrüche bekannt, 1979 gab es das Gutachten von Dipl. Ing. Hans-Helge Jürgens, der in seinem wissenschaftlichen Gutachten die Möglichkeit eines Wassereinbruchs und deren Folgen beschrieb. 1988 gab man das zu, was nicht mehr zu leugnen war: Asse II säuft ab. Selbst das BfS warnte 1996 die damalige Umweltministerin Angela Merkel, daß die Einlagerung von Atommüll in der Asse mit erheblichen Risiken für die Bevölkerung verbunden wäre. Und genau der Name der Kanzlerin ist wohl der Grund, warum die Suche nach den Verantwortlichen zum Synonym “höhere Gewalt” führen wird.

Es dauerte noch bis 2008, bis man sich entschloss, den Vorgang zu „entschleunigen“. Der geniale Trick: Von nun an galt für die Asse das Atomrecht anstelle des Bergwerkrechtes. Damit mußte jeder noch so kleine Schritt, jede Bewegung und jede Aktion in einem nervtötend langsamen Verfahren beantragt, diskutiert und genehmigt werden. Das ist der Grund, warum die jetzt im Beisein des Umweltministers gefeierte Bohrung zwei Jahre Vorbereitungszeit erforderte – es ist ebenfalls der Grund dafür, wie es zu diesem erstaunlichen Datum der Räumung in 24 Jahren kommt.

Peter Altmaier setzt genau an diesem Punkt an, wenn er ein „Lex Asse“ fordert, um das Lager zügig räumen zu können. Er täte ebenfalls gut daran, als Ergänzung die Verursacher zur Kasse zu bitten. Von 1965 bis 2008 haben vorzugsweise die Energieunternehmen nahezu ungestört ihren Müll in der Asse verschwinden lassen. Da sind Blechfässer, die nach drei Jahren die Konsistenz eines Nudelsiebs hatten, undokumentiert abgekippt worden – einer der Gründe, warum sich die Atomindustrie als so effizient und kostengünstig preist. Die zu erwartenden 5 Milliarden Euro Bergungskosten könnten diese Milchmädchenrechnung ein wenig korrigieren.

Der Bürger muß aber keine Angst davor haben, über die Stromrechnung für diese Kosten aufkommen zu müssen. Die Verantwortlichen stehen unter Generalpardon, gegeben von einer Politik, die sich einen Dreck um die Folgen ihres Handelns geschert hat. Nach dem Solidaritätszuschlag der Endlagerpfennig … Warum kann man Politiker eigentlich nicht für die Folgen ihres Handelns zur Verantwortung ziehen?

Altmaier betritt verbrannte Erde. Bankrotte Solarfirmen als Opfer der Energiewende, Klimapolitik, Endlagersuche, Stromnetze und letztlich die Lobbyisten der Energieunternehmen in seiner eigenen Koalition – die Liste der Versäumnisse und Niederlagen ist lang.

Der neue Umweltminister kam zusammen mit seinem Vor-Vorgänger Sigmar Gabriel, um schwitzend durch ein Bergwerk zu kriechen. Mit den Worten „Wir haben jetzt einen sehr deutlichen Gesamteindruck“ ging es nach einer halben Stunde zurück an die Oberfläche – was sollte er da unten auch Rechtes anfangen. Wieder am Tageslicht aber ging er zu den Menschen, die dort wohnen und versprach glaubwürdig, sich um dieses Desaster zu kümmern.

Peter Altmaier ist Politiker; zu allem Überfluß auch noch von der CDU. Umweltminister ist er nur deswegen, weil sein Vorgänger in spektakulärer Weise sowohl als Mensch wie als Politiker vollkommen versagte. Altmaier gehört damit zu einer Spezies, der ich nicht einmal ein Fahrrad zum Halten geben würde.
Aber aus irgend einem mir unbekannten Grund erweckt er mein Vertrauen.Wir brauchen hier jemanden, dem man Vertrauen kann. Das Zeug aus der Asse muß raus. Sofort. Es kommt dann in den Schacht Konrad. Den Förderturm von Konrad kann ich durch ein Fenster auf meinem Dachboden sehen.

Gibt es überhaupt so viel Vertrauen?

Update: Wie weit es die Energieerzeuger mittlerweile mit ihrer Lobbyarbeit gebracht haben, ist hier besonders schön nachzulesen. Sehr hübsch auch ist der feste Wille, daß man

“entschlossen (ist), die Voraussetzungen für die Entwicklung einer mächtigen Nuklearindustrie zu schaffen, welche die Energieerzeugung erweitert, die Technik modernisiert und auf zahlreichen anderen Gebieten zum Wohlstand ihrer Völker beiträgt”

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