Schnell, billig, gefährlich

Es gibt ja Nachrichten, bei denen man erst einmal tief durchatmen muß – Hechelatmung einstellen, geruhsam zurücklehnen und ganz leise weinen.

Heute erreichten gleich zwei dieser Nachrichten meine zarte Seele. Die eine war, daß Kristina Schröder wieder zum Dienst erschienen ist. Für alle, die das erfolgreich verdrängt haben: Das ist das originale Familienminsterimitat, welches vor 3,5 Monaten glücklicherweise den Schwangerschaftsurlaub antrat und nun zum Gaudi aller wieder online ist. Das geht ja noch – es war zu befürchten und verschwindet 2013.

Das andere schmerzt allerdings mehr: Die Kennzeichnungen, die die berliner Polizisten von Gesetzes wegen in Zukunft tragen sollen, sind nach Aussage der deutschen Polizeigewerkschaft nicht nur gefährlich in Bezug auf die Privatsphäre der Beamten – nein: Sie sind auf Grund ihrer scharfkantigkeit auch eine Bedrohung von Leib und Leben der prügelnden Einsatzkräfte. „Damit können ohne weiteres Kolleginnen und Kollegen verletzt werden.“

Zum Beweis schnitt irgend ein Beamter mit dem Kärtchen eine Schweinshaxe in dünne Scheiben – oder so etwas ähnliches – und erklärte, das die körperliche und seelische Gesundheit der Exekutive es nicht erlaube, diese Identifikationsmarken zu tragen. Schade eigentlich.

Bei dem erstaunlich hohen Stückpreis von ca. 10€ pro Beamten für ein Stück Plastik mit einer aufgedruckten Nummer darf man zwar erwarten, daß man damit mehr machen kann, als einen Kerl zu identifizieren, der dir die Zähne ausschlägt und sich im Schutze seiner Uniform unerkannt aus dem Staub macht; daß er aber auch seine „ID-Card“ abnehmen kann und sie wie eine Ninja-Waffe dem Störer hinterher werfen kann – nach Aussage der Polizei sogar mit Aussicht auf Erfolg – damit konnte eigentlich keiner rechnen. Da muß sich die Waffenschmiede Heckler und Koch sich wohl warm anziehen!

Aber ich schweife ab: Es ging ja nicht um den gefährlichen Linksradikalen oder auch nur den gemeinen Demokraten, der an sein Demonstrationsrecht glaubt. Es geht um die körperliche Unversehrtheit des Beamten selber. Die teuren Schildchen hängen nach Vorschrift irgendwo nahe am Herzen außen auf der Uniform. Also besteht die Gefahr, das bei stürmischen körperlichen Attacken wie heftigen Umarmungen – gleich welchen Geschlechts – oder anderen Gelegenheiten, ein ungeschützter Hals nahe an die kenntliche gemachte Brust gerät. Das mag ich mir jetzt gar nicht vorstellen. Sex in Uniform… aber manch einer schwört ja darauf! „RUF MICH (analog) AN“, während SIE den Gummiknüppel schwingt. Ahem… ähh… deswegen haben sie wohl eine Schweinshaxe als Demonstrationsobjekt gewählt.

Liebe Polizei: Ihr habe diese Marken auf der Uniform, weil einige eurer Kollegen den Unterschied zwischen dem Terminator und einem deutschen Polizeibeamten nicht erkennen können oder wollen. Das ist nicht unsere Schuld: Das ist eine Frage der menschlichen Natur! Ihr wollt nicht, das euch etwas passiert – wir wollen es auch nicht! Wenn ihr also eure Gesichter schon nicht zeigen wollt, zeigt wenigstens eine Nummer.

Ihr schreit nach dem totalen Überwachungsstaat – wir wollen, das sich die Schreihälse kenntlich machen.

Ihr wollt keine Plastikkarten an der Brust? Das ist mir egal: Lasst euch die Nummer meinetwegen auf die Stirn tätowieren. Aber ihr habt keine Lizenz zum folgenlosen Prügeln.

Ihr besteht auf eurer Unabhängigkeit und Freiheit in allen Handlungen? Ganz falsch, meine lieben Beamten: Ihr seit ein verdammter Dienstleistungsbetrieb! Ihr lebt von unseren Steuergeldern und habt unseren Interessen zu dienen. Wenn euch das nicht passt, schult um auf Schlosser. Söldner gehen zur Fremdenlegion oder nach Libyen. Aber nicht nach Kreuzberg.

Ich rege mich schon wieder auf…. sollte ich einfach nicht machen….

Ja, das war die Nachricht des Tages: Freie körperliche Liebe unter deutschen Vollzugsbeamten kann schwerwiegende Verletzungen nach sich ziehen. Ich glaube es nicht!

DPolG

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