Rote Flora

»Über diese Ihnen gleich vorzulegenden Eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern der freien und Hansestadt Hamburg und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort, ich wiederhole: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß die gegen die Polizei erhobenen Vorwürfe beim G20-Gipfel haltlos sind. Wer das Wort Polizeigewalt in den Mund nimmt, der diskreditiert die Polizei als Ganzes.«

Redevorschlag für den designierten ehemaligen Bürgermeister Olaf Scholz (»SPD«).

Na ja, einer muß halt immer den Bluthund machen und der Beifall von rechts und ganz rechts ist ihm jetzt schon gewiß. Die »rote Flora« muß von der Polizei gestürmt werden (juristisch wird der Fall zu langwierig).

»Am Ende könnte dann ein Kulturzentrum stehen, das von einem freien Träger geleitet wird, politisch nicht positioniert ist und dem ganzen Stadtteil jederzeit offensteht. Das sei mit dem gültigen Bebauungsplan kompatibel und würde die größtmögliche Akzeptanz bei den HamburgerInnen gewährleisten, lautet das Kalkül der SPD.«

taz

Olaf Scholz und die Polizeiführung können von der eingeschlagenen Linie, selbst wenn sie es wollten, nicht mehr abrücken. Zu sehr hat man sich in eine Parallelwelt verrannt, die durch Fakten nicht mehr zu erschüttern ist. Und zu nah ist der Termin der Bundestagswahl. Scholz wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, würde er in der Hysterie auf Vernunft und Dialog setzen. Das Wahlkampfthema »Linksradikalismus« dem politischen Gegner überlassen? Und das in einer Zeit, in der die SPD nicht mit einer einzigen originären Aussage punkten kann? Mögen die Randalierer so links wie die in der Neujahrsnacht in Köln oder der Attentäter von Henriette Reker gewesen sein – wen interessiert das noch? Auf die Hirnlosigkeit des Publikums ist Verlaß.

»Was ich in den letzten Tagen gehört habe, ging vom Vergasen übers Totschießen bis zu sonst irgendwas.«

A. Diederich, Ladeninhaber am Schulterblatt.

Das Vokabular der Verteidiger des Rechtsstaates.

Vionville: Der G20 in Hamburg aus Sicht eines Polizisten

P.S. Beinahe hätte ich es vergessen: Die rote Flora hat mit den Ausschreitungen des G20-Gipfels in Hamburg absolut nichts zu tun. Diese Binse nur für diejenigen, denen der Zusammenhang zwischen Henne und Ei auf ewig verborgen bleiben wird.

Es steht fest, dass Bestien in Menschengestalt sich ausgerast haben wie Amokläufer. Ich freue mich feststellen zu können, daß Lichtenberg gestern kampflos von den Truppen besetzt worden ist. Dazu hat beträchtlich ein Erlaß beigetragen, den ich schweren Herzens am 9. abends unterzeichnet habe. Er lautet: Jede Person, die mit den Waffen in der Hand gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen […] Wenn in den Straßen Berlins Tausende Menschen die Waffen gegen die Regierung führen, Mörder und Plünderer Orgien feiern, besteht ein Zustand außerhalb jedes Rechts. Die Staatsnotwendigkeit gebot, so zu handeln, daß so rasch wie möglich wieder Ordnung und Sicherheit hergestellt wurde.

Gustav Noske (»SPD«)

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5 Kommentare zu Rote Flora

  1. Der Duderich sagt:

    Tja, was bleibt ist Zynismus. Vermutlich hat Putin mal wieder unser Internet mit gefakten Videos, die Polizeigewalt dokumentieren, geflutet.
    Das waren einfach Demonstranten, denen man per russischer Doktrin Polizeiuniformen über-gefotoshoppt hat.
    Und wenn mal ne kleine Prise Tränengas daneben geht. Wenn mal ein Wasserwerferstrahl daneben geht. Wenn mal der Schlagstock vor Übermüdung auf den Kopf eines vermeintlich Unschuldigen niederfährt. Was soll’s denn? Muss denn da direkt wieder die grün-linksversiffte Opposition von Polizeigewalt schreien? Diese roten Socken, die die SPD zwar nicht mehr anzieht, aber nach Kommunismus müffeln?
    Als verhinderter Wahlkampfstratege möchte ich der SPD einen Gesinnungstest für alle vorschlagen. Da kann man die CDU doch noch geschmeidig rechts überholen!
    Und dieser Gesinnungstest sollte dann Möglichkeit sein, eine Demonstrationsreife zu erwerben! Mangelnder Wachstumsglaube, der Anspruch auf mehr soziale Gerechtigkeit (national und global) könnten dann Ausschusskriterien sein.
    Dann braucht man auch weniger Wasserwerfer und Tränengas bei zukünftigen Gipfeln, wenn nur gegen Vermögen-, Erschaftssteuer und gegen Klimaziele demonstriert wird!
    Da könnte auch BILD eine Kampagne draus machen:
    “BILD sucht Demonstranten des Jahres!” Die BILD-Leser wählen.

    Vielen Dank auch an die Redaktion der Schrottpresse, die den Zyniker aus mir herausgeholt hat. Vormals ein lebenslustiger Zeitgenosse, der kaum Würgereize hatte, als er den Sermon von Scholz, Schulz und wie sie alle heißen, gelauscht hat.
    Gottchen, bin ja immer noch zynisch.

    Aber jetzt mal ernsthaft:
    Bin über folgenden Text gestolpert:
    https://www.freitag.de/autoren/ckammenhuber/der-held-der-antihelden

    “In diesem Moment trat der bis dato relativ unbekannte Autor zum ersten Mal öffentlich als Antiheld und Politiker in Erscheinung, als Widerständler, als einer, der irrsinnige Phrasen mit noch irrsinnigeren Phrasen beantworten sollte, in der Hoffnung, diese so aus der Welt zu schaffen. Sein damaliger Gegner auf republikanischer Seite fiel im Wahlkampf mit stoppelkurzen Haaren auf. Daraufhin rasierte sich der freie Kandidat Thompson eine Glatze, um in der Folge von seinem „long-haired opponent“ sprechen zu können.”

    Wäre das nicht mal ein frisurtechnisches Konzept im Wahlkampf?
    Leider ist Satire, Zynismus, Provokation ein viel zu wenig geführtes Schwert, welches viel zu selten außerhalb von politischen Kabarettbühnen eingesetzt wird.
    Innerhalb des Parteiengefüges leistet da nur die PARTEI ihren Beitrag. Schade, dass die Wagenknecht so ernst ist. Schöne Beine hat sie ja, aber das ist ein mangelhafter Ersatz für Humor.

    Wer den grotesken Äußerungen ‘sozialdemokratischer’ Amtsträger entfliehen möchte, empfehle ich übrigens die Lektüre von Kafka.
    Eine vergleichsweise harmlose, vernünftige Welt, die er beschreibt.

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  2. DasKleineTeilchen sagt:

    “Wir haben uns bewusst entschieden, allem aus dem Weg zu gehen, was politisch ist”
    there you go; mission accomplished.

    “Or use your right to protest on the street…Yeah use your right, but don’t imagine that it’s heard”

    ähm, noske? war das nicht 1919? -hüstel- (jaja, war paar monate *vor* der verabschiedung der reichsverfassung…)

    “If you thought things had changed…Friend, you better think again…Cunts are still runnin’ the world”

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  3. DasKleineTeilchen sagt:

    ah, ein bulle mit überzeugung und glauben an den rechtsstaat. gefällt mir erstmal.

    “Zumal jeder, der sich vorab mit der Thematik befasst hatte, Konflikte bei diesem Ereignis nicht nur für möglich hielt, sondern einfach davon ausging.”

    und ehrlich. danke.

    “Insbesondere die bereits im Vorfeld kontrovers und mit mehrfacher Anrufung von Gerichten durchgespielte Diskussion um Übernachtungscamps für Protestler führte meines Erachtens völlig erwartungsgemäß zu einer Zuspitzung der Lage”

    yep. und nochmal danke.

    “what the fucking hell mache ich hier eigentlich?!”

    und zweifellos berliner. haha.

    edith/ extrem les- und verlinkungswürdig.

    1+

    • Pantoufle sagt:

      Moin, kleines Teilchen

      »ähm, noske? war das nicht 1919? -hüstel- (jaja, war paar monate *vor* der verabschiedung der reichsverfassung…)«

      »Löste die bismarcksche Reichsverfassung ab« müßte der Satz lauten und/oder »…der verfassungswidrigen Ernennung Friedrich Eberts…«.

      Aber das hatte ich dabei gar nicht im Kopf. Ich hatte mir nur vorgestellt, Chulz hätte anstelle von Scholz den kalten Krieger spielen müssen. Undenkbar! Chulz braucht seinen »Noske« dringender denn je.

      Ich vermute, daß es noch mehr Polizisten gibt, die öffentlich Oliver von Dobrowolsky zustimmen würden, gäbe es da nicht dieser unselige Korpsgeist »Richtig oder falsch: Mein Vaterland«.
      Unter all den Stimmen der Verblödung aus Presse und Politik ragt er jedenfalls als Leuchtturm hervor.

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