Quelle: Internet

Man kennt das. Auf SpOn ist ein neuer Artikel vom Altmeister des rechts-konservativen kalauerns Jan Fleischhauer erschienen: Nix wie hin und lesen. Die Faktenlage: Dünn. Beweise? An schütteren Haaren herbeigezogen. Aber da gibt es ja noch die Links … immerhin haben wir „Internet“.

Quelle: Twitter. Der Unschuldige, der das dann klickt, bekommt einen asbach-uralten Artikel vom Spiegel vor die Nase gesetzt, in dem ein bemühter Spiegel-Journalist erklärt, was er für Twitter hält. Natürlich aus dem eigenen Hause. Selbst wenn der Link mit „die Süddeutsche“ getitelt ist, landet man … beim Spiegel. Nicht, daß der Spiegel damit alleine auf weiter Flur ist. Das machen sie alle. Das hat sicherlich damit zu tun, das der Verleger an sich dem Internet grundsätzlich misstraut. Das ist feindliches Territorium. Wie es in den Köpfen dieser Menschen aussehen mag, darf ein Beispiel illustrieren, das von einem Journalisten stammt, der unter anderem mit für das Buch:“Das neue Handbuch des Journalismus“ mitverantwortlich ist:

„(Google und Facebook) sind Schmarotzer, sie sind gefährlich, gemeingefährlich, aber sie sind da, und sie sind mächtig. Wir sollten sie nutzen, benutzen, aber nicht mehr. Hätten sich die großen Verlage, vor allem in den USA, wo alles begann, dieselben Gedanken gemacht wie Steve Jobs und Mark Zuckerberg, wären diese gigantischen, die Freiheit bedrohenden Netze unter Kontrolle von Journalisten und weisen Verlegern.“

Der Name dieses Herrn ist Paul-Josef Raue und er ist vielleicht nicht das schärfste Messer in der Schublade. Aber weil er so schön formuliert hat, wie man sich das Internet vorstellt, wird er hier zitiert.

Weil das gemeingefährliche Internet (noch) nicht unter der Kontrolle weiser Verleger und Journalisten steht, wird sicherheitshalber nicht aus den Fenstern der Bretterbuden, die die weite Welt bedeuten, verlinkt.

Ganz Gallien? Nein! Ein kleines Dorf widerspenstiger Gallier leistet… Nein! Neuerdings nicht mehr alle. Die Süddeutsche Zeitung zeigt Realitätssinn und verkündet ihren Lesern, daß sie die Existenz von Facebook und Twitter zur Kenntnis genommen hat. Ebenso wie die Existenz anderer Online-Präsenzen von Mitbewerbern auf dem freien Markt des Journalismus.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, der hoffentlich nicht mit dem noch in die Tonne zu tretenden bedingungslosen Grundeinkommen für Verleger Leistungsschutzrecht für Verlage kollidiert.

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0 Kommentare zu Quelle: Internet

  1. Der Emil sagt:

    Vielleicht hat Raue zuviel Gockle und Fakebock gelesen?

    Prof Spitzner hat da – glaube ich – etwas auch für Dich interessantes gesagt in einem Interview mit de Kurier (AT). Ich weiß, völlig anderes Thema …

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  2. Pingback: Links 2012-08-06 | -=daMax=-

  3. pantoufle sagt:

    Ne, ne: Da hat der gute Professor schon stellenweise recht. Es stellt sich aber die Frage, ob solche Äußerungen nicht auch daher rühren, das eine bestimmte Klientel die Deutungshoheit verliert, wenn Google dieses ausgelagerte Wissen zur Verfügung stellt – jeder Hansel kann mit ein wenig Arbeit einen sogenannten Spezialisten eventuell widerlegen. Niemand von diesen Leuten (auch nicht Prof. Spitzner) hat sich vor 20 Jahren darüber aufgeregt, daß Bibliotheken und Sammlungen von Fachbüchern nur relativ Wenigen zur Verfügung standen. Seit dem Internetz ist die Verfügbarkeit dramatisch gestiegen – und nun kommen die Professoren, die davor warnen, das die aberwitzige Geschwindigkeit von neumodischen Dampf-Eisenbahnen den Wahnsinn unter den Reisenden fördert. So richtig neu ist das nicht.
    Der Paul-Josef Raue fällt im Grunde auch in diese Kategorie. Seine blumigen (und unfreiwillig komischen) Warnungen fallen nur dort auf fruchtbaren Boden, wo die Kundschaft schon ohnehin zitternd vor Angst im Keller hockt. Noch ein schönes Beispiel von ihm:

    ” Wir fahren nicht auf der Titanic! Wir kennen unser Schiff, das stabil gebaut ist und schon einige Orkane überstanden hat. Wir kennen die Eisberge, auch ihre gefährliche Schönheit unterhalb der Oberfläche”.

    Abgesehen davon, das diese Sätze nicht in einem Lyrikband erschienen sind, sondern ein Ausschnitt aus einem Interview sind, habe ich das andernorts bereits damit kommentiert, daß das sinngemäß schon von jemand anderem gesagt wurde: Edward John Smith (*27.1.1850 in Hanley – †14.4.1912 im Nordatlantik).

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  4. Herzallerliebst auch das wunderschön ausgewählte Symbolfoto nebst Beschreibung im Artikel der Springerschen „Welt Online“ zu Herrn Raue.

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  5. pantoufle sagt:

    Moin, Nachtwächter. Das habe ich leider übersehen… das Netz ist groß und ich bin klein.
    Sehr schön! Aber ich habe schon festgestellt, daß ich nicht der Einzige bin, der diese Weltuntergangslyrik zur Kenntnis nahm. Die Katze hat sich auch schon drüber aufgeregt – das wird wohl noch Kreise ziehen.
    Ich verstehe den Mann nicht; der steht auf und posaunt in die Welt: Ich habe vorgezogene Altersdemenz und bin stolz darauf!
    Fassungslos
    das Pantoufle

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  6. Mrs. Mop sagt:

    Wollte grade einen Kommentar zu Deinem aktuellen Post (Polizei räumt Occupy Camp in Frankfurt) hinterlassen. Wiesogehtndasnich? Mist auch.

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  7. pantoufle sagt:

    Na gut – ist ja auch keine Lösung: Ist wieder offen.

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  8. Mrs. Mop sagt:

    Jessas, ist das complicated 😉

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  9. pantoufle sagt:

    Kompliziert, meine Liebe: Kompliziert

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  10. pantoufle sagt:

    Auch das noch – hätte ich bloss die Klappe gehalten

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  11. Pingback: Henning Uhle | Und dann wacht der Blog plötzlich wieder auf

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