Prosit Neujahr

Ja, genau! Pantoufle erklärt das Jahr 2012 für beendet. Aus, Schluss, Feierabend – Schotten dicht. Auf die paar Tage kommt es nun auch nicht mehr an.

Die fast dreimonatige Pause der Schrottpresse nähert sich ihrem Ende. Sie hat gutgetan. Man hechelt mal nicht mehr so durchs Weltgeschehen, welches im Übrigen davon auch 2012 völlig unbeeindruckt blieb. 2013 ist Wahljahr mit voraussehbaren Ergebnissen. Es wird gewählt, die cDU wird gewinnen, Peer Steinbrück wird den ausgefallenen Redevortrag bei der Sarasin-Bank in der Schweiz nachholen und die FDP wird mit 5% der Wählerstimmen wieder die gefühlte Hälfte der Minister stellen.

Ja, liebe Freunde des schwarzen Humors: Die FDP wird wie eine verkohlte Weihnachtsgans wieder aus ihrer eigenen Asche steigen und sie werden es Phönix nennen. Und wenn es aus irgend welchen unerfindlichen Gründen nicht für die besagten 5% reichen sollte, dann werden es eben doch 5% sein. Ob mit grundgesetzkonformen Wahlrecht oder nicht. Diese Partei der gepflegten Bilanzfälschung ist einfach unverzichtbar. Rösler wird es wohl nicht werden und ob es für den Wiedergänger Westerwelle reicht, ist auch fraglich. Im Fadenkreuz des Kapitals steht wohl das intellektuelle Schwergewicht Brüderle und wenn der zufällig wieder bis zum Hals in irgend einem Fettnapf versinken sollte, werden sie eben Friedrich Naumann exhumieren.
Jedenfalls werden es wieder 5%.

Pantoufle bleibt bei diesem Gedanken ganz gelassen in seinem kleinen, aber schäbigen Hotelzimmer. Nur für all diejenigen, die auch immer mit dem Schildchen »Bitte nicht stören« zu kämpfen haben – b.z.w. ihrer notorischen ignorierung: An die Rezeption und das Ding auf den Tisch legen mit der Bemerkung »Ich möchte das umtauschen! Es ist kaputt – es funktioniert nicht!« Das zu erwartende dumme Gesicht am anderen Ende des des Tresens verspricht einen vergnüglichen Nachmittag.
Im Moment aber ist es ruhig… kurz nach 6:00 Uhr und mit dem Room»service« ist nicht vor 8:00 Uhr zu rechnen »…wir dachten…«. Kein Mensch kann um 8:00 Uhr denken, merkt euch das!
Unter dem Aspekt des vorgezogenen Neujahrs würde Pantoufle ja gerne eine Rakete steigen lassen, nimmt davon aber aus verschiedenen Gründen Abstand. Erstens, weil Redaktionshund Oskar entschiedener Gegner jeder Art von Feuerwerk und Böllern ganz allgemein ist und zweitens ist`s verboten.

Oskar muß bei der Knallerei immer auf den Arm, was bei seiner Größe und dem gelegentlich schon erwähnten gefährlichen Gebiss eine Mutprobe für beide Seiten ist. Da wird es den treuen Hund freuen, daß die Bundesregierung Deutschlands fetteste Böller im Arsenal an die türkische Grenze verlegt – Schußrichtung Syrien. Da hört und sieht man das nicht mehr wenn es kracht. Und damit auch gar nicht so viel darüber diskutiert wird, debatiert man konsequenterweise im Bundestag nicht darüber.
Nach der Kampflinie Hindukusch, an der die deutsche Freiheit verteidigt wurde, ist es nun die Türkei. Früher nannte man das Rückzugsgefecht – oder etwas volkstümlicher ausgedrückt: Die Einschläge rücken näher.

Ach: Ich vergaß – eine Begründung gibt es natürlich dafür… *blätterblätter* … ah ja… chemische Massenvernichtungwaffen. Diesmal aber wirklich. Guido Westerwelle hat das aus gewöhnlich totsicherer Quelle. Der Charakterdarsteller Thomas de Maizière bringt es auf den Punkt:

“Das Waffensystem Patriot bedeutet, wenn man eine Freund-Feind-Kennung einstellt und ein Flugzeug oder eine Rakete fliegt und die Grenze überschreitet, dann gibt es keine politischen Konsultationen”

»Politische Konsultationen« – wer gibt sich mit so einem Kleinkram noch ab. Außerdem: Mit diesen Leuten kann man ja sowieso nicht reden. Erst machen sie arabische Frühlinge und dann… gewinnen wie üblich wieder die lautesten Schreihälse mit der kleinstmöglichen Gehirnmasse. Wenigstens darauf ist Verlass, daß irgend ein Einäugiger die Blinden versucht, mit einem Kreuz, einem Halbmond oder wenigstens mit einer Kalaschnikow von der Alternativlosigkeit seines privaten Kreuzzuges zu überzeugen.
Ach, wo wir gerade dabei sind: Nach der inflationären Vergabe von Friedensnobelpreisen kommt der eine oder andere ja ins Grübeln… Michail Kalaschnikow? Warum eigentlich nicht. Immerhin könnte man geltend machen, daß die berühmten Sturmgewehre aus seiner Fabrik mehr für die Sache der Freiheit gekämpft haben als jedes amerikanische (oder deutsche) Fabrikat. Hoch lebe die Achse Henry Dunant – Mutter Theresa – Michail Kalaschnikow, Meilensteine auf der nach oben offenen Skala der Velogenheit.

Verlogenheit im ganz privaten Rahmen; Pantoufle ist auf Tournee mit einer Musikalientruppe, zu deren Darbietungen sich zahlendes Dämm-Material einfindet, volkstümlich auch Publikum genannt. Publikumsbeschimpfung ist eigentlich meine Sache nicht – immerhin zahlen die mein Gehalt. Was aber hier so kreucht und fleucht… Sehnsüchtig warte ich auf den Tag, an dem ich nicht mehr in diesem Gewerbe beschäftigt bin… dann aber…
Der Staatsanwalt hat das Wort:
»Angeklagter Pantoufle. Ihnen wird zu Last gelegt, daß sie den Kläger **** (das Protokoll verzeichnet johlendes Gelächter aus dem Publikum) den Bodensatz des Rock&Roll genannt haben, der mit seinen meist zugedröhnten Musikern nur deshalb nicht von der Bühne gepfiffen wird, weil er sich vorsichtshalber der Mitwirkung ausgesucht hübscher, halbnackter Mädchen versicherte. Außerdem haben sie behauptet, daß die lyrischen Eskapaden seiner Lieder aus dem Textbausteinkasten der Bildzeitung stammen und lediglich einer Leitlinie folgen: Hauptsache, es reimt sich! Angeklagter: Haben sie dem etwas anzumerken oder hinzuzufügen?«

» ██ ██ █ █ ██ █ ████ █ ██████ █ ██████ █ ████,Herr Staatsanwalt! Und wenn wir gerade dabei sind ██ ██ █ █ ███ ████ wenn sie es genau wissen wollen,█ ██████ █ ██████ █ ████ «

Lassen wir das vorläufig lieber.
Was war sonst noch Bemerkenswertes? 3 – 2 = Zschäpe. Der NSU ist keine terroristische Vereinigung, weil dazu mindestens 3 Personen gehören (vermutlich ein Paragraph aus dem deutschen Vereinsrecht). Es ist anzunehmen, daß sich dieser Argumentation des Anwalts der letzten Überlebenden die Staatsanwaltschaft anschließen wird. Bleibt abzuwarten, ob es wenigstens für die Anklage »grober Unfug« reichen wird. Nun braucht nur noch das Verbot der NPD zu scheitern und es ist glasklar belegt, daß es keine Nazis in Deutschland gibt. Mein Verdacht: Hätte der NSU nennenswerte Gewinne gemacht und am Finanzamt vorbeigemogelt, wäre nicht ein einziger Zettel geschreddert worden.

Gauckadia – der Bundespräsident der Herzen gibt zu Protokoll: Ein Trauergottesdienst oder ein staatlicher Trauerakt (für die NSU-Opfer) “scheinen nicht die richtige Form zu sein, um Toter zu gedenken, deren Ermordung schon so lange zurückliegt“. Offen blieb, ob Gauck die selbe Argumentation auch für die Mauertoten benutzt hätte.

Die von der Bundesregierung errichteten potemkinschen Dörfer werden nach der Bundestagswahl eingemeindet und dadurch zur Metropole. Too big to fail.

Habe daMax kennengelernt und wir haben uns genüßlich den Kopf abgeschraubt. Vielleicht hätten wir doch bei einer Sorte Alkohol bleiben sollen. Nach 48 Stunden waren die Kopfschmerzen weitgehend abgeklungen – dann mußte ich schon weiter und habe mich gar nicht mehr anständig verabschieden können. Meinen verspäteten Gruß an dieser Stelle und bis zum nächsten Mal im »Zum scheuen Reh«. Rauchen und Saufen, bis der Arzt kopfschüttelnd wegrennt.

Apple hat ein Patent auf das Umblättern von Buchseiten angemeldet. Warum kauft eigentlich noch ein Schwein Apple-Produkte? Oder ist die Baisse in Sachen Sado-Maso ein Indiz, daß das Verlangen nach Schlägen und Unterdrückung gesellschaftsfähig wird? »Los, Apple: Und jetzt die Peitschen aus Stacheldraht!« iGun, iTank, iRocket: Alles nur eine Frage der Zeit. Unterdrückung aus dem Designerstudio.

0
Dieser Beitrag wurde unter Polemik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Prosit Neujahr

  1. daMax sagt:

    Hey Pantoufle! Herzlich willkommen zurück im Netz. Die Nummer mit dem “nicht stören”-Schild ist köstlich, die muss ich mir merken.

    Prima Rückblick, ich freu mich schon auf 2013 wenn die Schrottpresse wieder richtig loslegt. Allerdings hats irgendwie die Schriftart zerhauen ab dem Gerichtszitat.

    Ja, mein Kopf war nach etwa 30 Stunden auch wieder halbwegs fest angeklinkt. Was für ein Abend! Wäre ich noch 20, würde ich ihn wohl “epic” nennen. Das müssen wir mal wiederholen, wenn der nächste Tag frei ist. Dank an dieser Stelle nochmal für das exquisite Essen mit köstlichem Wein und härterem.

    Tust du mir einen klitzekleinen Gefallen? Mich schreibt man mit kleinem ‘d’ und großem ‘M’. Danke.

    0

    • pantoufle sagt:

      Moin, daMax
      Is seffastäändlich schon geändert. Ich hoffe, auch die Schrift haut wieder hin.
      Das mit dem nichtmelden war mir dann doch sehr peinlich, aber irgendwie musste ich dann wieder arbeiten und da hats die guten Vorsätze zerlegt… kommt nicht wieder vor.
      Was mir beim Schreiben aber wirklich auffiel, war die Distanz, die man auf einmal zu diesen Meldungen hatte. Man bohrt sich da selber nicht mehr so rein, sondern sieht es aus der Entfernung mehr als das, was es ist: Ein Kaspertheater!
      Und Dank noch mal für den extrem netten Abend… nur beim Wort »Stilles Reh« greif ich immer noch automatisch in Richtung Aspirin +C.
      Bis dann erst mal – ab dem 20. wieder von zu Hause… Mann-Oh-Mann: Wie ich mich darauf freue!
      Gruß bis zum nächsten Mal… vielleicht ja mal ein nettes Bloggertreffen – Ja, Katze, Du darfst auch kommen!

      0

  2. Pingback: Links 2012-12-06 | -=daMax=-

  3. Brissante sagt:

    Daaaaaaaaaaaaanke X16 so in etwa ^^ ich hab mich bei jedem Absatz vor Lachen fast bepisst ob so viel Wahrheit, schick das Pispers; Live auser Anstalt was weiß ich…. die können sich ne dicke Scheibe abschneiden.
    YOU MADE MY DAY !!!!

    0

  4. Er ist zurück und dann gleich mit so einem Brett. Chapeau! Danke dafür.

    0

  5. pantoufle sagt:

    Vielen Dank für die vielen Blumengebinde – zu früh, wie ich anmerken möchte. Ich bin noch zwei Wochen unterwegs, bevor es wieder geregelt weitergeht.
    Trotzdem vielen Dank an die treuen Leser… das nächste Mal melde ich mich regulär ab.
    Lasst Euch nicht vom Weihnachtsfieber anstecken (viel zu teuer), sondern genießt die Zeit.
    Das Pantoufle

    0

  6. Kikkaklakka sagt:

    Sehr schöner Bericht, wirklich schön geschrieben aber Moment! Das hättest du wohl gern, dieses Weihnachten wird noch gefeiert und ‘diese paar Tage’, wie du sie nennst, werden noch in allen Zügen ausgelebt… Da kommst du nicht drum rum, versprochen.
    alles Liebe
    deine Klikkaklakka

    0

    • pantoufle sagt:

      Klikkaklakkamaychen… ja, ich komme ja noch nach Hause. Es handelt sich hier um ein politisches Schützenfest, nicht um ein privates. Und was könnte es schöneres geben, als im Kreise seiner Brut dieses verballhornte keltische Fest zu feiern. Dein Geschenk habe ich schon – also schweig stille!!
      Dein Dich liebender Vater

      0

  7. roland sagt:

    Auch wenn ich weder dem Freundeskreis noch der Familie angehöre: Ich habe mich echt gefreut hier gelandet zu sein, zumal es reiner Zufall war.
    Demnächst werde ich öfter kommen, denn Gutes zu lesen führt zu guter Laune und das ist etwas schönes.
    Schöne Feiertage, nicht nur bei den “Rehen” – und Guten Rutsch!

    0

    • pantoufle sagt:

      Och.. herzlich willkommen. In Kürze gibt es wieder regelmäßiger etwas zu lesen. Man muß ausdrücklich nicht Familienmitglied sein; schön ist es aber doch, wenn die Brut sich das durchliest… mein kleiner Beitrag zum Gesellschaftskundeunterricht der Schule, die meine Kinder besuchen.
      Gruß
      das Pantoufle

      0

  8. Pingback: Presseschredder 25.1.2013 | die Schrottpresse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *