Presseschredder 8.10.14

Ha! Skandal! Skandaldrohne fliegt wieder!
So, tut sie das?
Um ihre Gegner und deren Bestrebungen, ihre Amtszeit zu verkürzen, auch aus der Luft bekämpfen zu können, setzt Kriegsministerin U.v.d. Leyen jetzt Skandaldrohnen ein. Die können nicht nur die Kinderkrippen der Kasernen aus der Luft überwachen, sondern auch Lücken füllen. Die sogenannte Drohnenlücke (wenn schon keine Hubschrauber, dann wenigstens dieses Terrorspielzeug. Wie anders wäre Afghanistan verlaufen, hätte man den Rückzug aus der Luft filmen können!)

Für den überschaubaren Betrag von nur 255 Millionen Euro glauben die Verantwortlichen, das Aufklärungssystem »Isis« doch noch zum funktionieren zu bringen – putziger Name übrigens! Wird der nach Ende der Erprobung auch auf zwei Buchstaben gekürzt?
Die Rüstungsindustrie jedenfalls bietet der Ministerin Schulterschluß an. Ein nicht uninteressantes Angebot, legt es doch die Frage nahe, was man eigentlich in der Vergangenheit tat. Jedenfalls soll sie wieder fliegen, die Skandaldrohne. 255 Millionen. Euro. Deswegen der Skandal.

Das ist ein kluger Schachzug, diese 255 Millionen. Euro. Darunter kann ein jeder sich etwas vorstellen, nur eines ist es nicht: Ein Skandal! Der eigentliche Skandal – und darüber ist bereits lang und breit diskutiert worden – besteht darin, daß sich die Bundeswehr ein Waffensystem zulegen will, welches explizit für die sogenannte asymmetrische Kriegsführung entwickelt wird. Mehr als jede Grundgesetzänderung und Verordnung beschreibt diese Waffe die zukünftige Rolle, die man in der Welt spielen will: Terror gegen einen schlechtbewaffneten Gegner und die Zivilbevölkerung. Die weitere Verfahrensweise liegt auf der Hand: Sollte sich jemand zu laut an diese Tatsache erinnern, erhöht man einfach die Entwicklungskosten. Etwa auf 350 Millionen Euro zum Beispiel. Skandal! Das ist ja viel teurer als gedacht! Polemik? Wohl kaum.

»Der ‚Euro Hawk‘ wird niemals in Serie gehen, also in das normale Geschäft, sondern wir werden ein moderneres Luftfahrzeug dafür suchen«

U.v.d.Leyen

Der Todesengel im Kriegsministerium findet wieder einmal die passenden Worte. Der Euro-Hawk: Altmetall, Neokolonialismus: Das normale Geschäft. Die nächste Kostensteigerung verbirgt sich ebenfalls charmant in diesem dürren Satz. In einem Gutachten der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge wird eine mögliche Zulassung der US-Drohne »Triton« als unwahrscheinlich bezeichnet – mit diesem Gerät liebäugelt man derzeit in Berlin. Eine denkbare Alternative wäre Heimarbeit. Wozu hat man schließlich EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) mit Milliarden von Steuergeldern an seinem Busen genährt? Das wäre auch für den Pazifisten ein tragbarer Kompromiss: Das Geld bliebe im Lande und man wäre wenigstens die nächsten zehn Jahre vor dieser Art von Spielzeug sicher. Und wenn es dann doch noch fliegt, brechen sicherlich die Flügel ab oder das Leitwerk oder der Propeller. Irgend etwas.
Das wäre dann auch wieder ein Skandal.

»Nachdem er sich habe sicher sein können, daß alles ordentlich bestellt sei, habe Lenz sich aufgemacht in eine andere Welt, in die er jetzt geht.«

Das Schlimme am Tod sind unter Umständen die Nachrufe.

»Geschichte ist der Fundus von Ängsten, Daten, Irrtümern und Träumen, den wir mit wechselnden Resultaten befragen. Sie ist ein trügerisches Kontinuum ohne Ziel, das vertraute Fremde, in dem nach einem Sinn zu suchen, müßig ist. Davon bin ich überzeugt. Vergangenheit ist aber auch ein Anlass, uns selber immer von neuem auszulegen und dabei unsere Möglichkeiten zu erkunden.«

Siegfried Lenz

Das schreibt keiner, der glaubt, irgend etwas könne »ordentlich bestellt« sein. Siegfried Lenz ist gestorben und deshalb wollen wir alle an ihn denken – trotz »Deutschstunde«.

Mit einigem Unbehagen las ich den Text vom Kiezneurotiker #kobane. Kann man so schreiben, muß man aber nicht. Da klebt das Sport-Cabrio brennend am Baum, die Insassen schmoren für alle gut sichtbar und es ist durchaus schrecklich.

Wir sprechen hier über die Ergebnisse einer völkerrechtswidrigen Invasion durch die USA und eine Allianz von Staaten, die sich willig diesen Gesetzen widersetzten. Mit einem Aufwand von etwa 3 Billionen Dollar, wie der US-Wirtschaftswissenschaftler Joseph E. Stiglitz schätzt, wurde der Irak in die Steinzeit zurückgebombt.
Folter, Demütigung, Massaker – die Invasoren führten sich auf wie die Barbaren in einem Land, das man als eine der ältesten bekannten Kulturen der Menschheit kennt.
Nachdem man jedwede Infrastruktur sozialer und wirtschaftlicher Art zerstört und irgendwelchen Fanatikern ausreichend Waffen in die Hand gedrückt hatte, verließ man das Land wieder. Was man hinterließ, war die Karikatur einer Demokratie, die niemand wollte und Handelsembargos, die erfolgreich verhinderten, daß es nur die Spur einer Chance gab, wieder auf die Beine zu kommen.

Die Fanatiker (die bei Lichte betrachtet nicht einmal welche sind – oder wenigstens auch nicht fanatischer als die US-Invasoren) stehen nun an den Toren einer weiteren Stadt, die sie mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls erobern werden. Sie werden Greueltaten begehen, gelingt es ihnen – natürlich, mal wieder, wie in allen Kriegen üblich. Man muß das auch bedauern!
Nur eines darf man nicht: Man darf sich nicht wundern.

Wird an geeigneter Stelle fortgesetzt.

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