Presseschredder 5.Oktober 15

Türkische Kampfjets fangen russischen Flieger ab, russische Sukhoi 30 vertreiben israelische F15 – nur die US-Luftwaffe operiert bedauerlicherweise ungestört.
Nach nur vier oder fünf Angriffen auf das selbe Krankenhaus in Kundus entstand ein Kollateralschaden. Ob das auch die Bundeswehr mit ihren Heron-Drohnen aufgeklärt haben?

»One American official, who requested anonymity to discuss early reports of an event now under official investigation, said the attack may have been carried out by an American AC-130 gunship that was supporting Special Operations forces on the ground in Kunduz. The top United States commander in Afghanistan, Gen. John F. Campbell, said that American troops had come under fire in the vicinity of the hospital and that an investigation into the airstrike had begun.«

New York Times.com

Und jetzt noch einmal im Tieflug über die Trümmer: Das einzige Hospital in Kundus war das? Vielleicht hätte man ein paar Brunnen weniger bohren oder eine Brücke weniger bauen sollen? Nur ein einziges Krankenhaus und das wird auch noch von »Ärzte ohne Grenzen« betrieben!
Nicht einmal der Verteidigungsminister Ashton Carter wagte es, das Wort »Terroristen« in den Mund zu nehmen – das überläßt man den afghanischen Verbündeten. Schön doof! Das Völkerrecht schützt Krankenhäuser auch dann, wenn sich Widerstandskämpfer in ihnen aufhalten (sei es als Patienten oder Kombattanten).

»Doctors Without Borders strongly disputed suggestions that any Taliban fighters were inside the hospital at the time of the attack.»The gates of the hospital were all closed so no one that is not a staff, a patient or a caretaker was inside the hospital when the bombing happened,« the group said in a statement.«

Washington Post.com

Es hat also Überlebende gegeben. Jeder Mafia-Azubi hätte dem US-Befehlshaber erklären können, daß das immer ein Fehler ist.

Sandra Petersmann vom WDR formuliert es in dankenswerter Deutlichkeit:

»Kollateralschaden. Was für ein zutiefst menschenverachtendes Wort. Es fallen Bomben, sie sollen den Feind treffen, aber sie töten Zivilisten. Um es ganz plastisch zu machen: In Kundus verbrannten schwer verletzte Patienten bei lebendigem Leibe in ihren Betten, weil sie nicht fliehen konnten. Weil der Luftangriff auch nach den Hilferufen der Ärzte ohne Grenzen (MSF) Richtung Amerikaner und Afghanen noch mehr als eine halbe Stunde weitergeht. Warum? Wie abgestumpft muß man sein, um hier von einem Kollateralschaden zu sprechen?«

Es ist ein Kriegsverbrechen. Noch eines. Ein Kriegsverbrechen, weil der Krieg an sich ein Verbrechen ist.
Im Falle von Afghanistan eines mit deutscher Unterstützung. Man muß dafür nicht erst den damaligen Oberst und jetzigen Brigadegeneral Georg Klein aus der Versenkung holen, der mit seiner Fehleinschätzung das Leben von 91 Menschen beendete. Wegen 2 gestohlenen Tanklastwagen. Noch einmal zum mitgruseln: Zwei Tanklastwagen mit Benzin.
Spätestens damit starb die Brunnenbohrer-Lyrik und Entwicklungshilfe-Romantik einen unromantischen Tod. Wenn Afghanistan ein Testfall für die deutsche Politik gewesen sein soll, für Frieden und nachhaltiger Entwicklung zu sorgen, ist dieses unselige Experiment grandios gescheitert. Planlos in Afghanistan: Das ist also das Ergebnis davon, sich »als guter Partner früher, entschiedener und substantieller einbringen« (J. Gauck). »Gleichgültigkeit ist für ein Land wie Deutschland keine Option, weder aus sicherheitspolitischer noch aus humanitärer Sicht« (U.v.d.Leyen). Als wäre das Gegenteil von Militäreinsätzen Gleichgültigkeit. Man muß schon Kriegsministerin sein, um so einen Unsinn zu verbreiten.

In Kunduz gibt es keine Krankenhäuser mehr. Die überlebenden Ärzte sind geflohen. Irgendwer befreit irgend jemand von irgend etwas: Ob die Taliban das für sich in Anspruch nehmen, eine von Amerikas Gnaden inthronisierte Regierung oder die Nachhut westlicher Streitkräfte. Nicht nur Kunduz ist eine Trümmerwüste. Wessen Vietnam das nun letztendlich ist, spielt keine Rolle mehr.
Als einzig feststehende Tatsache bleibt, daß diese Art der Entwicklungshilfe in eine katastrophale Sackgasse geführt hat. Man ist zu Komplizen von Kriegsverbrechern geworden; da hilft keine noch so gutgemeinte Begründung.

»Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, daß Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Wir brauchen Menschen, die von der Botschaft der Engel her ein mutiges Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von einer anderen Gesellschaft zu reden und mich für sie einzusetzen. Ja, das ist für mich die weihnachtliche Botschaft: Mut zum Frieden gegen alle vorfindlichen Verhältnisse. Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir heute Morgen etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Da kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen. Vor zwanzig Jahren haben viele Menschen die Kerzen und Gebete in der DDR belächelt…«

Margot Käßmann, Hannover, 24.12.2009

Am 26. 2. 2010 stimmte der Deutsche Bundestag einer Verlängerung des Afghanistan-Mandats bis Ende Februar 2011 zu. In der namentlichen Abstimmung sprachen sich 429 dafür aus, 111 Parlamentarier lehnten es ab bei 46 Enthaltungen.

Diejenigen, die dafür stimmten, haben geirrt; ganz gleich aus welchen Gründen.
In der christlich geprägten Umgangssprache gibt es die Formulierung: »Wir haben Schuld auf uns geladen.« Darüber kann man ruhig einmal nachdenken, wenn das Wort Kollateralschaden fällt.

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0 Kommentare zu Presseschredder 5.Oktober 15

  1. waswegmuss sagt:

    Mohammed Nadschibullāh könnte auch heute noch ohne Polizeischutz durch die Stadt laufen.

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  2. rainer sagt:

    …alle deutschen Regierungsmitglieder seit 1998 gehören liquidiert…

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  3. Joachim sagt:

    Hier kann ich mal vollständig zustimmen. Nur die Argumentation der ansonsten bewundernswerten Käßmann finde ich nicht wirklich stimmig.

    Fantasie für den Frieden? Andere Formen, Konflikte zu bewältigen?

    Ist ein Mensch tot, so ist nichts mehr mit Fantasie. Was war der Konflikt, der ihn tötete? Wer hat in in die Welt gesetzt? Ging es darum, unsere Interessen im Kundus verteidigen? Fantasie zeigt die Politik, wenn es darum geht unsere Interessen zu „vertreten“ oder genauer, meine Interessen zu verdrehen, sie für sich auszunutzen.

    Fantasie? Nein. Es ist hinreichend, einmal logisch zu denken. Es ist hinreichend, die Menschenrechte zu akzeptieren und danach zu handeln.

    1) Keine Waffenproduktion mehr und schon gar kein Export, schon gar nicht außerhalb Europas.

    2) Keine Drohnen und keine Drohnensteuerung aus Deutschland. Erinnert Euch:
    „von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen.“

    3) Keine Handelsverträge, die Wirtschaft in armen Ländern untergraben und schädigen.

    4) Entwicklungshilfe, die vollständig von politischen und wirtschaftlichen Interessen entkoppelt ist

    5) Aufbauprojekte, die damit finanziert werden, was wir aus den verarmten Staaten heraus geholt haben. Öl, Gas, Metalle wie Gold, Kupfer, Uran vieles mehr.

    6) Schuldenpolitik muss überdacht werden. Sie ist auf Ursachen hin zu untersuchen!

    7) Reparatur der Umweltschäden, die wir verursacht und provoziert haben

    8) Keine politische und wirtschaftliche Kooperation mit Diktatoren und keine Einmischung in innere Angelegenheiten. Kontakte dienen dem Frieden, den Menschenrechten.

    9) Unterstützung der Bevölkerung, notfalls an korrupten Regierungen vorbei

    10) … komm schon, minimale „Fantasie“…

    Kurz: Brunnen bauen statt Bomben werfen. Wir sind eines der reichsten Länder der Erde.

    So, das hat nun drei Minuten gedauert. Wer da kritisieren will, das ist okay. Wir können darüber reden. Ich habe noch nicht einmal anfangen.

    Und Käßmann fordert Fantasie. „Wir werden eine gemeine Lösung finden“ würde Merkel sagen.
    Mein Gott, wie arm müssen unsere Entscheider sein?

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    • GrooveX sagt:

      vielleicht reichen drei minuten einfach nicht, um das mit der phantasie auf die reihe zu kriegen. nehmen wir die brunnenbohrmetapher, weil sie sich als mem herausgebildet hat: stell dir vor, du lebst in so einem dorf in den bergen in der wüste, also in den wüsten bergen. du hast nen haus aus lehmziegeln, deine verstreuten nachbarn auch, die siebzehn, keine fenster aus glas, keinen strom. aber du hast ne terrasse, von der aus du dieses bisschen wasser siebzig meter tiefer sehen und hören kannst, das manchmal fließt, wenn der winter gut war. okay? du hast natürlich auch einen steinacker, drüben auf der anderen seite, zwei kilometer hinter dem friedhof. dort baust du hanf an und mohn, etwas mais, weil das die fremden mal mitgebracht hatten, aber alles in allem ist das ganze ziemlich karg. sodele, da kommt jetzt eines morgens um sonne ist schon fast über dem berg uhr der kleine angerannt. der war eigentlich mit den ziegen auf dem berg. der ruf jetzt ganz aufgeregt, dass da ein paar fremde auf deinem acker sind und löcher graben. du schnappst deine ak47, läufst rüber, dein pferd hat noch pause, schaust dir das aus der ferne ne weile an, stellst fest, dass das fremde sind, die keine verwandten im nachbartal haben und schießt sie über den haufen. ich meine, was haben die da auf deinem acker rumzugraben, ne?

      das wird ne riesen aufregung! alle erwachsenen männer treffen sich in der teestube unten am ufer, und es wird lange und ausführlich diskutiert. jeder hat was wichtiges mitzuteilen. manchmal wird es laut, manchmal ganz leise. im allgemeinen aber ist es sehr lebendig, also wenn man von den jetzt toten auf dem acker absieht. jedenfalls sind sich alle am ende einig, dass man die toten begraben muss, außerhalb des friedhofs. alle laufen los, bringen die leichen weg und bestatten sie, nicht ohne noch ein gebet an allah gerichtet zu haben. ja, und dann gehen sie wieder zurück. der junge auf den berg, die ziegen einsammeln, die hälfte der männer in die teestube, der rest auf die terrasse oder was eben sonst so anliegt.

      okay, so klappt das nicht. das haben die brunnenbauer mit ihrem martialischen auftreten inzwischen auch gemerkt. also wird im vorfeld in der stadt in einer anderen teestube ein kontakt hergestellt. dein dorfchef wird in ein büro eingeladen, das ganze mit dolmetscher (ein cousin 2. grades der schwägerin eines nachbarn). er hat in kabul studiert. der dolmetscher kriegt pul, das ist klar. der dorfchef will auch pul, sonst geht gar nichts. also wird erst mal die richtige summe verhandelt. und dann meint der dorfchef, das geht nicht so einfach, weil das land ja irgendwem gehört. da kann man nicht einfach löcher reingraben. die ziegen könnten reinfallen und überhaupt. aber mit pul geht alles. okay, der dorfchef hat alles klar gemacht und verbringt noch einen tag in der stadt, weil er plötzlich geld hat. zwischenzeitlich fährt das explorationteam der international water development forces schon mal probebohrungen machen. is ja alles in trockenen tüchern. ja, so ist das. jetzt sind sie in trockenen tüchern.

      3 minuten sind gar nichts für phantasie und so. ich muss vielleicht später weiter machen. schaumermal (die beste ausrede, seit es internet gibt).

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    • pantoufle sagt:

      @Joachim
      Ja, diese Brunnenbohrerei! Das erinnert mich an eine engagierte Forschungsgruppe junger Wissenschaftler, die in durchaus ehrenwerter Absicht die wirtschaftliche Lage einer Region am Meer verbessern wollte. Einer Politik der kleinen Schritte folgend sahen sie sich um und entdeckten, daß die Segel der Fischerboote seit Jahrhunderten der selben Tradition folgten. Umgekehrte Dreiecke. Da müßte doch Potential zur Verbesserung liegen, dachte man. Wenn man die effizienter designen würde… und so ging man für Monate in den Windkanal und Schlepptank.

      Mit dem Ergebnis, daß sich die Form als unschlagbares Optimum für den gegebenen Verwendungszweck herausstellte. Dont touch it!
      Immerhin nahm man sich die Zeit und verfiel nicht dem Reflex besinnungsloser Aktivität. Spätestens, wenn Entwicklungshilfe als flankierende Maßnahme zu einer militärischen Intervention erfolgt, kann man seine Großmutter darauf verwetten, daß man sich genau diese Zeit nicht nimmt.

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    • Joachim sagt:

      Sehr schön. Ihr nehmt also meine drei Minuten auf.

      Es sollte aber klar sein, was „kurz“ bedeutet. „Brunnen bauen“ ist eine Metapher für aufbauen, konstruktiv sein, nicht den eigenen Vorteil zu sehen.

      In der Tat ist einer der wichtigsten Punkte der sogenannten „Entwicklungshilfe“, die Lebenswirklichkeit derer zu sehen und zu achten, denen man „helfen“ will.

      Die leben da seit tausenden von Jahren, als wir noch auf den Bäumen hockten. Es ist durchaus fragwürdig, ob „wir ihnen unsere „Kultur“ bringen sollten. Unabhängig von jeder Beurteilung sollte klar sein, dass Menschen dabei a) nicht gefragt und b) auch verlieren werden. Es wäre nicht so schlecht, mit Schulen und Krankenhäusern zu beginnen.

      Vielleicht sollte man nicht von Hilfe sprechen. Man sollte man von Verantwortung sprechen. Wir haben diese Situation verursacht. Nicht? Lassen wir einmal Geschichte und Tatsachen. Fragen wir nur einmal, wie es dazu kam, dass die ak47 gebaut wurde, damals 1944/47. In der Steinwüste wurde sie nicht gebaut, nicht erfunden, ja nicht einmal wirklich gebraucht. Auch der Mohnanbau ist eine unserer „Kulturleistungen“, genau wie verseuchte Erde, da wo „unser“ Öl gefördert wurde.

      Bei der Beschreibung von GrooveX habe ich schon im Geiste eine Drohne das Haus ins Visier nehmen sehen. Dies nur für den Fall, jemand bemerkt, dass eine Kalaschnikow eine Waffe der „bösen Russen“ ist. Wir haben da viel bessere „Sachen“. Nicht das da jemand irgendwie besser wäre.

      Bums, du bist tot.

      So sieht die aktuelle Vorstellung von „Entwicklungshilfe“ in der Politik aus. Nicht nur im Mittelmeer.

      Wie finde ich das? Vollkommen scheiße, wenn einem das schon nach drei Minuten auffällt.
      Was würde uns noch auffallen, würden wir einmal nachdenken?

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  4. pantoufle sagt:

    😀 😀 😀

    So oder so ähnlich wird es sich abgespielt haben! Vermutlich so.

    Das führt aber noch zu einer ganz anderen – viel wichtigeren – Frage. Diese sogenannte Entwicklungshilfe leidet ja nicht nur unter einem im Vergleich zu einer militärischen Intervention lächerlichen Budgets. Die Projekte müssen ja auch noch öffentlichkeitswirksam verkauft werden. Brunnenbau? Na klar: Damit die Mohnfelder wachsen und gedeihen! Es ist ein altbekanntes Problem, daß diese Art von Hilfe immer ein Eingriff in eine fremde Kultur darstellt und eigentlich nur mir äußerstem Fingerspitzengefühl und enormer Sachkenntnis in kleinen, vorsichtigen Schritten vorankommen. Wenn überhaupt.

    Ich möchte den Entwicklungshelfern dieses Wissen und die Befähigung nicht absprechen, aber auch dort ist es sein wie im richtigen Leben. Die wichtigen Entscheidungen werden selten von fachkundigem Personal gefällt, sondern von unqualifizierten Bürokraten.
    Und selbst wenn das in einigen Fällen nicht zutrifft, bleibt immer noch die unlösbare Aufgabe, diese Hilfe in einem Kriegsgebiet zu realisieren. Man erinnere sich nur daran, wie lange es gebraucht hat, bis ein bundesdeutscher Politiker (es war ausgerechnet der unselige Guttenberg 2010) zugab, man könne im Fall Afghanistan »umgangssprachlich von Krieg« sprechen.
    Wie gesagt in vorsichtigen, kleinen Schritten und nicht unter Kanonendonner und täglichem Sterben.

    Wer behauptet, daß das irgend etwas mit »Entwicklungshilfe« zu tun hat, begreift den Sinn einer solchen Hilfe überhaupt nicht. Es war und ist ein Feigenblatt.

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    • GrooveX sagt:

      im grunde ist es viel schlimmer. mein geflachse überdeckt nur die hilflosigkeit angesichts dieses desasters. heute ist entwicklungshilfe grundsätzlich ein hochprofessionelles unternehmen, das projekte managed, kontakte pflegt, in dem immer jemand ist, der mit militärischen geheimdiensten zu tun hat. die branche ist total verseucht!

      médecins sans frontières hat das drama um hilfe und kollaboration jahrzehntelang erlebt und erlitten. es gibt da KEINE LÖSUNG! doch nichts tun ist noch nicht mal keine. dieses dilemma kann man nur aushalten – vorausgesetzt, man kann. ich habe ein paar von denen vor ort kennen gelernt. sie waren hart, wenig zugänglich und ziemlich rigide auf ihren job fixiert. der war in keinem netten feldlazarett mit süßen schwestern.

      im übrigen bin ich der auffassung, dass der kollateralschaden in kunduz ein gezielter war.

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      • GrooveX sagt:

        was man aber auch nicht vergessen sollte: es ist ein phantastisches sprungbrett für eine karriere als chirurg.

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      • Joachim sagt:

        Möglicherweise muss der „Staat“ raus aus der Entwicklungshilfe. Der darf das nur noch finanzieren. Entscheiden müssen Andere nach dem Prinzip der Subsidiarität.

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      • pantoufle sagt:

        @Joachim
        Das sehe ich ähnlich: Das gehört in die Hand von Fachleuten und keinesfalls in die Hände eines turnusmäßigen politischen Betriebes unter verschiedenen Fahnen. Am Ende entscheidet noch Söder, was Islamismus an einer Grundschule in Kunduz ist und Katrin Göring-Eckardt denkt über ein Kopftuchverbot ebenda nach.
        Besser nicht!

        Ganz nebenbei las ich grade etwas auf Zeit-Online, was sinngemäß ziemlich dicht an GrooveX Beitrag zum Thema angesiedelt ist.

        Warum Kunduz fällt

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        • Joachim sagt:

          „Warum Kundus fällt“ kann man so und so sehen und anders auch.

          Kultur beginnt irgendwann nach 200.000 v. Chr. im Mittelpaläolithikum – um irgend eine „Definition“ zu geben. Demokratie in Deutschland gibt es mit „Unterbrechungen“ seit dem 9. November 1918. Sagen wir mal, das seien 100 Jahre (und nicht 96 Jahre und 11 Monate, eine der dunkelsten Abschnitte der „Zivilisation“ eingeschlossen. Nebenbei, in dem Kontext wird mir beim Wort Zivilisation schlecht).

          100 / 200000 ist 1/2 Promille Menschheitsgeschichte. Wäre die Menschheitsgeschichte ein Tag, so entspräche das knapp drei Minuten. Wie zivilisiert die ist, das sagt uns die Atombombe, ein Weltkrieg, Vietnam, Korea, Afghanistan, Afrika, die USA wenn man z.B. die Geschichte der Afro-Afrikaner sieht. Sieh wohin Du willst. Martin Luther King stirbt immer noch überall auf der Welt, immer wieder, während unser Bundespräsident sich auf seinen Platz stellt, seine Worte zitiert und nicht das Geringste verstanden hat. „I have a dream“, damit war nicht gemeint, unsere Interessen am Hindukusch zu „vertreten“ und eine schnelle Eingreiftruppe zu bauen. Einander die Hand zu reichen käme der Idee schon etwas näher – um das in einer dem Gauck „verständlichen“ Sprache zu sagen..

          Alles in drei Minuten.

          Wo ist die Kultur der Staaten? Nehmen wir einmal Europa, Deutschland. Wie zivilisiert wir sind, das zeigt bei uns aktuell z.B. Herrmann.

          http://www.csu.de/aktuell/meldungen/oktober-2015/herrmann-zur-fluechtlingssituation/

          Flüchtlingssituation? Da sind wohl keine Menschenleben in Gefahr, dort in Europa, Afrika und im Mittelmeer. Da sterben nicht tausende und schon gar kein kleines Kind am Strand. Nicht ertrinken ist das Problem. Die Schleuser sind es. Es sind immer nur die Anderen. So ist das. Das Ausland! Da ist unsere Sicherheit in Gefahr und außerdem, die „Schmutzarbeit“ sollen doch die Österreicher machen. Weil, Flüchtlinge sind alles Wirtschaftsflüchtlinge und Terroristen.

          Soweit von mir subjektiv übersetzt der Herrmann. Würde ich diese Herrmann-Mentalität „egozentrisch“ nennen, so wäre das wirklich nett ausgedrückt. Subjektiv? Wo noch einmal erwähnt Herr Herrman etwas zur Situation auch nur eines Flüchtlings? Habt ihr CDU’ler euch da nicht mit dem Titel etwas vertüddelt?

          In dieser Situation kommt Jochen Bittner und meint (nach Böckenförde), „Ein Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann.“ und Quellen der Kultur seien Christentum, Aufklärung und Humanismus.

          Fail. 1-2 Promille der Menschheitsgeschichte, knapp drei Minuten reichen um den größten Bockmist der Menschheitsgeschichte anzuzetteln. So ohnmächtig scheinen mir die Staaten und Regierungen nicht.

          Drohnen etwa schaffen Voraussetzungen. Waffenlieferungen auch, genau wie eine Wirtschaftspolitik, die Menschen effektiv bis zum Tot ausbeutet. Massenüberwachung, Machtpolitik, bewusste Destabilisierung und Einflussnahme von und auf Staate schaffen Voraussetzungen. VW ist ein Skandal. Wie schön wäre die Welt, wenn das so wäre.

          Das ist das dümmstes Hardlinertum. Das sind die Mächtigen, die Typen, denen der Penis fehlt. Nicht das der so wichtig wäre. In dem Alter bräuchten die den sowieso nicht mehr. Nur hat der Penis nix mit Politik zu tun. Und Hirn ersetzt der schon mal gar nicht. Das haben die Hardliner nicht verstanden.

          2 Promille der Menschheitsgeschichte. Mehr Hirn haben wir nicht. Wir denken nur drei Minuten weit. Doch Evolution funktioniert nicht, indem der liebe Gott immer oben ein wenig mehr drauf packt. Intellekt muss mühselig erarbeitet werden. Von selbst sind wir alles, nur nicht schlauer, als die frühen Menschen.

          1402? Das Boulevard titelte am 6. Juli:1402 „Ruprechts Sohn Ludwig heiratet im Kölner Dom die zehnjährige Prinzessin Blanca von England“. Nun wissen wir, woher diese Vorliebe der Mächtigen für kleine Kinder kommt. Heute ist 1402 und kein Tag weiter. Statt der ersten Hexenprozesse haben wir verkürzte Asylverfahren. Zivilisation heute ist es, nicht mehr zu sehen, was mit dem Zurückgewiesenem geschieht. Mir kommt der Gedanke, die Gaffer der Hexenverbrennungen waren wenigstens nicht verlogen. Wenn man schon mordet, dann sollte man auch die Eier in der Hose haben, sich das anzusehen.

          Ich würde mich lieber nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Was „Gesellschaft, Moderne und Demokratie“, ja sogar Kultur ist, das haben wir nicht einmal angefangen zu begreifen. Wie könnten wir da auf die Idee kommen, das jemandem bringen zu wollen?

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  5. pantoufle sagt:

    föllich OT: Mein Lieblingstweed des Tages:

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    • Thelonious sagt:

      Beim Defender weiß man eben, was man hat. 🙂

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    • pantoufle sagt:

      Gibt es einen Widerspruch, ein tonnenschweres »SUFF« auch nur in die Nähe von Klimaschutz zu bringen? Wenn ja, ist dieser doch wohl markenunabhängig.
      Wir erwarten mit Spannung die ersten Verbrauchsmessungen des Rolls Royce Cullinan (?). Aber vermutlich wird man der bewährten Sprachregelung treu bleiben wie schon bei der Frage nach der Motorleistung eines Rolls: Genug!

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