Presseschredder 4.6.2016

Gruß, deutscher. Das Original vom Original

Gruß, deutscher. Das Original vom Original

Ist schon Sommerpause und nur mir hat das niemand erzählt? In den Redaktionsräumen der Schrottpresse gähnt jedenfalls die Langeweile um die Wette mit dem Redaktionskampfhund Oskar und Redaktionsschwein Schnitzel. Oder so.

Die Zeit der kleinen Schlagzeilen.

Wenn Promis 2016 das Vergessen droht, wird gestorben. Jetzt also auch Muhammad Ali. Ach, der war noch gar nicht tot?
»Boxen ist, wenn viele Weiße dabei zusehen, wie sich zwei Schwarze gegenseitig verprügeln«, hat er einmal gesagt. Damals hieß er noch Cassius Clay. »Cassius Clay ist ein Sklavenname. Ich habe ihn nicht ausgesucht, und ich will ihn nicht«. Schon damals war es nicht ungefährlich, sich zum Islam zu bekennen, gar seinen Namen zu ändern. Malcolm X, Black Panther Party, Nation of Islam… erinnert sich noch jemand? Das war so um Vietnam herum. »Ich habe keinen Streit mit den Vietkong. Mich hat niemals ein Vietkong „Nigger“ genannt«. Muhammad Ali verweigerte den Kriegsdienst.

Die Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung bekam Parkinson. Ob er auch seine eigene letzte Runde vorausgesagt hatte? Ein Unglück. Natürlich in erster Linie für ihn. Aber beinahe noch schlimmer dadurch, daß es den Weißen, die immer zugesehen und viel Geld an ihm verdient hatten, ermöglichte, ihn als aerodynamische Stele vor die Kameras zu zerren. Keine Kanten mehr; als hätte er nie welche gehabt.
Und doch! Lutz Göllner hat im Tagesspiegel dem Verstorbenen eine bewegende Zeile gewidmet:

»Als Ali 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Flamme anzünden durfte, trotz Krankheit voller Würde, schwarz und stolz, gezeichnet von so vielen Kämpfen, geschlagen, aber nicht besiegt, saß dieser Autor vor dem Fernseher und heulte Rotz und Schleier.«

Das soll hier unkommentiert stehenbleiben.

Die AFD, die AFD. Oder genauer gesagt ihre Kernkompetenzen. Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Thüringer Baustelle, Björn Höcke, geht gegen Bodo Ramelow (Linkspartei) vor. Der erhobene rechte Arm war angeblich kein erhobener rechter Arm und sollte von daher auch nicht als solcher bezeichnet werden. Auch nicht von der taz, die ähnlich schmunzelte. Ramelow soll den entsprechenden Tweed löschen, die taz soll auch irgend was machen.
Beinahe könnte Höcke einem leid tun. Man wird ja noch mal grüßen dürfen, ohne darüber nachzudenken mit welchem Arm, bis zu welcher Höhe und dem Knickwinkel des Handgelenks. Leider fallen die Unterschiede der hochgereckten rechten Arme bei der AFD durch ihre Häufigkeit und Formenvielfalt denkbar gering aus. Ein Problem der Körpersprache, mit dem sich nun also die Justiz beschäftigen wird.

Während dessen bekommt das staunende Publikum einen groben Eindruck davon, was passiert, wenn es ein AFD-Politiker zum Vizepräsidenten des Landtages Sachsen-Anhalts bringt. Lediglich sieben Minuten dauerte der erste und einzige Auftritt von Daniel Rausch (AFD) im Landtag, bevor er sein Mandat »aus persönlichen Gründen« wieder abgab und nach Hause ging.
Soviel Glück wird die Allgemeinheit aber vermutlich nicht immer haben.

Wie der Leser R@iner in den Kommentarspalten des letzten Artikels der Schrottpresse OffTopic, aber richtigerweise bemerkte, ist das Thema Volksverdummung kein Alleinstellungsmerkmal der AFD.
Okoubaka D3, Arsen, Honigbiene, Spanische Fliege, Tollkirsche. Die Stadt Essen empfiehlt auf ihrer Webseite eine homöopathische Reiseapotheke. Das Gute daran: Außer einem finanziellen droht dem Käufer bei Einnahme der »Medikamente« kein Schaden. Das Schlechte könnte sich dann zeigen, wenn der unbedarfte Reisende tatsächlich krank wird.

Um es einmal mit aller Deutlichkeit zu formulieren: Die Redaktion der Schrottpresse hält Homöopathie für Quacksalberei. Punkt!
Es steht jedem frei, Unwohlsein mit magischen Tänzen zu bekämpfen, die Zukunft aus Kaffeesatz zu erfahren oder sich feinfühlig-heilsame Hände auflegen zu lassen. Wer das Geld hat und es den Scharlatanen in den Rachen stopfen will, soll das machen. Außerdem hat Voodoo wohl eine meßbare Wirkung – die katholische Kirche exerziert solchen Unsinn mit ihren Marien-Wundern und ähnlichem Hokuspokus ja seit Urzeiten erfolgreich durch.

Wenn aber die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen), solchen Mumpitz offiziell empfiehlt, ist eine Grenze überschritten. Ihr Kollege, Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Rainer Kundt (¹), auf diese Empfehlung angesprochen, reagierte mit einem »Wir haben Meinungsfreiheit«. Nur daß nicht jeder Unsinn, den jemand absondert, eine Meinung ist.

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) nominierten die Ministerin wegen ihrer allzu großen Begeisterung für esoterische Heilmethoden bereits für das »goldene Brett vor dem Kopf«. (2013 gewannen verdientermaßen die Homöopathen ohne Grenzen diesen Titel…hmmm). Barbara Steffens bastelt seit Jahren an Einfallstoren für Esoterik und Alternativmedizin in den Wissenschafts­betrieb. Der humanistische Pressedienst der Hochschulgruppe NRW schreibt dazu:

»Mit der Wahl von Barbara Steffens zur Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen traf die rot-grüne Landes­regierung eine Richtungs­entscheidung. Alternativ­medizin und Esoterik sollen durch ihren Einzug in die nordrhein-westfälische Hochschul­landschaft geadelt werden. […] Da machen wir nicht mit. Öffentliche Hoch­schulen sind Orte der Vernunft, nicht der Quacksalberei!«

Nach Angaben von »Homöopathie entdecken« betrug der Umsatzwert homöopathischer Arzneimittel deutschlandweit im Jahre 2015 ca. 495 Millionen Euro bei einer Steigerung von 14,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zusätzlich hatten Ärzte mit Verschreibungen 2015 den Umsatz mit 100 Millionen Euro angekurbelt (+7,4% zum Vorjahr).
Hersteller wie die Biologische Heilmittel Heel GmbH, die Deutsche Homöopathie Union GmbH & Co. KG oder die Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG. haben also ein fundamentales Interesse daran, diesen Zug am laufen zu halten. Das sind Steigerungsraten, von denen andere Wirtschaftszweige nur träumen können! Die Carstens-Stiftung – von der diese ominöse Reiseapotheke stammt – tritt als Sponsor von Lehr­stühlen und Forschungs­projekten auf mit dem Ziel, »Natur­heilkunde und Homöopathie in Wissenschaft und Forschung zu integrieren« und fördert das mit knapp 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Barbara Steffens Förderung der Pseudomedizin ist vor allem eines: Erfolgreiche Lobbyarbeit auf Kosten Kranker.

(¹) Der Gerechtigkeit halber: Kundt wird in Derwesten.de folgendermaßen zitiert:

„Das sind keine Empfehlungen des Amtsarztes.“ Er würde Aspirin oder Paracetamol einpacken, ein erprobtes Mittel gegen Übelkeit sowie ein leicht cortisonhaltiges Gel zur Behandlung von Sonnenbrand und Insektenstichen. Im übrigen rate er zum Gespräch mit Hausarzt oder Apotheker.

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12 Kommentare zu Presseschredder 4.6.2016

  1. Wie machen die Homöopathen eine Hühnersuppe?
    Sie stellen einen Topf mit Wasser in die Sonne und treiben ein Huhn vorbei, so dass der Schatten des Huhns aufs Wasser fällt. Sie müssen das Huhn aber rasch am Topf vorbeischeuchen, damit die Suppe nicht zu kräftig wird.

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    • pantoufle sagt:

      Ja, ja… zuerst lacht man und dann bot mir meine ehemalige Hausärztin solche Zuckerkügelchen an – das jähe Ende einer kurzen Bekanntschaft.

      Ich war gerade noch am googeln, wie hoch eigentlich die Umsätze von Astro-TV und solchen Volksvergnügen sind – knapp 80 Millionen 2014,die ganze Esoterik-Branche ein Milliardenmarkt. Und das Ministerium für für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter immer mittenmang dabei. Da vergeht einem das Lachen dann doch etwas.

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      • Ich habe gerade auch was ergoogelt, wie hoch nämlich die Zahl der Todesfälle durch Medikamente ist. Zitat SZ: „Nach Einschätzung des Bremer Gesundheitsforschers Gerd Glaeske werden jährlich 16.000 bis 25.000 Todesfälle durch Neben- und Wechselwirkungen verursacht.“ Da lobe ich mir die Globoli.

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      • pantoufle sagt:

        Das in der klassischen Medizin viel gefährlicher Unsinn passiert – sei das aus Zeitdruck, Desinteresse, Unvermögen, Lobbyarbeit o.Ä. – ist völlig unbestritten. Nur erkenne ich den Zusammenhang nicht, daß durch etwas zu ergänzen oder zu ersetzen, das nun gar nicht mehr hilft.
        Das wäre in etwa wie »Gedichte aufsagen« statt Antibiotika.

        Ist ja auch egal! Ich schlucke bereitwillig die Zuckerkügelchen in rauhen Mengen – jedenfalls solange ich nicht krank bin.

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        • Unterschätze nicht den Placeboeffekt bei Globoli. Wenn sie helfen, die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren, gilt: Wer heilt hat Recht. Natürlich geht es bei vielen Krankheiten nicht ohne Pharmaka und Gerätemedizin, aber vieles ist auch überflüssig, was ich am eigenen Leib erlebt habe. Herbert Rosendorfer schreibt in seinem wunderbaren Roman in „Briefe in die chinesische Vergangenheit“, der Heilungsquotient in unserem Gesundheitssystem habe 1980, im Jahr seines Zenits, bei 60 Prozent gelegen. Seither sei er nicht mehr gestiegen. Der Schamane, der mit seinem Mummenschanz den Kranken umtanzt, habe den gleichen Heilungsquotienten. Ich konnte die Zahl leider nicht verifizieren, halte sie aber für plausibel. Ein Freund und Exkollege, ein Biologe, dem ich davon erzählte, führte das auf die Zuwendung zurück, die der Kranke durch den Schamanen erfährt.

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        • pantoufle sagt:

          Moin Jules
          Oh ja, das ist ganz und gar unbestritten! Wichtiger als jede Medizin ist der Wille des Kranken zu genesen. Was andere als westliche Heilmethoden betrifft, habe ich selber sehr gute Erfahrungen mit meinem chinesischen Doktor in meiner Zeit in England gemacht.

          Die von Dir genannten Zahlen klingen glaubwürdig. Ich würde auch behaupten, der Heilungsquotient westlicher Medizin würde deutlich höher liegen, wenn die Ärzte mehr Zeit für die Patienten aufbringen könnten – nicht zur eigentlichen Behandlung, sondern für den »schamanischen« Teil. Hinwendung, das psychologische Moment, Mut machen. Nicht: »Nehmen Sie zwei Aspirin und kommen Sie Mittwoch wieder«.

          Als einen weiteren Punkt – ich schrieb darüber vor nicht allzulanger Zeit – glaube ich, eine Art »Krankenkultur« feststellen zu können, die daraufhin abzielt, krank sein zu wollen. Die Krankheit als Teil sozialer Kontakte; in bestimmten Fällen sogar die einzige Art von Kontakt, die noch bleibt. Krankheit als soziales Problem. Damals hatte ich die Idee, meine Ärztin einmal zu fragen, bei wievielen ihrer Patienten sie halbwegs sicher ist, daß jene simulieren – simulieren aus genau den genannten Gründen. Ich habe das leider noch nicht gemacht. Es steht aber recht weit oben auf meiner todo-Liste. (Eine weitere Frage wäre, ob sich dadurch »echte« Krankheiten entwickeln können… ein weites Feld!)

          Nur: Darüber habe ich in meinem Text oben überhaupt nicht geschrieben! Ich hatte zum Thema lediglich angemerkt, daß ich die Empfehlung von schamanischen Regentänzen im Rahmen offiziell empfohlener Reiseapotheken für unverantwortlich halte. Und das ich »Elektrosmog C30« (homöopathisch aufbereitete Substanz: 50Hz, 1,3-30 Mhz, -145 Mhz, 435 Mhz, – 2300 MHz) im wissenschaftlichen Betrieb für lachhaft halte. Und das ich eine Gesundheitsministerin, die genau das fordert, für einweisungsreif halte.
          Und – um ein drittes »und« unterzubringen – ich ein solch unverantwortliches Tun keinesfalls gedeckelt durch Meinungsfreiheit halte.

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  2. altautonomer sagt:

    1. Ali und Parkinson: Dementia pugilistica auch Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) Boxerenzephalopathie, faustkämpferisches Parkinson-Syndrom, Boxer-Syndrom oder Punch-Drunk-Syndrom ist eine neurale Dysfunktion, die nach häufigen Schlägen oder Stößen auf den Kopf auftritt. Mithin war er ein Opfer des Boxsport. Dementia pugilistca wird auch bei älteren Fussballern diagnostiziert (Kopfbälle), z. B. Gerd Müller.

    2. Selbst wenn sich Frau Steffens als Ministerin der Schulmedizin bemüht, kommt nur Mist dabei heraus. Für den atomaren Ernstfall werden alle Menschen unter 18 Jahren und Schwangere in NRW kostenlos mit Jodtabletten versorgt. Der Rest sollte sich Wellensittiche anschaffen, denn dafür gibt es Jod S11-Körnchen in der ZOO-Handlung.

    Hintergrund: Bund und Länder bemängeln zwar den Betrieb der heftig umstrittenen Schrottreaktoren in Belgien (Tihange und Doel)und Frankreich zu Recht, tun gleichzeitig aber nichts dagegen , dass diese Atomkraftwerke von Deutschland aus mit Uranbrennstoff versorgt werden. Durch die Lieferungen von angereichertem Uran und Brennelementen angereichertem Uran aus der Urananreicherungsanlage Gronau (NRW) sowie von Brennelementen aus Lingen (Niedersachsen, Rot-Grün) sind die Bundesregierung und die beiden Landesregierungen tief in den Betrieb der Atomkraftwerke in den Nachbarländern verstrickt und damit auch mitverantwortlich für eventuelle Störfälle dort. Mit dieser Jod-Tabletten Aktion wird die Bevölkerung von der rot-grüen Landesregierung am Nasenring durch die öffentliche Manege geführt. Erinnert mich stark an die Empfehlung nach Tschernobyl, bei einem GAU eine Aktentasche übe den Kopf zu ziehen.

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    • pantoufle sagt:

      Klar doch! Das hatte ich gar nicht auf dem Radar. Bei der Nummer versprüht sie ja auch ihren Charme.
      Heinz Smital (Greenpeace): »Jodtabletten schützen etwa so gut vor einem Reaktorunfall, wie ein Cocktailschirmchen vor einem Wolkenbruch.«

      Da wundert man sich natürlich, daß die Steffens nicht auch für solche Fälle etwas vom Zuckerträufler hat.

      https://edelfeda.files.wordpress.com/2016/06/humbug.jpg

      2. Ali und Parkinson: Bei Schwarzen in den USA eine relativ seltene Todesursache verglichen mit Polizeikugeln.

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  3. waswegmuss sagt:

    Hat eigentlich schon mal jemand ausgerechnet wo die Spanne höher ist: Bei Druckertinte oder bei Glaubolizucker?
    Jod soll die Strahlungsquelel binden wenn sie im (Unterstrichen) Körper ist. Gebunden strahlt sie weiter. Jetzt wären bei Detergenzien, die sind das Problem bei RoundUp & Co. Sagt nur keiner.

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    • Bayer-Monsanto wird demnächst gentechnisch veränderte Globuli rausbringen, die euch die Birne weghauen!

      Aber von mir habt ihr das nicht, okay?

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      • waswegmuss sagt:

        Unvollständig. Die Glaubolis wirken nur in Verbindung mit Demeter zertifiziertem Bio-Mon810. Ansonsten wird das Killer-Gen aktiviert und du musst bei Lieferanto Kuddelsuppe mit Sushi bestellen.

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    • pantoufle sagt:

      »… Druckertinte oder bei Glaubolizucker?«
      Ganz klar Globuli! Druckertinte muß wenigstens ein paar Moleküle Tinte enthalten. Das Fehlen fällt erheblich schneller auf.

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