Presseschredder 31.3.2014

Soso: Wie die Berner Zeitung gestern berichtete, fliegt die NSA in den für die Schweizer Luftwaffe bestellten Kampfflugzeugen Saab »Gripen« mit. Die Schrottpresse hatte das im Zusammenhang mit von den USA gelieferten Drohnen ja bereits vermutet und gekonnt verschwörungstheoretisch auch formuliert. Daß sich das so schnell bewahrheiten würde und dazu noch bei einem Nicht-US-Produkt, überrascht dann doch.

In diesem speziellen Fall handelt es sich um ein von Rockwell-Collins hergestellten Funkgerätes, welches eine »NSA-Zertifizierung« besitzt. Es wird vermutet, daß die US-Behörde übertragene Daten mithören und eventuell sogar den Flieger komplett lahmlegen kann. Ob das im Detail tatsächlich so ist, ist nicht ganz klar; klar ist nur, daß die Schweizer Luftwaffe keinen Einblick in die Software bekommt.
CVP-Chef Christophe Darbellay : «Ich verlange klare und öffentliche Antworten von der Armasuisse, von Bundesrat Ueli Maurer und unabhängigen Spezialisten – wenn es diese überhaupt noch gibt.» Der Nachsatz bringt es auf den Punkt. Bei dem Ausmaß an unbegrenztem Erpressungspotential, für das die NSA steht, wäre auch die Verwendung eines innenländischen Produktes keine Garantie für eine berechenbare Funktion.
Nur von akademischen Interesse wäre die Frage, warum der Schwedische Hersteller Saab den Lieferanten für die Funkgeräte erst direkt nach der Bestellung der Schweizer Luftwaffe wechselte. Aber vielleicht will man das auch gar nicht wissen.

Wo wir gerade in die Luft gegangen sind: Germans to the Front! Nach kurzem Hin- und her fliegt der Jäger 90 der Bundesluftwaffe nun doch Patrouille an der Russischen Grenze. Es werden wohl sechs Stück dieses Stolzes unserer Flieger. Nähere Details über andere Nationen, die sich an diesem haarsträubenden Manöver beteiligen, kann man bei »Augen geradeaus« nachlesen. Damit das Kind auch einen Namen hat, nennt es die NATO »verstärkte Routineoperationen im Bündnisgebiet«. Nicht uninteressant wäre dabei die Frage, ob die NSA eigentlich auch ferngelenkt Waffen auslösen kann. Rockwell-Collins könnte darauf eine Antwort wissen.
Man wartet in diesem Zusammenhang auf den Hinweis, daß der Gegner nur über völlig veraltete Doppeldecker verfügt und seine Fußtruppen mit pferdegezogenen Panjewagen unterwegs ist. Oder wie es ein Kommentator ausdrückt: »Die NATO kommt dem Schutzbedürfnis einiger ihrer Mitgliedsländer nach und zieht eine rote Linie. Punkt.«
Wenn das mal keine blutig rote Linie wird.
Punkt.
Um dem Eindruck eines unwürdig schwachen Gegners zuvorzukommen, baut der Rüstungskonzern Rheinmetall in Russland ein Trainingszentrum für die Russische Armee nach modernsten technischen Standards in der russischen Taiga. Ausgestattet mit allem Hightec-Multimedia sollen dort bis zu 30.000 Soldaten pro Jahr auf den neuesten Stand ihres blutigen Handwerkes gebracht werden.
Offenbar spricht man (nach Aussage der Zeit.de) nicht gerne darüber, aber zum Einen hat die Deutsch-Russische Zusammenarbeit beim Militär eine gewisse Tradition und zum Anderen hat das offensichtliche Fehlen von ideologischen Scheuklappen ja auch etwas Beruhigendes. In diesem Zusammenhang bekommt das Ausmisten des Augiasstalles Rüstungsbeschaffungsamt durch die Kriegsministerin von der Leyen eine leicht groteske Note. Irgend jemand sollte sie einmal darauf aufmerksam machen, wo der Hase tatsächlich langläuft und wie er überhaupt aussieht. Auf WELT.de versucht das der ehemalige Leiter des Planungsstabes im Verteidigungsministeriums Hans Rühle in einem sehr lesenswerten Artikel, aber es ist zu befürchten, daß sich die Ministerin wie bereits in der Vergangenheit resistent gegenüber Fakten zeigt.
Man müßte bei ihr ganz tief unten beginnen. Etwa mit: Deutschland ist eine Exportnation.

War sonst noch was?
Eigentlich sollte das für einen trüben Montagmorgen reichen, wäre da nicht das unangenehme Gefühl, das ich am Wochenende bei der intensiven Lektüre diverser Kommentare auf den Blogs der BRD bekam (Natürlich überall bis auf der Schrottpresse!).
Gelegentlich beschleicht mich das Gefühl, man sollte auf einigen Blogs die Artikel auf keinen Fall weiter als bis zum ersten Kommentar lesen, geschweige denn, auch noch seinen eigenen Senf dazu beitragen. Jedenfalls nicht, solange es keine HTML-Ironie-Tags so groß wie Bettlaken gibt. Daß Schreiben mehr als das Übermitteln von ASCII- Zeichen darstellt, hat sich bedauerlicherweise noch nicht flächendeckend herumgesprochen.
Erfolgreiches Kommentieren: Bloß nicht nett plaudern wollen! Lieber nach spätestens 50 Zeichen den Namen eines berühmten Schriftstellers, Philosophen und anderer Denker willenlos einfügen; am besten mit einem vollkommen aus dem Zusammenhang gerissenen Zitatfetzen. Die Denker lieben das und das Mitkommentariat schweigt ergriffen, wenn jemand vermeintliche Bildung als Mähdrescher benutzt. Wenn es nur nicht nicht so abgrundtief langweilig wäre.

Auch sehr erfolgreich: Der gemeine Troll. Er hat es leicht und darf den bis auf das Komma gleichen Kommentar zu jedem beliebigen Thema zu jeder Zeit absondern. Eigenartigerweise, ohne daß so etwas jemals beanstandet wird; Alzheimer muß etwas wunderschönes sein.
Die Versuchung ist groß, aus dem leider häufigen Meinungsmüll einmal ein leider vollkommen vorhersehbares »Bullshit-Bingo der Kommentare« zu extrahieren.
Beispiele gefällig?
Nein. Besser nicht.

Zum guten Schluß noch meinen Lieblingstweed des Monats (Link via wirres)

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0 Kommentare zu Presseschredder 31.3.2014

  1. Der Emil sagt:

    Daß Zensursula einmal zur Kriegsministerin des Deutschen Reiches Merkelschen 54. Bundesstaates der United States of Obawewecan werden würde! Wer hätte soetwas je zu träumen gewagt?

    Diese von der Leyen ist wohl überall eine klassische Fehlbesetzung …

    Ansonsten zeigt sich jetzt, daß die derzeitige globalisierte Marktwirtschaft nichts anderes ist als der altbekannte Imperialismus mit all seinen Effekten und Gelüsten, von denen schon Marx schrieb.

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  2. flatter sagt:

    Typisch Linker mal wieder: kein Wort über Putins Verantwortung und dann noch Verschwörungstheorien, die „Drohnen“ sagen und den antisemitischen Israel-Unsinn meinen. Sicher bestärkt dieser Kommentar nur den Linken Möchtegernrevoluzzer. Was gilt schon ein Kommentator, der sich auf Horkheimers Sofa den Rücken ruiniert hat? Es ist wahrscheinlich auch völlig zwecklos, hier auf meine Arbeit zur Suggestivität der Vernunft hinzuweisen. Wer will sich auch mit Weber, Freud und Adorno befassen? Hier wohl keiner. Mit derlei Ignoranz muss man sich nicht wundern, wenn nur intelektuelles Fußvolk sich noch blicken lässt!!1!

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  3. pantoufle sagt:

    Oh je: Da hat aber einer den Artikel bis zum bitteren Ende gelesen…
    Schnüff 🙁

    Eigentlich der perfekte Anlass, eine unbarmherzige Zensur auf der Schrottpresse (oft behauptet – viel zu wenig praktiziert) zu beginnen. Oder noch besser: Mit einem unwiderlegbaren Marx-Zitat zu antworten

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    Verschlüsselt natürlich! Man geht ja mit der Zeit!

    P.S. Suggestivität der Vernunft: Das Buch sollte ich wirklich mal lesen…

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  4. flatter sagt:

    Ey, das ist ein Flatterrand. Der kostet Lizenzgebühren, harhar!

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  5. Joachim sagt:

    Da kauft man eine Waffe (Kampfflugzeug) und der Hersteller kann sie aus Prinzip kontrollieren. Das macht den Kauf einer solchen Waffe inakzeptabel, so der kaufende Staat auf seine Souveränität besteht. Das gilt selbst für Bündnispartner.

    Bei der massiven Technik kann eine backdoor niemals ausgeschlossen werden. Kaum ein Land kann die Chips selbst bauen. Ohne die Technik funktionieren die Waffen nicht. Und wer die Chips bauen kann, der müsste von allen guten (nein bösen) Geistern verlassen sein, auf seine Kontrollmöglichkeiten zu verzichten.

    Ein echte Win-Win Situation.

    Die logische Konsequenz ist: Man kann keine Waffen mehr anschaffen. Hersteller können sie also auch nicht mehr verkaufen. Sie machen Pleite oder treiben die Kosten weit in die Höhe. Selbst wenn nur die USA diese Waffen produzieren könnte, ohne nenneswerte Gegner braucht es die nicht mehr. Sie werden es einfach lassen müssen oder fahren ihre Wirtschaft noch mehr an die Wand. Eine Alternative wäre wirkliche Kooperation.

    Wer hätte gedacht, dass es einmal die Technik selbst sein wird, die Kriegswaffen derart in Frage stellt. Allerdings glaube ich immer noch nicht an die Vernuft der Menschen…

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