Presseschredder 30.1.2017

Die Schrottpresse hat es getan. Fernsehen geguckt. Das sollte man nicht machen und schon gar nicht Anne Will. Aber dort war der zukünftige Oppositionsführer Martin Chulz zu Gast, um seinem Volk zu sagen wo Würselen liegt. In der Nähe von Aachen! Blaue Krawatte und das mittlerweile aus Funk und Fernsehen bekannte Chulz-Grinsen.

Das ist schon komisch, so im Sofa mit der Fernbedienung in der Hand und die liebe Frau, die einem erklären muß wie die funktioniert. Das Bier ist alle. Schade!
Ob er gleich »Mehr Demokratie wagen!« sagt? Nein. Die SPD ist nicht reformbedürftig. Sagt er. Aber er kennt in Würselen jemanden, der ihm nur in die Augen sehen muß, um wieder SPD zu wählen. Oder das wenigstens sollte. Immerhin habe die SPD in den letzten 5 Tagen bereits um 8% zugelegt. So viele Augen! Bis zum 24 September sind es rund 200 Tage, geteilt durch fünf mal acht Prozent…grübel, grübel… etwa 320%. Im Moment sind sie bei ca. 25% plus 320%, macht…Aha, das ginge in dieser Progression nicht bis September weiter, sagt Chulz. Gott sei Dank!
Na, ob er beiläufig den Satz »Mehr Demokratie wagen!« fallen läßt? Nein. Er hat eine schwere Jugend gehabt, bevor er Bürgermeister von Würselen wurde. Würselen liegt bei Aachen und bis Brüssel sind es knapp 150 km über die E314. Damit ist auch klar, warum er Bürgermeister der EU war.

Auf einem anderen Programm läuft die letzte Folge des Dschunglecamps. Och nö, vielleicht sagt er ja doch noch »Mehr Demokratie wagen!« Chulz muß keine ekligen Würmer essen. Dafür sorgt Frau Will schon. Soviel aufrichtiges Vertrauen ausströmend bei soviel nachdenklicher Selbstkritik! Donnerwetter! Das Studio klatscht wie blöde. Bei jeder Bemerkung von ihm johlen sie, jeder Anekdote und dem Hinweis, daß Anne ihn die ganze Zeit ins Wort fällt. Es hat sich gelohnt, daß der SPD-Ortsverein Würselen (bei Aachen) den Zuschauerraum komplett okkupiert hat. Dabei wollte er doch noch »Mehr Demokratie wagen!« loswerden.
Geht aber nicht. Immer quatscht Anne dazwischen. Für eine Minute grinst er nicht, als er sein staatstragendes Gesicht aufsetzt und anmerkt, daß Putin nur das Abkommen von Minsk umsetzen muß, um sanktionsfrei zu werden. Dann lächelt er wieder während ihn der SPD-Ortsverein Würselen (bei Aachen) auf Händen aus dem Studio trägt.

Eigentlich schon allein auf weiter Flur, stellt Anne will noch fest, daß sich Chulzs Aussagen praktisch in nichts von denen der Mitbewerber unterscheiden. Hätte er doch bloß »Mehr Demokratie wagen!« gesagt.
Hat er aber nicht.

Donald Trump greift durch. Keine muslimischen Ausländer mehr. Amerika den Amerikanern. Iran Air, Etihad, Qatar Airways, Emirates oder Turkisch Airlines können sich ihre Flieger direkt bei Airbus abholen. Oder bei Tupolew in Moskau. Jedenfalls nicht in Seatle. Kapitalismus hat auch seine humoristischen Seiten.
Trumps Einreisesperre zeitigt indes erste
Wirkung. Sechs Tote beim Angriff auf Moschee in der kanadischen Stadt Québec.

»Die New Yorker Polizeibehörde kündigte nach dem Anschlag an, Patrouillen in Moscheen und anderen Gotteshäusern zu verstärken. Bürgermeister Bill de Blasio forderte Bewohner der US-Stadt über den Kurznachrichtendienst Twitter auf, Auffälliges zu melden.« (Donald, Dein Einsatz!) »Diese verdammten islamistischen Attentäter!«

Um beim Thema Humor und Kapitalismus zu bleiben: Brillenpflicht für Fielmann-Angestellte. Ob sie eine brauchen oder nicht, es wird Brille getragen. Ist ja klar! Brille: Fielmann. Zum Glück für das Personal verkaufen sie keine Autoreifen.

Chulz hat auch nicht »Ich bin wie fast alle, die damals Sozialisten wurden, über Lassalle zu Marx gekommen.« gesagt!

Update

Gott schütze die Königin!

Und wenn der es schon nicht macht, dann will es eine Bürgerinitative schaffen, daß die Queen bei Donald Trumps Besuch auf der Insel nicht mit ihm am selben Tisch sitzen muß. Über eine Million Briten sind es mittlerweile, die den Zeitgeist begriffen haben.
Hereinkommen darf er, aber nicht übers geharkte.

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24 Kommentare zu Presseschredder 30.1.2017

  1. OldFart sagt:

    Wg. Chulz: Du bist nur nicht auf der Höhe der Zeit. Das neue „mehr Demokratie wagen“ ist jetzt „das Leben der Menschen besser machen“. Damit gehen als Vorreiter für die „kleinen Leute“ schon seit einer ganzen Weile Nahles und Gabriel hausieren.

    https://www.heise.de/tp/features/SPD-Chef-Gabriel-wirft-Union-Machtausrichtung-vor-3374788.html
    http://www.dw.com/de/spd-ministerin-nahles-das-leben-der-menschen-besser-machen/a-19329364

    So steht es auch bei der Parteizentrale und wirkt als Sprachregelung bis nach unten durch.

    https://www.spd.de/unterstuetzen/mitglied-werden/
    https://www3.spd.de/regierung/
    http://www.martinhabersaat.de/wahlkreis/das-leben-der-menschen-besser-machen/

    Ich tue mir solche Parallelwelten wie die Will-Runde o.ä. nicht an, aber ins Blaue getippt: ich wäre überrascht, wenn er DAS NICHT gesagt hätte. Andernfalls müßte ihn die Werbeagentur mal ordentlich briefen. Von wegen einheitliches Narrativ und Wording, sowie „Partei der kleinen Leute“, und so.

  2. Studio Glumm sagt:

    Bedeutet „Fielmann verkauft KEINE Autoreifen!“ automatisch, dass es eine Brille ist, was mir da auf der Nase sitzt??? (Hatte das merkwürdige Gerät bislang unter Felgenpflicht abgeheftet..)

    • Pantoufle sagt:

      Na ja… das kann ich natürlich nicht aus der Ferne beurteilen. Und gelegentlich laufen einem dermaßen verunstaltete Gesichter vor die Nase, daß der Begriff »fachkundige Beratung beim Optiker« eine vollkommen neue Bedeutung erhält.

      Übrigens: Dein Artikel neulich, der mit den lächerlichen Faschisten. Eigentlich wollte ich was dazu schreiben, was dann aber viel zu lang geworden ist. Außerdem paßte es nicht in die gemütliche Runde der Kommentare.
      Aber ich bin überhaupt nicht der Meinung, daß die »klassischen« Faschisten wie Mussolini oder Hitler in irgend einer Form lächerlich waren. Die Aussage ignoriert die zeitbezogenen Ästhetik. Gerade bei Mussolini halte ich das für grundverkehrt. Der hatte bereits einen (miesen) Namen, als er 1922 zum Ministerpräsidenten (und Innen- , Außen- und Luftfahrtminister in Personalunion) ernannt wurde. Als 1927 Mussolinis propagandistische Überhöhung als »Volkstribun« begann, darf man dabei zwei Dinge nicht vergessen. Erstens waren die zur Verfügung stehenden Propagandainstrumente wie Radio, Kino oder Schallplatte relativ neu und unerprobt. Man betrat Neuland und setzte sich dabei schon mal – aus heutiger Sicht – in die Nesseln. Zum anderen rekrutierten sich die Vorbilder für Mussolinis Selbstdarstellung aus Klerus und Monarchie. Das gestelzte, was uns heute so lächerlich erscheint, stammt aus einer Zeit, als deren Riten durchaus noch tief in der Gesellschaft verwurzelt und überhaupt nicht lächerlich waren.
      Was natürlich nichts daran ändert, daß es ihre Nachfolger nicht fertigbrachten, diese Ästhetik merklich fortzuentwickeln. Deswegen ist ein Höcke lächerlich: Weil man eben bei seinen Reden einen Goebbels im Sportpalast vor Augen hat. Und das unterscheidet ihn grundsätzlich von D. Trump. Das kann man auch lächerlich finden, allerdings aus anderen Gründen.

      • Studio Glumm sagt:

        nein, ich bleibe dabei: wäre hitler keine lächerliche figur gewesen, chaplin hätte ihn nicht so famos verulken können.

        • Pantoufle sagt:

          Es gibt einen Unterschied, ob jemand lächerlich ist oder lächerlich gemacht werden soll. Aussagekräftig wird es erst dann, wenn man es mit anderen – in diesem Fall Politikern – vergleicht. Und dabei würden viele genau so »lächerlich« abschneiden.
          Papen und Hindenburg hätte sicherlich nicht Hitler zum Reichskanzler ernannt, wenn jener als vollkommen lächerlich wahrgenommen worden wäre. Zu welchem Zeitpunkt konnte man ahnen, daß Hitler nicht nur eine radikale Version Franz von Papens oder Mussolinis war? Neville Chamberlain kam 1938 mit den Worten nach Hause »Ich hatte den Eindruck, dass hier ein Mann stand, auf den man sich verlassen konnte, wenn er sein Wort gegeben hatte.« Das sagte er offiziell über einen Mann, den er privat den »ordinärsten kleinen Hund, den er jemals gesehen hat« nannte. Nicht lächerlich, wohlgemerkt.

          P.S. Was alles nichts daran ändert, daß Chaplin ein Genie und »der große Diktator« sein vielleicht bester Film war. Und natürlich kann man Hitler und Mossolini lächerlich finden. Sind sie ja auch. Nur leider damals eben nicht.

        • Annika sagt:

          Ich bin ganz bei Andreas Glumm, wie so oft. 😉
          Den Unterschied sehe ich eher bei „lächerlich“ und „gruselig lächerlich“ und ich denke, auch damals im Zeitalter von Blut und Ehre gab es ansehnlichere und wenig schreihälserische Männer von Format – was auch immer man darunter verstanden haben mag.
          Wenn ich mir Aufnahmen von ihm ansehe, denke ich immer, das MUSS man doch gesehen haben, dass der unerträglich und nicht ganz knusper im Oberstübchen war. Sein ganzes Auftreten war doch… so durchsichtig.

  3. Pantoufle sagt:

    @OldFart

    »Du bist nicht auf der Höhe der Zeit.«
    DAS HABE ICH NIE BEHAUPTET!!elfzig!!

    Warte, warte… ich habs gleich… ganz gleich… ah! Da isses schon!

    »Die kapitalistische Wirtschaft hat den wesentlichen Teil der durch die moderne Technik gewaltig entwickelten Produktionsmittel unter die Herrschaft einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Großbesitzern gebracht, sie hat breite Massen der Arbeiter von den Produktionsmitteln getrennt und in besitzlose Proletarier verwandelt. Sie hat die wirtschaftliche Ungleichheit gesteigert und einer kleinen, in Überfluß lebenden Minderheit weite Schichten entgegengestellt, die in Not und Elend verkümmern. Sie hat damit den Klassenkampf für die Befreiung des Proletariats zur geschichtlichen Notwendigkeit und zur sittlichen Forderung gemacht.«

    »Die Entwicklung zum Hochkapitalismus hat das Streben nach Beherrschung der Weltwirtschaft durch imperialistische Machterweiterung noch gesteigert. Sie hat ebenso wie die unbefriedigende Lösung der nationalen und wirtschaftlichen Weltprobleme durch die geltenden Friedensverträge die Gefahr neuer blutiger Konflikte heraufbeschworen, die den Zusammenbruch der menschlichen Kultur herbeizuführen drohen.«

    »Die Sozialdemokratische Partei kann sich aber nicht darauf beschränken, die Republik vor den Anschlägen ihrer Feinde zu schützen. Sie kämpft um die Herrschaft des im freien Volksstaat organisierten Volkswillens über die Wirtschaft, um die Erneuerung der Gesellschaft im Geiste sozialistischen Gemeinsinns. Die Überführung der großen konzentrierten Wirtschaftsbetriebe in die Gemeinwirtschaft und darüber hinaus die fortschreitende Umformung der gesamten kapitalistischen Wirtschaft zur sozialistischen, zum Wohle der Gesamtheit betriebenen Wirtschaft erkennt sie als notwendige Mittel, um das schaffende Volk aus den Fesseln der Kapitalherrschaft zu befreien, die Produktionserträge zu steigern, die Menschheit zu höheren Formen wirtschaftlicher und sittlicher Gemeinschaft emporzuführen.«

    »In diesem Sinne erneuert die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ihr im Erfurter Programm niedergelegtes Bekenntnis: Sie kämpft nicht für neue Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klassen selbst und für gleiche Rechte und gleiche Pflichten aller, ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. Sie führt diesen Kampf in dem Bewußtsein, daß er das Schicksal der Menschheit entscheidet in nationaler wie in internationaler Gemeinschaft, in Reich, Staat und Gemeinde, in Gewerkschaften und Genossenschaften, in Werkstatt und Haus.«

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ihre Socialdemokraten

    Ziemlich zeitgemäß, wenn Du mich fragst.

    • OldFart sagt:

      Die SPD hat inzwischen festgestellt, daß ihre Funktionäre mit alternativen Fakten™, bestehend aus Markt™ und Eigenverantwortung™ im Parteiprogramm besser verdienen. Den ganzen alten Sozialromantik- und Klassenkampf-Kram haben sie bei der offiziellen Übersiedelung ins neoliberale Wohlstandsviertel im Müllcontainer beerdigt. Was kramst Du auch in deren abgestoßenen Umzugsmüll herum. Tss. Tss.

      Hier noch was vom Revitalisierer der sozialen Ader der SPD:

      https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2014/trotz-wahlkampf-eu-parlamentspraesident-kassierte-sitzungsgelder/

      https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2014/vetternwirtschafts-vorwuerfe-gegen-martin-schulz/

      So geht authentische Integrität und Verbundenheit mit der Lebenswelt der kleinen Leute.

      • Pantoufle sagt:

        Müll???? Das sind wertvolle Antiquitäten. Stilmöbel – da gips Sammler, die zahlen mindestens… oder noch mehr auf Auktionen.

        Du bist aber auch sowas von nachtragend. Die Links sind von 2014! Jugendsünden, kleine, später korrigierte Verfehlungen.
        »Ein Generaldirektor in der Verwaltung der Europäischen Union verdient derzeit mehr als 15.500 Euro netto im Monat. Sozialversicherungsabgaben und Steuern betragen für die Beamten nur etwa 15,5 Prozent. […] Zusätzlich zu seinem normalen Gehalt erhielt der SPD-Politiker damit 110.000 Euro steuerfrei im Jahr.«

        Ich habe alles falsch gemacht. Alles! Gerade im Zusammenhang mit der authentischen Integrität und Verbundenheit mit der Lebenswelt der kleinen Leute.

  4. oblomow sagt:

    Schulz? Schulz. „Send Captain Schulz in.“ – Was Martin Schulz angeht: der verzweifelte ruf der nrw-spd wurde in Berlin erhört: „Schickt Schulz rein“ und tatsächlich fehlt dem seebärtigen fahrensmann Schulz nur noch Helmut Schmidts prinz-heinrich-mütze um die spd, diese einzig wahre deutschsoziale volksgemeinschaftspartei, wieder herrlichen zeiten entgegenzuführen. Die sehnsucht der partei war groß, die not noch größer, denn die wöchentlichen umfrageergebnisse für nrw sehen wohl so katastrophal aus, dass man den mann rief, der als käpt’n iglo 15 fischstäbchen in die pfanne haut, als käpt’n schulz wähler in die pfanne hauen will. Es ist nicht die bundestagswahl, die den schritt Gabriel abzulösen bewirkte, es ist die landtagswahl in nrw. Ich mein ja nur.

    Ach so: „Send Captain Schultz in.“ (1:41)

    [youtube https://www.youtube.com/watch?v=6Zpgjyn7dgk&w=560&h=315%5D

  5. epikur sagt:

    Warum denn nicht endlich „Mehr Eigenverantwortung wagen!“? Denn das ist es doch, was ständig und überall politisch umgesetzt wird. Sozialabbau. Deregulierung. Liberalisierung. Massenarmut per Gesetz. Flexibilisierung. Alles andere ist nur feuchtes Gelaber für den Kotzeimer.

  6. Der Duderich sagt:

    Die Anne-Will-Sendung kam mir wie eine Runde ‚Tabu‘ vor (wer kennt das Spiel noch?)
    Aufgabe: Lamentiere von sozialer Gerechtigkeit, sozialer Sicherheit, Verteilungsgerechtigkeit, usw. OHNE den Begriff Agenda 2010 oder Hartz IV in den Mund zu nehmen.
    Anne will’s/ bzw. wollt’s auch nicht.

    Ich rutschte während der gesamten Sendung auf den Arschbacken hin und her und dachte mir:
    Will oder muss der denn zu der Agenda keine Stellung beziehen? Reicht es denn, ein Sammelsurium von sozialdemokratischen Wahlkampfnebelkerzen zu zünden, ohne inhaltlich ein wenig klare Kante zu zeigen?

    Die einzige interessante Frage wurde also mal wieder nicht gestellt.

    Nicht, dass ich denen jemals mal wieder ein Wahlversprechen glauben sollte.

    Vorschussvertrauen? Im Ernst jetzt, Herr Schulz?

    • Pantoufle sagt:

      Der Michael Spreng hat es ganz gut auf den Punkt gebracht.

      Die hier auch!

      • OldFart sagt:

        Den Spreng finde ich da jetzt analytisch ausgesprochen schwach. Er liegt zwar ganz richtig mit der Beschreibung der unsäglichen Larmoyanz, mit der der der SPD-Repräsentant Krokodilstränen ob des Schicksals der kleinen Leute vergießt. Aber schon bei der Frage, wer das eigentlich zu verantworten hat, mauert er. Warum kneift da Herr Spreng? Muß ich ihm erst noch die kilometerlange Liste der Sozialverbrechen schicken, die aufs Konto der SPD gehen? Das Bild vom Duderich (s.o.) mit dem Spiel „Tabu“ trifft es auch beim Spreng ganz gut.

        Gänzlich unerträglich finde ich aber dann, wenn er den Chulz zu Taten auffordert. Um Himmelswillen NEIN! Wer nicht völlig vernagelt ist, braucht doch bloß seine bisherigen Taten, sowohl persönlich (siehe die Links in Sachen Selbstbereicherung und Postenpatronage) wie auch politisch (Hinterzimmerdeals am Parlament vorbei, TTIP & Co.) ansehen. Der hat sich doch schon betätigt und geoutet. Da jetzt von ihm Taten in Sachen sozialer Politik einzufordern ist mindestens mal weltfremd, uninformiert, blauäugig. Ich tippe aber eher auf Zuarbeit an der Legende von der SPD als Arbeiterpartei – es klemmt halt nur ein bißchen an der Umsetzung. Und wenn ich diesen Eindruck vermittelt bekomme, fange ich an zu hyperventilieren.

        Postillion/Titanic sind da deutlich realitätsnäher.

  7. DasKleineTeilchen sagt:

    „Die Schrottpresse hat es getan. Fernsehen geguckt.“

    ograus! du hast dich für uns freiwillig foltern lassen? (shit! und schon in der falle! jetzt fallen mir nur noch jesus-witze ein).

    http://www.nerdcore.de/wp-content/uploads/2017/01/sh6.jpg

    AAAHHHHHRG! aua, mein aneurysma….

    • Pantoufle sagt:

      Ja, ja – was tut man nicht alles für seine Leser! Denkt gelegentlich mal dran. Das war’s dann aba erst mal für die nächsten Monate.
      Jetzt seh ich mittels Mediathekview »die Geschichte der Toilette«. Echte Informationen! Spannung! Dinge die Sie sich nie getraut haben zu fragen, und die einen streng genommen auch nicht interessieren.

      Bewegung »Toiletten: Stark gegen Hunger!« Sachen gips… »Klobalisierung«!!!

      Ich glaube, ich guck dann doch lieber »Mit der Dampfbimmelbahn durch das Neandertal«

  8. DasKleineTeilchen sagt:

    »Diese verdammten islamistischen Attentäter!«

    man sollte es ernsthaft nicht für möglich halten; genau. das. ist. passiert.

    https://theintercept.com/2017/01/30/suspect-in-quebec-mosque-attack-quickly-depicted-as-a-moroccan-muslim-hes-a-white-nationalist/

  9. Pantoufle sagt:

    @ Annika

    Nun ist eine Diskussion darüber, was einer lächerlich findet oder nicht, natürlich vollkommen witzlos. Aber trotzdem, weil ich so gerne das letzte Wort habe und jederzeit mir mißliebige Kommentare löschen kann.

    »…das MUSS man doch gesehen haben, dass der unerträglich und nicht . ganz knusper im Oberstübchen war.«

    Willkommen im Kreise der professionellen Kaffeesatzleser. Dann hast Du also bereits 1996 vorausgesehen, daß sich Benjamin Netanjahu zu dem Arschloch entwickelt, als das er heute dasteht. Recep Tayyip Erdoğan: Seit 1972, der Gründung der »Nationalen Heilspartei« der er sich anschloß, hätte jeder wissen müssen, daß er sich einmal zum Alleinherrscher aufschwingt. Dieser Vollpfosten! Allein der Name: Nationale Heilspartei!
    Weitere Beispiele gefällig? Die Welt ist voll von diesen Lichtgestalten mit ihren erstaunlichen Karrieren.

    Es ist nun einmal so, daß die Mehrheit der Deutschen im März 1933 Hitler als Retter des Vaterlandes feierten. Die enthusiastischen Straßenumzüge waren nicht gestellt. Ob man immer aus lauter Begeisterung mitjubelte oder auch aus Angst, ist eine andere Sache. Zuschauer, die sich während dieser Volksbelustigung vor Lachen auf dem Bürgersteig wälzten, sind jedenfalls nicht überliefert.
    Fünfzehn Jahre vorher, als ein gewisser Wilhelm II verkündete, »er kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche«, übrigens auch nicht. Mit dem kleinen Unterschied, als daß es durchaus viele Menschen gab, die Wilhelm für eine lächerliche Figur hielten und das auch laut sagten. Das war zudem zu einer Zeit, als man Majestätsbeleidigung noch sehr ernst nahm! Und trotzdem waren die Straßen voll von Menschen, denen der Krieg gar nicht schnell genug beginnen konnte. Eine Nation im Wahnsinn. Als vernünftiger Mensch hätte man ja… aber man war eben nicht vernünftig, sondern vaterländisch gesinnt. Auch die eigentlich klügsten Köpfe!

    Und darin liegt bei solchen Gedankengängen die Gefahr: Es ist bei weitem wichtiger, sich in die Gedanken und Gefühle der Menschen von damals hineinzudenken und sie ernst zu nehmen. 70 Jahre später ist jeder ein Prophet. Aber den Mechanismus zu begreifen, mit dem durch einfachste Mitteln ganze Völker gegeneinander aufgehetzt werden, ist wichtig. Das lächerlich zu finden bringt einen nicht weiter, eine nutzlose Überheblichkeit. Dieses »aufgeklärten Menschen wie uns kann das ja nicht passieren!« Mal sehen, was unsere Nachkommen sagen werden. Vielleicht »Daß sie das nicht schon in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts gesehen haben, daß sie die Welt mit ihrer Industrie zugrunde richten! Was haben sie dagegen getan? Geredet. Immer nur geredet. Absolut lächerlich!«

    Und dann werden sie sich wieder in ihre Zelte verziehen, weil abends immer der grüne Regen fällt.

    P.S. Was mich zu dem eigentlich naheliegenden Gedanken bringt, daß es meist Hitler oder Mussolini sind, die als so lächerlich empfunden werden, obwohl Wilhelm II eigentlich erheblich näher liegt. Ohne ihn hätte es vermutlich beide nie gegeben und vieles andere Entsetzliche auch nicht.

    • R@iner sagt:

      @Pantoufle: Ich find’s gut, was Du schreibst. Die Kurzform davon lautet vielleicht: Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten.

      • Pantoufle sagt:

        Moin R@iner

        OT. Ich bin ja Freund der Polemik und da hab ich eine Einleitung gefunden:

        »Wie ein Mensch eine Stunde lang reden kann, ohne jede Spur von Idee, Witz oder Esprit, hat Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD in seiner Antrittsrede gezeigt. Eine Stunde lang hat er Knäckebrot geraspelt, Hartfasertapeten zerstückelt, Spanplatten ausgewrungen. Seine Genossen erwachten aus ihrer politischen Nahtoderfahrung und versicherten nun, dass sie immer an ein Weiterleben geglaubt hätten, denn da war dieses Licht am Ende des Tunnels. Manche Sozialdemokraten schwören mittlerweile, dass ihre Toastbrote morgens mit einem gerösteten Porträt des weinenden Martin Schulz aus den Röstschlitzen springen. 600 Parteieintritte innerhalb einer Woche liest man in der Partei übrigens als Begrüßungsgeschenk an den Neuen und nicht als Abschiedsgeschenk an den Alten.

        So also sieht ein deutscher Politiker im Jahr 2017 aus, der das Land davor retten soll, dass rechtsradikale Kräfte in Europa die Demokratie unablässig erwürgen!«

        »Geraspeltes Knäckebrot«, Kolumne von Mely Kiyak

        Ziemlich lesenswert

  10. oblomow sagt:

    “Someone has farted; no one knows just who, but this isn’t like a normal adult place where everybody coolly pretends a fart didn’t happen; here everybody has to make their little comment.”
    – David Foster Wallace

    Inzwischen gibt jeder in der spd, seinen erlösenden furz zu schulz von sich, hält das für aufwind und bemerkt den verwesungsgeruch nicht, der die hochjubelnden medien doch verschämt schweigen lassen sollte. Andererseits nimmt man in der journalistischen jauchegrube ja nun auch keine gerüche mehr wahr. (Wie sehr es in der mediengrube stinkt, kann man etwa hier lesen und die fotostrecken dazu findet man hier.)

    Hannelore Kraft z.b. meinte heute in einem interview Schulz bringe neuen wind unter die flügel der spd. Da stelle ich doch gleich zwei fragen:

    1. Welche flügel, mir fallen bei spd nur die dodos aus ice age ein.
    2. Wie kann man das pfeifen im walde für aufwind halten?

    „Es gibt einen punkt der betrachtung, von dem aus nichts mehr links oder rechts, sondern alles nur dumm erscheint.“ – Karl Kraus

    Schulz oder shg – seine hohlheit grüßt.

    Nun ist der ‚Michel‘ ein gar merkwürdiges wesen und da weiß man ja nie. Aber wenn man einigermaßen stabil und komfortabel liegt, kann einen wenigstens nichts mehr umhauen; ansonsten: ruhig mal laufen lassen – prost.

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