Presseschredder 29.1.2014

»EU-Politiker entsetzt über Linksschwenk in Griechenland«, »Tsipras auf Konfliktkurs«, »Griechenland auf neuem Kurs: Spargegner und Russlandfreund«.
Und dann war da noch mein persönlicher Liebling:

»Aber vor lauter Romantik will man nicht sehen, daß Tsipras das Trojanische Pferd des Kreml in Europa ist, daß Putin ihn, wie auch Marine LePen, als seine Unterstützer sammelt, um Europa zu spalten und seine Eurasienpläne verwirklichen zu können (“Reger E-Mail Verkehr von Tsipras mit Dugin” via Die Kentrail-Verschwörung )«

Dieses Highlight stammt aus dem Kindergarten bei facebook und nicht der Kuh-Presse, wobei bei diesem Thema die Unterschiede nur marginal sind. Ob als Quelle Kentrail-Verschwörung oder dpa genannt wird, ist momentan eher nebensächlich.

Der ehemalige Verlagsbuchhändler und nunmehrige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat keinen Bock auf Debatten und will mit der neuen Regierung in Athen Tacheles reden. Bei dem europäischen Schmuddelwetter kann man davon ausgehen, daß sich Schulz bereits warm angezogen hat; dabei sollte er auch bleiben. Seine Gesprächspartner sind nämlich im Gegensatz zu ihm ausgewiesene Fachleute. Schulzes Getröte dient in erster Linie dazu sich gleich einem Schnaps zum Frühstück Mut zu machen. Was bei einem Dachdecker noch funktionieren mag, muß in Athen nicht auch zum Erfolg führen. Er steht dabei symptomatisch für eine EU-Klientel, die davon ausgeht, daß Griechenland nach wie vor beliebig erpressbar ist.
Das wird sich zeigen.

Vielleicht weiß Schulz, was er der neuen griechischen Regierung gerne ins Stammbuch schreiben möchte – Allein: Er hat genau genommen keinen blassen Schimmer, was genau diese Regierung eigentlich vorhat. Genau so wenig wie alle anderen, die sich in wilden Katastrophen- und Verschwörungstheorien ergehen. Griechenland habe die EU zu respektieren, so EU-Kommissionspräsident Juncker; ein durchaus einseitiger Respekt, den das im Jaulen der Hyänen beweist, die die sicher geglaubte Beute im Sumpf des Sozialismus verschwinden sehen. Deswegen wohl auch der Verweis auf Russland – Geschichte haben wir dann nächste Woche. Kuba auf europäischem Boden… allein die Vorstellung!

Weiter Mißverständnisse lauern. Alternativlosigkeit kann durchaus unterschiedlich interpretiert werden. Die der Blutsauger trifft hier auf angeschossenes Tier; da mögen sich die verfügbaren Alternativen beim Tier durchaus anders darstellen. Die Bonzen Griechenlands haben vermutlich ein Vermögen in Höhe von 600 Milliarden Euro außer Landes geschafft. Eingefrorene Konten im Kampf gegen den Terrorismus gehören zum guten Ton, aber was wäre wenn? Eben keine Peanuts, sondern ein Teil des europäischen Wirtschaftsvolumens. Die Vorstellung diverser verstreut umherliegender Sparbücher geht in die Irre. Die Altschulden Deutschlands aus dem zweiten Weltkrieg gegenüber Griechenlands und diese 600 Milliarden stehen durchaus auf einer Stufe: Kriegsbeute. Das Schreckgespenst des Sozialismus lauert dann, wenn es jemand wagen würde, Hand an genau dieses Vermögen zu legen. Es wäre nicht nur das Doppelte der griechischen Staatsschulden, sondern ein übler Tiefschlag gegen die Geld-Eliten.

Es ist doch auffällig, daß die naheliegende Lösung einer konsequenten Verfolgung der Steuerflüchtlinge/Verbrecher selbst dann außerhalb der Diskussion bleibt, wenn man im Gegenzug dafür eine Nation über die Klinge springen lassen muß.

Mein 5 Cent.

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0 Kommentare zu Presseschredder 29.1.2014

  1. Stony sagt:

    OT – betreffs Oberleitungen: Pah, dat is’ einfach! Man verfrachte ein Dutzend Exemplare des Vogels Strauß in das Passagierabteil des “DHL-Balloons”, grobe Peilung Oberleitung, et voilà!1!! Wie wahrscheinlich ist dagegen ein Komplott sämtlicher lebender Kolibris? 😀

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    • pantoufle sagt:

      Gestern stürzte der Heliumbomber »Fürst Pückler« aus noch unbekannter Ursache auf eine Oberleitung der Bahn. Die Besatzungsmitglieder, die dem Unfall unverletzt entkamen, hatten nach Zeugenaussagen eine erregte Diskussion mit der Schiffsführung, welche die wartenden Reisenden gezwungen waren mit anzuhören. Aufgrund der verwendeten Wortwahl müssen die Angehörigen des 11. Jagdbombergeschwaders/Großenkneten vermutlich mit Disziplinarmaßnahmen rechnen.

      Die Drahtmöwe (Platz 56 der bedrohten Tierarten Westfrieslands)

      Der Stromspecht (Galbuloidea Ampera) lebt vorzugsweise in Gebieten starker Bebauung und ist in ganz Europa verbreitet. Bei Sonnenschein kann man oft Dutzende dieser possierlichen Vögel auf Oberleitungen bei der Paarung beobachten, dem sogenannten »vögeln«. Bedauerlicherweise werden dabei oft Leitungen gerade der deutschen Bundesbahn in Mitleidenschaft gezogen. Tierschützer und Ornithologen protestieren seit Jahren gegen die Bejagung durch Mitarbeiter der Bahn, weil durch deren Kanonenbeschuß nicht nur Spatzen, sondern eben auch der Stromspecht immer seltener wird. Von der Beschädigung von Oberleitungen, die dann den Vögeln zugeschrieben wird, einmal ganz abgesehen.

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      • Stony sagt:

        Die Schweine! (Also die von der DB, nicht die fliegenden…)

        Beim dritten mußte ich mir die Äuglein reiben, bis ich’s endlich raffte: allerliebst! 🙂

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  2. derda sagt:

    Hat diesen Schulz eigentlich jemand gewählt? Also so vom Volk aus?
    Der Tsirpas hat ja ne gewisse legitimation…

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    • pantoufle sagt:

      Nö, nich wirklich. Und das aus naheliegenden Gründen: Da man nach Brüssel ohnehin nur den Schrott abschiebt, der im eigenen Land nicht mehr wählbar ist, wählen sich die Ersatzteile des EU-Parlamentes logischerweise ihren Präsidenten selber. Alles andere wäre nun wirklich widersinnig.

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  3. Eike sagt:

    Doch…der Schulz wurde gewählt… Schultz!!!!

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