Presseschredder 21.10. 2017

 

»Die grünen Spitzenleute Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir kamen mit Unions-Fraktionschef Volker Kauder die Treppe herunter, nachdem die beiden vorher noch ein bisschen alleine mit Kanzlerin Merkel geplaudert hatten: “Ich hab versucht, ihr Schwäbisch beizubringen”, scherzte Özdemir, der sich mit freundschaftlichem Schulterklopfen von Kauder verabschiedete.«

Es menschelt. Und wenigstens auf dieser Ebene kommt die Schwampel-Koalition voran. Man klopft sich auf die Schulter! Damit wird dem Willen des Wählers endlich Rechnung getragen.
Wer sich nicht so lange mit der Kabinettsbildung gedulden mag, darf schon mal selber. Der (natürlich interaktive) Kabinett-O-Mat der Tagesschau macht’s möglich! Die Schrottpresse hat natürlich auch gleich mal, wenn auch relativ unbegabt – natürlich. Nachdem sich Alexander Dobrindt auf seinen Einsatz als Familienminister freuen durfte, Katrin Göring-Eckardt ihrem Einsatz in der Verteidigung entgegensah, war die Luft relativ schnell raus. Was für Kackbratzen (man entschuldige den Ausdruck)! Keines dieser Gesichter möchte man wiedersehen. Wobei: Eine kindisch herumhampelnde, in die Hände patschende Göring-Eckardt vor dem Ehrenspalier der Bundeswehr wäre schon eine anschmiegsame Vorstellung. »Und jetzt beten wir alle zusammen! Ich bete an die Macht der Liebe / die sich in Jesus offenbart / ich geb mich hin dem freien Triebe / wodurch ich Wurm geliebet ward / ich will, anstatt an mich zu denken/ins Meer der Liebe mich versenken«.
Na ja. Wer nennt die Namen, wer erträgt die Gesichter?
Ein Name fällt dann allerdings doch auf. Und das auch noch bei der Einpersonenpartei FDP. Philipp Rösler steht dort zur Auswahl. Ja, genau der Philipp! Nicht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Philipp Rösler.

Als der Faktenfinder der Tagesschau mal wieder seinen Mittagsschlaf hielt.

Bei all den Pappnasen, die sich seit geraumer Zeit über den Zulauf bei AFD und anderen neofaschistischen Gruppierungen wundern, sollte man auch an diejenigen erinnern, die es haben kommen sehen und etwas dagegen getan haben. Jugendpfarrer Lothar König, bekannt durch die Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden 2013 wegen »schwerem aufwieglerischen Landfriedensbruch, Nötigung und versuchten Strafvereitelung.«, hat sich mal wieder zum Thema NSU geäußert. Nicht, daß das der besonderen Erwähnung wert wäre. Aber Pfarrer König engagiert sich seit mehr als 20 Jahren gegen rechts. Erst von der Stasi bespitzelt, danach von deren Rechtsnachfolgern und trotzdem hält er bis heute nicht den Mund.
Das ist eine Erwähnung wert! Lothar König ist ein sehr mutiger Mann und beschämt uns alle, die wir uns fragen, was man gegen AFD und Rechtsruck der Gesellschaft unternehmen kann.

Freizeitpark Bundesrepublik. »Am Wünschdirwas-Glücksrad des bundesdeutschen Außenministeriums prämieren wir heute den Kämpfer der Woche! Die Peschmerga! Eben noch schlagkräftigste Bodentruppe gegen den IS, nun plötzlich befallen vom Unabhängigkeitsvirus. Womöglich mit dabei: Waffen aus Deutschland!«
Man kann die Naivität einiger Presseorgane gar nicht überschätzen. Kampf mit deutschen Waffen Fragezeichen. Im Kampf der Kurden gegen die irakische Armee werden natürlich auch die von der Bundeswehr gelieferten G36 Gewehre und Milan-Raketen verwendet. Das aber wäre ein Verstoß gegen Vereinbarungen mit der Bundesregierung. Die Bundesregierung hatte sich den Krieg im Allgemeinen und den Freiheitskampf der Kurden im Besonderen ganz anders vorgestellt. Was vom Sprecher des weltweit drittgrößten Waffenimporteurs allerdings fehlt, ist die Verurteilung von Titos Partisanen und der französischen Résistance, im Kampf gegen die Wehrmacht auf deutsche Beutewaffen zurückgegriffen zu haben.
Aber eine funktionierende Freund-Feind-Erkennung war nicht nur bei Infanteriewaffen schon immer ein großes Problem. Vor allem, wenn der Freund »Kurde« heißt.

Noch etwas humorvolles zum Wochenende? Die Polizeigewerkschaft mischt sich ein.

Die Antifa Bayern kündigte Anfang Oktober den Kongress »Theorie, Vernetzung & Party« an. Themen unter anderem: Die AfD und Antifeminismus, rechter Terror und der NSU, die Kritik der politischen Ökonomie und eine Führung durch das NS-Dokumentationszentrum. Aufgeschreckt durch eine Mitteilung der rechtsextremen Plattform Journalistenwatch reagierte die Gewerkschaft der Polizei mit geballter Rechtsstaatlichkeit.

Gemäß §33 des Beamtenstatusgesetzes über deren Grundpflichten, welches da lautet…

(1) Beamtinnen und Beamte dienen dem ganzen Volk, nicht einer Partei. Sie haben ihre Aufgaben unparteiisch und gerecht zu erfüllen und ihr Amt zum Wohl der Allgemeinheit zu führen. Beamtinnen und Beamte müssen sich durch ihr gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekennen und für deren Erhaltung eintreten.

(2) Beamtinnen und Beamte haben bei politischer Betätigung diejenige Mäßigung und Zurückhaltung zu wahren, die sich aus ihrer Stellung gegenüber der Allgemeinheit und aus der Rücksicht auf die Pflichten ihres Amtes ergibt.

… posaunt die DPG »Wir kritisieren die Veranstaltung an sich und sind entsetzt, dass der DGB dafür seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen möchte.« (Bundesjugendleiter der Deutschen Polizeigewerkschaft, Michael Haug)

Damit reihte sich die DpolG nahtlos in den braun-bunten Bogen von rechten Seiten und Nutzern in Sozialen Netzwerken, etwa von der AfD Potsdam oder Pegida Chemnitz und Westsachsen.

»Als Schutz für eine DGB-Mitgliedsgewerkschaft hat daher der DGB darum gebeten, nach alternativen Veranstaltungsräumen zu suchen. Trotz der knappen Frist ist es gelungen, den Veranstaltern drei alternative Veranstaltungsorte in München anzubieten.«
Mitteilung des DGB vom Donnerstag

»Am Donnerstag gab auch die Antifa bekannt, daß ihr die Räume im DGB-Haus für den Kongress nicht mehr zur Verfügung stünden. Und auch diese Entscheidung fand ihre Kritiker: Die Jugend München von ver.di, ebenfalls Mitglied im DGB, schrieben auf Facebook, sie sei geschockt über den Schritt. Besonders von der GdP hätte sie nicht erwartet, dass sich diese gegen ein antifaschistisches Projekt stelle und rechter Hetze im Netz blind folge. «
BR24

»Habt ihr sie eigentlich noch alle, wegen Druck von GdP & Rechten, AntifaschistInnen vor die Tür zu setzen?«
Dominik Krause, grüner Stadtrat in München

Die Redaktion der Schrottpresse, bestehend aus Redaktionskampfhund Oskar, Redaktionsschwein Schnitzel und dem Chefredakteur Pantoufle, wünscht ein frohes, antifaschistisches Gelingen!

Einen ham wa noch!
Unerträgliche Schmerzen im Hypothalamus, Sektion Steuerung des Sexual- und Fortpflanzungsverhaltens:

Anonym:
»…wollte Sahra Wagenknecht keinen jüdischen Namen tragen…?«

Diese Frage ist völlig deplaziert.

Sahra = persischer Name, aramäisch.
Der Name steht für die Venus als Morgenstern.

Sara(h) = altestamentarischer Name, hebräisch.
Sarah (“Fürstin”) ist eine biblische Gestalt aus der Genesis und die Frau des Patriarchen Abraham und gilt als Erzmutter Israels.

Wagenknechts Vater ist Iraner und ursprünglich sollte der persische Name “Sahra” ins Geburtsregister eingetragen werden. Die Hebamme aber ließ versehentlich den altestamentarischen Namen “Sarah” eintragen. Frau Wagenknecht hat dies vor ein paar Jahren ändern lassen.

Antwort Bräunlich:
Eben. S. Wagenknecht wollte den jüdischen Namen “Sarah” aus dem Alten Testament nicht mehr. Sie hätte es ja gut so sein lassen können, wollte sie aber nicht.
Die Geschichte mit der Verwechslung ist lächerlich.

Antwort Bräunlich:
So etwas tut man einfach nicht.

Und die Antwort lautet »NEIN!«. Das habe ich mir nicht ausgedacht!

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9 Kommentare zu Presseschredder 21.10. 2017

  1. OldFart sagt:

    Der Kabinett-O-Mat läßt mich unzufrieden zurück. Ich würde gerne alles mit Dobrindt besetzen, aber das ist nicht vorgesehen. Das wäre mal Win-Win-Win. Maximale und undogmatische Kompetenz an allen Stellen, keine Abstimmungsprobleme zwischen den Ressorts und wir sparen beträchtliche Altersversorgung für die viel zu vielen parlamentarischen Couponschneider. Schade.

    Na gut, dann schaun wir mal. Wenn ich jetzt den Guttenberg seinem natürlichen Habitat, also der Bildung, zuordne … hmmm, grübel … so viele tolle Figuren, so wenig Posten.

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    • Pantoufle sagt:

      Du hast es also auch getan!
      Ich wollte ja alles mit Rösler, aber der ist gar nicht in der Mannschaft. Superkompetenzzentrumsparteiabgeordneter. Nach dem ehemaligen 4,5%-Heini hatte ich ohnehin ein Glaubwürdigkeitsproblem mit den anderen Namen. Sind die jetzt oder sind die jetzt nicht? Schäuble ist ja bereits gesetzt (außerhalb des CDU-Kabinets), ob man Dobrindt zukünftig mehr Verantwortung einräumt als das Mineralwasser im Plenarsaal zu verteilen, wie lange Seehofer noch verfügbar ist, ob Annette Widmann-Mauz dem Verbot von dämlichen Doppelnamen zum Opfer fällt, Winfried Kretschmann nicht doch den Posten von Peter Tauber übernimmt oder man extra für Anton Hofreiter das Amt »Deutsch für Anfänger« einrichtet… zu viele offene Fragen.

      Stimmt überhaupt! Ganz besonders Mutige könnten natürlich auch Guttenberg zweitverwursten! Das böte sich an: Er gehört ebenfalls nicht dem Bundestagsarsenal an.

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  2. Michl sagt:

    Bitte unbedingt beim altehrwürdigen Begriff Schwampel bleiben. Jamaika ist ja doch irgendwie positiv besetzt. Bei der Kabinettsbesetzung habt ihr zwei den Herrmann vergessen, der hats ja über die Liste nicht geschafft, dem Horst ist er im Weg und er will doch so gern Innenminister werden.
    Güße

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    • OldFart sagt:

      “Schwampel”, ja unbedingt! Ein onomatopoetisches Wort-Meisterwerk. Ein Wortklang von geradezu kohl’scher bräsiger Grauenhaftigkeit. Da wird die uns erwartende Politik als lautmalerisches Gebilde avisiert. Das atmet schon klanglich den Geist der Beteiligten. Viel angemessener als das hippe und jugendliche Frische versprühende “Jamaica”.

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  3. Pantoufle sagt:


    Der bisherige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will sich auf die Rolle in der Partei konzentrieren.
    (Foto: dpa)

    Wie es heißt, werde auch der Bereich Digitales vermutlich wieder an anderer Stelle gebündelt als vor dem Jahr 2013. Agrarministerium?

    @Michl
    Aber natürlich bleibt es bei Schwampel. Gibt es ein Wort, was phonetisch besser den Anblick der Bundesregierung trifft? Und Herrmann habe ich nicht vergessen, sondern verdrängt. Mir hängt noch zu sehr Hans-Peter Friedrich im Gedächtnis.

    @OldFart
    Nach der Betreuung diverser Raggae-Festivals verbinde ich mit Jamaika alles – nur nicht »hipp« und »jugendliche Frische«. Eher »bis zur Entmündigung zugedröhnt« und »Gut, daß das Gehirn wenigstens Stoffwechselfunktionen automatisch übernimmt«. Das allerdings atmet den Geist der Beteiligten.
    Wenn die wüßten, was das Wort Jamaika bei mir für Assoziationen auslöst…

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    • OldFart sagt:

      > “Digitales” im Agrarministerium

      Naheliegend. Kuhstall 4.0, Smart Farming und Handy-Apps. Keine Parodie vom Postillion, muß man ja heutzutage immer dazusagen, bei deren Projekten:

      https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Kuhstall-40-gut-fuer-die-Tiere.html
      https://www.bwagrar.de/aktuelles/Kuhstall-4-0-gut-fuer-die-Tiere,QUlEPTU1Njk3OTYmTUlEPTE3MzMxOQ.html

      Mir scheint, die Besucher von Raggae-Festivals sind nicht die einzigen, die sich um den Verstand kiffen.

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      • Pantoufle sagt:

        Man müßte die Wortschöpfer zwingen können, die Versionssprünge ihrer Ställe offenzulegen. Kuhstall 1.0: Schwingtüren. Kuhstall 1.23 (unstable): Rinderpornos statt klassischer Musikberieselung, Kuhstall 2.2: Selbstschußanlagen statt Metzger, bei welcher Version wurde die automatische Muh-Erkennung eingeführt? Et cetera, p.p.
        Bullshitbingo im wahrsten Sinne.

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        • OldFart sagt:

          Erzähl mir nix von Bullshitbingo. Aus meinem Leben: Die politische Geschäftsleitung meiner Behörde hat einen IT-Lobbyisten/IT-Berater angeschleppt, für dessen euphorisierenden Darlegungen ich als IT-ler des Hauses anwesend sein soll. Ein beliebiger Textausschnitt von der Webseite des Ladens kommt bei BlaBlaMeter auf ein bemerkenswertes: “Ihr Text: 1404 Zeichen, 178 Wörter, Bullshit-Index :0.93”. Bei so einem Heißluftsturm geraten Politiker in Ekstase. Es geht um “Kommune 4.0” und “eGovernment”. Das ist nur der Titel und ergibt alleine dann schonmal zwei Trefferfelder beim Bullshitbingo. Vielleicht sollte ich mir im Vorfeld des “Gesprächs” ein Beispiel an o.g. Rastafaris nehmen und mich währenddessen auf die vegetativen Lebensfunktionen beschränken.

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  4. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantouffle,
    sorry noch für den letzten Eintrag (zu kurz) habe beim lesen garnicht gemerkt das dat Dingen doch länger war, eben kurzweilig. Danke.
    Naja zur Doppelblindstudie (G.E.), die soll mal zu uns kommen,” ich geb mich hin dem freien Triebe / wodurch ich Wurm geliebet ward / ich will, anstatt an mich zu denken/ins Meer der Liebe mich versenken«” denn auf jedem Schiff wat dampft und segelt gibts irgeneinen der die Putzfrau vögelt. Schau ich mir an, von der Nock, vielleicht ein Selfi?
    Der L. König ist für mich der King! Cojones aus Stahl! Nur dem Verein dem er vorsteht, kann ich so gar nichts abgewinnen.
    Eh mit den Waffen* und so (*Außenpolitische, invasive Industrieprodukte letaler Art) da trifft uns keine Schuld, wir haben schließlich ein unterzeichnetes MOU, woher sollten wir den wissen das die sich nicht daran halten? Und ich sach noch zum Juristen lass uns mal ne Klausel reinmachen, wenn nich, aber Angy hat gesagt den kann man trauen, nöh wa.
    LG

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