Presseschredder 2.5.2016

Guten Morgen, Morgenzeitung! Nein, was sind wir heute wieder aufgeregt. TTIP, AFD und Obama-Nostalgie. Isser denn schon weg, the lame duck? Wenn jeder amerikanische Präsident seinen ganz eigenen Mord ausführen muß, um in den Geschichtsbüchern der USA im Inhaltsverzeichnis aufzutauchen, war er wohl einer der Guten.

Sein ganz persönliches Ding: Das Abhacken der beinahe schon vergessenen Galionsfigur Bin Laden vom Bug des Schiffes »HMS islamistischer Terror«. Aufgrund der ungewöhnlichen Bauart des Schiffes, Katamaran, Tritamaran  (was kommt danach?) war die Wirkung ähnlich unübersichtlich wie nach dem Ende Gaddafis und Saddam Husseins. Die Verwirrung, die diese ferngelenkten Morde jedes Mal auslösen, ist dann wohl auch der tiefere Grund dafür, warum Baschar al-Assad überhaupt noch am Leben ist. Der Faktor »Ordnungsmacht«, der bei Gaddafi nur dann sichtbar wurde wenn man genauer hinsah, liegt im Fall Assad selbst für die US-amerikanische Außenpolitik so offen zutage, daß man von diesen Holzfäller-Methoden Abstand nimmt.
Statt dessen das Abhacken linker und rechter Hände irgend welcher IS-Größen im Wochenrythmus.
Aussichten? Trübe! Jetzt wird erst mal ein neuer Präsident gewählt, der vermutlich Trump heißen wird. »Wir haben die Bombe? Dann lass sie uns benutzen!« Für alle, die glauben, daß Naivität und Mangel an »westlichen Werten« nicht steigerbar wären, steht eine Überraschung ins Haus.

Womit man übergangslos bei der AFD wäre. Der Parteitag in Stuttgart ist Thema auch der letzten Schrebergarten-Postille; wozu also wiederkäuen? Georg Diez nennt die Ziele des Haufens einen klerikalfaschistischen Ständestaat. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – welchen Namen sich das Kind selber gerne geben würde, tritt dabei in den Hintergrund.

Aber man soll nicht undankbar sein! Aufschlußreich war die Veranstaltung dennoch. Die erfolgsbesoffenen Rufe zur Machtergreifung, die offene Radikalisierung, die ungebremste Schußfahrt des rechten Flügels… halt, stop, zurückgerudert: Das klingt so, als würde es einen linken Flügel geben; eine Art Ernst Röhm-Fraktion. Die gibt es nicht. Ein paar andere Dinge gibt es auch nicht. Einen Adolf Hitler (rechter Flügel) zum Beispiel. Das ist ärgerlich, weil es so bequeme Vergleiche zur NSDAP verbietet – von der verführerischen Möglichkeit zum Tyrannenmord ganz zu schweigen. Es ist eben keine Partei, die auch nur im Ansatz das Klischee eines starken Mannes erfüllt, keinerlei Führerprinzip. Es sei denn, man wäre gewillt sich von einem sturzbetrunkenen Stammtisch führen zu lassen.
Es ist ein Showcase von Begriffen und Werten des ausgehenden 19. Jahrhunderts ohne den Willen zum Fortschritt. Demagogie und Populismus als Vorwurf gehen ins Leere. Mehr hat die Gegenseite ebenfalls nicht zu bieten, so wenig wie eine glaubwürdige Darstellung von Werten. Genau das macht den Erfolg der AFD aus.

»Realität der TTIP-Verhandlungen übertrifft die dunklen Ahnungen noch«. Heribert Prantl beim Spitzentanz. Pastorale Töne aus dem Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung: Er sagt nicht Krieg, sondern »unterschiedliche Standpunkte, die eine robuste Antwort verlangen«.
Was bisher nur in Lesesälen, von giftigen Säbelzahntigern bewacht, im Geheimen präsentiert wurde, liegt nun für jeden lesbar in den Händen der Süddeutschen. Ob es da besser aufgehoben ist, ist eine andere Frage. Aber immerhin wird nun nachweisbar, was jeder vollsinnige Mensch wußte: Eine groß angelegte Erpressung. Reibt sich jemand verwundert die Augen?

Was kann in einem Vertrag über eine neue transatlantische Wirtschaftsordnung stehen, den niemand lesen darf und dessen Inhalt nicht öffentlich bekannt sein soll? Der von Volksvertretern abgesegnet wird, die nicht den Hauch einer Ahnung haben, was sie unterschreiben?
Wie kann man so einen Vorgang auch nur in Erwägung ziehen? »Übertrifft dunkle Ahnungen«. Herr Prantl: Das ist keine Frage dunkler Ahnungen! Dunkle Ahnungen hatte der Kapitän der Titanic, als das Wasser die Kommandobrücke erreichte. »Das wird diesmal nichts mit dem blauen Band!«

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3 Kommentare zu Presseschredder 2.5.2016

  1. Black_Unicorn sagt:

    Ich verstehe sowieso nicht, warum diese Volksverarscher überhaupt unterschreiben. Hat man denen was gezahlt? Echt, ich versteh’s nicht!

    Aber wenn wir dann mal TTIP haben, brauchen wir Politiker dann ja auch nicht mehr, dann haben wir ja eine Konzernokratie. Was wir da Geld sparen!

    Momentan scheinen wir ja eine Idiokratie zu haben…

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  2. waswegmuss sagt:

    Ja, letztendlich geht es um die Demokratie.

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  3. Laura sagt:

    Ich fände es ja sowieso fortschrittlich, wenn wir das mit der Politik allmählich über Apps bzw. Drohnen only regulieren könnten und man sich nicht mehr über Dinge wie Donald’s Frisur u.ä. aufregen müsste.

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