Presseschredder 2.2. 1914

kriegsbeginn-1914

Man muß auch mal zugeben können, wenn man sich geirrt hat. Hielt die Schrottpresse die letzte Rede des Bundespfaffen Joachim Gauck für eine der üblichen Tiraden eines national-evangelischen alten Mannes, der den Fall der Mauer für den Beginn der Geschichtsschreibung hält, so sieht sich die Redaktion getäuscht.
Lange hätte er an der Rede gearbeitet, so sagte Gauck. Lange hätte er überlegt, wie man den Deckel der Dose der Pandora so behutsam aufschraubt, daß ein jeder den Pest-Odem, der dem Gefäß entsteigt, für die aufsteigende Morgenröte hält.

Krieg! Krieg! Krieg!

Erlösende Worte, endlich! Wie lange hatte man darauf gewartet? Seit 1945? Seit 1914? Offenbar eine Mischung zwischen diesen Daten: Gauck sprach frei von der Schuld der Nazi-Greuel und und verdammte diesen falschen Pazifismus, der dem frisch-fromm-fröhlichen Zug ins nächste Massenschlachten entgegensteht.
Merkt Euch alle diese Worte:

»Ich muß wohl sehen, daß es bei uns – neben aufrichtigen Pazifisten – jene gibt, die Deutschlands historische Schuld benutzen, um dahinter Weltabgewandtheit oder Bequemlichkeit zu verstecken.«

Nun gibt es ihn wieder: Den »falschen« Pazifismus, die Vorstufe zum »faulen Frieden«.

»Die Begeisterung ist groß auf der Sicherheitskonferenz in München. Fast euphorisch wurden die Reden der deutschen Politiker aufgenommen, die eine engagiertere Außenpolitik ankündigten oder anmahnten. […] Endlich wird Deutschland erwachsen, so die hoffnungsvolle Reaktion, endlich ist Berlin bereit, die Verantwortung zu übernehmen, die seinem Gewicht in der Welt entspricht. […] Sie (die „neuen Töne“) sind ein Fortschritt auf dem Weg Deutschlands aus der selbst gewählten Verantwortungslosigkeit. […] Für Deutschland stellt sich nicht mehr die Frage, ob und wie es sich beteiligt, sondern ob es die Initiative ergreift.«

Spiegel Online, Christiane Hoffmann

Was mag die Rede des Bundespräsidenten in der Seele dieser Journalistin angestellt haben? Was für ein Ultra-Nationalismus muß dort jahrelang still vor sich hingebrodelt haben, der nun aus ihr bricht, welche Kriegslüsternheit? Ein Flintenweib; gibt ihre Leibesfrucht mit Freude ins Feld der Ehre. Unfassbar, widerlich, abstoßend. Der ältere Spiegelleser stellt sich bei solch krudem Zeug den Tritt in den Hintern vor, den Frau Hoffmann vom alten Augstein bekommen hätte, wäre sie mit so einem reaktionären Geschrei damals an ihn herangetreten.
Aber Frau Hoffmann ist ja nicht alleine. In der »Welt« versucht sich der konservative Historiker Michael Stürmer:

»Vorbei die Zeiten, da die Deutschen sich hinter die Vergangenheit der NS-Diktatur zurückziehen und erwarten konnten, daß die Nachbarn dafür Verständnis aufbringen. […] Deutschland habe in der anhaltenden europäischen Krise beherzt und wirkungsvoll die Rettungsarbeiten geleitet und wesentlich finanziert. Aber im Bereich der klassischen Sicherheitspolitik, das machte Gauck deutlich, steht – ungeachtet der Einsätze auf dem Balkan und am Hindukusch – die Reifeprüfung noch bevor.«

Schützenhilfe kommt von »Zeit-Online«. Auf der Suche nach möglichen Kriegsgründen findet Politik-Redakteur Ludwig Greven den Stein der Weisen. Nicht neu, nicht originell, aber als Totschlagargument kaum zu überbieten: Der humanitäre Einsatz! Schließlich sind alle Militärinterventionen ja immer ein klein wenig humanitär – vorausgesetzt, man steht auf Seiten der Guten. Der »ewige Ohne-Michel« sollte erwachen:

»Ach, wie war es doch vordem für die Deutschen bequem: Sie waren für das Wahre, Gute, Schöne zuständig, machten sich als Kriegsschuldige international klein und gaben sich besten Gewissens ihrer nach 1945 neu entdeckten pazifistischen Gesinnung hin. […] Mit dieser selbstgefälligen Selbstbeschränkung ist es seit einer ganzen Weile vorbei. Das geeinte, nun auch politisch wieder mächtige Deutschland beansprucht nicht nur, sondern trägt internationale Verantwortung. Dementsprechend hat es sich schon an einer Reihe von Kriegen (die natürlich nicht so genannt wurden) beteiligt: in Somalia, Bosnien, im Kosovo und vor allem in Afghanistan.«

Da war es gleich am Anfang, das Wort vom suspekten Pazifisten. Man schießt sich ein.

»Denn spätestens seit dem Bosnien-Krieg ist klar, daß es nicht nur ein Recht, sondern geradezu eine Pflicht gibt, militärisch zu intervenieren, wenn sich Völkermorde, ethnische Vertreibungen und andere schwere Kriegsverbrechen anders nicht vermeiden lassen.«

Selbstverständlich ist auch der Verdacht von Massenvernichtungsmitteln, der ja auf Seiten des ideologischen Gegners stets gleichbedeutend mit Kriegsverbrechen ist, ein hinreichender Kriegsgrund. Kein Gedanke an die erlogenen, konstruierten Kriegsgründe der USA, um jeden noch so abwegigen Krieg zu rechtfertigen. Schließlich diente es einem höheren Zweck, sei der auch noch so hinter Wolken verborgen.

Und das Wort »Pflicht« – wer zucke da nicht zusammen? Die Pflicht, in den Krieg zu ziehen… das hat man lange nicht gehört, Vergessen nicht nur die unsagbaren Verbrechen des 20. Jahrhunderts, sondern im gleichen Atemzug auch die zum Teil intellektuell hochstehenden Debatten der Nachkriegsgeneration über Schuld und Folgen. Vergessen, vergessen. Dort, wo das Wort Pflicht noch einen tatsächlichen Sinn ergäbe, sprengt man einen Krater, um Platz für Holzkreuze zu schaffen.

Was, folgert Greven, hätte noch alles passieren können, wäre die Weltgemeinschaft nicht Waffe an Waffe zur Hilfe geeilt – wo immer das auch erforderlich schien. Da steht Greven Seite an Seite mit seiner Kollegin von Spiegel-Online: Krieg ist immer dann alternativlos, wenn man die Alternativen verschweigt; wozu arbeitet man schließlich bei der Presse?
So richtig allerdings scheint Greven seinem Appell an die humaitäre Hilfe nicht zu trauen. Geht es wirklich nur darum? War da nicht noch etwas anderes?

»Deshalb gilt es immer offen, ehrlich und nüchtern die Gründe für und gegen einen Militäreinsatz abzuwägen. Und es geht dabei nicht nur um nationale Interessen, sondern auch um humanitäre, völkerrechtliche Verpflichtungen.«

Man beachte die Reihenfolge: Nationale Interessen – humanitäre Verpflichtungen. Wie sich die Zitate gleichen! Im selben Zusammenhang die neugebackene Kriegsministerin v.d. Leyen:

»Wir können nicht zur Seite schauen, wenn Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung sind, schon allein aus humanitären Gründen.«

… schon allein aus humanitären Gründen… Welche anderen wären denn noch im Angebot? Ästhetische?
Wenigstens wird es offen ausgesprochen, wenn das auch nur ein Vorteil in den Fußnoten der späteren Geschichtsbücher darstellt: Soll niemand sagen, er hätte von nichts gewußt.

Und wen das noch nicht überzeugt hat, dem verpasst Greven das ultimative Argument:

»Die Politik gibt Hunderte Milliarden zur Rettung von Banken aus. Dann sollte sie auch bereit sein, ein wenig mehr Geld zur Rettung von Menschen und für eigene geostrategische Interessen einzusetzen. «

Seenotrettung und geostrategische Interessen. Wenn jemand am Bodensatz schaufelt, um das intellektuelle Niveau noch ein wenig tiefer zu bringen, so heiß er nicht automatisch Dieter Nuhr.

Es bleibt einem die Spucke weg, sieht man sich diesen dumpfen Hurra-Patriotismus an: Da ist niemand, der die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, der aufschreit (es geht ja auch nicht um den Gebrauch des Wortes »Neger«). Die Wiederauferstehung der Stierkämpfer, Großwildjäger und Abenteurer. Heia Safari: Ans deutsche Wesen soll sich die Welt noch recht lange erinnern. Wie war das doch gleich mit dem Leistungsschutzrecht für Verleger? Schutz des Qualitätsjournalismus? Copyright für Kriegspropaganda, Schutzgebühr für billigsten Hurra-Patriotismus?
Noch sind ca. 60 % der befragten Bürger gegen eine Ausweitung von Kriegseinsätzen der Bundeswehr – auch wenn die Kinder-Krippe mitreist. Ein Mißstand, den es zu beseitigen gilt.

Die Frage nach deutschen Alleingängen, an denen sich die Welt im 20. Jahrhundert mehr oder weniger erfreute, stellt sich indes nicht mehr – da hat der Bundespräsident ausnahmsweise einmal recht: Seit der letzten Befehlsausgabe an die Kanzlerin bei ihrem USA-Besuch stellt sich die Frage nach souveränen Entscheidungen tatsächlich nicht mehr. Der Vasallenstaat Deutschland folgt und das erschreckend bedingungslos.

»Und bis dahin kann sich Gauck schon wieder mal auf den einen oder anderen Shitstorm einstellen aus dem Lager jener Leute, aus deren Sicht die Münchner Sicherheitskonferenz eine sinistre Zusammenkunft von Militärs, Waffen-Lobbyisten und sonstigen Kriegstreibern ist.«

SpOn

So etwas kann selbstverständlich nur von Schlappschwänzen und sogenannten Pazifisten kommen. Ein Deutscher denkt so nicht:

Gewonnen war die grimme Schlacht.
Die Waffen ruhen. Es sinkt die Nacht.

Bei Metzt im großen Leidenszelt
Liegt sterbenswund ein deutscher Held.

Ein Schlanker Bursch, ein junges Blut,
Die Kugel traf, sie traf ihn gut.

Und Wärter, Arzt und Schwester stehn,
Um einen deutschen Held zu sehen.

In Linnen, rosenrot befleckt,
Liegt er wie steinern ausgestreckt.

Es kämpft die Brust den letzten Streit,
Das Ende kommt, ist nimmer weit.

Das schlägt er jäh die Augen auf,
Stemmt aus dem Kissen sich hinauf;

Er hält sich grad und hält sich fest,
Die Arme an den Leib gepreßt.

Sein treues Auge, blau und jung,
Blickt ruhig in die Dämmerung.

Und lächelnd spricht er, klar und hell:
“Herr Leutnant! Melde mich zur Stell’!”

Ein froher Glanz in seinem Blick.
Dann bricht sein Aug’. Er fällt zurück.

Es flüstern, die das Bett umstehen:
“Deutschland, du wirst nicht untergehen!”

Wer ihn gebar? Wen er verließ?
Und wer er war? Und wie er hieß?

Wer’s wissen will, muß suchen gehn,
Wo namenlose Gräber stehen.

Ludwig Ganghofer

Helm ab zum Gebet. Es spricht der Bundespfarrer!

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0 Kommentare zu Presseschredder 2.2. 1914

  1. ninjaturkey sagt:

    Heute morgen im “Internationalen Frühschoppen”: Ein aufgekratzter Peter “nicht wahr” Scholl-Latour, der mehr Offenheit will, dass wir tatsächlich wegen Rohstoffen und Gewinnen in Kriege ziehen müssen (und für den Afrika praktisch direkt vor unserer Haustür liegt, wie weiland der Russe), irgendein Amerikaner, für den (amerikanische) Soldaten keine Militärs sondern Diplomaten sind, die Frieden Freiheit und Eierkuchen in der Welt sichern und ein paar andere, die den beiden eifrig zustimmen.
    Das Säbelrasseln kommt nunmehr aus allen Ecken!

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    • pantoufle sagt:

      Danke für den Hinweis. Sobald das Online verfügbar ist, werde ich mir das mal ansehen und verlinken. Scholl-Latour steht hier schon länger auf der Abschußliste.

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    • pantoufle sagt:

      OK: Ich habe mich jetzt jetzt eine Stunde durch diese Sendung gequält. ES GIBT GRENZEN DER RECHERCHEPFLICHT VON UNBEZAHLTEN BLOGGERN. Auch wenn die Welt gerettet werden muß. Wer bei diesem Pausenclown aus den US of A nicht das Brechen bekommt, den erwischt es bei dem französischen Flintenweib.
      Scholl-Latour könnte genau so gut Vorsitzender des Kolonialvereins sein… was für eine militante Flachpfeife! Wenigstens der Syrer oder wo der herkommt nimmt gelegentlich mal das Wort Diplomatie in den Mund und scheint sich auch sonst in seinem Fach halbwegs auszukennen.
      Alles in Allem: Eine Zumutung besonderer Güte!
      Wer sich das antun will (und streng genommen sollte man es wohl):
      Hier der LINK

      wohl bekomms

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  2. Pingback: Feynsinn » Wir werden wieder marschieren

  3. Stony sagt:

    Der Albtraum nimmt Fahrt auf.

    Demnächst dann (wieder): Die Reihen fest geschlossen, für Volk und Vaterland.
    Aus der KriegsSportberichterstattung ist der Ton ja nie wirklich verschwunden, nun darf endlich auch im Politikteil (und demnächst dem Feuilleton?) wieder die allseits beliebte Blut-und-Boden Was-auch-immer Rethorik gefahren werden. In Ermangelung des früheren ‘Gott mit uns’ wird wohl die Formel ‘Mögen die Märkte uns gnädig sein’ gehaucht werden.

    Alternativlos voran, für eine bessere Zukunft.

    Ich kram demnächst mal Jüngers ‘Stahlgewitter’ aus dem Regal und bereite mich auf das Glorreiche vor…

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    • pantoufle sagt:

      Ach, was ich noch zu Ernst Jünger sagen wollte: Das Buch ist wirklich gut! Es ist überhaupt kein Kriegsschinken in dem Sinne, wie man es immer darstellt. Eigentlich eher ein Tagebuch, sehr kalt, sehr… wie die Beobachtung eines Ameisenhaufens mit entsetzlicher Detailverliebtheit. Das Gefährliche: Man kann es in der Betrachtungsweise für jeden Zweck passend biegen – was ja auch hinreichend geschah -, aber auch als das sehen, was es ist. Ein Dokument der Schützengraben-Generation.
      Es gibt diverse andere – politisch korrektere – Bücher dieses Genres, die nicht im Ansatz so tief treffen wie Jünger. Liest man es unter dem Blickwinkel, daß zur Zeit seiner Entstehung Hitler noch im Lazarett lag, der Faschismus, wie wir ihn heute verstehen, noch nicht existierte, bleibt das Dokument einer Generation, die sonst wenig bis gar keine Zeichen hinterließ. Allein aus diesem Grunde lesenswert.

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      • Stony sagt:

        Ich habe es erst relativ spät gelesen, gut zehn Jahre nachdem ich das erste Mal davon hörte. Zu jenem ‘frühen Zeitpunkt’ war ich durch die eher dröge und ‘weinerliche’ (man mag mir die Wortwahl verzeihen!) Darstellung von Remarques “Im Westen nicht Neues” (Schulpflichtprogramm, gleich mehrfach) gezeichnet. Ich hatte lange vorher schon (<12yo) "Nackt unter Wölfen" gelesen und war daher härteren Tobak gewöhnt.
        Kriegsliteratur kam mir lange nicht ins Haus.
        Max Goldt war es dann, der mir den Namen Ernst Jünger wieder ins Gedächtnis rief und so kaufte ich mir dann die "Stahlgewitter". Schon nach wenigen Seiten war mir klar, warum dieses Buch niemals in der Schule gelesen wurde. Ich sehe es auch keinesfalls als das an, als was man es gerne hinstellt, wohl aber ebenfalls die Möglichkeit es so zu sehen.
        Das größte Faszinosum war für mich, neben der kalten Tagebuchform, die Darstellung der nächtlichen Bombardierung von Paris. Diese Bildgewalt! Im Kontext der ansonsten eher nüchstern-akribischen Aufzählung, verschlug mir fast die Sprache.

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  4. der Doctor sagt:

    Helm ab zum Gebet.
    Und nach der Katastrophe(für die Gauck und diese Pseudo-journalisten dann natürlich nichts können,die sie natürlich auch nicht ahnen konnten.),heist es
    Kopfab zum Gebet!

    Herrgott!Wir alten,vermodernden Knochen
    sind aus den Kalkgräbern noch einmal hervorgekrochen.
    wir treten zum Beten vor dich und bleiben nicht stumm.
    und fragen dich,Gott
    Warum?
    Warum haben wir unser rotes Herzblut dahingegeben?
    Bei unserem Kaiser blieben alle sechs am Leben.
    Wir haben einmal geglaubt…wir waren schön dumm…!
    Uns haben sie besoffen gemacht
    Warum?
    Einer hat sechs Monate im Lazarett geschrien.
    erst das Dörrgemüse und zwei Stabsärzte erledigten ihn
    Einer wurde blind und nahm heimlich Opium.
    Drei von uns haben zusammen nur einen Arm…
    Warum?
    Wir haben Glauben,Krieg,Leben und alles verloren
    Uns trieben sie hinein,wie im Kino die Gladiatoren.
    Wir hatten das allerbeste Publikum.
    Das starb aber nicht mit…
    Warum?-Warum?
    Herrgott!
    Wenn du wirklich der bist,als den wir dich lernten:
    Steig runter von deinem Himmel,dem besternten!
    Fahr hernieder oder schick deinen Sohn!
    Reiss ab,die Fahnen,die Helme und die Ordensdekoration!
    Verkünde den Staaten der Erde,wie wir gelitten,
    wie uns Hunger,Läuse,Schrappnells und Lügen den Leib zerschnitten.

    Feldprediger haben uns in deinem Namen zu Grabe getragen.
    Erkläre,das sie gelogen haben!Läßt du dir das sagen?
    Jag uns zurück in unserer Gräber ,aber antworte zuvor!
    Soweit wir das noch können,knien wir vor dir-aber
    leih uns dein Ohr!
    Wenn unser Sterben nicht völlig sinnlos war,verhüte wie 1914 ein Jahr!
    Sag es den Menschen!Treib sie zur Desertion!

    Wir stehen vor dir,das Totenbatallion.
    Dies blieb uns zu dir kommen und beten!
    Weggetreten!

    (Kut Tucholsky:Gebet nach dem Schlachten-1924)

    Wenn Krieg die Antwort ist,haben wir die falschen Fragen gestellt!

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  5. Thelonious sagt:

    Ein Horst Köhler ist wegen solcher Äußerungen noch zurückgetreten. Aber der Wind hat sich teilweise gedreht. Der Bundespfaffe bekommt von vielen Seiten Lob. Dabei hätte man es besser wissen können.
    Da hier jetzt munter zitiert wird, möchte ich das jetzt auch machen. Und zwar Herrn Todenhöfer. Wahrlich kein politischer Freund, aber wo er Recht hat, hat er Recht. Man beachte vor allem den letzten Absatz:

    LIEBER HERR BUNDESPRÄSIDENT, Sie fordern, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernimmt. Auch militärisch. Wissen Sie wirklich, wovon Sie reden? Ich bezweifle es und habe daher vier Vorschläge:

    1. Ein Besuch im syrischen Aleppo oder in Homs. Damit Sie einmal persönlich erleben, was Krieg bedeutet.
    2.Vier Wochen Patrouillenfahrt mit unseren Soldaten in afghanischen Kampfgebieten. Sie dürfen auch Ihre Kinder oder Enkel schicken.
    3. Ein Besuch eines Krankenhauses in Pakistan, Somalia oder im Yemen – bei unschuldigen Opfern amerikanischer Drohnenangriffe.
    4. Ein Besuch des deutschen Soldatenfriedhofes El Alamein in Ägypten. Dort liegen seit 70 Jahren 4.800 deutsche Soldaten begraben. Manche waren erst 17. Kein Bundespräsident hat sie je besucht.

    Nach unserem Grundgesetz haben Sie “dem Frieden zu dienen”. Angriffskriege sind nach Artikel 26 verfassungswidrig und strafbar. Krieg ist grundsätzlich nur zur Verteidigung zulässig. Sagen Sie jetzt nicht, unsere Sicherheit werde auch in Afrika verteidigt. So etwas ähnliches hatten wir schon mal. 100.000 Afghanen haben diesen Unsinn mit dem Leben bezahlt.

    Wie kommt es, dass ausgerechnet Sie als Bundespräsident nach all den Kriegstragödien unseres Landes schon wieder deutsche Militäreinsätze fordern? Es stimmt, wir müssen mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Aber doch nicht für Kriege, sondern für den Frieden! Als ehrlicher Makler. Das sollte unsere Rolle sein. Und auch Ihre.

    Ihr Jürgen Todenhöfer

    PS: Mir ist ein Präsident lieber, der sich auf dem Oktoberfest von Freunden einladen läßt, als einer der schon wieder deutsche Soldaten ins Feuer schicken will. Von seinem sicheren Büro aus. Fast bekomme ich Sehnsucht nach Wulff. Der wollte Menschen integrieren, nicht erschlagen.

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    • Stony sagt:

      Beim Lesen der vier Punkte verspürte ich zwei sensorische Reize an der obersten Körperregion. Ich schielte nach oben und sah meine Hand, wie sie da auf meinem Schädel ruhte. Verwirrt las ich nochmals besagte vier Punkte und erlangte Klarheit: die zwo und die vier hatten die unwillkürliche Reaktion ausgelöst. Über das ‘warum’ mag jeder spekulieren, so es nicht offensichtlich scheint.

      Womit ich dir, bester Thelonius, nicht zu nahe treten will, meine Verachtung mein Hohn gilt allein dem Todenhöfer Jürgen. 😉

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      • Thelonious sagt:

        Stony, mein Fehler. Doch ich hatte gestern keine Zeit für die Erklärung, warum ich diesen Text hier postete.
        Dein sensorischer Reiz ist nachvollziehbar. Erging es mir doch genauso. Allerdings schon bei Punkt eins. Warum nur ein Besuch? Könnte man den Herrn Feldkuraten Gauck nicht gleich dort lassen? 🙂
        Wobei ich Herrn Todenhöfer seine Empörung tatsächlich abnehme. “Im Alter werden Huren fromm”, so heißt es ja. Man sollte ihn heute nicht mehr Hodentöter nennen, wie es weiland Herbert Wehner getan hat. Er ist tatsächlich persönlich betroffen, denn er kennt die Zustände vor Ort. Mit seinem rechtskonservativen Pazifismus steckt T. gleichwohl in einem Dillemma, kann er doch nur rein moralisch argumentieren. Sein leibnizsches “Wir leben in dem besten aller möglichen Systeme” verträgt sich nur insofern mit den realen Zuständen, wenn diese als Exzesse gesehen werden. Auf die Idee, dass diese systemimmanent sind, kommt er gar nicht.
        So appelliert er an die Einsicht Gaucks. Doch Moral ist keine politische Kategorie. Und daher kommt es zu solchen Texten. Sie wirken rührend hilflos und ihre Verfasser sind es auch. “Bitte, bitte lieber Herr Bundespräsident, sag sowas nicht mehr. Sonst hab’ ich dich nicht mehr lieb und wünsche mir den Herrn Wulff zurück.”

        Aber ich habe noch einen anderen Text von Jutta Ditfurth zum Thema Gauck gefunden.

        “Mit Christian Wulff hat sich die politische Klasse eines lästig geworden kleinbürgerlichen korrupten Aufsteigers entledigt, während die viel größeren Geschäftemacher der Parteien weiter ungestört ihren Interessen nachgehen können.

        Um die Peinlichkeit zu übertünchen, wurde nun Joachim Gauck, der Prediger für die verrohende Mittelschicht gerufen. Dass CDU/SPD/FDP und Grüne ihn gemeinsam aufstellen verrät uns, dass uns noch mehr Sozialstaatszerstörung, noch mehr Kriege und noch weniger Demokratie drohen. Einen wie ihn holt man, um den Leuten die Ohren vollzuquatschen.

        Gaucks neoliberales Verständnis von Freiheit als Freiheit des Bourgeois, schließt soziale Menschenrechte aus. Von sozialer Gleichheit als Bedingung wirklicher Freiheit versteht er nichts. Mit der Agenda 2010 und ihren brutalen Folgen ist er sehr einverstanden, für die Betroffenen und ihre Proteste hat er stets nur Verachtung. Kritik am Kapitalismus findet Gauck lächerlich. Die Entscheidung zur Begrenzung der Laufzeit von AKWs gefühlsduselig.

        Dem Krieg in Afghanistan hat Gauck die Treue gehalten, denn auch dieser Christ ist ein Krieger. In der Vertriebenfrage ist der künftige Bundespräsident ein Kumpan von Erika Steinbach und hat Probleme mit der polnischen Westgrenze. Was er von Demokratie und Humanismus hält, verrät er, indem er für die Verfassungsschutzüberwachung der Linkspartei eintritt und den Ideologen des Rassismus der Mitte, Thilo Sarrazin, “mutig” findet. Hat jemand je eine scharfe und überzeugende Kritik an Nazis von ihm gehört? Fremdenfeindlichkeit kann er verstehen, aber er schätzt es nicht, »wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird«.

        Gauck ist ein Anhänger der Totalitarismusideologie, der Gleichsetzung von Kommunismus und Faschismus. Mit seiner Aufstellung als Kandidat bekennen sich CDU/SPD/Grüne und FDP zu dieser unerträglichen reaktionären Weltsicht. Der Kandidat und die vier ihn aufstellenden Parteien passen zu einander.

        P.S.: Das Amt des Bundespräsidenten ist überflüssig, ein feudales Relikt für obrigkeitsgläubige Deutsche.”

        Das trifft es doch ganz gut.

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        • Stony sagt:

          Kein Fehler, Thelonious, zeigt es doch eine andere Perspektive auf, deren Kenntnis schon als Gewinn betrachtet werden kann, ohne ihr inhaltlich zustimmen zu müssen/können. Einen solchen Standpunkt wahrzunehmen ist ja auch die Voraussetzung für seine Dekonstruktion.
          Der nachgereichten Erklärung kann ich nur zustimmen und was Jutta Ditfurth angeht: Sie Hammer, Gauck Nagel. 😀

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  6. pantoufle sagt:

    Na, na, Stony – wie Thelonious ja bereits sagte: Wahrlich kein politischer Freund. Ich kaue auch etwas an seinen Vorschlägen, wenn ich auch an einer anderen Stelle lachend steckenblieb. Bei mir war es der »ehrliche Makler«, diese fein ziselierte Bismarck-Figur, die da ihre Pirouette tanzte.
    Nehmen wir den Todenhöfer doch als das, als was er sich darstellt: Der Vorsitzende des Stahlhelms, der durchaus gegen einen Hitler ist. In dieser unseligen Situation nimmt man doch fast jeden Freund, wenn er sich nur eigenhändig die Hosen anziehen kann.
    Und warum sollte ein Bundespräsident wie Joachim Gauck nicht an die Schlachtfelder El Alameins fahren? Am Rande des Sandhaufens der Wanderdüne W34B2 steht er dann sinnend, gedenkt des Wüstenfuchses, steckt sich mit Malaria an und denkt: Da liegen sie nun! Erste Krankheitssymptome während des Rückfluges, Krisensitzung, Heldengedenktag und Begräbnis.
    Uschi von der Leine am Grab des so früh Verblichenen, das Heldengedenkschießkorps im Rücken »zielt tief« eine Salut ihm zu Ehren. »Ich hat` einen Kameraden«, während das Blut sickert – wie konnte das nur passieren? Untersuchungsausschuß und es beginnt zu regnen. Wie immer bei diesen Gelegenheiten; die Reportage in der Tagesschau erfolgt vom Band. Kein Mensch geht bei diesem Hundewetter auf eine Beerdigung, wo sich die Leichen stapeln. Fünf Salven, Neuwahlen im Oktober.

    Ach so: Ja, Gruß an Euch alle – ich bin wieder im Lande oder besser: Habe wieder Lust, was zu schreiben. Und eine richtige Wut im Bauch.

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    • Stony sagt:

      Göttlich! Wenn ich je nah dran war wirklich mal lachend von meinem Sessel zu rutschen, dann gerade eben… 😀

      Beim “ehrlichen Makler” stockte ich auch kurz, dachte aber schnell, daß dies ja durchaus zu des Gaucklers neoliberalem Duktus passend wäre. Ich stanze da nicht deine Löcher in die Zeit (was mir im Übrigen wohlgefällt, also deine Perspektiven, nicht mein “Unterlassen”) womit mir die entsprechenden Bilder “fehlen”.
      Ansonsten kann ich dir nicht Widersprechen, deine Kontextgebung relativiert mein eher wüstes “Streben”, und tut dies zu Recht, mit Wut im Bauch ist nicht gut konstruktiv Wirken. Wobei, als Antrieb kann sie manch einem natürlich gute Dienste leisten (fühl dich ruhig angesprochen!).

      Ps: WB! 🙂

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      • pantoufle sagt:

        Göttlich na ja… aber Danke für die Heckenrose&Koch.
        Göttlich: Da hätte ich was anzubieten! Bedauerlicherweise nicht aus eigener, blut`ger Feder, sondern von einem meiner… Idole?
        Friedrich Küppersbusch aus seiner sonntägliche Kolumne in der taz:
        »Zum hundertsten Jubiläum der Rede seines Amtsvorgängers Wilhelm II. haut unser aktuelles Staatsoberhaupt eine modische Coverversion raus: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Verantwortung. Gauck dröhnt vom „besten Deutschland, das wir je hatten“ – ein Widerspruch in sich. Denn wäre dieses Deutschland gut, hätte es einen Repräsentanten, der sich lieber die Zunge abbeißen würde, als so zu prahlen. „Eine fundamentale Neuorientierung der Außen- und Sicherheitspolitik“, verbrämt Gauck sein „Germans to the front“. Ein trockener Alkoholiker beim Überfall aufs Schnapsregal wäre froh, so schöne Worte dafür zu finden. Warum gibt es Petitionen gegen Hinz, Kunz, Lanz und Schwanz – und dieser toupierte Dompfaff darf unter allseitigem Applaus seine Landsermelodien tirilieren?«
        Der Hammer – das möchte ich auch mal können 🙂
        …werde zu Hause auf das Rühmenste zu erwähnen wissen (Neudeutsch für Neuteutsche, schnarrender Unterfeldwebelton, Hackenklappen)

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        • Stony sagt:

          Ach der Küppersbusch – da sage nochmal wer “die Deutschen” könnten keinen schwarzen Humor. Herrlich! Den Gärtner heute als Kontrast fand ich allerdings auch nicht übel.

          Was Superlative und die Einschätzung eigenen und fremden Könnens angeht: mit dem einen ist man schnell zur Hand, oftmals dem Augenblick geschuldet, das andere mag als Unter-/Überschätzung durchaus diskutabel sein, als ästhetischer Wert aber kaum bestimmbar und somit Geschmacksurteil, reichlich vereinfachend ausgedrückt. 😉

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    • Thelonious sagt:

      Also pantoufle, dieses Szenario hätte schon einen Brennpunkt verdient. Die anschließenden Sendungen verzögern sich um 15 Minuten.

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      • pantoufle sagt:

        Wohl wahr – aber ob der amtierende Nachrichtensprecher nun behauptet, aus gewöhnlich gut informierter Queele gespeist zu sein oder auf Archivmaterial zurückgreift: Nach 12 Stunden steht irgend ein wackeliges i-Video eines zufällig Überlebenden im Netz, welches die Grundlage einer aktuellen Verschwörungstheorie bildet.
        Nach den 15 Minuten Verspätung aber können wir uns auf »Wetten das« freuen. Stargast des Abends Sahra Wagenknecht mit der Saalwette: »Wetten, daß ich es besser kann« 🙂

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  7. Traumschau sagt:

    Zu Gauck´s Reden (Neoliberalismus und jetzt DAS) fiel mir nur noch ein Zitat von J. Fischer ein:
    “Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!”
    Alles andere zu diesem Thema wurde ja schon geschrieben, deshalb …
    LG Traumschau

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    • pantoufle sagt:

      Nein, liebes Traumschau: Dazu ist noch längst nicht alles geschrieben worden. Wir laufen uns gerade warm!
      LG
      das Pantoufle

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      • Traumschau sagt:

        Ja, das sehe ich … 🙂
        Ich meinte eigentlich damit, dass in allen kritischen Blogs die Hölle los ist.
        Es scheint aber immer noch einige Irre zu geben, die es nicht abwarten können, sich den nächsten Krieg mit deutscher Beteiligung im Fernsehen anzuschauen …

        LG Traumschau

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  8. flatter sagt:

    Wir laufen uns gerade warm!
    On that you can depend.
    Heiße Grüße!

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  9. Pingback: Gauck der Gaukler erobert die Welt | SenileArmeeFraktion

  10. Bruno17 sagt:

    Die Lage ist ernst. Sperrt sie weg, die Gaucks, Steinmaiers und die Adlige.
    Noch ist Zeit zu verhindern, dass wieder machorkarauchende Soldaten ihren Pferdewagen vor den Trümmern des Reichstages parken. Bevor wieder deutsche Landser in Workuta nach Kohle graben müssen und sich nicht erklären können warum.
    Wie war das?: “Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch”.
    Holt sie her, die Millionen Flüchtlinge unserer “humanitären” Einsätze und quartiert sie ein in den Villen der Reichen. Ausgraben die Toten unseres “Demokratieexports” und vor den Parlamenten aufschichten, damit sie sehen und riechen können, was sie da faseln.
    Deutsche Streitkräfte sollen das Land verteidigen. Wir haben keine gemeinsame Grenze mit Afghanistan oder Mali. Wer hat diese Gestalten dazu ermächtigt, die gaucksche Vorstellung von Freiheit in die Köpfe von Muslimen zu bomben.
    Rohstoffe kann man kaufen, dafür brauchts keine Soldaten. Das was sie “noch” durch die Blume andeuten, nennt man Raub. Darauf steht Gefängnis, nicht Parlament.
    Wollen wir ernsthaft den fremden Völkern erklären, dass sie mit Soldaten nach Europa kommen sollen, um ihre Versorgung mit Fertigprodukten zu sichern?

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  11. Jake Baby sagt:

    Nah ein viertel Hundert her zum Kriegsheer wurd die Bundeswehr.
    Grob 45 nach 45, das Drittreich bewusst nichtens verarbeitet, der ehmals haessliche Deutsche zum haesslichen Deutschen geleitet.
    Die Intension wie gehabt als auch haesslichst, der ehmalig Feind, jetzt alliiert, und so gern auch vergesslichst, die gemeinsam gespalten, profitable Religion der rein militaerisch globalen Intervention.
    Die friedliebend Masse Mensch am Boden lieg, druckvoll genoetigt des totalen Krieg.
    So war es immer, so muss es sein, Huehner frisst man und es gackert kein Schwein.

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