Presseschredder 2.12.2014

Erhard_Reuwich_Sarazenen_1486

Es weihnachtet, daß einem Angst und Bange werden kann. Die Traube schiebt sich über die aus dem Boden gestampften Weihnachtsmärkte; es gibt Zeug, Bratwurst, Schmalzstullen und sogenannten Glühwein. Glühwein, die Endlösung für gegorenen Traubensaft, Winzer – Sprengstoffgürtel, Selbstmordanschläge im Herzen der Republik. Und der Stoff wird gesoffen, als gäbe es kein Morgen. Morgen aber, Kinder, wird’s was geben! Kater, Übelkeit, Kopfschmerzen. Selber schuld, wer diesen Stoff in sich hineinschüttet! Kein Mitleid, keine Gnade. An anderer Stelle hat sich Rainer Balcerowiak von Genuss ist Notwehr dieses Themas angenommen – alle Jahre wieder und so sei auf seinen anschmiegsam erzählten Artikel »Glühwein: Warum nicht gleich Motoröl?« verwiesen.

Auf dem Erfurter Bahnhof laufen am frühen Morgen reichlich Opfer dieser Medikamentenversuche herum. Die Teilnahme war freiwillig, Textbilder sehen dich an und man wünscht sich Vorhänge vor diesen zerstörten Physiognomien. Kein schöner Anblick!

Genau diese Vorhänge sollen nun aber verboten werden, so weiß die Süddeutsche in ihrer Funktion als Bahnlektüre zu berichten. »Die Burka-Vollverschleierung steht für mich nicht für religiöse Vielfalt, sondern für ein abwertendes Frauenbild«, begründet die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner ihren kühnen Vorstoß, unser Straßenbild zu vereinheitlichen. In anderen Ländern sei es schließlich auch verboten und weil an der Nachrichtenfront gerade die Waffen schweigen, kann man sich momentan mit reaktionärem Geschwätz gewisser Aufmerksamkeit sicher sein.
Wenn die ehemalige Religionslehrerin, Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken und Abtreibungsgegnerin keine religiöse Vielfalt im Tragen der Burka oder Niqabs sieht, so mag man das als Defizit persönlicher Wahrnehmung durchgehen lassen. Auch steht die Organisation der katholischen Kirche, für die sich Klöckner nachdrücklich einsetzt, nicht gerade als Speerspitze für Frauenrechte. In dieser Hinsicht darf man die Äußerungen Klöckners getrost als nebensächlich abtun.

»Vollschleier erschweren auch Kindertagesstätten die Arbeit: Die Stadt Essen empfahl den Mitarbeitern, verhüllte Frauen sollten sich notfalls in einem Nebenraum den Kindergärtnerinnen zu erkennen geben, ehe ihnen ihre Kinder übergeben werden könnten. An der Bodelschwingh-Grundschule der Stadt löste eine Mutter Angst unter Schülern aus, als sie unter Vollverschleierung das Gebäude betrat, um ihr Kind abzuholen. Die Schulleitung konnte sie davon überzeugen, vor dem Schultor zu warten.«

Zeit Online

Das aber ist die Saat, die da gedüngt wird. Burkas sind keine Modeerscheinung vom vorletzten Sommer und den vermuteten Sprengstoffgürtel kann man auch in einer Aldi-Einkaufstüte mitbringen. Die Angst ist nicht die vor einer fremden Kultur, sondern vor dieser speziellen Kultur, die in einem Dauergewitter von Verteufelung aus jeder abendländischen Medien-Pore quirlt. Fremde Kulturen ja, aber nur, wenn sie so sind wie die unsere. Und nicht islamistisch. » Die Burka-Vollverschleierung steht für mich nicht für religiöse Vielfalt […]«. Ja, wofür denn dann? (und jetzt bitte nicht diesen Unsinn mit Frauenbild!)

Man spricht von einem »neuartigen Phänomen«, ohne das präzisiert wird, ob es sich dabei um das Auftauchen der Burka oder der Angst davor handelt. Da der Neuigkeitswert dieses Kleidungsstückes gegen Null tendiert, bleibt nur die Angst. Und die ist mit einem Verbot keinesfalls aus der Welt – nur aus der Welt einer äußerst beschränkten Wahrnehmung.

Stichwort beschränkte Wahrnehmung: Der Rummel um die faktisch nicht mehr existenten Friedensdemonstrationen und ihre zum Teil dubiosen rechten Mitläufer hält zwar eine Reihe mindestens ebenso dubioser Blogs und ihre immerhin überschaubare Anzahl von Kommentatoren bei Laune, ist aber obsolet. Rechte, Linke, Querfront: Das Gewinsel nötigt einem nicht einmal mehr ein Gähnen ab, verdient nicht die Bezeichnung Nebenkriegsschauplatz – Hinterhof wäre geschmeichelt. Während man sich über etwas nicht existentes verbreitet, marschiert in Dresden die »Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida)« in Armeestärke durch die Straßen. Immerhin auch ein gutes Tausend dagegen, aber die Mehrheit folgt dem, was Julia Klöckner katholisch vorbetet. Pegida: Ist das der zukünftige politische Arm von Frontex? Wenigstens der weltanschauliche ist es. Das letzte Gefecht einer »deutschen Leitkultur«, die man aus Gründen eines erleichterten Exportes in »abendländisch« umtaufte.

Die 7500 Demonstranten der rechten Pegida gingen auch nicht wegen einer Handvoll Muslima, die einen Vollschleier tragen, auf die Straße, sondern weil die Saat schon lange in voller Blüte steht. Die Saat einer von oben verordneten Fremdenfeindlichkeit. Klöckners originelle Ideen zum Burkaverbot gerade zu diesem Zeitpunkt kann man auch als Grußadresse an diese Demonstranten verstehen.
Ob es Tätowierungen der Māori, Kipa und Gartl oder das Tragen der Sari ist: Parallelwelten oder das, was man dafür hält, werden nicht geduldet.
Es sei denn, sie spielen sich in Kreisen von Politik und Hochfinanz ab.

Burkaverbot.de

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0 Kommentare zu Presseschredder 2.12.2014

  1. Eike sagt:

    Schön wäre es! Es sind nicht mal ein paar Hundert, die dem entgegenstehen. Das Ding dabei ist folgendes: Bisher gibt es im Vergleich zum Beispiel zu Bielefeld in Dresden kaum Muslime, bzw. sind einfach wenig äußerlich zu erkennen. Für Dresden, wie für Bielefeld gilt im Umkreis von 100 km, gibt es außer zu vernachlässigen Liegenschaften, nur Bäume. Anders als In Bielefeld, krauchen da allerdings Sumpfbewohner heraus, die die Braune Masse gerne tragend machen möchten. Warum das so ist, kann evtl. Prof. Heitmeyer von der UNi 48 BI erklären? Fakt ist, die sauberen Partioten aus Dresden sehen so aus, wie die siegreiche rote Armee, die sich hier anno dazumal durchgevögelt hat (im Gegegsatz zu dem angeblichen potenten August, von dem sie meinen, abzustammen) und hat mentalitätsmässig mehr gemeinsam mit dem angeblichen Feind, schon in Bezug auf Juden oder Behinderte oder Falschparker etc. pp.. Das richtige Extrem ist: Die sehen dabei auch noch aus wie geklont (sowohl Physiognomie, wie auch Outfit, wie auch alles andere). Eine bessere Horrorstreifenkulisse kannst Du derzeit nicht finden! Bist Du also Regisseur, komme nächste Woche Montag nach DD. Du sparst die Hälfte deines Budgets. selbst Gollum springt da rum und Du brauchst nicht mal Maskenbildner! In angeblich hochlinken Vierteln, wie Fickpieschen wird nicht mal darüber diskutiert was passiert, sondern nur noch darüber wie man die Syrer und Afghanen aus Kriegsgebieten am besten auf’s Rad flechtet, um möglichst genug Abschreckung zu erzielen. Selbst die so angeblich linke Neustadt spekuliert nur darauf, wie man das am besten anmalen kann, so dass mehr grün (später mal) gewählt wird und das alles nicht so schlimm aussieht. Die Früchte der Ururgroßväter fanden den Schoß zum Rauskriechen. Der endgültige Krieg bleibt nur noch eine Frage der Zeit! Der Rest ist bereits gegeben!

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    • pantoufle sagt:

      Moin Eike

      Was die Zahlen betrifft, bin ich die offiziellen Verlautbarungen angewiesen. Da mein Optimismus über die Zahl der Gegendemonstranten enge Grenzen hat, hatte ich sie ohnehin schon recht vage nach unten abgerundet.
      Überhaupt hat sich mein Optimismus bezüglich vieler Dinge zum Winterschlaf begeben. Nein, ich bin bin kein Horror/Splatter-Regisseur, der solche Gesichter sucht, sondern jemand, der sich über die Zusammensetzung dieses Mops keinerlei Illusionen hingibt. Wie man so schön sagt: »…ist in der Mitte angekommen«, was ja nichts anderes heißt als »Alle!« Die Suche nach praktikablen Feindbildern läuft auf Hochtouren und da helfen sie gemeinsam mit – eben keine Glatzen (die auch!) oder ein anderes herausragendes Merkmal, sondern schlicht alle.

      Kurioserweise unterscheidet sich in der Verfahrensweise das Putin-nicht-verstehen in nichts zu Linken-bashing oder anderen Aufschrei-Themen. Der faschistoide Kleinbürger, die Hetzer, die herzlich Dummen: Alle sind herzlich willkommen, die wenigen Stimmen der Vernunft niederzubrüllen. Die »Argumente« abgekupfert von einem Debilen-Kommentar bei Facebook? Macht doch nichts! Alle Quellen sind gleich! Der Stammtisch findet sich nun auch tagsüber auf den Blogs, Spiegel-Online, der Welt oder bei Focus.
      Es war nur eine Frage der Zeit, wann diese Unkultur die Käfige des Internets und Leserbriefe verläßt und auf der Straße tobt. Sie brüllen etwas von Querfront und sind doch ein tragender Teil davon (wenn man schon diesen äußerst fragwürdigen Begriff benutzen mag). Ein jämmerlicher Haufen von Ja-Sagern: »Ja« zum Feinbild Islam, »Ja« gegen Putin, »Ja« gegen die Hamas – es doch vollkommen gleichgültig geworden. Nicht Weltbilder sondern Schlagworte; die muß man nicht erarbeiten und für sie stehen, sondern lediglich abschreiben und von Zeit zu Zeit austauschen.

      Seelischen Beistand dafür gibt es an der Bar, beim Bäcker, beim Internet-Schmierer, der sich als moralische Instanz aufspielt – wie gesagt: Die Quellenlage ist weitgehend gleichgültig geworden. Was lese ich gerade bei meinem Lieblings-Fascho? Sicherheitsverwahrung für Albrecht Müller? Ihn und andere in speziellen Lagern konzentrieren? Ohne Telephon, Internet und Anwalt? Genau diese Einstellung hat schon lange die ewig wiederholenden Hasstiraden der Kommentare, Blogs und sogenannten sozialen Netzwerke verlassen und tobt sich unter Polizeischutz auf der Straße aus. Ein äußerst ansteckendes Gift, neben dem Ebola wie eine harmlose Erkältung erscheint.
      Es ist eben die Verfahrensweise, die dieses Gift bekömmlich macht. Dann schleicht Pegida aus der Gosse und fordert lautstark, daß man das ja wohl wieder sagen darf.

      Was sagen sie denn heute? Gegen Putin, gegen Sarah Wagenknecht, gegen den Islam? Ist doch egal. Der übliche Aufstand des Anständigen, der die Wahrheit auf seiner Seite weiß. Ich kann sie alle nicht mehr sehen.

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      • pantoufle sagt:

        Ah ja: Bei Faschistens wird wieder fleißig mitgelesen und wie immer unter Beweis gestellt, keinen grammatikalisch korrekten Satz zustande zu bringen… wie schön!
        Also muß ich mich wohl entschuldigen: Fascho meinte natürlich ein Altersheim. Ohne Telephon, PC und Anwalt 🙂 Ein Ferienlager! Da wird ihnen geholfen!
        Weiteres unter diesem Link.

        Kaum ist die eine Generation ausgestorben, stehen die Enkel schon wieder bei Fuß.

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    • waswegmuss sagt:

      Stumm

      Ein Wurm hängt am Angelhaken
      Ein Fisch beißt in den Wurm
      Der Fisch beißt auch den Angelhaken
      Die Angel zieht den Fisch
      Nun hängt der Fisch an der Angel
      Die Angel zieht ihn in die Luft
      Der Fisch stirbt in der Luft
      Die Angel stirbt den Fisch
      Ein neuer Wurm hängt am Angelhaken
      Ein neuer Fisch beißt in den Wurm
      Und neues Leben blüht aus den Ruinen.

      K.S.

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  2. waswegmuss sagt:

    Da muss ich mal selbst verlinken: http://waswegmuss.wordpress.com/2014/01/28/der-niqab-muss-weg/
    (Der bislange Moment 2014 ist wesentlich witziger)

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    • pantoufle sagt:

      Stimmt: Ein lohnenswerter Link. Ganz unabhängig davon finde ich persönlich Ganzkörpervorhänge eher störend. Das Selbe gilt für Tattoos im Gesicht oder öffentliche Leichenverbrennungen. Auf der anderen Seite liebe ich diese Momente, in denen mir wieder klar wird, daß die Welt ganz, ganz groß und ich doch recht klein bin 😀

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      • Joachim sagt:

        … oder die Welt ganz klein, im Sinn von zusammenrücken, wird und ich ganz groß. Groß im Sinn eines wunderbaren, teilenden Gedankens der Menschlichkeit.

        Internet-Schmierer, die gibt es. Weil, es gibt sie auf der Welt so wie die Intoleranz oder besser „nicht Akzeptanz“, da wo es notwendig wäre, Intoleranz nicht zu akzeptieren. Burkaverbot? Ich mag die Burka nicht, weil sich Menschen nicht verstecken müssen dürfen. Das sehen die Trägerinnen anders. Dafür, dass sie das dürfen und das ist so ein wunderbarer Gedanke, muss man, nein muss ich einstehen.

        Du verzeihst, dass ich nun die Nazis, die Braunen und auch gewisse Politiker, die Fremdenhass subtil oder gar offen predigen, unterschlage? Denn die sind sicher nicht der Nabel der Welt. Ehrlich, wer braucht die schon? Verweigern wir ihnen einfach die Aufmerksamkeit. Dann sind sie dort, wo sie sich selbst hingestellt haben.

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        • waswegmuss sagt:

          Um mal etwas aufzulockern: Ich frug meinen türkischen Schrauber, ein sehr gläubiger Muslim, einmal ob ihre türbanbedeckten Frauen genauso viel Geld für den Friseur ausgeben.
          Das gab ein Gejohle in der Werkstatt.
          „Frag nicht“ war übrigens die Antwort.

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      • pantoufle sagt:

        Moin Joachim

        Die Nazis, die blöd genug sind, sich offen als solche zu bekennen und denen der braune Schleim zum Halse herausläuft, habe ich ja auch soweit außen vor gelassen. Sie sind genau so wenig Nabel wie der Sumpf im Netz, der die selben Parolen unter anderem Markennamen krakeelt (man könnte es für Gehirnwäsche halten, gäbe es dort etwas zu reinigen).
        Sie alle zusammen aber sind durchaus eine Macht geworden, die Lösungen unmöglich macht. Das ist es, was mich nervt.

        @Waswegmuss

        Die Antwort hätte ich auch vorausgesehen. Auf eine unbestimmbare Art und Weise sind alle Menschen gleich. Vor allem Frauen.

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        • Joachim sagt:

          Nö, unmöglich gibt es nicht.

          Selbstverständlich sind Parolen der Politik in ihrer andauernden Wiederholung nicht ohne Wirkung. Natürlich ist jeder, der „dagegen“ ist ein Erlöser in den Augen derer, die unter die Räder kamen oder einfach noch nicht so weit sind. Natürlich lässt etwa die Maut Spielraum für die eigenen Spekulationen, notfalls auch die des Fremdenhasses.

          Man könnte nun etwas gegen Nazis sagen. Oder gegen Politiker, die Fremdenhass schüren. Dann gibt es die Einen, die dies Meinung haben, die Anderen, die eine andere Meinung haben und Dritte, die hauptsächlich sich selbst sehen. Prompt kommt im Radio eine Toleranzwoche und der selbe Sender verkündet, dass er nun Internetkommentare sperren möchte. Wobei diese Sender natürlich auch schon einmal Nachrichten sperren, wenn es um Nazis anderswo geht und sich so erneut eine Rüge des Presserats einhandeln. Es stellt sich klar die Frage, ob diese Sender die Kompetenz besitzen, sinnvolle Kommentare auszuwählen oder auch nur mit dem Netz umzugehen.

          Man könnte aber auch einfach dem wunderbar märchenhaftem Gedanken von waswegmuss folgen und es einfach tun.

          Sag mir pantoufle, ist der Augenblick eine Illusion? Ist er nichts wert? Ich meine den Augenblick, in dem man es richtig machte und niemand, möglicherweise man selbst nicht, erfährt davon, wieso die Welt eine Sekunde lang besser wurde. Dieser kleine Augenblick, der Jemandem die Möglichkeit gab, nicht unter die Räder zu kommen. Oder der kreative Augenblick, der irgend wann irgend wo die Dinge ändert. Stell Dir vor, Deine Nachbarin würde lächeln. Ganz real unbezahlbar!

          Es gibt viele Möglichkeiten. Sogar Politik kann dazu gehören, auch wenn „anständige“ Politiker vom System benachteiligt werden. Ist es wirklich unmöglich, eine anständige Bundeskanzlerin oder Ministerpräsident zu werden? Oder ein anständiger, was immer das sein soll, Bürger, Journalist, Blogger, Müllman, Mensch? Wenn es unmöglich ist, dann ist Unmöglichkeit genau der Grund es zu tun.

          Ja, lach nur. Doch Du bist es, der andeutet, ich solle mich mit Idioten rumschlagen. Bringt es etwas, mit ihnen zu diskutieren, wenn man genau so gut gegen Wände anrennen könnte? Oder bringt es etwas Konstruktives zu tun? Etwa pro Kilometer ihrer Märsche zu spenden. Das ist konstruktiv. Konstruktiv ist es, die Straße hinter ihren Aufmärschen zu fegen. Konstruktiv ist es, die Texte der Onkelz neu zu ordnen.

          Red‘ mir nicht von unmöglich. Wer Alternativlosigkeit predigt der versucht Dich nur zu verarschen. Wer „wir werden eine gemeinsame Lösung finden“, so angeblich auf „Kompromisse“ steht, der versucht Dich zu vereinnahmen. Dabei existiert etwas wie „ein wenig schwanger“ doch einfach nicht. Ich meine, es werden genügend „Fehler“ in der Welt gemacht. Es ist an der Zeit einmal etwas richtig zu machen.

          Kurz: in einer lebenswerten Welt gibt es keinen Terror.

          Natürlich ist das alles unmöglich und unglaublich naiv. Genau deshalb!

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          • pantoufle sagt:

            Moin Joachim

            Was mir zu Deinem Kommentar nach längerem Nachdenken einfiel, habe ich unter »Meinungsführerschaft« versucht darzulegen. Das ist die Art von Naivität (im positiven Sinne) die mir dazu eingefallen ist.

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        • pantoufle sagt:

          Ich lach ja gar nicht. Eigentlich geht’s mir sogar ziemlich gut im Moment. Erst mal wieder zu Hause, etwas Geld verdient und letzte Nacht (bis heute Morgen) einen Röhren-Preamp »modifiziert«. Die Anführungszeichen deswegen, weil vom Original außer Gehäuse, Buchsen und Netzteil so ziemlich gar nichts übrig blieb.
          Eigentlich sollten die Chinesen das ja können: Kathodenbasisschaltung mit nachfolgendem Kathodenfolger; die Dröhnung mit einer Gegenkopplung auf den Eingang. Nur, daß man vergessen hatte, daß das Ganze niederohmig gespeist werden will und nicht mit einem effektiven Längswiderstand im Signal von ca. 120kOhm! Nach Aussage des Kunden war das Ding schon mit MP3 vollkommen überfordert. Ein paar andere Basics hatte man ebenso vergessen – angefangen vom Netzteil bis zur Masseführung. Allein eine menschenwürdige Masseführung verbesserte die Übersprechdämpfung um mehr als 12dB.
          Na ja – Jetzt ist da Sovtek 6N3 in Oldschoolverdrahtung drin (Putin-Röhren-Versteher!!) und siehe da: Am Ausgang erscheint so etwas Ähnliches wie das Eingangssignal, nur etwas größer. Es THD`d und noised mit einer Null hinter dem Komma (5V out) und damit wollen wir zufrieden sein. Kunde glücklich, will sogar bezahlen und ich soll es mir auch noch anhören. Chromaganfarbene Becken, drahtige Mitten, erigierte Bässe und so. Bühne von unendlicher Breite bei quasi 3D selbst bei nur einem Lautsprecher (es sollten allerdings beide Kanäle funktionieren – auf der Werkbank taten sie es jedenfalls).

          Ach so, was ich eigentlich sagen wollte: Nebenbei (und neben-nebenbei lief noch ein Krimi) las ich nach einer Woche Netzabstinenz in den einschlägigen Blogs all das, was ich für ein paar Tage erfolgreich verdrängt hatte. Es war zwar das Selbe wie die Woche davor und davor das Jahr davor und davor die unglückliche Kindheit… Jedenfalls stellte sich leichter Brechreiz ein, den ich noch nicht vollkommen überwunden habe.
          Als das passende Mittel dagegen erscheint mir im Moment ein Projekt mit zwei EF86 in einem RIAA-Vorverstärker mit Trafo-Anpassung an MC-Systeme. Gleichstrom, wohin das Auge blickt und einen abschirmenden Mantel, der trotzdem Einblick auf das erlaubt, was da leuchtet.

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  3. Joachim sagt:

    pantoufle, Du hast Dich doch nicht am Wein vergriffen?

    Willst meinen Post nicht beantworten (was vollkommen okay so ist, weil ich sowieso nur noch „faszinierend“ sagen würde und höchstens noch Pille einen dummen Spruch loslassen könnte 😉 und außerdem prinzipiell…

    sagst als nächstes „Ich lach ja nicht. Mir geht es gut“ um mir dann zu erzählen, dass eine Kathoden-Basis-Schaltung niederohmig gespeist werden möchte? Die Verwirrung der Verwirrung? Ich hoffe sehr, es geht Dir gut. Gewöhnlich sollten Menschen lachen, wenn es ihnen gut geht. Oder umgekehrt. Habe ich mal gehört.

    Okay, 120k vor die „Basis“ ich meine, Steuergitter ist „suboptimal“, kostet 10% bei einem Gatewiderstand von 1M. Direkt vor dem Gate fällt mir kein Sinn für einen derart großen Widerstand ein. Es sei denn als Rauschgenerator.

    Niederohmig ist jedenfalls höchtens der Ausgang der Anoden-Basis-Schaltung. Aber was hat das mit MP3 zu tun? Also echt, als Freak auftreten und dann MP3 mit einem Röhrenverstärker abspielen? Nun, das erklärt auch die (immer phasen- und damit frequenzabhängige) Gegenkoppelung. Tzz Tzz, das würde dem japanischen Meister weniger gefallen. Bei Röhren würde mir (meist) der Kathodenwiderstand als Gegenkoppelung reichen. Aber gut, das kommt wohl von meiner Lucile.

    Nimm wenigstens FLAC statt MP3. Oder besser eine echte Platte, wenn der VV fertig ist.

    Aber mit einer EF80? Das ist eine ZF-Röhre. Die rauscht. Abschirmung, bei einer EF80, im NF-Bereich? Für MC-Entzerrverstärker, dürfte eine Triode besser geeignet sein? Wieso keine Doppeltriode? ECC83 oder so. Da lohnt wenigstens eine (MU-Metall) Abschirmung.

    Die Abschirmung scheint mir bei korrekter Positionierung des Anodenspannungstransformators relativ zu einer Pentode unnötig. Übrigens könntest Du bei einer Triode mit deutlich geringerer Anodenspannung (20V? 50V) auskommen. Der Eingangsübertrager ist bei genügender Qualität und Abschirmung durchaus eine gute Option. Das Signal ist (soweit ich mich entsinne) bei MC sehr klein.

    Ach ja, und achte auf die Massenverdrahtung…

    Schluck, nun habe ich es übertrieben. Sorry, Du weißt schon, der Wein. Aber es ist schon ein wenig fies, mit so einem Thema, das mich derart interessiert „abzulenken“.

    Erzähl mir mehr…

    Und jetzt darfst Du lachen, bis es nicht mehr geht. Möge es Dir immer gut gehen.

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  4. pantoufle sagt:

    HaHa!! Lang lebe Che und besonders rauscharme Pentoden!

    EF86: NF-Pentode! Besonders rausch- und mikrophoniearme Spezies! Röhrenmikros (Neumann&Co), Kino-Verstärker, Mischverstärker (EF40, 86, 804, 6267). Unter anderem auch benutzt in dem legendären Mullard 5.1 Design.

    Heizspannung    Uf    6,3    V
    Heizstrom    If    0,2    A
    Anodenspannung    Ua    250    V
    Bremsgitterspannung    Ug3    0    V
    Schirmgitterspannung    Ug2    140    V
    Gittervorspannung    Ug1    —2    A
    Anodenstrom    Ia    3    mA
    Schirmgitterstrom    Ig2    0,6    mA
    Innenwiderstand    Ri    2,5    MOhm
    Verstärkungsfaktor    Ug2g1    38

    »Die Röhre EF 86 ist sehr kling- und brummarm und daher besonders für Eingangsstufen geeignet. Die große Klingfestigkeit wird durch einen kurzen starren Aufbau des Systems erzielt. Das Elektrodensystem ist so steif, daß die Röhre weitgehend gegen mechanische Erschütterungen über die Sockelung, als auch gegen akustische Beeinflussung sicher ist. Gegen Heizfadenbrummen ist die neü Röhre ebenfalls sehr unempfindlich, so daß sie auch in hochwertigen Verstärkern nicht mit Gleichstrom geheizt zu werden braucht.
    Das bei tiefen Frequenzen störende Funkelrauschen konnte auf den gleichen günstigen Wert wie bei der Röhre EF 804 herabgesetzt werden.
    Der Brummstörpegel ist kleiner als 5 µV für einen Wechselstromwiderstand Rg1 ~ = 100 µF bei 50 Hz.
    Die äquivalente Rauschspannung, bezogen auf Gitter 1, beträgt ca. 2 µV für den Frequenzbereich 25…10 000 Hz bei einer Betriebsspannung von 250 V und einem Anodenwiderstand von 100 kOhm.
    Die Röhre darf mit einer Empfindlichkeit von 0,5 mV für eine Ausgangsleistung von 50 mW an der Endstufe betrieben werden, ohne daß Mikrofonie auftritt, selbst wenn die EF 86 dabei für Freqünzen über 500 Hz Erschütterungen bis zur 0.015 fachen Erdbeschleunigung erfährt. Für Frequenzen unter 500 Hz sind Beschleunigungen bis zu 0,06 g zulässig.«

    aus Jogis Röhrenbude

    BIS ZU EINER BESCHLEUNIGUNG VON 0,06g !!einz!!

    Klugscheißen leicht gemacht 😀

    Die Aussage des Kunden bezüglich MP3 bezog sich auf die Nichteignung des Chinesen selbst als Küchenradio-Pre-Amp. Da hilft dann weder Flac noch Wav. Nun aber röhrt es ja wieder.

    Was das Design betrifft, so bin ich Verehrer des höchst ehrenwerten Hiraga Anzai-San und seinem SRPP, vorzugsweise mit Röhren, die für diesen Zweck geeignet sind (ECC84, ECC88). Triode kann jeder!

    Was nun das andere angeht, was es zu beantworten gilt, so muß ich um etwas Geduld bitten: Die Nächte verbringe ich gerade mit löten und heißen Glaskolben und fühle mich dabei tatsächlich herzlich wohl. Mit anderen Worten: Ich bin etwas abgelenkt!
    Außerdem habe ich gestern Abend einen meiner regelmäßigen Besuche im Gasthaus »Geldmacher« gehabt (Gastronomie, deutsche Küche, Kegelbahn – erstes Haus am Platze) und erneut festgestellt, daß dieser Ort in der Provinz ein Hort der Toleranz und Freundlichkeit verglichen mit den Foren und Blogs ist. Der besoffenste Maurer ist immer noch intelligenter und politisch informierter als alle Herr Karls des Netzes.
    Nach diesem durchaus erfreulichen Abend zurück an die Werkbank und den Weller angeworfen. »Und hier ist also die Hochspannung! Warum hat dieser Kondensator eigentlich Blähungen?«

    Natürlich habe ich deswegen nicht vor, mit der schönen Tradition ernsthafter Antworten zu brechen, aber wie gesagt: Ich bin gerade etwas abgelenkt. Kommt, kommt, kommt…

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    • Joachim sagt:

      Ja ja, das mit EF80 vs, EF86 ist mir noch vor dem Abschicken aufgefallen. Hab’s trotzdem gelassen. Vielleicht unbewusst als Vorlage? Jedenfalls hast Du sie schön genutzt 😉

      In der Tat…

      Sind die Röhren nicht sogar Sockel-kompatibel? So dunkel schwebt in meinem Kopf, als ich einmal in einem Radio mit keramischem Bladdenspieler, Stereo, kein Silizium, nur ein wenig Selen, 2×15 Watt, nix reduce to the max und doch teilw. archaisch schön verarbeitet, eine EF80 austauschen wollte, versehentlich eine EF86, 84, 804??? ist zu lange her und der Aufdruck war sowieso nicht lesbar, aus der Kiste nahm, einschaltete und sehr komische Geräusche aus den Lautsprechern drangen. S e h r k o m i s c h e G e r ä u s c h e.

      Bryan Ferry hat den Song nur aufgenommen, um mich zu ärgern, mich panisch abschalten und nach Rauchfahnen suchen zu lassen … Aber nirgendwo fand sich was, kein ungewöhnlicher, doch so bekannter Geruch und auch keine Blähungen, nicht einmal bei den C’s (der Firma Wima? bääh), höchstens bei Roxy Music. Also wieder einschalten und der Moderator im Radio klärte mich auf. Phuu.

      Doch der wichtigere Fehler oben ist: Lucille muss es heißen, dieses Töchterchen von B.B.King aus der Familie Gibson. Das verzeiht sie mir nie.

      https://en.wikipedia.org/wiki/File:Gibson_Lucille.jpg

      Wer schaut schon beim Spielen auf den Kopf der Gitarre? Röhren sind zum rocken da. Gitarren auch. Manchmal. 12 Bund, e-Seite, 11, Bund b-Seite und bis zum nächsten Halbton ziehen. Waaahaaa. Rock’n’Roll. 2,3,4 – Did you ever…

      Aber nein, perfekt will ich nicht sein. Das hast Du ja gerade wieder einmal bemerkt. Gut so, geradezu perfekt.

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  5. derda sagt:

    Glühwein kommt aus der Zeit als Wasser nicht trinkbar war. Da wurde der Wein als Alltagsgetränk verwendet, ins Wasser wurde ge§chi§§en.
    So ein 8,5% Roter mit 50 Grad Öchsle ist dazu prädestiniert mit Zusätzen aufgepäppelt zu werden. Mittlerweile ist diese Qualität in Deutschland schwer zu bekommen…

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