Presseschredder 2.1.2015

Willkommen 2015!!

Willkommen 2015!!

Muß man sich erst mal daran gewöhnen, dieses 2015. Das Wetter hilft dabei. Es hat den Dreck der Knallkörper weggefegt, vielleicht auch mit Hilfe der Straßenreinigung, aber als die kam, war schon fast alles zersetzt. Ist die Hinterlassenschaft dieser Unsitte eigentlich biologisch abbaubar? Hier und da steht noch ein vergessenes Glas in den Rabatten oder eine Sektflasche; ach war das wieder schön, dieses Fest! Das Konterbier am nächsten Nachmittag, die Essensreste… damit machen wir noch… Bratkartoffeln, wenn es hoch kommt. Der Rest ein Fall für die Mülltonne. Seltsam, daß niemand den ich traf, dem vergangenen Jahr hinterhertrauerte. Es war wohl alles nicht so doll.

Dinner for one: Angela Merkel spricht zu sich selber. Das einzig bemerkenswerte dieser Tradition fasst Tagesschau.de unfreiwillig komisch zusammen: Welches Farbe hat ihr Kostüm dieses Jahr, also der über dem Tisch sichtbare Teil des Hosenanzuges? Angela ist gegen Pegida. Entwicklungsminister Gerd Müller dagegen zeigt Verständnis. »Die Menschen haben Existenznöte, fühlen sich an den Rand gedrückt und machen auf sich aufmerksam, da sie sich nicht umfassend vertreten fühlen«. Als gäbe es an Fremdenfeindlichkeit irgend etwas zu verstehen. Dagegen hilft natürlich nur, Flüchtlinge innerhalb von sechs Wochen abzuschieben. Bei Existenznöten helfen Sündenböcke immer. Auch das eine Tradition in Deutschland: Roter Halbmond statt gelber Sterne?

Sie nehmen Anlauf. Der überproportionale Gebrauch des Begriffs »unchristlich« im Zusammenhang mit dem rechten Mob ist schwer erklärbar. Das Wort »Rente mit 70« geistert durch die Schlagzeilen. Das ist nicht unchristlich. Niemand, der den Demonstranten in Dresden sagt, daß sie gegen Geist und Wort der demokratischen Grundordnung verstoßen. Nein: »Unchristlich« sei das Geblöke. Für einen laizistischen Staat ein eigentümliches Argument – oder lag es nur an der Weihnachtszeit?

Für diejenigen, denen abendländische Mystik nicht zusagt, zaubert man die Vergeltungswaffe des Neoliberalismus Hans-Werner Sinn aus der Schublade. Sinn rechnet engagiert vor, daß sich eine freie Gesellschaft im Allgemeinen und der Sozialstaat im Besonderen ohnehin nicht auszahlen – weder mit noch ohne Asylanten. Vorläufig fällt niemandem auf, daß man in seiner Argumentation das Wort »Migranten« bruchlos durch »Langzeitarbeitslose « ersetzen könnte. 79.000€ Defizit pro Migrant sind erst einmal das Argument der Stunde; da kann die Kanzlerin das hohe Lied der Willkommensgesellschaft singen wie sie lustig ist: Zu diesem Tarif bekommt man drei VW-Golf 7 inklusive Beifahrerairbag und Navi. So betrachtet stehen christlichen Werte auf verlorenem Posten. Drei VW-Golf sind das Verständnis, daß man einem Hartz IV – Empfänger so gerne verweigert, wenn man ihm vorrechnet, wieviele Tütensuppen sich jene leisten können.

Aus dem Speiseplan Thilo Sarrazins für Hartz IV-Empfänger:

Frühstück:
2 Brötchen                : 0,30€
25g Marmelade          : 0,06€
20g Butter                 : 0,1€
1 Scheibe Käse          : 0,25€
1 Apfel : 0,24€
1 Glas Saft, 200ml     : 0,30€
2 Tassen Tee              : 0,10€

Mittagessen (Spaghetti Bolognese):
100g Hack                 : 0,38€
125g Spaghetti          : 0,15€
200g Tomatensauce  : 0,40€
div. Gewürze              : 0,10€

Snack:
1 Kaffe/Joghurt           : 0,40€

Abendessen:
½ Gurke : 0,30€
130g Leberkäse         : 0,56€
200g Kartoffelsalat     : 0,34€

Summe                      : 3,98€
Hartz-IV-Regelsatz     : 4,25€

Prägnanter sind die christlichen Werte des Abendlandes kaum in Worte zu fassen. Das muß es dann wohl sein, was die Pegida unter Punkt 13 ihrer wirren, sich wöchentlich ändernden Grundsätze meinte: »die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur.«

»Dunkles Veilchen und geprellte Rippen – die Verletzungen von Wadha (Nachname der taz bekannt) sind die sichtbaren Spuren des Angriffs in Dresden. Er fand nach der letzten Kundgebung der Pegida am 22. Dezember 2014 statt, die 15-jährige Wahda gehörte zu einer Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Der Übergriff geschah „unter dem Applaus von Passanten“, sagt Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen. Eine Anzeige wollte die Polizei nicht aufnehmen, berichtet er, „sie glaubten ihr nicht“. […]
Am Vormittag des 24. Dezember fand Wadha mit ihrer Mutter den Mut, zur Polizei zu gehen. Ein Beamter in der Dienststelle Schießgasse „fertigte sie jedoch einfach ab“. Die Verletzungen, soll er gesagt haben, hätte sich das Mädchen selbst zugefügt.«

Taz

Die Kanzlerin verurteile Menschen von oben herab, die sie gar nicht kenne, so AFD-Vize Alexander Gauland. Und morgen die ganze Welt.

Uli Hoeneß wurde am 13. März 2014 wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Mittlerweile ist er Freigänger und soll nach Willen des FC-Bayern in der Jugendabteilung des Fußballvereins arbeiten.

Peanuts.

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0 Kommentare zu Presseschredder 2.1.2015

  1. R@iner sagt:

    Wenn’s nicht stört, dann steuere ich ein paar Links bei.

    Erstaunliches liest man bei Zeit Online: Die nationale Querfront

    [..] Politikwissenschaftler wie Chantal Mouffe oder Colin Crouch haben solche Entwicklungen kommen sehen. In westlichen Demokratien nehme die Machtausübung immer stärker technokratische Züge an. Es gebe kaum mehr offenen Streit, jede Entscheidung werde als “alternativlos” dargestellt. Doch diese “Postpolitik” sei gefährlich. Wer Konflikte unter den Teppich kehre oder durch “Dethematisierung” beschweige, der treibe die Menschen auf die Straße. [..]
    Möglich also, dass wir gerade Zeuge werden, wie ein ökonomisches Weltbild ins Wanken gerät und die Querfront-Bewegungen daraus Kapital schlagen. Zu Ende geht die Epoche des heroischen Neoliberalismus, jener letzten Gesellschaftsutopie, die in England mit Margaret Thatcher, in Amerika mit Ronald Reagan und in Deutschland mit Gerhard Schröder und Joschka Fischer begann. Denn trotz erster Erfolge bei der Stabilisierung der Staatsfinanzen – die europäische Wirtschaft wirkt komatös, die Pferde saufen nicht mehr, und die gestern noch so hochgemuten Ökonomen sind ratlos zerstritten. [..]

    Querschuesse: Neuwahlen in Griechenland, Weimarer Verhältnisse in Europa? – eine Bilanz der europäischen Krisenpolitik

    Faz: EZB bereitet Kauf von Staatsanleihen vor

    Wir denken an die Worte von Klementine, der schwäbischen Hausfrau, die weißer als rein wäscht: “Mit mir wird es keine Eurobonds geben” (Lacher vom Band)

    Der gefällt mir. Sz: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

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  2. Duderich sagt:

    Nun, es ist wohl eine Binse, dass auch 2015 die grundgesetzlich garantierte Würde des Menschen monetär nur der Schutz vor’m Verrecken ist.
    Die Würde des Menschen beinhaltet nicht Geschenke zu Weihnachten für die Kinder, nicht die Geburtstagskarte für Freunde und auch nicht einen Maulkorb für Sarrazin oder Clement, etc.

    Ich würde Sarrazin mal gerne an der Fleischtheke sehen, wie er 100 Gramm Hack für 38 Cent kauft.

    Die Würde des Menschen unter Finanzierungsvorbehalt.
    Havarierte Hungerflüchtlinge im Mittelmeer zu retten ist dann letztendlich auch die Frage, ob sich das volkswirtschaftlich rechnet.

    Die, die die über Würde des Menschen (deren Teilhabe) befinden und diese monetär kleinrechnen, haben selbst keine.
    Die würdelosesten Arschlöcher meinen am meisten Kompetenz zu besitzen, über die Würde anderer zu referieren.
    Personell gäbe es da unzählige Beispiele – viele davon nennen sich ‘Sozialdemokraten’.

    Und auch Hoeneß, der als Steuerhinterzieher im großen Ausmaße verurteilt ist, feiert Weihnachten im Schoße seiner Familie.
    Dieses Arschloch, der seine Spekulationsgewinne vor der gesellschaftlichen Solidarität versucht hatte zu retten, hätte sicher auch viele Worte zu Gerechtigkeit, Solidarität und Würde.
    Die er vermutlich gerne unter Tränen des Selbstmitleids unters Volk bringen würde.

    Und 2015 werden wir diesen Arschlöchern genau den selben Scheiß abkaufen, wie im Jahr zuvor.

    Der Wertekompass, was wir zu denken, zu tun und zu wählen haben, wird nach wie vor brav umgesetzt werden. Wir werden weiter brav den Kakao trinken, durch den wir gezogen werden (Kästner).
    Und die Griechen wählen ‘linksradikal’, wie auch die Thüringer.

    Das Abendland ist bedroht.
    Und TTIP wird hierzulande sozialdemokratisch flankiert. Soll ja Arbeitsplätze bringen.

    Mich kotzt das neue Jahr bereits an, bevor es richtig angefangen hat.

    Man hofft ja, das irgendetwas besser wird. Die Erfahrung zeigt aber, dass es immer ungerechter wird, wohlfeil von Medien und politischen Vertretern propagiert.
    Ich hoffe, ich irre mich. Ich hoffe, dass die Menschen irgendwann den Mut haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen (Kant).

    Meinen Pessimismus diesbezüglich mag man mir verzeihen.

    In diesem Sinne wünsche ich Dir, lieber Pantoufle, nicht ein frohes, sondern ein gerechteres, kritisch reflektierteres neues Jahr.

    Grüße, Dude

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  3. lazarus09 sagt:

    Tja Leutz… die Luft ist raus ,das Bild sagt alles und mit der Fahrradpumpe bekommt man es auch nicht wirklich geregelt ..

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  4. pantoufle sagt:

    Ja, Ihr Lieben: da wären wir also wieder im neuen Jahr. Nun denn: Pumpen wir also. @Lazarus: Genau dieses Gefühl hatte ich beim Anblick des platten Reifens.

    @Duderich
    Du verlangst ja wohl nicht im Ernst von mir Gerechtigkeit und kritische Reflexion? Mann ey: Das hier ist die Schrottpresse! Hier wird einseitig polemisiert, bröckchenweise gekotzt und verachtet. Fehlt nur noch, daß ich meine Rechtschreibkorrektur benutzen soll… also ehrlich!
    Auch für dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, andere Meinungen zu ignorieren, zu verachten oder das gefürchtete Schwert der Löschfunktion unablässig über den Köpfen der Kommentatoren kreisen zu lassen… wenn nicht gleich in Halshöhe! Also kreisen… Du verstehst? Bis das Blut spritzt!
    Das Abendland ist bedroht? Nichts könnte falscher sein. Es starb 1933 einen furchtbaren Tod, nachdem es im Casino der Weimarer Republik seine letzten Jetons verspielte hatte. Alles, was dem Leichenschmaus folgte, komprimierte Toyota in dem Satz »Nichts ist unmöglich!«

    @R@iner
    Den Zeit-Artikel hatte ich auch gelesen, mag ihn allerdings nicht besonders (womit Zeit.de sicherlich gut leben kann)
    Was mir – neben der Schröder-Bemerkung – überhaupt nicht passt, sind Bemerkungen wie »Rechtsintellektuelle wittern das Unbehagen in der westlichen Kultur«. Da besteht offenbar Gesprächsbedarf, wie man den Begriff Intellektueller zu interpretieren hat. K.Jebsen oder Elsässer können damit ja wohl nicht gemeint sein – und mehr als diese beiden Schwachsinnigen werden dann auch nicht erwähnt.
    Was mir ebenso langsam auf den Sender geht, ist das unablässige Geseiere von einer Querfront. Eingeleitet fast grundsätzlich mit einem angetäuschten Godwin (»“Querfront” ist keine neue Erfindung. In der Weimarer Republik ist sie schon einmal ausprobiert« oder ähnlichem). Dieser Propaganda-Begriff war Jahrzehntelang in der Versenkung verschwunden und erklärt nun innerhalb von Wochen alles, was schief läuft – vorzugsweise im Internet. Seine vorgebliche Legitimation bekommt er mit der Zeitangabe »Weimarer Republik«, seinen Sinn als Troll-Leckerchen für ein paar Irgendwas-Watch-Idioten, die zu dämlich zum nachdenken sind. [Yesssss!!! Schrottpresse-Differenzierung at his best! der Säzzer]
    Es kommt mir etwas vor wie all die Zeitgeistbegriffe, die wir überlebten: »… kann sich nicht einbringen«, Generationskonflikt, »schlechtes Karma«, Psychose, Selbstverwirklichung, Pilzkopf, Gastarbeiter…. uppps: da wären wir ja bereits wieder beim Thema. Vielleicht hätte man sich doch nicht so schnell von diesem Wort trennen sollen. Wenigstens steckte das Wort »Gast« noch darin, wenn auch in der eher temporären Bedeutung des Begriffes. BTW: Weiß noch jemand, was man unter einer Friedensbewegung versteht? Nein, Klaus Jarchow – keinen Putin-Versteher!

    Jedenfalls mag ich das Wort nicht und ebensowenig das Gehampel, welches sich einstellt, wenn jemand Russia-Today oder Compact als Journalismus tituliert.
    Was wollte ich sagen? Ach ja: Den Zeit-Artikel fand ich nicht so prall.

    Griechenland. Griechenland, Griechenland, Weimar.
    Auch schön falsch, selbst wenn in dem Artikel viel gutes steht. Griechenland hat allerdings keinen Krieg verloren, muß keine Reparationszahlungen in unbekannter Höhe über einen unbekannten Zeitraum zahlen, hat kein besetztes Rheinland, leidet (noch) nicht unter den Folgen einer Weltwirtschaftskrise, hat (noch) keine putschwillige Offizierskaste…
    Himmel: Es ist eben nicht Weimar, so wenig wie das Völkchen, das sich in Dresden als Pegida auf die Straße traut, eine Querfront ist.

    »Möglich also, dass wir gerade Zeuge werden, wie ein ökonomisches Weltbild ins Wanken gerät und die Querfront-Bewegungen daraus Kapital schlagen.«

    Da würgt der Konjunktiv II den Schreiber an der Formulierung vorbei, daß der Kapitalismus sich wohl endgültig zu Tode gesiegt hat: Tja, lieber Herr Thomas Assheuer – dann schreiben Sie das auch gefälligst! Und wenn der Mut dazu endlich reicht, dann können wir uns auch darüber unterhalten, wie die Alternative geboren aus einer alternativlosen Gesellschaft vielleicht heißen mag. Querfront ist die denkbar dämlichste Wortwahl für den Mob, der jetzt irgendwo zwischen Oberwasser und Lebensmüdigkeit durch die Straßen torkelt.

    Jetzt also doch wieder der Zeit.de-Artikel. Ja, ich habe mich darüber geärgert.

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    • Duderich sagt:

      @Pantoufle:
      Du scheinst mich falsch verstanden zu haben:
      Ich VERLANGE von Dir kein gerechteres und kritisch hinterfragteres neues Jahr, sondern ich WÜNSCHE es Dir!
      Denn bei aller Bescheidenheit bemühen wir uns wohl beide ‘kritisch zu hinterfragen’. Mein Wunsch meinte nicht, dass DU das tun sollst, sondern der gemeine deutsche Michel, der Merkel so tolle Zustimmungswerte beschert.

      Comprende? 🙂

      Grüße, Dude

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  5. waswegmuss sagt:

    Gegen den Nato Doppelbeschluss waren wir 600.000
    Gegen HartzIV waren wir 500.000
    Es hat keine Sau interessiert.
    15.000 grölen Weihnachstlieder und die Aktionskünstler von der Hinterbank kriegen das große Händefuchteln. Ich sag da mal Vorsicht. Denkt nicht nur an Platon

    Übrigens: Was würde von der Weihnachtsgeschichte übrig bleiben wenn die Juden und Araber wegbleiben?
    Ein Ochs, ein Esel und jede Menge Stroh.

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    • pantoufle sagt:

      Vollkommen berechtigter Hinweis! Damals waren es auch nicht nur ein dubioser Radiomoderator und ein rechtsradikaler Blogger. Wie tief muß man sinken, um die jetzt als »Rechtsintellektuelle« zu verkaufen.
      P.S. einen sehr anschmiegsamer Artikel mit den wegmüssenden Flaschen hast Du da geschrieben.

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