Presseschredder 18.9.2014

Putin droht. Dieses Mal Europa. Ganz Europa. Angeblich. Aber weil es Putin ist, wahrscheinlich. Drohen! Uns!
»Wenn ich wollte, könnten russische Truppen in zwei Tagen nicht nur in Kiew, sondern auch in Riga, Vilnius, Tallinn, Warschau oder Bukarest sein«. Hat er gesagt. Angeblich. Die Wahrheit. Das könnte er nämlich tatsächlich. Nicht nur gesagt haben, sondern auch so gemeint haben. Jedenfalls behauptet das der Ukrainische Staatschef Petro Poroschenko.

Vermutlich hat er es sogar gesagt: Die paar maroden Zwergstaaten, die sich vor der Grenze Russlands tummeln, sind tatsächlich kein ernstzunehmender militärischer Gegner für die russische Armee.

»Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht; Bayern, Württemberg, Baden mögen dem Liberalismus indulgieren, darum wird ihnen doch keiner Preußens Rolle anweisen […] nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen – sondern durch Eisen und Blut.«

Otto v. Bismarck

Ein schöner Ausspruch, ein wahrer dazu und nebenbei einer der genüßlich missverstandenste obendrein. Nicht, daß Putin in irgend einer Hinsicht mit Bismarck zu vergleichen wäre: Die Zitate aber sind mehr Geschwister als der erste Augenschein nahelegt.

»Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Euer endloses Palaver in allen Ehren! Aber Euch fehlen die Mittel! Wollen ist nicht können, wünschen nicht Besitz oder Behauptung eine Tatsache. Ihr seid nicht in der Position für Forderungen«

So könnte man es auch formulieren. Daraus eine Kriegserklärung zu interpretieren… nun ja: Obama hat auch behauptet, keine Bodentruppen gegen den IS einzusetzen. Wahrscheinlich nicht. Vorläufig. Aber nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut. Allgemeingut sozusagen.

[Ich gestehe, daß ich bei dieser Nachricht gleich einmal beim kalten Krieger Klaus Jarchow auf seinem SchießStilstand nachgesehen habe, ob der Russe jetzt endgültig kommt. Leider war der Gute zu sehr mit dem Ausheben von Gräben und Schutzbunkern beschäftigt, so daß diese schöne Nachricht unglücklicherweise an ihm vorbeiging.]

Schottland kommt nicht zur Ruhe. Der ewige Unruheherd strebt erneut die Unabhängigkeit von England an. Kaum ist die Schlacht bei Culloden verloren, melden sich die Separatisten erneut zu Wort. Die Unionisten in London sehen es mit Schaudern: Erst Amerika, dann Indien und nun das! Das Empire bricht auseinander! Jetzt aber endgültig! Liebevolle Blicke in die Vitrinen mit den sorgsam gepflegten Uniformen der 17. Lancers aus den Zulukriegen… da müßte doch was zu machen sein? (Was man wenigstens nicht machen sollte, ist im Schottischen Parlament als Englischer Premier zu versichern, nicht ewig im Amt bleiben zu können)
Wir schreiben das Jahr 2014. Schottland strebt die Unabhängigkeit an. Von was eigentlich? Ist ja auch eigentlich egal! Es ist so schön anarchisch, so unzeitgemäß, so sympathisch plemplem, daß man sich den Sieg des Alex Salmond wünscht. Bei der heutigen Abstimmung drückt das Pantoufle die Daumen für ein freies Schottland! Schafe und Erdöl, Whisky und Haggis (invertiertes Schaf: Schaf gefüllt mit sich selber).

Address to a Haggis

Dein feines Gesicht sei von Glück erhellt,
du Häuptling in der Würstewelt!
Bist hoch über alle anderen gestellt,
ob Pansen, ob Darm:
Verdienst, daß man dein Lob erzählt,
so lang wie mein Arm.

Die ächzende Schüssel da füllst du aus,
dein Hintern schaut wie ein Bergrücken raus,
Dein Holzspieß hülf als ´ne Rad-Achse aus,
in Zeiten der Not.
Und aus deinen Poren tritt Tau heraus,
wie Bernstein rot.

Sieh, wie der Bauer sein Messer wischt;
er schneidet dich auf, wenn aufgetischt,
Und in dein saftiges Inneres er bricht,
dem Pflüger gleich;
Und dann, o welch gesegnete Sicht,
warm-dampfend, reich.

Und Löffel für Löffel macht man sich ran,
der Teufel kriegt den letzten dran,
Bis alle Bäuche, ob Frau, ob Mann,
sind wie Trommeln gespannt;
Und kurz vor dem Platzen der Hausvater dann stöhnt: „Gott sei Dank“.

Gibts einen, der nach Ragout noch trachtet,
und Eintopf, den ´ne Sau verachtet,
Und Frikassee, das sie kotzen machte,
vor Ekelqual,
der hinschaut und verächtlich lachte,
auf solch ein Mahl?

Der Ärmste! Seht ihn bei seinem Müll,
ist kraftlos wie trockene Binsen und still,
Für Schnüre die Schenkel man halten will;
die Faust für ´ne Nuß;
Wie wenig für blutiges Schlachtengebrüll
der taugen muß!

Doch seht den Landsmann, haggisgenährt,
von seinem Schritt tönt zitternd die Erd,
Drückt ihm in die breite Faust ein Schwert,
er läßt es tanzen;
Mit Armen und Beinen er verfährt,
wie mit Unkrautpflanzen.

Ihr Mächte, die ihr im Himmel verkehrt,
und den Menschen den Speisezettel serviert,
ein Schotte hat Fraß noch nie verzehrt,
der bloß ein Dreck ist;
Drum, wünscht ihr, daß er euch verehrt, gebt ihm ´nen Haggis!

Robert Burns (25.1.1759 – 21.6.1796)

appropos Essen:

Vegetarisch Kochen

WASHINGTON/Genf ap/rtr

Das Repräsentantenhaus genehmigt die Bewaffnung und Ausbildung gemäßigter syrischer Rebellen. Die UN kürzt die Lebensmittellieferungen nach Syrien um 60%. Das Synonym »gemäßigte Rebellen« wird in Zukunft als eingetragenes Warenzeichen gehandelt. Im kommenden Winter stehen den Bedürftigen nur Nahrungsmittel mit 825 Kalorien pro Tag und Person zur Verfügung. Wieviele aktive Mitglieder der Weight-Watchers sitzen in der UN?

»Gefüllte Miniklöße mit Wallnuss-Lauch-Sauce! Überraschende Klöße mit außergewöhnlicher Soße. Schmeckt nicht nur ihren Gästen!«

Das Rezept für 2 Personen:
Kartoffeln schälen und in Salzwasser ca. 20 Minuten garen. Getrocknete Tomaten in 50 ml heißer Brühe ca. 10 Minuten einweichen. Lauch waschen und in Ringe schneiden. Kartoffeln abgießen, durch eine Presse drücken und abkühlen lassen.
Kartoffelmasse mit Stärke, Eigelb und 1/2 TL Salz zu einem Teig verkneten. Tomaten abtropfen lassen und grob hacken. Teig zu 6 kleinen Klößen formen, jeweils ein Loch hineinbohren, mit Tomatenstücken und Parmesan füllen und Löcher verschließen. Klöße in siedendem Salzwasser ca. 15 Minuten ziehen lassen.
Öl in einem Topf erhitzen und Walnüsse darin kurz anbraten. Lauchringe zufügen, kurz andünsten, mit restlicher Brühe ablöschen und ca. 8–10 Minuten garen. Frischkäse unterrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Klöße mit einer Schaumkelle aus dem Wasser heben und mit Walnuss-Lauch-Sauce servieren.

Dazu meint heidrun091162:

»Statt 100g Frischkäse nehme ich 2 Esslöffel Schmelzkäse. Der ist nicht so fade. Dann habe ich noch eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe dazugetan.
Schmeckt so super.«

800 Kalorien. Da lacht der gemäßigte Rebell!

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0 Kommentare zu Presseschredder 18.9.2014

  1. flatter sagt:

    Das war aber auch Zeit, dass es hier mal wieder was Belangloses zu lesen gab, du FAULER SACK!!1!

    greets

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    • pantoufle sagt:

      Faul! Isch! Isch war natürlich nich faul – isch doch nich!
      Isch habe gearbeitet, bis die Socke qualmte! Theater! Isch! Und wenn isch nicht gearbeitet habe, schraubte isch am Motorrade oder dunkelte die Kammer, auf das Bilder werde! Isch!
      Sack könnte man natürlich diskutieren. Wenn aber, dann alter, Alter! Und wie angekündigt mit Vera schlampampt. Ohne Dir, aber das versteht sich ja von selbst, wenn jemand fauler Sack zu einem alten sach isch doch!

      Auch Dir meine wohlmeinenden Grüße!

      P.Scriptum: Und jetzt fahre isch einen grauen Burgunder auf die Unabhängigkeit ein.

      Nach P.Scriptum: Und das Telephon, das tragbare, habe isch bewacht. Das ist zwar vollkommen unerheblich und geht Dich nix an, sollte aber nicht unerwähnt bleiben.

      0

  2. Stony sagt:

    Njamm njamm … Kartoffelpflausch! 🙂

    0

    • pantoufle sagt:

      Foodporn bey mir nur im Zusammenhang mit Hilfslieferungen der UN.

      0

      • Stony sagt:

        Aus dir wird auch kein ordentlicher Kapitalist mehr. Dabei hätte das Konzept eines politischen Kochblogs immenses Potential und einen mörderischen Wachstumsmarkt… Ganz nebenbey könntest du die Leutz noch da abholen wo sie sind.

        *blush* ich hör ja schon auf.

        0

  3. piet sagt:

    Ich seh schon, das jüngste Gericht.Lecker. Schön, daß es lebt. P.S. : Jarchow verlinkt Artikel, wo darüber philosophiert wird, den Donbas, nach gewonnener Schlacht, zu ukrainisieren. Keine Atempause, Geschichte wird gemacht – es geht voran !

    0

    • pantoufle sagt:

      Moin Piet

      Jarchows Trollwiese – ich hab ja eigentlich nie richtig verstanden, was in den Köpfen einiger durchaus ernstzunehmender Menschen umherging, 1914, das Hurragebrüll, der Affenzirkus, der niedrige gelehrte Hass, das Kindische…
      Wenn ich es mir nun ansehe – nicht nur bei Jarchow – bekommt man einen kleinen Eindruck davon, wie es gewesen ein könnte. Passend zum 100. Geburtstag.

      Prost Mahlzeit!

      0

      • oblomow sagt:

        pantoufle ich erlaube mir mal wegen gedicht am dienstag (gut, ist schon donnerstag, aber soll ja nicht ganz vergessen werden) und wegen „1914, das hurragebrüll“ usw. und wegen todestag – vier von Alfred Lichtenstein, geboren vor 125 jahren und `gefallen´ heute vor 100 jahren am 25. 09. 1914:

        Abschied

        (kurz vor der Abfahrt zum Kriegsschauplatz
        für Peter Scher)

        Vorm Sterben mache ich noch mein Gedicht.
        Still, Kameraden, stört mich nicht.

        Wir ziehn zum Krieg. Der Tod ist unser Kitt.
        O, heulte mir doch die Geliebte nit.

        Was liegt an mir. Ich gehe gerne ein.
        Die Mutter weint. Man muß aus Eisen sein.

        Die Sonne fällt zum Horizont hinab.
        Bald wirft man mich ins milde Massengrab.

        Am Himmel brennt das brave Abendrot.
        Vielleicht bin ich in dreizehn Tagen tot.

        Gebet vor der Schlacht

        Inbrünstig singt die Mannschaft, jeder für sich:
        Gott, behüte mich vor Unglück,
        Vater, Sohn und heiliger Geist,
        Daß mich nicht Granaten treffen,
        Daß die Luder, unsre Feinde,
        Mich nicht fangen, nicht erschießen,
        Daß ich nicht wie’n Hund verrecke
        Für das teure Vaterland.

        Sieh, ich möchte gern noch leben,
        Kühe melken, Mädchen stopfen
        Und den Schuft, den Sepp, verprügeln,
        Mich noch manches Mal besaufen
        Bis zu meinem selgen Ende.
        Sieh, ich bete gut und gerne
        Täglich sieben Rosenkränze,
        Wenn du, Gott, in deiner Gnade
        Meinen Freund, den Huber oder
        Meier, tötest, mich verschonst.

        Aber muß ich doch dran glauben,
        Laß mich nicht zu schwer verwunden.
        Schick mir einen leichten Beinschuß,
        Eine kleine Armverletzung,
        Daß ich als ein Held zurückkehr,
        Der etwas erzählen kann.

        Die Schlacht bei Saarburg

        Die Erde verschimmelt im Nebel.
        Der Abend drückt wie Blei.
        Rings reißt elektrisches Krachen
        Und wimmernd bricht alles entzwei.

        Wie schlechte Lumpen qualmen
        Die Dörfer am Horizont.
        Ich liege gottverlassen
        In der knatternden Schützenfront.

        Viel kupferne feindliche Vögelein
        Surren um Herz und Hirn.
        Ich stemme mich steil in das Graue
        Und biete dem Morden die Stirn.

        und das vierte ohne krieg:

        Man hat mich glücklich eingesperrt…

        Man hat mich glücklich eingesperrt,
        Dran ist mir nichts gelegen,
        Und für total verrückt erklärt
        Des Dichtens nämlich wegen.

        Denn erstens dicht‘ ich unerlaubt,
        Grob und unmanierlich.
        Und zweitens dicht‘ ich überhaupt
        Und drittens zu natürlich.

        Und viertens dicht‘ ich viel zu viel
        Und viel zu atheistisch.
        Und fünftens sei mein ganzer Stil
        Sozusagen mystisch.

        Und sechstens sei die Poesie
        Von mir durchaus entbehrlich.
        Und endlich sei ich ein Genie
        Und auch noch sonst gefährlich.

        Und achtens sei ich nicht von hier
        Und fürchterlich versoffen.
        Und deshalb, neuntens, stände mir
        Die Gummizelle offen.

        Das Urteil ließ mich völlig kalt.
        Was sollt‘ mir denn passieren?
        Ganz nett ist dort der Aufenthalt.
        Man kann sich konzentrieren.

        Die Gummizelle hat Kultur,
        Das läßt sich nicht verhehlen.
        Was mich betrifft – ich kann sie nur
        Zum Dichten sehr empfehlen.

        Rein kommt man doch, ’s fragt sich nur wann.
        Doch eins ist zu beklagen:
        Der alte Zellenwärter kann
        Das Reimen nicht vertragen.

        Denn fange ich zu reimen an,
        Dann wird er ungemütlich
        Und ruft empört, der alte Mann:
        »Nun sein Sie doch bloß friedlich!«

        Drum schreib ich Ungereimtes meist
        In der Gummizelle
        Und was ich sonst mir etwas dreist
        Von der Seele pelle.

        Auch diese Verse tat ich da
        Mir aus der Seele lutschen.
        Wem’s nicht behagt, der kann mir ja
        Den Buckel runterrutschen.

        0

  4. lazarus09 sagt:

    Yeah the scottish independence referendum, to many sheep out there 🙁 …… die Jungs in meiner neuen Wahlheimat schielen auch schon wieder auf Unabhängigkeit..

    0

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