Presseschredder 17.5.2017

Weniger als eine Handvoll Nachrichten eben durch den Schredder geschoben und aus der Maschine fällt der Dreck in den Container mit dem Abfall. Schon klumpig und am verrotten – da wächst zusammen, was zusammen gehört. So schnell kann man gar nicht hinterherschieben. Die Schrottpresse sollte über einen neuen, größeren Schredder nachdenken. Einen halbautomatisch gesteuerten mit Windows XP und Netzanschluß mit eigener IP. IPs sind ja laut Bundesgerichtshof aus dem Internet gar nicht mehr wegzudenken! Ohne den Umweg über den Bildschirm direkt zwischen die Reißzähne.

Die SPD, die SPD! Jetzt ganz neu mit eigenem Wahlprogramm. Warum ist diese Partei in Schleswig-Holstein und NRW so abgestürzt? Richtig: Weil niemand wußte, warum man sie wählen sollte. Allen, die geglaubt haben, man solle das ausschließlich wegen des Chulz-Faktors machen, sei gesagt, daß es Chulz nun auch mit Inhalt gibt. Sozusagen die Füllung des Luftballons mit preiswertem Edelgas, noch viel leichter als Luft.
Na, was haben wir denn da? »Null Toleranz-Politik«, »Innere Sicherheit« jetzt ganz neu, »Erbschaftssteuer«, »15.000 neue Polizisten«, die gegen »Körperverletzungen, Vandalismus, Diebstähle und vor allem Wohnungseinbrüche« vorgehen, Familien entlasten. Ach, wenn das Manfred Kanter hört! Er würde vermutlich sofort SPD wählen. Mit harter Hand gegen Islamisten und Hassprediger!
»In der Flüchtlingspolitik und beim Stellenaufbau der Polizei musste de Maizière von uns zum Jagen getragen werden«. »Die Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer soll mehr Netto vom Brutto haben.«

Letzteres hörte man zuletzt 2008 u.A. von Dirk Niebel und der FDP. Wie schön, daß wenigstens in der Politik Recycling funktioniert. Da muß sich Frau Merkel aber warm anziehen, um sich beim Aussitzen dieser Warmluftblase nicht zu erkälten!

Nein, keine Diskussion über den Untergang der SPD und ihrer Werte. Da sind keine Werte. Aber als Indikator dafür, wie nichtexistent diese Spezialdemokraten Partei ist, mag es herhalten. Nein, keine Häme über den Namen, der für ein vorweggenommenes Wahlergebnis steht. Die Redaktion der Schrottpresse kniet beeindruckt vor diesem Monument politischer Plattfüßigkeit und panischer Verzweiflung.

Seite an Seite mit…
»…wie der Sprecher des weißen Hauses in einem offiziellen Kommuniqué auf Twitter verkündete…«. Alle, denen 140 Zeichen immer zu wenig für eine vollständige Aussage erschien, sind mittlerweile eines Besseren belehrt.
»Der US-Präsident hat mal wieder tief ins Klo gegriffen!«
»Nein, habe ich nicht!«
»Die Washington-Post weiß, was er aus der Schüssel zog.«
» Washington-Post: You are fired!«
»Wie auch die New York Times berichtet… «
»All das darf ich meinem wunderschönen Freund Kaczyński erzählen«
» -_- «

Twitter reicht vollkommen.
Der Kollege Thorsten Schumann schreibt auf seinem Blog Doctors Gedanken über Trump und dem durchaus verbesserungsfähigen Verhältnis zu Russland, begeht dabei aber einen Denkfehler. Mit Bezug auf das letzte Aufregerchen, bei dem Trump Informationen eines Geheimdienstes ausplauderte, bemerkt Thorsten:
»Ich bin auch bestimmt kein Trump-Fan, aber wenn USA und Russland sich annähern, dann ist das zu begrüßen,und den Friedensprozeß zu sabotieren,ist verantwortungslos.«

Formulieren wir es einmal so: Wenn ich in einem Labor einen Schimpansen Knöpfe drücken lasse, die verschiedene Aussagen auf einem Display aufleuchten lassen, könnte man inhaltlich vielleicht einigen Sätzen zustimmen. Aber nur dann, wenn man nicht um die Entstehung dieser Aussagen weiß. Auf keinen Fall aber, wenn man den Namen des Affen kennt. Es war eben der dritte Knopf von links, nicht der Beginn eines Friedensprozesses.
Und an dieser Stelle irrt auch der von Thorsten zitierte Albrecht Müller auf den Nachdenkseiten

»Es wäre gut, wenn die Tagesschau Faktenfinder mal recherchieren könnten, wo der Schaden einer Zusammenarbeit in der beschriebenen Art zwischen Trump und dem russischen Außenminister liegen soll.«

Dazu braucht man keinen Faktenfinder. Man hat einem tobsüchtigen Idioten den Schlüssel zum Waffenschrank um den Hals gehängt. Das ist der Schaden an sich. Daraus irgend eine Aussage zu konstruieren, in dem das Wort »Friedensprozeß« oder »Annäherung« vorkommt, verbietet sich damit von selber. Genau wie die zitierten Aussagen der Tagesschau, die lediglich die übliche Russophobie befördern.
Der Kardinalfehler bei solchen Überlegungen besteht darin, eine Logik im Gewusel des Affenkäfigs zu suchen. Die gibt es nicht.
Und dann reicht tatsächlich Twitter.

Apropos politische Bildung im Vorschulkindergarten. Fakten im Bootcamp, Kopf meets Tischplatte. Der königlich-bayrische BR erhält nun seine eigene »Organisation Fakt«. Wenn der Schmerz nachläßt, liest der geneigte Konsument weiter:

»BR24-Nutzer kennen schon eine Form, mit der wir bei BR24 ‚Fake News‘ und Halbwahrheiten enttarnen und erklären, wie es wirklich ist, den ‚#factfox‘. Ein von einem jungen Startup mit BR24 entwickeltes, preisgekröntes Tool, das bei BR24 schon eingesetzt wird, um aufzuräumen mit falschen Behauptungen. Andere Formate werden folgen.«

Früher, in den guten, alten Zeiten©, nannte man Faktenfinder eine »Redaktion«. Nun ist es ein Startup. Unwahr dagegen ist, daß Redaktionen ein preisgekröntes Tool sein können. Das geht ja gut los!
[Muß das nicht eigentlich Faktenfind*innen heißen? Der Säzzer]

Breaking News, no Fake! Ursula v.d. Leyen will die Kasernen nach Widerstandskämpfern des dritten Reiches benennen. So viele Kasernen, so wenig… Aber vielleicht teilen sie sich ja die Namen: Graf v. Schwerin/3, v. Trott zum Solz/7, Stauffenberg/9, Henning v. Treschow/5a – Bitte drei mal klingeln!

»Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.«

Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Demokrat im Widerstand.

Na ja: Er war jung und brauchte das Geld. Und »Sophie-Scholl-Kaserne« enthält mehr Klärungsbedarf als Kriegsministerin v.d. Leyen liefern könnte.

 

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7 Kommentare zu Presseschredder 17.5.2017

  1. DasKleineTeilchen sagt:

    ich.schmeiss.mich.weg!

    „Donald Trump hat dem russischen Außenminister Sergej Lawrow im Oval Office keine Staatsgeheimnisse verraten. Das sagte Russlands Präsident Wladimir Putin in Sotschi. Er könne dem US-Kongress eine Mitschrift des Gesprächs von Trump mit Außenminister Sergej Lawrow zur Verfügung stellen.“

    XD

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  2. Pantoufle sagt:

    @das kleine Teilchen

    Ich wäre im Moment gerne Putin. Mit einem gepflegten Campari-O vor dem Screen sitzen und zusehen wie sich der Feind demontiert. Nicht einen Tag, nicht zwei, nicht fünf – Monate!

    Au ja! »Ich schmeiß Euch noch eine Mitschrift hinterher!!! Muhaaahhaaa!!! Genügt Euch ein Fax oder soll ich’s hübsch einpacken?«

    Edit:
    So langsam wird es unheimlich. Sind die wirklich so dämlich oder tun die nur so? Golineh Atai kommt auf den Gedanken, daß das Angebot Putins vielleicht doch nur ein schräger Witz war.
    Mädchen! Aufwachen! Natürlich liegt der vor Lachen gerade am Boden!! Würdest Du das an seiner Stelle nicht auch tun? Nein? Dann ist Dir leider nicht mehr zu helfen, Du taube Nuß!

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  3. Pantoufle sagt:

    Das ist wirklich sensationell, was Putin jetzt abliefert.
    «Ich werde Außenminister Lawrow einen Verweis erteilen müssen. Er hat diese Geheimnisse nicht mit uns geteilt. Nicht mit mir, nicht mit den russischen Geheimdiensten. Das ist sehr schlecht von ihm.»

    «Es ist schwierig, sich vorzustellen, was die Leute, die solchen Blödsinn generieren, sich als Nächstes ausdenken.»


    via Postillion

    Ich würde zu gerne wissen, mit was sich die Putin-Nichtversteher-Trolle gerade volllaufenlassen lassen. Kein Ami-Präsi mit dem man maulhuren kann und ein Russe, der einfach nur noch lacht. Aber vielleicht ist die Macht ja mit ihnen.

    Tscha, dann bleiben jetzt nur noch etwa 20kg westliche Werte und fünf Paletten Demokratie

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  4. DasKleineTeilchen sagt:

    und währendessen hat erdogans entourage in washington mal eben dem sha-besuch ’67 in berlin gedacht:

    https://www.youtube.com/watch?v=PLzgtpd5D3s

    kushner „vermittelt“ mal eben in nem 100-milliarden-$-waffendeal mit saudi-arabien:

    https://www.nytimes.com/2017/05/18/world/middleeast/jared-kushner-saudi-arabia-arms-deal-lockheed.html

    während sich interessierten parteien ihre informationen für weitere „verhandlungen“ jeglicher art mit dem drumpf-clan wahrscheinlich sowieso schon längst besorgt haben:

    https://www.propublica.org/article/any-half-decent-hacker-could-break-into-mar-a-lago

    its getting better and better.

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  5. der Doctor sagt:

    Moin Pantoufle

    Wenn ich das richtig sehe, meinst du , das Trump die Annäherung zu Russland nicht aus einer logischen Erwägung , sondern aus einer momentanen Laune heraus,betrieben hat die sich aber auch wieder ändern kann, und das ist auch nicht von der Hand zu weisen.Auch was den Irren angeht, will ich dir nicht widersprechen

    Dennoch ist es bezeichnend, das Presse, und politische Gegner selbst diese kleine Änderung so nervös macht, das sie wieder eine solche Hetz-Kampagne vom Zaun brechen.

    Und richtig ist selbstverständlich, das diese Annäherung von einem Frieden weit entfernt ist.Es ist eben nur einen Annäherung, und kann nur kann nur der Beginn eines, mit Sicherheit nicht leichten ,Friedensprozesses sein,welcher sowohl an Trumps Unberechenbarkeit, als auch anden Neocons und den Demokraten scheitern kann, welche , wie ihre Schwesterpartei, die SPD ,aus ihrer Niederlage nichts gelernt haben.

    L.G,
    Thorsten

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    • Pantoufle sagt:

      Moin Doctor

      Yep! Das siehst Du richtig. Und Du bemerkst natürlich auch zu Recht den manischen Beißreflex der Presse, wenn das Wort Russland fällt. 144 Millionen Russen, die alle Wladimir Wladimirowitsch Putin heißen. Das ist schon ein eigenartiges Land!

      Und genau das ist das Problem: Sieht man Donald Trump für einen Moment als nichts anderes als ein satirisches Zerrbild der herrschenden Eliten ( »Ich habe in meinem Leben noch nie ein Buch gelesen!«), dann stellt sich doch gar nicht die Frage, ob sich mit diesem Menschenschlag irgend etwas zum Besseren wenden könnte.
      Ich sehe allerdings eine Gefahr darin, wenn wir Syntax und Sinngebung der Medien für diesen Hauch von nichts übernehmen. Erst schreibt man selber »Friedensprozeß und Annäherung«, als zweiten Schritt glaubt man dann, daß es sich nur so abspielen kann, daß es tatsächlich so ist. Zur Verdeutlichung: Als würde man beispielsweise imperialistische Kolonialpolitik damit rechtfertigen, daß man den bedauernswerten Eingeborenen christliche Werte und Fortschritt bringt.

      Letztendlich ist es ein Frage der Sprache. Singt nicht ihre Lieder. »Ich liebe Pirelli-Reifen!« sagt eben nichts über den Begriff der Liebe aus 🙂

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  6. Martin Däniken sagt:

    He,The Donald hatte laut seiner Ex Hitlers Reichstagreden in Buchform auf dem Nachtisch liegen!
    Wenn erDeutsch gekonnt hätte,würde er das Hörbuch gehabt haben 😉
    oder Burke(Andrew Vachss) hätte ihm ne Dankesrede von Simon Wiesenthal unter ejubelt
    Was mir als Putinversteher absolut klar ist das ER die Europa kleinmachen will… die bürokratische Seite sprich EU als dann spielt ihm der Brexit in die Hände-die bekloppten Briten,you know.
    Dann der ESC ist immer wieder schön zusehen wie die BRD abgestraft wird für Muttis und Gollum Schäubles Massregeleien!

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