Presseschredder 12.9.12

Karlsruhe (Schlaand)

Bankraub war gestern. Heute gibt es die EZB mit dem ESM und die sagt LOL, jetzt auch mit höchstrichterlicher Segnung. Wer wissen will, was eigentlich genau beim Verfassungsgericht verkündet wurde, kann sich darüber überall im Netz informieren oder surft gleich zu Feynsinn.

Was Pantouflen bedrückt, ist wieder mal die Alternativlosigkeit, vor der man leise weinend steht. Gesegnet mit der denkbar unfähigsten Regierung und der größten Kanzlerin aller Zeiten, hat die Bankenkrise von 2008 endlich das erwünschte Ende gefunden: Man überträgt die Aufsicht über die Banken… den Banken. Ist ja auch logisch: Warum ist man darauf nicht schon viel früher gekommen? Die europäische Zentralbank bekommt die Kontrolle über mehr als 6000 Finanzinstitute – von der deutschen Bank bis zur Kreissparkasse.
Selbstverständlich werden bei der Aufsicht nur Spitzenkräfte der internationalen Banker-Elite herangezogen. Davon gibt es bekanntlich genug; unter anderem auch deswegen, weil man seit Jahren versäumt hat, die kriminellen Elemente unter ihnen bataillonsweise in den Knast zu schicken.

Heute Nacht werden bei den Reichen und Schönen Europas die Korken knallen. Unkontrollierter Zugriff auf die Steuergelder aller europäischen Bürger. Wenn das kein Grund zum Feiern ist?
Ach ja: Was hatten die Karlsruher Richter doch gleich gesagt?
„Macht Euch Euren Dregg alleene!“

San Francisco (US of A)

Apple stellt sein neues Telephon vor.
Aha.

Ganz Deutschland (ebenda)…

… freut sich über einen neuen Bestseller. „Bettina“ +… ähhh… „Bestseller“! Google weiß das ebenso so wie „Jesus“ + „lebt“. Genau wie „Elvis“.
Günther Jauch ist bereits vor der Expräsidentingattin eingeknickt, Google wartet noch, aber Amazon ist das nächste Ziel auf der Abschussliste. „Schamlos“, „unverschämt“, „niveaulos“, „schnorren“, „Ehrensold“. Was Google nur mit Mühe verhindern könnte (so es denn wollte), treiben die Rezensenten auf der Amazon-Verkaufsseite für Bettina Wullfs Buch „Jenseits des Protokolls“.
Amazon hat schon reagiert und die schönsten Blüten der Rezensions-Unterhaltungskunst zensiert.
Viel Wirbel um eine uninteressante Person.

Jenseits des guten Geschmacks. Frau Wulff scheint bei all dem Rummel, den sie um ihre Person macht, zu vergessen, daß sie und ihr Mann sozusagen mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt wurden. Es bedurfte aller Diplomatie und des feinen Taktes, um den Eklat in Grenzen zu halten. Das Paar wurde mit einer Apanage von geradezu unanständiger Höhe versehen – es stände Frau Wulff gut an, daß als Schweigegeld zu verstehen. Mehr noch: Es ist das Schweigegeld für einen Ex-Bundespräsidenten, der damit für ein paar Monate Amtszeit bis an sein (und ihr) Lebensende in Saus und Braus leben kann.

Die Vergangenheit von Frau Wulff, geborene Körner, ist denkbar uninteressant – sie und ihr Mann haben eine Zukunft, die sie definitiv nicht verdient haben. Hätte Frau Wulff aus dieser Geschichte auch nur das Mindeste gelernt, würde sie die Einnahmen aus ihrem Buch spenden. Dem Verein LobbyControl zum Beispiel.

P.S. Ganz oben in der Auto-Vervollständigung von Google heißt es nun: „Bettina Wulff schmeckt nach lecker Hähnchen“. Alle mitmachen!

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0 Kommentare zu Presseschredder 12.9.12

  1. -daMax- sagt:

    Hahahaa sehr geil, ein Pressespiegel ohne Links! Tod der Leistungsschutzgelderpressung.Weiter so 😀

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  2. pantoufle sagt:

    Is doch klar, Mann! Die Presse bin Ich!
    Schrottpresse – steht doch in der Kopfzeile.

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  3. pantoufle sagt:

    Ja – wie soll ich sagen: Bei Dir ist der …ähh… so versteckt, finde ich!

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  4. Schwarzes_Einhorn sagt:

    Die Bild titelte: „Wie kann sie ihm das antun?“ Das war die kleinere Überschrift, dann die balkendicke Version, die man auch vom Flugzeug aus lesen kann: „Ganz Deutschland spricht über…“ (na, ihr wißt schon, über wen…)

    Mein erster Gedanke war: Wie kann sie UNS das antun? Hat man denen noch nicht genug gezahlt, daß man sie endlich mal nicht mehr sehen/hören/lesen muß – und sei es nur von weitem?

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    • pantoufle sagt:

      Im Grunde ist sie ein interessanter Fall – stellvertretend für die Generation: „Ich will ins Fernsehen und berühmt werden“. Ich hatte beruflich mit solchen Psychopaten zu tun. Irgend welche Pfosten aus DSDS oder verwirrte Schlageropfer. Solange sie im Rampenlicht stehen, empfinden sie die Situation als unerträgliche Belastung. Einfach aus dem Grunde, weil sie verängstigt, überfordert und hilflos sind; zuviele Leute um sie herum, die ihnen sagen, wie bedeutend sie sind. Wenn die Lampen ausgehen, die Jubelperser beim nächsten „Star“ kriechen, erkennen sie, wo und wer sie sind. Dann begint die Zeit der Biographien und Talkshows; ich bin ein Star – holt mich aus meinem inneren Ghetto.
      Interessanterweise gibt es einen Unterschied zwischen Politikern und Sternchen. Politiker scheinen zumeist die Regel der Boxer zu kennen: They never come back. Politiker ohne Amt altern im Zeitraum von Monaten um Jahrzehnte; sie fallen scheinbar in sich zusammen. Aus,Ende, reif für die Kiste. Stars und Sternchen wehren sich gegen das Vergessen. Sie sind aus anderen Gründen „groß“ geworden, haben einen anderen Existenzhintergrund.
      Bettina Wulff sucht einen Ausweg aus der Sinnkrise „Ex“. Sie hat in ihrem Leben ein einziges Mal etwas richtig gemacht: Sie hat einen langweiligen, faden Mann geheiratet, der es in Anbetracht seiner beschränkten Fähigkeiten erstaunlich weit nach oben gebracht hat. Christian Wulff kann es Aufgrund seiner Vita verhältnismäßig leichter verkraften, den Rest seiner Tage als reicher Nobody zu verbringen.
      Bettina nicht. Als sie 2008 den DSDS gewann, war die Karriere praktisch schon wieder vorüber; die Raketen der Party hatten den Boden noch nicht wieder berührt. Das erträgt sie nicht – das kann doch nicht schon alles gewesen sein. Im Grunde meines Herzens habe ich ein tiefes Verständnis für ihre Enttäuschung. Sechs Richtige und dann sind es nur 20.000€.
      Nun sind die sechs Richtigen keine 20.000€, sondern das zehnfache. Auch zahlt es keine Zockergemeinschaft, sondern die Bürger. All das sieht Bettina aber nicht. Alles, was sie sieht, ist ihre vertane Chance. Sie hatte nie den Auftrag, die Forderung. Sie hat nur eine hoffnungsvolle Partie angenommen.
      Armes Mädchen von nirgendwo heiratet sich in eine Sackgasse. Der Fuss Aschenputtels, auf dem sie lebte, ist bereits zu groß, um in Konfektionsware zu passen.
      Mene, mene tekel u parsin.

      Das lange Warten auf den nächsten Frosch… und die Jahre laufen dahin.

      was macht Deine Herausforderung in Sachen Website?

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      • da]v[ax sagt:

        Boah ey. Manchmal sind deine Kommentare interessanter als der Artikel darüber. Aber ich kann doch nicht auch noch deinen Kommentarfeed abonnieren. Hilfe. Mein Tag hat doch nur 24 Stunden…

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      • Schwarzes_Einhorn sagt:

        Ups…hast es gemerkt… Momentan alles stillgelegt und ich überlege, was ich weiter mache. Die Inspiration ist mir etwas abhanden gekommen.

        Interessanter Kommentar zu der Dame, nebenbei bemerkt. Ich kann mich trotzdem eher zu Genervtheit als zu Mitgefühl aufraffen. Vielleicht, weil meine Sorgen etwas anders sind.

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        • pantoufle sagt:

          Was ich von dem Herren mit seiner Dame halte, habe ich an anderer Stelle schon deutlich gemacht – ein Blick auf mein eigenes Konto schreit nach einem Tritt in den Hintern solcher Herrschaften; das nächste Mal wähle ich Konditionalis I beim Begriff Mitleid.
          Wenn`s Dich tröstet: Mit Deinen Sorgen bist Du nicht alleine. Jeder normale Mensch hat andere Sorgen als diese Tante.

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