Presseschredder 11.2.2013

Alle Wahljahre wieder…

… verdichten sich die Stasivorwürfe gegen Gregor Gysi. Wie schon 2008 schwappt die Welle der felsenfesten Überzeugungen durch die Reihen der etablierten Parteien, daß an den Stasi-Verdächtigungen gegen den Spitzenkandidaten der Linken etwas dran sein muß. Diesmal aber wirklich!

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt prescht schon einmal vor: »Ich persönlich hatte nie einen Zweifel, dass die Linkspartei auch ein Unterschlupf für Stasi-Kommunisten ist«. Gysi müsse jetzt »alle seine Verstrickungen ins SED-Unrecht schonungslos offenlegen«. Jetzt. Endlich einmal. Wo so fundierte Kritik laut wird, darf auch der absolute Dauerbrenner aus den Top-Ten der konservativen Hitparade nicht fehlen: Das tägliche Morgengebet des »unklaren Verhältnises zum Unrechtscharakter der DDR«. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe erinnert genau daran, nicht ohne hinzuzufügen, daß das Verhalten von Gysi »höchst bedenklich« wäre. Wo soviel Sachverstand lodert, dürfen wahlkampfbedingte Motive der Anklage mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Die Anzeige eines »ehemaligen Richters« bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg reiht sich nahtlos in die bisher vergeblichen und rechtlich fragwürdigen Versuche der Schwarzgeld-Koalition ein, die Partei die LINKE mit allen Mitteln aus dem Bundestag zu entfernen. Innerhalb der politischen Auseinandersetzung ist das bis jetzt kläglich gescheitert – man bückt sich jetzt sehr tief herunter, um auch noch die unterste Schublade des Wahlkampfes zu öffnen.

In Stahlgewittern

Der Barde des rechtskonversativen Liedgutes äußert sich zu seinem Gesundheitszustand: »[…] hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund.« Das ist eine beruhigende Prognose für den nun 74jährigen Sänger Heino. Dieser Sänger, der nie davor zurückschreckte, auch mit politisch höchst anrüchigen Liedern seinen selig-besoffenen Unionswählern den Abend im Schützenzelt zu verschönern. Wunderbare Momente, wenn der Saal einstimmt auf kernig-deutsches Liedgut wie »schwarz-braun ist die Haselnuss« und »alte Kameraden«, bevor man pöbelnd und grabschend durch die Nacht dem Bett zuwankt.

»[…] der deutsche Junge der Zukunft muß schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf daß unser Volk nicht an den Degenerations – erscheinungen der Zeit zugrunde geht.«
Adolf Hitler am 14.9.1935

Dieses allgemein bekannte Zitat will weder Heino noch sein Manager jemals zuvor gehört haben. Das ist sogar glaubwürdig, sieht man sich an, was Bundesdeutsche Politiker gelegentlich fallenlassen:

»Ohne den Pazifismus der 30er Jahre wäre Auschwitz überhaupt nicht möglich gewesen.«
Heiner Geissler.

»Er (Michail Gorbatschow ) versteht was von PR – der Goebbels verstand auch was von PR.«
Helmut Kohl

»Das (Wolfgang Thierse) ist der schlimmste Präsident seit Hermann Göring.«
Helmut Kohl

»Je niedriger die Schicht, desto höher die Geburtenrate. Die Araber und die Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig. Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun.«
Thilo Sarrazin (SPD)

»Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.«
Guido Westerwelle (FDP)

»Alle arbeitsfähigen Langzeitarbeitslosen müssen sich jeden Morgen bei einer Behörde zum Gemeinschaftsdienst melden.«
Stefan Müller (CSU)

»[…] Und ich kann es auch leider nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hat.«
Erika Steinbach (CDU)

Die Parole »Ruhm und Ehre der Waffen-SS« ist nicht strafbar befand der Bundesgerichtshof 2005. (Az.: 3 StR 60/05)

[Liste lässt sich beliebig fortsetzen]

Heino befindet sich in guter Gesellschaft.

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0 Kommentare zu Presseschredder 11.2.2013

  1. da]v[ax sagt:

    „Einem Blogger gefällt dies“? Nee also das will mir nicht wirklich gefallen. Gibt’s bei Nichtgefallen ein IP-Paket zurück?

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  2. pantoufle sagt:

    nur ein Ping… nur ein einziges Ping, haben Sie verstanden?¹
    das Pantoufle

    ¹ legendäres Zitat aus »Jagt auf roten Oktober«

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