Presseschredder 10.4.2017

Der blühende Kirschbaum hatte gewonnen. Vor die Alternative gestellt, sich auf der Suche nach Weltuntergangs-Szenarien durch die Artikel, Blogs und unsozialen Netzwerke zu quälen, gewann der Baum. Gegen das mäßig schlechte Gewissen kam ein Buddel Grappa di Brunello Riserva von Altesino und ein mittelprächtiger Pinot zum Einsatz. Erfolgreich, wie ich anmerken möchte. Was ist ein gepflegter Weltuntergang schon gegen ein blühendes Kirschbäumchen?

Hab ich was verpasst? Mindestens eine Demo, auf der man unbedingt mitlatschen muß. Am 17. April wird die Rheinbrücke in Wörth wegen einer Demonstration von ca. 16 bis 17 Uhr gesperrt. Der machtvolle Volksauflauf erhebt seinen flammenden Protest »gegen die unnötige Vollsperrung von verkehrsrelevanten Knotenpunkten«. Ahem. Ja! Es gibt in Deutschland (leider) nur eine Organisation, die die drängenden Probleme unserer Zeit so drastisch auf den Punkt bringt. Die kann und sollte man übrigens bei der nächsten Bundestagswahl wählen.

Massenvernichtungswaffen.
Gefunden bei einem Feind, der bei einer «barbarischen Attacke sogar wunderschöne Babys brutal ermordet habe.« Das ist jetzt in der Tat eine völlig neue Formulierung, wobei am meisten verwundert, daß der US-Präsident sie nicht auf Twitter abgesetzt hat. Kriegserklärungen über Facebook und Twitter – das hätte doch was! Und dann schossen sie, was das Zeug hielt. Von 59 abgefeuerten Marschflugkörpern erreichten immerhin 29 das Ziel und auf einmal fand Kanzlerin Merkel Donald Trump gar nicht mal so übel.
»Start- und Landebahnen werden generell nicht bombardiert, weil sie schnell und kostengünstig zu reparieren sind«. Keine 48 Stunden später steigen deshalb bereits wieder Kampfflugzeuge von den intakten Pisten auf. Hangars und fliegendes Material sind offenbar mindestens eben so schnell zu reparieren. Dreizehn Tonnen Sprengstoff nach russischen Angaben, etwa 24 Tonnen nach denen des US-Militärs mit der zerstörerischen Wirkung einer Tüte Handgranaten. Das läßt weder für die Renovierung des BER noch für die Entwicklung autonomer Autos viel Gutes erwarten.

Warum wartet die Schrottpresse eigentlich die ganze Zeit auf einen Auftritt eines reanimierten Donald Rumsfeld mit unwiderlegbaren Beweisen? Man läßt man die Überreste des verwendeten Kampfgases in der Türkei prüfen.
In der Türkei.
Warum nicht in Nordkorea? Ach so… ja. Dieses Land und seinen Präsidenten Kim Jong-un will Trump seit Vorgestern im Alleingang besiegen. Rache für Changjin! Nach dem Beschluß der ewigen Verlängerung des Krieges in Syrien nun die Wiederauflage des Koreakrieges. Dieses Mal aber ganz ohne Führung und Strategie. Das hat sich schon beim letzten Mal nicht bewährt. Einzig erkennbares Ziel: Jeder US-Präsident muß mindestens einmal während seiner Amtsperiode einen Krieg geführt haben.

»Eine einmalige Aktion, sie ist in eine Strategie eingebettet«
Ursula von der Leyen, Kriegsministerin

Das wären dann schon zwei Aktionen. Die dahinterstehende Strategie wird mit den unwiderlegbaren Beweisen für die Täterschaft Assads am Giftgasangriff mitgeliefert.
Von der Türkei vermutlich.

Whose sarin von Seymour Hersh, Link via Wolfgang Michal

Na, das Wetter sieht ja noch ganz erfreulich aus. Mal sehen, was der Kirschbaum so macht. Summseln um ihn herum.

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3 Kommentare zu Presseschredder 10.4.2017

  1. Und wenn ich wüßte, daß morgen die welt untergeht, würde ich heute noch ein blühendes kirschbäumchen fotografieren.

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  2. tikerscherk sagt:

    Der Kirschbaum hat Recht und Du auch.

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  3. Pantoufle sagt:

    Moin Mechthild und Tikerscherk

    Wie gut, daß ich mir die Zeit nahm! Jetzt ist es wieder April mit dem ihm nachgesagten Wetter und in Regenjacke sitzt es sich viel unentspannter. Aber selbst das wäre immer noch angenehmer als bei einem offensichtlich Schwachsinnigen über die Gründe seiner Eskapaden zu mutmaßen.
    Schöne und entspannte Ostern Euch beiden!

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