Polizei räumt Occupy-Camp in Frankfurt

Nach zehn Monaten wird das Occupy-Camp in Frankfurt nach dem Beschluss des Verwaltungsgerichts geräumt.Es gibt in der Frankfurter Rundschau eine Bilderstrecke darüber. Seht sie euch an. Die Polizei ist, soweit bekannt, weitgehend sachlich und korrekt gewesen. Auch sie sehen nicht besonders glücklich aus.

Ich kann und will das nicht kommentieren. Ich kann nicht. Ich schäme mich, daß ich wieder einmal nur herumgesessen habe und nichts getan habe.

Wenn wir so weiter machen, verlieren wir den Kampf.

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0 Kommentare zu Polizei räumt Occupy-Camp in Frankfurt

  1. Mrs. Mop sagt:

    „Ich kann und will das nicht kommentieren. Ich kann nicht. Ich schäme mich, daß ich wieder einmal nur herumgesessen habe und nichts getan habe.“

    Chapeau, Pantoufle. Das Eingeständnis zeigt Rückgrat. Und damit Größe.

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  2. Susanne sagt:

    *fluchsymbole*

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  3. daMax sagt:

    Hm. Einerseits stimme ich dir zu. Wenn wir nicht kämpfen, verlieren wir eben ohne Kampf. Andererseits halte ich diese Camps nicht für ein wirklich wirksames Mittel im Kampf gegen… ja was eigentlich? Die herrschende Weltordnung?

    Als in Stuttgart der Park von Leuten besetzt wurde, fand ich das genauso ambivalent wie diese Occupy-Camps. Natürlich fühlte ich mich mit diesen Leuten irgendwie geistig verbunden, schließlich hatte ich mitgeholfen, das Ding groß zu machen, Dann aber schlug irgendwann die Stimmung in der Bevölkerung um. Es siedelten sich immer mehr Obdachlose und geistig wirklich Verwirrte dort an. Tja, und dann? Was macht man mit so einer Situation? Ein Kampf, der die Solidarität der „Masse“ verliert, hat eben verloren.

    tl:dr
    Vielleicht sollten wir sinnvollere Mittel finden, den Kaputtalismus zu beerdigen als Zeltlager.

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  4. pantoufle sagt:

    Das ist ein schwieriges Kapitel. Wenn in Ägypten, Libyen oder Tunesien zur Waffe gegriffen wird, um mal aufzuräumen, nennt der Westen das „arabischer Frühling“. Eine Wortwahl und ein Mittel, die man sich im eigenen Haus verbitten würde. Selbstverständlich zu Recht, weil hier ja der Rechts-Staat herrscht und nicht massenvernichtungsbewaffnete Diktatoren, deren Blutdurst selbst die zu indiskutablen Waffenkäufern macht.
    So geht es also nicht.
    Was machen wir hier? Bestenfalls Zeichen setzen. Hier eine Demo, dort ein Camp – hier ein flammender Aufruf zum …(irgend eine gute Sache nach Belieben einzutragen)… oder einen harschen, flammenden Artikel schreiben, der die Fratze des Kapitalismus schonungslos offenlegt. Wieder einmal.
    „Ein Kampf, der die Solidarität der Masse verliert, hat eben verloren.“ (Ich habe mal die Anführungszeichen beim Wort Masse entfernt. Das ist zwar schlechter Zitierstil, aber ein Statement). Die Schwelle für einen solchen Solidaritätsverlust ist denkbar niedrig. Die Atomkraft kann Tausende von Opfern kosten – beim Kampf gegen sie schwindet die Solidarität in dem Augenblick, wo der Kühlschrank nicht mehr mit Strom versorgt wird; oder auch nur das Gerücht aufkommt, daß es so passieren könnte. Der Ausblick auf lauwarmes Bier wiegt schwerer als der Anblick von Särgen.
    Was die Banken der Welt in den letzten Jahren getrieben haben und dank staatlicher Hilfe auch weiterhin machen, verstößt gegen unzählige moralische und juristische Gesetze. Die Rechtfertigung dafür ist von bestechender Schlichtheit: Die dürfen das, weil wir die Banken unbedingt brauchen. Diese Antwort, die weitab von Logik und Realität ist, kann nur dann geäußert (und akzeptiert) werden, wenn die Übernahme der Regierungen durch die Hochfinanz bereits eine bestehende Tatsache ist. Was bleibt da?
    Zeichen setzen?
    Das Zeichen „Occupy“ ist gar nicht einmal so schlecht. Warum sitzt die EZB-Bank, vor deren Türen man das Camp errichtet hat, in einem Stadtviertel, was man extra deswegen angelegt hat, damit man möglichst weit weg vom realen Leben residiert? Die Realität hat die Bank eingeholt. Spinner und wirklich geistig Verwirrte im Camp? Spinner und wirklich geistig Verwirrte in den Banken? Da wächst zusammen, was zusammengehört. Der Entschluss des Verwaltungsgerichts zur Räumung besagt nicht mehr und nicht weniger, das Unmoral höher zu bewerten ist als Unhygiene.
    Eine Meinung, der sich die Mehrzahl der Masse angeschlossen hat. Das Zeichen wird dadurch nicht disqualifiziert.
    Was tun?
    Ein winziger Teilaspekt findet sich vielleicht in dem, was man Journalismus nennt. In der aktuellen Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen für Verlage wird unter anderem lauthals damit argumentiert, das eine (eben auch finanziell) unabhängige Presse für die Demokratie unabdingbar ist. Da ist sogar etwas dran. Sieht man sich aber nur als Beispiel den Niedergang des „Spiegel“ an, wird klar, daß man dem selbstgesteckten Anspruch seit langem nicht mehr genügt – was wenig daran ändert, daß man das Geld trotzdem will. Wenn man unterstellt, das Blogger diesen Teilaspekt des Journalismus – eine kritische Wertung, das Aufdecken von Missständen, öffentliche Anklagen – mit übernehmen wollen, so scheitert das daran, daß wir nicht gut genug sind.
    Ich bin nicht gut genug.
    Journalismus muß man lernen. Man muß sich vernetzen, braucht Zugang zu den Quellen, muß viel mehr arbeiten. Darin sind die „professionellen Journalisten“ einfach besser. Daß die sich zudem mit allem Nachdruck gegen die angebliche Konkurrenz abschotten, ist noch eine andere Geschichte. Wie nicht nur das Beispiel Paul-Josef Raue zeigt, sieht man auf die gesamte Bloggerszene unwirscht von oben herab. Und die haben ja auch noch recht! Wenn ich mir so ansehe, was da gelegentlich so veröffentlicht wird – mein eigenes Geschreibsel eingeschlossen – da kann man ja auch nur den Kopf schütteln. Der Vorteil der Blogger – politische und finanzielle Unabhängigkeit – wird konterkariert durch den Mangel an Professionalität.
    Es gibt Ausnahmen: Carta, Vocer oder Telepolis sind Beispiele dafür, in welche Richtung die Reise gehen könnte. Mittlerweile kann ein Politiker über eine Twitter-Meldung fallen – ein Shitstorm kann ihn nachhaltig diskreditieren, Meldungen aus der Bloggerszene werden in arrivierten Blättern gerne verdaut – Quelle: Internet. Die Politiker sehen das seit langem und reagieren darauf mit „embedded journalists“: Sklaven aus der Journalie im Auftrag der Hofberichterstattung und als Stichwortgeber. Ikea-Journalismus. Ein Gegengewicht dazu ist immer weniger zu bemerken.
    Hätte man die Räumung des Camps verhindern können?
    Wahrscheinlich nicht. Es sind aber auch keine großangelegten Versuche unternommen worden. Die Bedenken, ob das Kampieren nun der richtige Weg sei, die Macht der Banken zu brechen, überwog. Auch bei mir. Ob die Besetzung eines Hauses oder eines Parks – es sind Zeichen mit politisch zweifelhaftem Wert. Aber was bleibt denn übrig? Die Kriminalisierung zivilen Ungehorsams nimmt wöchentlich zu – die Solidarität der Massen schwindet: Unter anderem aus Angst.
    Zeit für eine neue Rubrik: Journal des Niedergangs.

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/234756.diktatur-demokratische.html

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