Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!

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»Nehmen wir mal das Beispiel des Umgangs mit der neuen griechischen Regierung. Also ich muß sagen, ich fand den Spiegel-Titel Geisterfahrer – für den habe ich mich als Angehöriger der journalistischen Zunft wirklich fast geschämt -, denn man muß ja überlegen, was Geisterfahrer überhaupt bedeutet. Das ist eine tödliche Bedrohung für uns alle, das kommt uns entgegen. Wir alle haben recht, wir fahren in die richtige Richtung – er alleine ist ein Verrückter und wenn wir den Verrückten nicht beseitigen, wird er uns umbringen.
Das steckt ja dahinter und da muß man sich natürlich vorstellen, daß es fast eine faschistische Vorstellung ist von dem, wie man mit Minderheitenpositionen umgeht, in diesem Fall eine Minderheitenposition in der europäischen Finanzpolitik, wie man damit umgeht!«

Brigitte Baetz

C.Heuer: »Zum Beispiel hat Janis Varoufakis zuletzt gefordert, ein europäisches Sozialprogramm aufzulegen, und zwar auf Kosten aller. Sind Sie bereit, über so etwas überhaupt zu reden?«

W. Schäuble: »Nein. Das ist Verschwendung von Zeit.[…]«

C. Heuer: »Hat die Troika Athen zum Sozialabbau genötigt, wie die Griechen behaupten?«

W. Schäuble: »Nein, das ist alles total falsch. […]«

C. Heuer: »Die Troika heißt nicht mehr Troika, sie heißt jetzt Institution. Macht sie unter diesem Namen etwas anderes als bislang?«

W. Schäuble: »Nein. Das ist doch nur – wir haben immer gesagt, es kommt doch nicht darauf an, wie man das benennt oder wie das heißt oder so. Das ist alles ziemlicher Unsinn. […]«

Deutschlandfunk

BILD Dir ihre Meinung

BILD Dir ihre Meinung

»Griechenland und die Ukraine, beide Krisen haben eines gemein: Sie bedrohen die Grundfeste Europas, den European way of life. Wer ihn retten will, muß Härte zeigen.«

Nicolaus Blome

Der Herrscher und sein Untertan: Immerhin kann man sich noch dort durchsetzen, wo der Gegner bereits am Boden liegt. Das erinnert nicht nur formal an die Hunnenrede Kaiser Wilhelms II. Und auch wie das kaiserliche Expeditionskorbs, das zu spät kam um mehr als über einen besiegten Gegner hinweg zu marschieren, marschieren die Kontrolleure von Schäubles Gnaden über verbrannte Erde.
Zwar ist Deutschland mit seiner Austeritäts-Politik in der internationalen Politik als auch in der Wirtschaftswissenschaft fast allein auf weiter Flur, aber man feiert den Sieg über die Vernunft als Modell für den European way of life. Die Weigerung Griechenlands, die Nacktheit des Königs zu leugnen eine Realitätsverweigerung?

»Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt. Und wir gewinnen.«

Warren Buffet (geschätztes Privatvermögen ca. 66 Milliarden US-Dollar)

Die ideologische Mobilmachung für diesen Krieg in allen Gazetten; getragen von der Hoffnung, den Krieg allein auf ideologischer Basis gewinnen zu können. Die althergebrachten Waffen stehen mittlerweile nutzlos am Boden. Das Betätigen der Feuerlöschanlage des Militärhubschraubers NH 90 kann Brände auslösen. Die Betätigung der Troika kann in Griechenland… In der Tat ein Problem, dem man nur noch ideologisch beikommt: Die Rating-Agenturen, die die Bonität Griechenlands herabstufen, hoben vor nicht allzulanger Zeit die US-Hypothekenkredite (besser bekannt als Schrottpapiere) in den Himmel – erzeugen also ein Problem und lieferten die Lösung. Auch diese »Troika« der Finanzmärkte darf unangetastet und fern jeder Kontrolle weiter agieren.
»Die gleichen Marktteilnehmer, die die Regierungen vieler Länder in eine desaströse Haushaltslage gebracht haben, verlangen nun ‘Risikoprämien’, weil sie diesen Regierungen nicht mehr trauen« (Heiner Flassbeck).

Nein, der Irrsinn hat keine Methode. Der banalen Erkenntnis, daß Deregulierung, Privatisierung und Austeritätspolitik auf der ganzen Linie versagt haben, folgen keine Konsequenzen. Die Erkenntnis an sich ist keineswegs neu – sie wurde bereits vor Jahren geäußert. Im höchsten Falle ergibt sich eine sprachliche Anpassung, wenn man die Ächtung des Begriffes »Troika« beschließt.  Das ging einher mit einem Kampagnenjournalismus, der die schlichte Tatsache verschleiern sollte, daß es sich im Falle Griechenlands um das Freilandexperiment des Neoliberalismus handelt, auf welches Maß das »soziale« im Zusammenhang mit »Marktwirtschaft« reduziert werden kann.

Das ist die eigentliche Botschaft Schäubles an Rentner, Arbeitslose, sozial Benachteiligte sowie an jeden, der sich dem offiziell verordneten Sprachgebrauch verweigert. Über die Frage zu diskutieren, wie sich die Aufteilung der Güter in 1% Besitzende und 99% Unterschicht mit dem Staatswohl vereinbaren lassen, hält der Finanzminister für eine »Verschwendung von Zeit«. Es geht gar nicht um Griechenland: Es ist eine Botschaft an Europa.

Die einzige Partei, die gewillt und imstande ist, strukturelle Reformen in Griechenland durchzusetzen, wird vor laufenden Kameras erschossen; der wachhabende Offizier des Hinrichtungspelotons als Retter des European way of life gefeiert.

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0 Kommentare zu Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!

  1. Bernhard Meyer sagt:

    Gut! Alles richtig. Aber wie kommt man dagegen an? Als Geisterfahrer? Das sind wir doch alle, die wir obigen Text für richtig halten. Die Ringmauern sind dicht, die Verteidigung steht, die Organisation und die Mittel sind perfekt. Ich sehe nicht, wo wir da ansetzen können. Wir machen den Mund auf – und schon sind wir „linke Spinner“ und abgeschossen. Was wir sagen, kommt nicht mehr an. Leider sehe ich auch keine Effekte durch die Anstrengungen von Leuten wie den Anstaltsmachern (ZDF-Satiresendung). Die haben ein Millionenpublikum, machen ihre Sache gut, werden gefeiert – aber es perlt einfach ab. Die Imprägnierung ist perfekt. Hoffnung durch das Internet? Vor knapp einem Jahr dachte ich noch, wenn viele Leute das Video mit der Frau Krone-Schmalz sehen, dann können die doch nicht mehr einfach weitermachen mit der Propaganda und den Lügen gegen Russland. Es liegt doch alles auf der Hand. Wie naiv! Ich habe nicht das Thema gewechselt, es hängt alles zusammen: Griechenland, Ukraine, das Kossovo, Irak, TTIP, NATO usw. Heute bin ich Pessimist. Ich gehe zu Demos, aber glaube nicht mehr an eine Wirkung. Wir sind doch mit unseren Plakaten und Fahnen fest im Verteidigungskonzept eingeplant.

    Vielleicht: Syriza bleibt standhaft, und wird in Griechenland weiter akzeptiert, in Spanien gewinnt Podemos, eine europäische Bewegung könnte dann vielleicht, vielleicht … Nein. Kaum möglich.

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  2. pantoufle sagt:

    Sehr geehrter Bernhard Meyer

    Also erst einmal vielen Dank, daß mir dieselbe Frage gestellt wird wie einem Karl Marx – wobei noch unklar ist, ob sie an ihn herangetragen wurde oder er sie sich selber stellte. Oder an Che Guevara – Jerry Rubin irgendwo dazwischen.

    Nein, natürlich habe ich keine Antwort darauf. Ich habe eine für mich gefunden; daß die nicht funktioniert, steht auf einem anderen Blatt.

    Wir sollten aufhören zu diskutieren. Es muß Schluß sein mit jedwedem Verständnis, Schluß sein mit der sogenannten Vernunft, Ende der Toleranz. Nein: Unsere Lebensaufgabe besteht nicht darin, nicht mehr »Neger« zu sagen, genau so wenig wie auf Fahrradhelme bei Ungeborenen zu bestehen; unsere Energie darauf zu verschwenden, solcherlei Unsinn ins Grundgesetz schreiben zu lassen. Wir sollten uns von der Idee des Konsens verabschieden – es gibt ihn nicht. Jedenfalls nicht im Stammbuch des Fortschritts. Wir sollten uns davon verabschieden, den Diktator, den Gesetzgeber für uns selber zu stellen. Früher beauftragte man einen Dritten damit – die Nanny-Gesellschaft des Einundzwanzigsten Jahrhunderts zwingt jedem von uns diese Rolle persönlich auf.
    Man widersetze sich den wohlfeilen Angeboten! Meide Ideologien – sie machen berechenbar. Wir fürchten den Verlust des Geldes von Hartz IV mehr als den Tod – das macht erpressbar. Wir geben das Leben unseres Nächsten in die Hände von Bürokraten – das macht das Töten zu einem Verwaltungsvorgang.
    Soweit zu den Dingen, die man auch bis zur nächsten Bushaltestelle erledigen kann.

    Ja, wir haben keine Chance.

    Als Napoleon 1815 aus seinem Exil von Elba zurückkehrte, liefen auch all diejenigen mit, die unter den jahrzehntelangen Kriegen am meisten gelitten hatten – offenbar verteidigen auch die Opfer den Schein von Glorie über den eigenen Tod hinaus. Der sehnliche Wunsch, der letzte amtierende Führer sei mit einem U-Boot nach Südamerika entkommen – die nächste Generation brauchte schon nicht einmal mehr das. Es reicht als Existenzberechtigung zu spät geboren zu sein. Das Zeitalter der Vernunft bar des Heroismus ist angebrochen.

    Was tun?

    Lies Leutnant Hornblower von C.S. Forester

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  3. waswegmuss sagt:

    Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!

    Amschel Meyer Rothschild (1744 – 1812), deutscher Adliger und Bankier

    Schäuble ist ein möchtegern Hampelmann der EZB. In als Gollum(sehr beliebt) oder Bösewicht zu bezeichnen ist falsch. S. ist schlicht und einfach ein Parteiidot. Solange diese Schwarze Null weiter versucht Deutschland und Europa tot zu sparen werden wir zum Schnäppchenparadies für internationale Anleger.und somit von diesem Herrn Feinblank. Er merkt es nur nicht.
    Wenn nun Feinblanks Büttel, der Herr Daghi, wie die Amis Geld druckt wird nur/und ständig nach oben verteilt. Helmut, Mentholzigarette Schmitt wiederholt es ständig: Diese Sache war Ende der sechziger Jahre noch zu stoppen. Jetzt schon lange nicht mehr. (Muss ich erwähnen, dass seine Tochter eine renommierte Volkswirtschaftlerin ist, die in London lehrt und arbeitet?)

    Das nächste Bankenopfer dürften übrigens die Sparkassen sein. Wahrscheinlich noch vor TTIP,
    (Sie sammeln bereits Geld von ihrer Klientel ein, ebenda wie bei der Lachnummer BaselII)

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    • pantoufle sagt:

      Ganz entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten will ich diesen Kommentar mit einem knappen »so isses!« begleiten.
      Die Kürze ist also nix persönliches.

      P.S: Hoffentlich erkennt niemand der zufällig hereinstolpernden Leser, daß es sich bei Rothschild um einen Juden gehandelt hat, sonst stehen hier die übelsten Diskussionen auf dem Tapet.

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      • waswegmuss sagt:

        Von eben diesem Klardenker Rothschild kommt auch eines meiner Lieblingszitate. Ein bedürftiger Adliger(Zar?) beschwerte sich über den etwas normalen Empfang. Die Antwort des Antiquitätenhändlers und Bankiers lautete: „Ei, dann nemme sie sisch halt zwaa Stüühl.“

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  4. Joachim sagt:

    Bei den neusten Entwicklungen scheint es mir darum zu gehen, dass die „Institution“ nur noch das Gesicht wahren kann oder alternativ den Fuß in der Türe halten will. Sprich sie fürchten den Austritt Griechenlands so sehr wie den Bankrott Griechenlands. Denn dann gäbe es nichts mehr „auszuräubern“.

    „Institution“ ist übrigens ein „lustiger“ Name. Der erinnert an einen Geheimbund, vielleicht auch die grauen Herren Momos. Wir sollen gar nicht „verstehen“…

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  5. pantoufle sagt:

    Moin Joachim

    Ich sehe da mehrere mögliche Szenarien. Die naheliegenste: Es geht nur in zweiter oder dritter Linie um Griechenland. Am 18.2. reichte Varoufakis in Brüssel das verlangte Programm für die nächsten Monate ein. Es dauerte nicht einmal eine Stunde, als aus dem Büro Schäubles die vollkommen unbegründete Absage über die Vorschlage kam. Verständlicherweise unbegründet, da diese Zeit kaum dazu ausgereicht hätte das Dokument zu lesen, geschweige denn einen Gegenentwurf zu formulieren. Vielleicht hat man es auch tatsächlich nicht gelesen, weil es Schäuble – genauer: Der Bundesregierung – darum ging, es prinzipiell abzulehnen, nicht um eine Auseinandersetzung.

    Was bei diesem Vorgang eigenartigerweise nirgends kommentiert wurde, ist die Tatsache, daß Schäuble gar nicht befugt war, irgend etwas abzulehnen – er überschritt damit klar seine Kompetenzen. Indem er trotzdem tat, beanspruchte er eine Hegemonie in Europa, die offenbar Teil die Linie der Regierung Merkels darstellt. Jedenfalls ist nichts darüber bekannt, daß er von dieser Seite aus zurückgepfiffen wurde. Damit ist nicht Griechenland das Thema, sondern eine hegemoniale Sonderrolle Deutschlands. Schäuble, der sich in der Rolle eines »Metternich für Arme« gefällt und sich dabei auf die wohlmeinenden Billigung der amtierenden Regierung verlassen kann.

    Option Nummer zwei bestünde in der Annahme, daß Wolfgang Schäuble schlicht senil oder in einer bestimmen Art nicht zurechnungsfähig ist. Er kann oder will die Situation in Griechenland nicht sehen, geschweige denn auf den Rat Dritter hören. Altersstarrsinn, die Abwesenheit von Empathie – wer will das wissen? Es ist ja nicht so, daß es keine fachlich fundierten Expertisen über die Nutzlosigkeit der Hilfskredite der letzten 6 Jahre gibt. Allein: Er scheint sie nicht einmal wahrzunehmen. Genau so wenig wie die Tatsache, daß Griechenland jetzt eine andere Regierung hat. Wie anders ist es zu erklären, daß die Vorschläge Varoufakis in Bezug auf die Bekämpfung von Korruption, Steuerhinterziehung und Schlendrian ja durchaus mit seinen als offiziell eigenen verkündeten übereinstimmen, er aber dessen Vorschläge ablehnt? Nach sechs Jahren Misserfolg gibt Schäuble Athen nicht einmal sechs Monate Zeit, die Ernsthaftigkeit des Reformwillens zu beweisen? Schäuble steht mit seinem Fundamental-Kapitalismus in Europa allein da; Hassprediger mal anders.
    Das etwas verwirrte Interview des Deutschlandfunks würde diese These unterstützen. All das hat nun mit Staatskunst nicht mehr das Geringste zu tun – das alles schreit nach einem Arzt.

    Was seit geraumer Zeit immer mehr in den Hintergrund tritt, ist die Tatsache, daß die Regierung Merkel nicht erst seit der letzten Bundestagswahl kaum bzw. gar keine innerpolitischen Erfolge aufzuweisen hat. Die großen Katastrophen wie der NSU-Skandal und die Snowden-Affäre konnten nur mit Mühe und unter größtem medialen Aufwand kleingeredet werden. Selbst das ist nicht zur Gänze gelungen; das brodelt noch und auch solch nassforsche Vorstöße wie die neuen geplanten Geheimdienst-Gesetze bergen genügend Sprengstoff für knallige Niederlagen. Zumal nach der liebdienerischen Kriecherei vor der Obama-Administration während Abhöraffäre und Snowden sich in weiten Teilen des Publikums das Gefühl festgesetzt hat, daß diese Regierung im besten Fall Erfüllungsgehilfe einer fremden Macht ist – ob diese Macht ein »Freund« ist, sei überdies dahingestellt.

    Um diesen Gesichtsverlust auszugleichen läßt man sich vorzugsweise in fremden Ländern sehen. Das lernt der Diplomat in der Grundausbildung. Außenpolitik ist immer gut, wenn die heimische Küche brennt. Vor Griechenland sprach man dem »Reformstau« das Wort; seit Siriza und Ukraine ist man wieder subtil der Weltmeister.
    Hat also geklappt, könnte man meinen.

    Bliebe noch ein Gedanke, der allerdings ins Auge sticht. Soll hier ein Exempel statuiert werden, was passiert, wenn die Wähler, ganz gleich in welchem Teil Europas, auf die verwegene Idee kommen, eine linke Regierung zu wählen? Was passiert zukünftig mit aufmüpfigen Regierungen, die sich nicht der Weisheit Berlins unterwerfen? Wird denen dann auch der Geldhahn abgedreht?
    Das Ende der ohnehin brüchigen »demokratischen Gleichheit« in Europa, die nun final zur Chimäre erklärt wird. Dabei ist Schäuble nicht mehr als der unbeholfene Erfüllungsgehilfe der »Märkte«.

    Eines ist jedenfalls vollkommen klar: Es geht bei dieser bodenlosen Erpressung keinesfalls um eine Gesundung Griechenlands. Das behauptet auch nicht einmal der Bundesfinanzminister.

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  6. Joachim sagt:

    Tja, es dürfte wohl alles zusammen stimmen.

    Schäuble, ob zur Ablehnung befugt oder nicht, kann seine Meinung sagen. Und die ist konservativ, „Law and Order“, von einfachen Prinzipien beherrscht. Etwa „Schulden müssen zurück gezahlt werden“. Natürlich träumt er von von der Vorherrschaft Deutschlands und natürlich sieht er sich z.B. durch die deutsche Wirtschaft und die „Zahlen“ bestätigt. Die Bundesregierung muss den Hardliner spielen, um vertrauenswürdig (innen wie außen) zu wirken.

    These 1 stimmt (auch wenn ich hier nicht wirklich den Nachweis brachte)

    Doch These 1 führt direkt zu These 2. Ich habe mich schon länger gefragt, ob eine bestimmte Art (also nicht einfach verallgemeinern!) des Konservatismus nicht als manchmal pathologisch oder wenigstens als realitätsfremd zu werten ist (…)

    Und auch These 3: „gar keine innerpolitischen Erfolge“. Die Bundesregierung sieht das (nach These 2) natürlich anders. Die Schere zwischen Arm und Reich existiere nicht oder sei gerecht weil die faulen Säcke nichts leisten würden.

    Und dieses Bild bestimmt das Bild von Griechenland. „Sollen die erst einmal was leisten, so wie wir“ ist sowas von Stammtischlevel. In der Realität interessiert das Stammtischgeschwafel Schäuble natürlich nicht. Es ist Mittel zum Zweck.

    So einfach ist das. Das bedeutet, sie denken nicht weit genug. Prinzipien und Lobbyisten sind ein Gehirn vernebelnder Cocktail, wenn mit Macht verbunden. Schäuble würde erst etwas auffallen, wenn er selbst in der Situation eines Griechen ist. Oder schlimmer noch, das ist ihm alles bekannt und alles ist gewollt.

    Trotzdem bleibe ich bei der These, dass die „Institution“, die grauen Herren, versucht das Beste für sich selbst heraus zu holen. Ein Weg dazu ist, Griechenland zu zwingen in Vorleistung zu treten und die Regeln, die sie in weitere Abhängigkeit bringen, selbst zu formulieren – um dann als gnädiger Retter dazustehen. Die linke Regierung ist optimal dafür geeignet (so sie sich dem Druck beugt … dazu lässt man kaum eine Alternative).

    Griechenland wird nicht pleite gehen. Es wird auf Jahrzehnte abhängig von Europa, Deutschland und ganz sicher keine Konkurrenz. Es Lieferant von billigen Arbeitskräften und (weil die Fabriken oder Essen brauchen) auch Importland für unsere Maschinen und Markt. Niemand merkt dabei, dass den Griechen ihr Land schon lange nicht mehr gehört. Man gibt ihnen einfach so viel, dass sie nicht sterben, aber keinen Cent mehr. Jeder Cent muss dreifach zurück kommen. Das ist keine Hilfe sondern Investition in die eigenen Geschäfte. Anders gesagt ist das die Ausbeutung ganzer Länder, durchaus vergleichbar mit Kolonialismus.

    Der Süden Europas wird für uns arbeiten. Das ist der Plan.

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      genau. und deswegen muss das regierungblatt jetzt nach der hetzerei die frohe botschaft der „liebe“ verkünden, von der „ganz brüssel träumt“. alles, damit tsipras auf einmal „das gesicht wahren kann“. was für eine widerliche farce, das.

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      ne oder?! die haben die zweite titelzeile geändert. und den anreisser. kein scheiss.

      19:30 :
      Eurozone und Griechenland: Ganz Brüssel träumt von der Liebe
      So viel Harmonie war nie: Nach gerade mal einer Stunde Telefonkonferenz…

      jetzt:
      Eurozone und Griechenland: Operation Gesichtswahrung
      So viel Harmonie war selten: In einer kurzen Telefonkonferenz ….

      whoaaa…

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  7. der Doctor sagt:

    Flassbeck weist in diesem Interview auf einen wichtigen Punkt hin, das es schon Blödsinn ist ,zu glauben ,Staaten könnten oder müssten ihre Schulden zurück zahlen.
    Er weißt auch auf die 2 Billionen Schulden hin, die Deutschland hat, und gegen die sich die 320 Milliarden der Griechen doch eher bescheiden ausnehmen.Glaubt irgend jemand, die würden je zurück gezahlt?(Von denen der USA ganz zu schweigen)
    http://www.flassbeck-economics.de/interview-zu-griechenland/
    OT: Heute vor 70 Jahren wurden die Geschwister Scholl und Christoph Probst hingerichtet.
    https://mantovan9.wordpress.com/2015/02/22/sophie-scholl-so-ein-herrlicher-tag-und-ich-soll-gehen/
    Wenn ich sehe, wie viele den Unsinn von Schulden zurück zahlen müssen nach geplappert wird , dann muss ich sagen:Ist schon unheimlich, wie sehr heute wieder zutrifft, was in ihrem ersten Flugblatt steht.

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    • pantoufle sagt:

      Moin Doctor

      »Flassbeck weist darauf hin… Paul Krugmann gibt eindringlich zu bedenken…«

      Solche Einwände gibt es zuhauf, eine unendliche Liste, die überdies so qualvoll ist, weil sie ohne Mühe für jeden sichtbar ist. Wenn sie wenigstens die Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaft zensieren würden, als Bückware nur gegen horrendes Geld einsehbar machen würden… Aber nicht einmal das: Man nimmt sie einfach nicht zur Kenntnis. Als würden sie nicht existieren, tauchen sie in keiner Diskussion, in keinem Dokument und bei keinen Verhandlungen auf. Daß diese Art der Zensur funktioniert, ist das eigentliche Wunder an der Geschichte.

      Und was das KleineTeilchen da beschreibt, ist ein Teil dessen, was dabei herauskommt. Man liest sich durch die Gazetten und wird seit Monaten (oder Jahren) mit den gleichen Schlagzeilen zum Thema geprügelt. Eine geistlose Wiederholung von Verflachungen und dummen Lügen. Das Karl Kraus Zitat: »Es gibt Sachen, die sind so falsch, daß nicht einmal das Gegenteil richtig ist.« als Handlungsmaxime des Kuh-Journalismus.

      Der Frage nach dem Sinn ein politisches Blog zu schreiben, sollte man dabei tunlichst aus dem Wege gehen. Wenn schon die Stimmen von Nobelpreisträgern nicht gehört werden… Na ja: Aber schaden tut es auch nicht.

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  8. Joachim sagt:

    Zur „Institution“ und Griechenland noch ein Programmhinweis:
    http://www.arte.tv/guide/de/051622-000/macht-ohne-kontrolle-die-troika

    Sehenswert (Mediathek?). Es scheint, als seien wir noch viel zu gnädig mit den grauen Herren.

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