Odyssee dawn

Die Lyriker der Generalstäbe haben wieder zugeschlagen. Das Ergebnis dieser Operation erinnert zwar etwas an eine Ubuntu-Release (Karmic Koala, Lucid Lynx, e.c.t.), aber vielleicht ist das ja der Zeitgeist, der wieder einmal an mir vorbeigegangen ist.

Sonst ist alles beim alten. Gestern Abend muß es zu einer Baisse in Tarnjacken und Stahlhelmen gekommen sein; die Journaile der meisten Tageszeitungen saßen offenbar passend zum Anlass gekleidet vor ihren Schreibmaschinen und verkündeten die ersten Siegesmeldungen für die Sonntagsausgabe ihrer Blätter. Sehr hübsch in diesem Zusammenhang die Süddeutsche: „17:45 – der erste Treffer. Wenige Stunden nach Ende des Pariser Gipfels kommt gegen 17.45 Uhr die erste offizielle Nachricht von Tod und Zerstörung aus Libyen. Ein libysches Kampfgefährt sei von französischen Flugzeugen angegriffen worden.Das „Kampfgefährt“ hat mir besonders gefallen. Das hätte Ernst Jünger nicht schöner formuliert. Die Pandemie „Krieg“ schlägt wieder zu.

Die Zeit zum Handeln ist gekommen: „Weitere französische Flugzeuge stehen bereit, um gegen Panzer zu intervenieren, die Zivilisten bedrohen“, versicherte Nicolas Sarkozy – die ersten (Massen) Vernichtungswaffen sind auch schon ausgemacht worden. Man beschießt „Stellungen“ mit Raketen, Panzer werden vernichtet. CNN zeigt im Fernsehen eine weitere Folge der erfolgreichen Reality-Show „Leuchtspurgeschosse und Präzisionsbomben“, während Obama verkündeten, „Wir werden keine, ich wiederhole, keine US-Truppen am Boden einsetzen.“ Verstehe: Also Engländer und Franzosen! Die New York Times verstand die Botschaft auf ihre Art und interpretierte sinngemäß mit „und wenn, nur für ein paar Tage – nicht Wochen“. Natürlich darf bei allen Nachrichten die Werbung nicht zu kurz kommen! Praktisch alle westlichen Einsatzflugzeuge sind namentlich genannt und im Bild gezeigt; F16, Tornado, Raffale und wie sie alle heißen. Lasst die Verkaufsspiele beginnen!

Das Pantoufle und Kampfhund Oskar sitzen also wieder einmal verwirrt vor all den Nachrichten und fragen sich, was eigentlich unter einer „Flugverbotszone“ zu verstehen ist. Gibt es so etwas nicht auch über Atomkraftwerken und dem Bundestag und trotzdem stehen die noch?

Aber wer will in diesen heroischen Zeiten an überholten Begriffen von gestern festhalten: Man muß das einfach unter dem Gesichtspunkt militärischer Logik sehen. Wenn alle Flugzeuge zerstört und die Flughäfen pulverisiert sind, kann auch keiner mehr fliegen. Da ist natürlich etwas dran, wenn man zuvor all seine anderen Sinne abgeschaltet hat.

Fassen wir zusammen: Es gibt die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins Gaddafis, Saddam Gaddafi führt einen unmenschlichen Krieg gegen sein eigenes Volk, man wird Hussein Gaddafi mit präzisen, wirkungsvollen Schlägen innerhalb von Tagen vom Angesicht (passenden Gott eintragen) Erde beseitigt haben, das von Saddam Gaddafi unterdrückte Volk wartet sehnsüchtig auf die amerikanische Spielart der Demokratie. Das Ganze wird höchstens ein paar Tage dauern – für Risiken und Nebenwirkungen fragen sie einen arrivierten Historiker ihres Vertrauens!

Update: Wer ein kleines Faible für Verschwörungstheorien hat, aufgepasst: Auf der Seite der russischen Nachrichtenagentur RIA Novostni fand ich die Mitteilung vom 17.3.11, das einer der Söhne Gaddafis (Saif al-Islam) behauptet, daß Libyen den Wahlkampf für Sarkozys bezahlt hat. Der Brüller: Sie wollen ihr Geld zurück! Zitat: „Sarkozy muss zuerst das Geld zurückzahlen, das Libyen ihm zur Finanzierung seines Wahlkampfes gegeben hat. Wir haben seinen Wahlkampf finanziert… Das erste, was wir von diesem Clown wollen, ist also, dass er dem libyschen Volk das Geld zurückgibt.“ … wenn das nur nicht so verdammt glaubwürdig klingen würde…
Wer also gerade Liebeskummer hat oder sonst irgendwie schlechte Laune – einfach mal 30 Sekunden glauben, daß die Nachricht stimmt und der Abend ist gerettet! (den Link verdanke ich fefe)
Das war aber auch das einzig Positive, was ich der aktuellen Nachrichtenlage zu diesem Thema entnehmen konnte

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