nur ein Überlebender

 

Rheinmetall (est.1889) proudly presents: Das Spürluchs-Panzerfahrzeug Survivor R. Auch wenn der Name »Überlebender« keinesfalls unserer Firmentradition entspricht, so sind wir doch gerne dem Wunsch des Bundeslands Sachsen nachgekommen, uns von zwei dieser famosen Fahrzeuge zu trennen.
Die dreizehn Tonnen Stahl, Gummi und Sicherheitsglas werden von einem einem kernigen 6,9l / 330PS Diesel mit Auspuff betrieben. Der optionale Schornstein ermöglicht dem Fahrzeug eine Watfähigkeit von 2,4m.

»Der Innenraum ist hell und ergonomisch gestaltet, leicht zu reinigen und bietet ausreichend Platz für eine Besatzung von bis zu 10 Personen mit persönlicher Ausrüstung, sowie umfangreicher Funk- und Führungsausstattung. Eine motorunabhängige Standheizung, sowie eine leistungsfähige Klimaanlage sorgen für eine ganzjährig komfortable Einsatzumgebung für die Besatzung.«

Auf Wunsch kann der Kunde zwischen verschiedenen Decor-Varianten wählen. Ein Innenraum mit armiertem Stahlbeton ist genau so möglich wie tropisches Edelholz aus massakriertem Anbau. Als Sitzbezüge stehen verschiedene Kaki-Bezüge zur Auswahl. Die obligatorische Sitz – und Lenkradheizung ist Bestandteil der Grundausstattung. Stickereien und Traditionsbilder an Wänden und Sitzen auf Anfrage.

Rheinmetall – überleben aus Tradition!

Mörser Karl, ca. das konnte doch keiner ahnen.

Aber wie das so ist im Leben: Fehler passieren und sind letztlich nur menschlich. Das Wappen Sachsens… da hat doch jemand dran gedreht! Sagt mir, wenn ich mich irre – aber das ist doch die wenig rechtsstaatliche  kaiserliche Version von 1906.

Das Gemüse um es herum beachten wir einfach mal nicht. Und auf einmal ergibt die Frakurschrift auf den Sitzbezügen des Bürgerkriegsgerätes wieder einen Sinn!

P.S.

»Um den “Wachstumsmarkt Türkei” weiterhin bedienen zu können, arbeitet man in Düsseldorf jedoch längst an Plan B: Gemeinsam mit der türkischen Firma BMC und der Holding “Etika Strategi” gründete Rheinmetall in Ankara das Joint-Venture “Rheinmetall BMC Savunma Sanayi”. Die Firma will sich nun um den Bau türkischer Kampfpanzer vom Typ Altay bewerben – ganz ohne die lästigen deutschen Rüstungsexportgenehmigungen.

“…wenn wir mit Partnern in der Türkei einen türkischen Panzer entwickeln und bauen, dann ist die Bundesregierung daran nicht beteiligt”, stellte Rheinmetall-Vorstand Armin Papperger kürzlich klar. Besonders pikant: Einer der Eigentümer seines Partners BMC ist Ethem Sancak, enger Vertrauter und Freund von Präsident Erdogan. Sancak ist auch Inhaber der Mediengruppe “Esmedya”, deren Sender und Zeitungen offen die Pläne der Regierung Erdogan unterstützen.«

Ohne Rüstung leben.de

P.P.S.

Es gibt Demonstrationen in deutschen Städten, auf denen Palästinenser und sogenannte linke „Israelkritiker“ mit „Sieg Heil“-Rufen und der Parole „Juden ins Gas“ durch die Straßen ziehen.

Das war wohl ein akuter Anfall von Qualitätsjournalismus.

Nachtrag (auch wenn ich das Gefühl habe, daß das einer von vielen ist)

Die Frakurschrift hingegen sei in Deutschland seit Martin Luther in Gebrauch«) Das Zeichen des Hakenkreuzes ist sogar noch älter. Das älteste stammt etwa 10.000 v. Chr., wurden in Asien und Europa, seltener auch in Afrika und Amerika gefunden. Sie haben keine einheitliche Funktion und Bedeutung. Im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus wird die Swastika bis heute als religiöses Glückssymbol verwendet.
Frei nach Wikipedia.

Wußte ich doch:

Am Montagnachmittag veröffentlichte das Innenministerium eine weitere Stellungnahme. Darin ist nicht mehr die Rede von einer Mitverantwortlichkeit des Herstellers. Dieser habe vorgeschlagen, die Sitze kostenlos zu besticken. „Diesem Vorschlag wurde durch die Behörde zugestimmt und eine Vorlage geliefert.“ Die Kritik nehme man zum Anlass, die Verwendung des Logos „in dieser Form kritisch zu prüfen“.

Welt.de (ohne das Bildchen)

Ach so… sagt das doch gleich! Es gibt keine schlechte Werbung!

Einen ham wa noch!

»Ein wegen seiner Nähe zur NS-Symbolik heftig kritisiertes Logo des sächsischen SEK soll von den Sitzbezügen eines neuen Polizeieinsatzfahrzeuges entfernt werden. Das teilte das Landeskriminalamt in Dresden mit.

Der Entschluss sei “unabhängig von der laufenden öffentlichen Diskussion” getroffen worden, betonte LKA-Sprecher Tom Bernhardt. “Auch wenn das Logo weder Ausdruck einer rechten Gesinnung, ist noch anderweitige ideologische Attitüden erkennen lassen soll, ist der in Teilen der Öffentlichkeit wahrgenommene Kontext unter allen Umständen zu korrigieren.”«

Tagesschau.de

Natürlich hätten sie das Logo trotz rechter Gesinnung (27% AFD in Sachsen) auch ohne die öffentliche Häme entfernt. Ganz bestimmt! Noch vor der Machtergreifung.

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28 Kommentare zu nur ein Überlebender

  1. Eike sagt:

    Der Artikel von der FR ist jetzt nicht unbedingt ein Lichtblick des Journalismus. Das konnte selbt der Tagesspiegel differenzierter angehen. Wenn es um die Demos geht, sollte man nicht alle Artikel mit den höchsten Klickraten und irgendwie Ähnlichem zusammenrühren. Das wäre dann eher etwas für den Feuilleton.

    Sachsen dürfte ganz andere Probleme, als nur die Sitze eines Polizeipanzers haben. Man darf gespannt sein, ob rechtzeitig zum 13. Februar auch Polizeibomber verfügbar sein werden. Kretsche wird das schon machen.

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    • Pantoufle sagt:

      »Der Artikel von der FR ist jetzt nicht unbedingt ein Lichtblick des Journalismus.«

      Wohl wahr! Und er hat viele Geschwister. Google mal »Nazi-Schrift in Sachsen.«

      Sachsen? Haben die nicht gerade den Anschluß an Österreich gefordert?

      Edith

      »Eurofighter-Kampfflugzeuge der Bundeswehr können künftig erstmals auch als Bomber eingesetzt werden. Das Bundesamt für Ausrüstung, Information und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) übergab am (heutigen) Montag symbolisch in Nörvenich die ersten Laser- und GPS-gesteuerten Bomben des Typs GBU-48 an das Taktische Luftwaffengeschwader 31 Boelcke. Die Integration dieser Waffe in den Kampfjet und der Abwurf war im September in Schweden erprobt worden.«

      Da hast Du Deinen Bomber.

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  2. Stony sagt:

    Also demnächst neue Sitzbezüge – dann ist ja alles gut. Hoffentlich denken sie auch an das Nachrüsten der Partikelfilter, nicht daß die Terrorbekämpfung™ an der Umweltzone endet/scheitert!1!!

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  3. Pantoufle sagt:

    Oh Gott: Und eben habe ich noch was gegen den Kuh-Journalismus gesagt. Ich Tropf!

    Brandschutz im Grenfell-Tower war mangelhaft. Zeit.de

    Endlich sagt das mal einer!

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  4. OldFart sagt:

    Leipzig in Sachsen ist der designierte Standort für das “Abhörzentrum Ost”. Mal ganz abgesehen davon, welch erhellende Einblicke die Gesamtschau auf Totalüberwachung, Bürgerkriegsbewaffnung und “interne” fragwürdige Symboliken zu deren Gesinnung liefert – ich warte schon gespannt auf die erste Datenpanne im Abhörzentrum: Offener Fremdzugang zu den gesammelten Abhördaten wegen Trivial-Zugangspaßwort der Datenbank im Cloudspeicher? Das warn wir nicht, das hat der Hersteller so geliefert. Na dann sind sie ja voll entlastet.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin OldFart

      Ich bin mittlerweile ein perfektes Opfer dieser Latrinenparolen. Ich wehre mich nicht mehr, argumentiere nicht mehr dagegen an – es ist vollkommen sinn – und nutzlos geworden. Immer das selbe Bullshitbingo, immer die selben Lügen.
      »Vielmehr solle das Zentrum aktiv werden, wenn es um schwere Straftaten wie Terrorismus, Mord, Vergewaltigung, Kinderpornografie oder organisierte Kriminalität gehe.«
      Auf der selben Seite, einen Artikel früher zu automatischen Kennzeichenerfassung in Sachsen.
      »Es handelte sich um 104 Verstöße gegen die Kfz-Pflichtversicherung, um 13 Kennzeichen, nach denen im Schengenraum gefahndet wurde und um sechs gestohlene Kennzeichen. In 73 Fällen waren die Kennzeichen unter anderem im Zusammenhang mit Personenfahndungen ausgeschrieben. In fünf Fällen kamen die Ermittler mithilfe der Scanner Autodiebstählen auf die Spur, in drei weiteren Fällen einer Unterschlagung von Kraftfahrzeugen.«
      Jeder – Innenminister Ulbig eingeschlossen – wissen, daß in dem Augenblick gelogen wird, wenn sie nur luftholen. Ihre „Argumente“: Ein Nichts. Ihre Bestrebungen: Von irgend jemandem bezahlt. Angebliche Kontrollbefugnisse: Nicht vorhanden.
      Und jetzt haben sie einen Panzer. »Perspektivisch kann auch ein Waffensystem installiert werden. „Das gibt die Gesetzeslage aber bisher nicht her“, erklärte LKA-Sprecher Tom Bernhardt.« Schade! Dabei hat Rheinmetall doch so eine tolle 120mm Glattrohr-Kanone im Angebot. Gegen schwere Straftaten wie Terrorismus, Mord, Vergewaltigung, Kinderpornografie oder organisierte Kriminalität.

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    • OldFart sagt:

      Also wenn ich denen alles abkaufte, der Beweggrund „Das gibt die Gesetzeslage aber bisher nicht her“ gehört ganz sicher nicht dazu. Das hat die doch noch nie von irgendwas abgehalten.

      Realistischer erschiene mir hingegen die Vermutung, daß die kein Geld in die mickerige unterdimensionierte Zusatzwumme des popeligen Personentransporters fürs Ordnungsamt stecken wollen. Für ernsthaften Einsatz zur „robusten Befriedung besonders aggressiver Demonstrationen“ gibt es doch besseres Material aus deutscher Produktion:

      https://www.youtube.com/watch?v=FJmmzHVvwCM
      https://www.youtube.com/watch?v=15BFbazJyQ0

      Da kriegt man reellen Gegenwert fürs Geld, nicht so Lala-Aufpimp-Kram für einen schwachbrüstigen Personentransporter, der bestenfalls im Einsatz gegen Falschparker hilft.

      Wenn die Bestellung für die robusten Einsatzfahrzeuge im Anti-Terrorkampf rausgeht, wird man aber auf die Sitzbezüge achten. Ehrenwort!

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      • Pantoufle sagt:

        »Unser neues Modulkonzept erlaubt Einsatzvarianten, von denen frühere Machthaber nur träumen konnten.«
        Ich schmeiß mich weg!
        »Ein verkürztes Kanonenrohr und ein kleinerer Wendekreis ermöglicht Ihnen nun auch eine beruhigende Einwirkung im urbanen Einsatz. Mit dem Riot-Control Räumschild sowie der automatisch vollstabilisierten L55-Glattrohkanone […] um unangenehmen Häuserkämpfen eine stabilere Ordnung zu verleihen«

        Das ist der Burner für mein nächstes »Gedicht am Dienstag«!!einzelfzig!!

        »Begleiten sie mit uns den Arabischen Frühling in seinen wohl verdienten Herbst«

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  5. Die arme Frakturschrift kann doch gar nix dafür, die wurde schon im zwölfjährigen Reich verboten und unterdrückt und ist insofern das einzig Freundliche an diesem Gerät. Nur weil irgendwelche denk-, merk- und recherchierbefreiten Nazispacken meinen, sie zum Bedrucken irgendwelchen Papier- und Klamottenmülls verwenden zu müssen, weil sie so schön altdeutsch aussieht, müssen ihnen denkende Menschen doch nicht gleich nachplappern?

    Sollte man meinen.

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    • Pantoufle sagt:

      Ich habe absolut nichts gegen Fraktur. Aber den Missverständnissen ist dabei natürlich Tyr und Thor geöffnet. Das fängt mit der Bezeichnung »altdeutsch« an – meint vermutlich Antiqua – und steigert sich zu Fragen auf Twitter, ob man seine Bewerbung in Sachsen jetzt in Fraktur schreiben muß. Nein: In Sütterlin (bzw. Kurrent).

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  6. Pjotr56 sagt:

    Bei der Diskussion über das für und wider der frakturschriftverzierten Hardware unseres demokratischen Rechtsstaates dürfen wir nicht die konsequente Weiterentwicklung der Manpower im alltäglichen Straßenkampf zur Verteidigung unserer Plutokr… ähm Demokratie vernachlässigen:
    https://www.youtube.com/watch?v=cKQ6-6I1TBU
    (Nicht geeignet für Menschen mit schwachen Nerven oder als Motivationsförderung zur Wahrnehmung des Demonstrationsrechts)

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  7. flatter sagt:

    Fraktur ist die neue Querfront®. Weil die Nazispaten anno 2-17 keine Ahnung haben, ist für sie Fraktur halt Volksschrift aus der Gutenaltenzeit. Weil Fraktur aber gleichzeitig Naziopfa ist, sympathisieren auch Genderfontisten mit ihr. Ein Schelm, wer denkt! Die Heraldik ist aus derselben Kiste. Zu blöd für Wappen, aber ne klare Idee von Obrigkeitsdesign. Wer denkt da nicht sofort an Strammstehen, Stechschritt und andere homoerotische Techniken? Dann dieses Rohr und die “Werferanlage für Nebel und Reizstoffe”, das ist ja noch geiler als in der Latexdisse. Diese Sachsen …

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    • Pantoufle sagt:

      Gemein ist Neospaten und Genderbesamten, daß sie in der Regel keine zwei Sätze Fraktur am Stück vorlesen können. Darin ist diese Front sehr quer.
      Daß sich die Militanten über die Stickereien auf den Sitzkissen freuen – es sei ihnen gelassen! Das ist die harmlose Freude der Dauercamper, wenn sich einer von ihnen ein neues Fuck&Drive zugelegt hat. Dann kommen sie alle… der Herd, die Edelstahlspüle, die Chemietoilette… und staunen pflichtschuldigst. Und natürlich findet sich bei solchen Fahrzeugen immer einer, dessen Opa beim letzten Kaiser-Napoleon-Gedächtnisrennen das selbe in Grau (RAL 7021) hatte; mit einer großen acht-acht auf dem Dach. Das will er dann genau so wie das Holzbein vom Großvater, der das Original vor Stalingrad selbst gefuttert hat, weil es so kalt war.

      Wessen Geistes Kind, wie einfältig und – sagen wir es, wie es ist – hoffnungslos verblödet die sind, zeigt sich nirgends schöner, als im »undercovermode« ihres Spielzeuges. Auch wenn es ein Fall für den Vertriebenenbund der Steuerzahler ist! Wenn das Blaulicht auf dem Dach aus ist, ist es kein Polizeifahrzeug mehr. Weiß doch jeder!

      Auf Arte läuft gerade ein schöner Film über die internationalen Brigaden in Spanien. Apropos: Was haben wir eigentlich vor, wenn’s soweit ist?
      https://www.arte.tv/de/videos/058378-000-A/vom-kaempfen-und-sterben-der-internationalen-brigaden/

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      • OldFart sagt:

        Die sind sogar für Ausreden zu blöd. Das mit “hat der Hersteller so geliefert” ist ja schon zerlegt, siehe oben. Beim peinlichen Klappschild hätten sie sich noch rauswieseln können. Polizisten setzen ja bei Fahrzeugkontrollen die Mütze auf, wenn sie aus ihrer Karre aussteigen. Dadurch geben sie sich offiziell und als im Dienst zu erkennen – so weiß es der Volksmund. Ohne Mütze keine Amtshandlung. Diese Logik auf das Klappschild übertragen hätte dem breiten Publikum eine Erklärung geboten: aufgeklappt = im Antiterror-Einsatz, zugeklappt = Pizzaholen fürs Revier. Wobei ich mich frage, wie man mit dem Trumm am Drive-In vorfahren will, ohne alles zu planieren. Anyway, “Undercover-Einsatz”, oh heilige Einfalt. Episch. m(

        > Was haben wir eigentlich vor, wenn’s soweit ist?

        Gegenwehr fällt mangels behördlicher Genehmigung aus. Daß es keine Bahnsteigkarten mehr gibt, wirkt sich ebenso nachteilig auf das Revolutionsgeschehen aus. Es entfällt wegen fehlender Erwerbsmöglichkeit von Karten ebenfalls. Außerdem wird das alles steuerlich nicht anerkannt.

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      • Pjotr56 sagt:

        “Was haben wir eigentlich vor, wenn’s soweit ist?”
        Ich weiß es noch nicht, vielleicht gehe ich als Anarchist zu den Partisanen, hoffentlich ist der Lederer dann nicht in meiner Brigade ;-(

        Von der Nahles hab ich jedenfalls ein kerniges “auf die Fresse bätschi” gehört, da lief es mir richtig kalt den Rücken runter.

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      • Pantoufle sagt:

        Ich habe keine Ahnung. Die Dame von Welt fragt bei sich zu Hause »Bevor noch etwa wer über die Militarisierung der Polizei nachzudenken beginnt«. (weit hinten in den Kommentaren). Mir fällt dabei Orwells Emmanuel Goldstein und seine Bruderschaft ein.
        Ich halte Dames Feststellung in gewisser Hinsicht für falsch. Nicht die Militarisierung der Polizei, sondern die der Gesellschaft ist real. Wenn die Sucht nach Sicherheit jedes vernünftige Maß übersteigt, ist der Panzer im Vorgarten tatsächlich deeskalierend. Nicht gegenüber den Gegnern dieser Gesellschaft – die es messbar gar nicht gibt -, sondern gegen die öffentlichen Panikattacken. Bei denen geht dann schon mal eine Tierschutzorganisation mit Robotern gegen Obdachlose vor. Natürlich hätten die auch einen Panzer genommen, wenn man ihnen einen gegeben hätte. Machen wir uns doch nichts vor: »Die Gesellschaft« will diesen Panzer. Die Polizei ist nicht militant geworden; sie paßt sich einfach in ihrem Erscheinungsbild den Forderungen der Öffentlichkeit an. Es ist doch auch bemerkenswert, daß niemand die Existenz des Panzers an sich in den Arsenalen der Behörde in Frage stellt – lediglich auf die Tatsache, daß eine verräterische Symbolik auf einen Widerspruch hinweist. Sofern überhaupt ein Widerspruch vorliegt. Wenn die Behörde Flugzeuge bekommen hätte, wäre irgend jemand auf die Idee gekommen, diese historisch lustig rot anzumalen oder auf sonstig massenmörderische Symbole zurückzugreifen. Tief in ihrem Inneren weiß die Öffentlichkeit ja, daß da etwas völlig falsch läuft. Sie möchte nur nicht allzu deutlich darauf hingewiesen werden.

        Grundsätzlich ist es doch die selbe Diskussion wie beim Traditionsverständnis in den Kasernen. Man läßt junge Menschen mit dem Mörderarsenal der Großväter herumspielen und wundert sich, wenn die auch auf das Wertesystem – oder wenigstens die Symbolik – von Opa zurückgreifen. Wenn es überhaupt einen Widerspruch gibt, dann doch den, daß auch eine angenommene, moderne Gesellschaft nicht imstande ist, ihre Begründungen zum Töten oder bei der Ausübung von Gewalt grundlegend zu modernisieren. Gegen diese Jahrtausendealte Tradition argumentiert man nicht durch eine nachträgliche Ergänzung zu einem Artikel im Grundgesetz. Nicht gegen einen grundsätzlichen Instinkt des Menschen. Die Beantwortung der Frage, in wie weit der mittlerweile Teil des menschlichen Erbgutes ist, überlasse ich Würdigeren.

        Die Diskussion um die angenommene Nazi-Symbolik ist heiße Luft. Man muß schon sehr blinzeln, um diese glaubhaft zu sehen. Nicht aber, wenn man feststellt, daß technische Taucher, die mehr als 60m unter der Oberfläche arbeiten können, in hautenge Anzüge stecken, aber Beamte auf dem Weihnachtsmarkt aussehen wie Robocop. Das ist Symbolik. Und ganz nebenbei eine beabsichtigte. Daß die mittlerweile als beruhigend wahrgenommen wird, ist keine Frage einer Militarisierung der Polizei, sonder die gesellschaftlicher Wahrnehmung von Gefahr. Und ihrem vollkommen pervertierten Bedürfnis nach Sicherheit.

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        • Siewurdengelesen sagt:

          “Wenn es überhaupt einen Widerspruch gibt, dann doch den, daß auch eine angenommene, moderne Gesellschaft nicht imstande ist, ihre Begründungen zum Töten oder bei der Ausübung von Gewalt grundlegend zu modernisieren.”

          +1

          Ist zwar direkt zum Thema bestickte Sitze etwas OT, aber wie ich schon bei todamax schrubte:

          Da wird sich über die m.E. trotzdem nicht nur zufällige Ähnlichkeit dieser Stickerei aufgeregt – wozu braucht ein Einsatzfahrzeug so etwas überhaupt? – aber das diese Kiste nicht eben billig war und eigentlich nur dem einen Zweck dienen kann, bei Demonstrationen genutzt zu werden, geht völlig unter.

          Auch da könnte man mit etwas gutem Willen durchaus einen Bogen spannen vom (provozierten und nicht ganz ungewollten) Ausschreiten beim G20 und anderen Events, die wiederum solche Fahrzeuge ‘rechtfertigen’ zum Schutz der Polizisten und der Bürger.

          Nebenbei wird vermutlich so mancher wie auch mit der bildlichen Hetzjagd der Hamburger Polizei davon abgeschreckt, an einer Demo teilzunehmen, wenn man in der Denke der Staatsanwaltschaft praktisch als Teilnehmer automatisch auch Täter wird.

          Alleine der Name der Soko mit Schwarzer Block setzt bereits Feindbilder und Vorurteile, man hätte die auch einfach G20 betiteln können.

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        • Fluchtwagenfahrer sagt:

          Moin Pantoufle, @Pantoufle Dez 20.12.17 11:52 zum ersten Textblock bin ich mir nicht sicher, wer war zuerst da? Das Huhn oder das Ei?
          Zum zweiten Textblock zitiere ich aus einer Kurzgeschichte einer granatenstarken Frau.
          “Der Ruhezustand bietet einfach eine höhere Sicherheit als der Wechsel. Wechsel beinhaltet Unbekanntes, Wechsel impliziert Zweifel.
          Tradition bietet Sicherheit. Sie verwurzelt und rechtfertigt die Normen, die sie selbst schafft, sie verhindert das Nachdenken und erlaubt es, keine Verantwortung zu übernehmen. (Sara Doke, Stammestreffen)
          Zum letzten Absatz; treffend aber auch beunruhigend, schau dir mal (vorsicht Kotzanfall) den Tv Werbetrailer von O2 an “freiheitist”.

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  8. ein anderer Stefan sagt:

    Ich weiß gar nicht, was ihr alle habt. Das Gefährt wirkt doch extrem deeskalierend – wenn das erstmal alles mit Tränengas und Nebelgranaten eingedeckt hat, ist jede Demo nachhaltig deeskaliert. Aber auch ohne Waffeneinsatz wirkt es deeskalierend – wenn die sächsische Helden-SEK mit ihrem Odinsraben am Gürtel undercover durch Leipzig-Connewitz braust, wird da nachhaltig alles deeskaliert. Ach, eingeschüchtert war die richtige Vokabel, jetzt fällts mir ein – my bad.

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  9. Pantoufle sagt:

    Moin Fluchtwagenfahrer

    »Übrigens sah der Verurteilte so hündisch ergeben aus, dass es den Anschein hatte, als könnte man ihn frei auf den Abhängen herumlaufen lassen und müsse bei Beginn der Exekution nur pfeifen, damit er käme.«
    Franz Kafka

    Ich folge mal der Unsitte, ein Literaturzitat an den Anfang zu stellen, um mich im Ruhm und der Unangreifbarkeit des Autors zu sonnen. Aber sowas hatte ich im Hinterkopf, als ich das schrieb. (BTW: Textblock! Vielleicht sollte man mal versuchen, die verschiedenen Absätze farblich zu unterlegen wg. Zitaten)

    Henne oder Ei. Ich bin mir auch nicht zu 100% sicher. Jedenfalls nicht sehr. Aber ich habe dazu eine Vermutung, die ein Stammideologe des Liberalismus einmal so formuliert hat:

    »Das Zusammenleben ist den Menschen also kein Vergnügen, sondern schafft ihnen im Gegenteil viel Kummer, solange es keine übergeordnete Macht gibt, die sie alle im Zaum hält […]
    So sehen wir drei Hauptursachen des Streites in der menschlichen Natur begründet: Wettstreben, Argwohn und Ruhmsucht. Dem Wettstreben geht es um Gewinn, dem Argwohn um Sicherheit, der Ruhmsucht um Ansehen. Die erste Leidenschaft scheut keine Gewalt, sich Weib, Kind und Vieh eines anderen zu unterwerfen, ebenso wenig die zweite, das Geraubte zu verteidigen, oder die dritte, sich zu rächen für Belanglosigkeiten
    […] Und hieraus folgt, daß Krieg herrscht, solange die Menschen miteinander leben ohne eine oberste Gewalt, die in der Lage ist, die Ordnung zu bewahren. Und es ist ein Krieg, den jeder Einzelne gegen jeden führt«

    Thomas Hobbes

    Man kann Hobbes Postulat des »Krieges aller gegen alle (bellum omnium contra omnes)« und seiner Vermutung, es würde sich dabei gewissermaßen um Naturkräfte handeln, vernünftigerweise nicht folgen. Aber es steht für die Logik der ökonomischen Konkurrenz und »freien« Marktwirtschaft, seine »übergeordnete Macht« für einen staatlichen Absolutismus. Entfällt dieser Absolutismus und werden die Opfer marktliberaler Geschichte sich selbst überlassen, gewinnt Hobbes Bild wieder an Plausibilität. Es sind ja keine unschuldigen Naturkinder, die dann aufeinander losgehen, sondern Ergebnisse Jahrhundertelanger missweisender Erziehung. Dabei gehe ich stillschweigend davon aus, daß »es keine übergeordnete [staatliche] Macht [mehr] gibt«, sondern sich die Schaffung von ordnenden Gesetzen auf diejenigen verschoben hat, die ihnen eigentlich gehorchen sollen. Was als Emanzipation daherkommt, erweist sich als intellektueller Inzest. Je trivialer und nichtssagender dessen Ergebnisse sind, umso weniger Grund besteht von höherer Stelle, einzugreifen. Hauptsache, die Struktur und die innere Logik des Bestehenden werden in ihrer Substanz nicht in Frage gestellt. Es ist also nicht die Frage »Henne oder Ei«, sondern die, ob Eier Eier zeugen können.
    Es scheint so.

    Der »Krieg, den jeder Einzelne gegen jeden führt«, ist zuvorderst einer der moralischen Superiorität geworden. Als wenn der besagte Panzer (um sich mal wieder ein wenig dem Thema zu nähern) zu einem anderen Gegenstand mutieren würde, wäre die Stickerei auf den Sitzbezügen Blumenmotive oder eine lustige, bunte Eisenbahn. Die Aussage von LKA-Sprecher Bernhard
    »Der Entschluss sei “unabhängig von der laufenden öffentlichen Diskussion” getroffen worden, auch wenn das Logo weder Ausdruck einer rechten Gesinnung, ist noch anderweitige ideologische Attitüden erkennen lassen soll […]«
    sozusagen ein Lackmustest darüber, ob die öffentliche Erregung in den gewünschten Bahnen verläuft.
    Nein, bei Lichte besehen würde ich die Frage nach Henne oder Ei wenigstens für mich beantworten können. Der Verlauf einer öffentlichen, moralischen Empörung ist so vorhersehbar geworden, daß es für deren Analyse einer »obersten Gewalt« nicht mehr bedarf.

    Habe den O2 – Trailer zum Glück vor dem Morgenkaffee gesehen. Danke für die Warnung.»Freiheit ist, wenn Ihr nur noch auf Euer Handy starrt«.

    Sach ich doch!

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  10. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoufle,
    vielen Dank für deine ausführlichen Gedankengänge. Bin leider (shame on me) ein Bruder Leichtgewicht hinsichtlich der Lektüre die du so gelesen hast. Aber mal wieder messerscharf argumentiert. Schade, hätte sehr gerne mehr Zeit und Nähe zum Quatschen,vielleicht lade ich mich im nächsten Jahr mal mit dem Mopped bei dir ein.(unter vorheriger Anfrage natürlich)
    Mir bleibt zum Schluss nur noch,
    Dir und Deiner Familie, der Redaktion, ein schönes Weihnachstfest zu wünschen.

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    • Pantoufle sagt:

      Jederzeit gerne gesehen – Voranmeldung ist aber unumgänglich. Das kommende Jahr beginnt sich bereits zu füllen. Angefangen vom ersten Weihnachtstag, aber so ist das mit den Selbstständigen.

      Danke für die Wünsche und gleich mit Rückhand zurückgeschmettert.

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  11. Eike sagt:

    Am Anfang war natürlich die Eihenne.

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