Nur ein paar Fragen

Allein in der Echokammer, der Filterblase. Wieso eigentlich Echokammer?
Die Echokammer! Das menschliche Gehör brauch eine Laufzeit von 100 Millisekunden, um eine Reflexion gegenüber Direktschall halbwegs hinnehmbar als Echo wahrzunehmen. Mehr ist besser. 100 Millisekunden sind bei akzeptabler Zimmertemperatur und einem Δt=2,91ms/m  etwa 34 Meter. 17 Meter zu einer Wand und das selbe noch einmal zurück. Wir übergehen dabei mal Absorbtion und sekundäre Reflexionen, die bei diesem physikalischen Phänomen eine wichtige Rolle spielt. Auch die Tatsache, daß 100 mSec Laufzeit kaum ausreichen, um auch nur eine einzige Silbe mit ausreichender Verständlichkeit wiederzugeben, bleibt unberücksichtigt. Dazu müßte man die Raumdimensionen mindestens mit einem Faktor zehn multiplizieren.

Kein Kammer. Eine ausgewachsene Halle ist das.
Ach, das sagt man nur so? Das ist nur metaphorisch gemeint? In Wirklichkeit meint man einen Hallraum, einen, der Messungen nach EN ISO 3382 zuläßt? Ab ca. 250m³ im Handel – auch nicht gerade das, was man als Kämmerchen bezeichnen würde.

Filterblase: Ach, lassen wir das! Sonst noch was? Postfaktisch, genderwissenschaftlich, Hassprediger, Wutbürger… die Suche nach sprachlichen Abkürzungen findet die kuriosesten Pfade, die sich nicht davor scheuen, das genaue Gegenteil des gemeinten zu plakatieren.
»Wir haben keine Zeit für Abkürzungen« (alte Pfadfinder-Weisheit!)

Ebenfalls einen Abkürzung ist die Verbindung mit der sogenannten Sonntagsfrage und aktuellen politischen Fehlentscheidungen (von Entscheidungen im eigentlichen Sinne kann ja nur als Ausnahme gesprochen werden). Jüngstes Beispiel: Die Privatisierung der Autobahnen, verbunden mit der Frage, ob die CDU noch irgend jemand am nächsten Sonntag wählen würde.
Nein, natürlich nicht! Man stelle sich vor, irgend eine Partei hätte im Wahlkampf mit PKW-Maut, Autobahnverkauf und bedingungslosem Freifahrtschein für staatliche Ermittlungs- »Dienste« geworben. Als würde dabei noch Raum für Fragen bleiben.
Also die Sonntagsfrage als Indikator dafür, welches Maß an Lügen und falschen Versprechen man bereit ist zu ertragen, ohne zu Pechfackel und Mistgabel zu greifen. Dafür fand sich eigenartigerweise noch keine griffige Bezeichnung.
Die Redaktion der Schrottpresse schlägt den nach unten offenen Wert »wöchentlicher Ermüdungsfaktor« vor.

Warum trennt man sich eigentlich so schwer von Freunden? Freunde nach allgemeinem Verständnis sind Menschen, mit denen man nicht unbedingt jede Meinung, wohl aber ein grundsätzliches Weltbild und elementare Werte teilt.
Würde also ein Freund zum AFD-Wähler mutieren: Wo ist die Trennschwelle, bei der man eine Person noch als Freund bezeichnen könnte?

Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!
[…]

Ja, ich weiß! Nicht isolieren, mit ihnen diskutieren, sie auf den rechten Pfad zurückbringen… Das ist doch alles Kokolores! Ergreifen sie erst die Macht, so werden sie einen Teufel tun, diese Engelsgeduld aufzubringen. Für sie ist dieses Stillhalten doch nur ein weiteres Zeichen fehlenden Widerstandes – Diskussion sind genau der elementare Teil einer Kultur, die sie abschaffen wollen.
Natürlich gibt es unter ihnen welche, die nur das Beste wollen, den matschigen Feldweg für einen leuchtenden Pfad halten: »Wenn das der Führer wüßte!« Aber wem nützt das dann noch?

[…]
Und schießen sie –: du lieber Himmel,
schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
Und verspürt ihr auch
in euerm Bauch
den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

Theobald Tiger, Die Weltbühne, 31.03.1931

Man muß sich auch mal von Dingen trennen können. Auch von falschen Freunden.

Ach, eine Frage hätte ich noch! Warum setzt sich Außenminister Steinmeier sich eigentlich in der Türkei seelenruhig auf den Gästeschemel und hört sich die hanebüchenen Vorwürfe und Drohungen einer durchgeknallten Diktatoren-Clique an? Statt still und leise ein Handelsembargo zu verkünden.
Was in Russland schon nicht funktionierte, könnte doch in der Türkei vielleicht…

Kommen wir nun zur Sonntagsfrage.

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8 Kommentare zu Nur ein paar Fragen

  1. OldFart sagt:

    > Wo ist die Trennschwelle, bei der man eine Person
    > noch als Freund bezeichnen könnte?

    Die Grenze ist spätestens dann überschritten, wenn grundlegende zivilisatorische Mindeststandards in Frage gestellt werden.

    In meinem Verwandtschaftskreis gab es vor einiger Zeit jemanden, der in einem Gespräch zuerst dementierte, daß die Amis systematisch foltern. Durch die jedem zugänglichen Belege (Guantanamo, Abu-Ghuraib, CIA-Folterbericht, Foltermanual, Opferberichte) in Bedrängnis gebracht, zog er sich darauf zurück, daß deren Praktiken ja einerseits keine richtige Folter seien – und wenn doch ein bißchen grob zur Sache gegangen werde, sei es ja von DEN GUTEN™ für einen höheren Zweck.

    Ich habe dem Betreffenden erklärt, daß ich mit Leugnern und Befürwortern von Folter keinen Umgang pflege, ihn stehen lassen und seitdem jeden Kontakt abgelehnt. Er weiß auch warum und da gibt es nichts mehr zu verhandeln. Zero Tolerance. Ist bei solchen Leuten sehr beliebt. Kann ich auch.

    Und damit ist der Bogen zum zukünftigen Bundespräsidenten geschlagen. Ich sage nur „Murat Kurnaz“. Wir bekommen einen persönlich und direkt involvierten Folter-Zuarbeiter als Staatsoberhaupt. Kann es noch offensichtlicher werden? Und der ihn seinerzeit per „Gutachten“ unterfütternde Herr Maaßen ist inzwischen Chef des „Verfassungsschutzes“. Selbst der dünne zivilisatorische Firnis gilt denen nichts mehr. Not my President. Not my Country. Ist denen aber auch scheißegal.

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  2. Publicviewer sagt:

    Ja ja, der Kiezneurotiker… so gern ich auch seine Texte lese, hat schon ein paar seltsame Gestalten in seiner Freundesliste.

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    • Pantoufle sagt:

      Ich kenne weder ihn noch seine Freunde – es geht mich auch schlicht nichts an. Ich schätze ihn als Bloggerkollegen. Und daß das Thema bei ihm Auslöser für ein paar Gedanken auf der Schrottpresse war, ist offensichtlich.

      Grundsätzlich möchte ich dazu eines anmerken: Die Schrottpresse ist keine Schule für höhere Töchter oder niedrige Söhne. Wäre ich an Erziehung interessiert, wäre ich Lehrer geworden. Blogs, die allzusehr heraushängen lassen, daß alle die nicht auf Linie sind, ihr Schulbrot auf den Pausenhof alleine essen müssen, finde ich persönlich zum kotzen. Nicht nur Blogs nebenbei.

      Das ist wie eingangs bemerkt eine ganz allgemeine Sache, die mit Deinem Kommentar oder Dir streng genommen gar nichts zu tun hat. Es ging mir nur gerade so durch den Kopf.

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      • Publicviewer sagt:

        Nein, versteh mich bitte nicht falsch.
        Es geht mir auch nicht um den Kiezneurotiker selbst, sondern um die Frage wie man mit AFD Wählern umgeht, die wohl vermeintlich mal Freunde waren?

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  3. waswegmuss sagt:

    Echokammer, Filterblase sind so rhetorische Krücken wie Neiddebatte. In die Tonne damit. Oder besser mal gar nicht ignorieren.
    Sind wir bei der Afd.
    Warum werden Dinge nicht offen ausgesprochen?
    Merkel ist stinkfaul.
    Schäuble bedient sein Klientel.
    Die SPD ist mittlerweile offen korrupt.
    Die Grünen auf dem Wegen dahin – aber mit erhoben Oberlehrerzeigefinger.
    Über die Dagegenpartei CSU schweigt des Sängers Höflichkeit.
    Die Linke bekämpft sich fortlaufend selbst und das egal aus wie viel Parteien sie tatsächlich besteht – und wenn sie aus einer bestünde würde sie es auch auch tun.

    Ist dieser Zustandsbericht nun ein Grund die AFD zu wählen?
    Eher ein Grund den kleinen analfixierten (sorry muss sein) Pöstchenhabenwollern in diesen Klüngelvereinen mal gründlich in den Allerwertesten zu treten.
    Das geht bei Bundesländern in denen frei gewählt werden kann recht gut.

    Wer AFD wählt mag auch Bayern München und hat ein Apple Handy. So!

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  4. Publicviewer sagt:

    Interessant wäre auch der Umkehrschluss… 😉

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