Neulich aufm Bahnhofsklo

»Entschuldigt, ich war nur kurz mal pissen«

Nun sind wir ja alle Kinder unserer Erziehung. Ob wir das wollen oder nicht; dem einen merkt man es an, dem anderen weniger. Selbst Berufskiller der Cosa Nostra spucken nicht auf die Theke beim Bäcker, wenn sie zur Tür hereinkommen um den Versicherungsbeitrag zu kassieren. Täte es einer – Salvatore »das Pferd« Calderone beispielsweise –, so würde Don Guiseppe ihm umgehend ein paar hinter die Löffel… und er dürfte eine Woche keinen Schuß abfeuern. So streng sind dort die Sitten und in vielem noch viel strenger. »Das Pferd« darf auf Zuruf Blutlachen hinterlassen, aber es wird mit Messer und Gabel gegessen. Soviel Zivilisation muß sein. Schließlich soll das Volk Respekt haben und das haben sie bei jemandem der sich beständig in der Nase bohrt nun einmal nicht.

Für Politiker gilt das nur eingeschränkt wie man weiß. Dafür übernehmen sie von 9 – 17:00 Uhr die Verantwortung. Zum Beispiel, wenn in Mossul ein halber Wohnblock in die Luft fliegt, weil man sich mit der Menge des Sprengstoffes etwas vertan hat. Mehr als 100 Zivilisten in den unteren Stockwerken waren von der Schlagkraft der US-Armee genau so überrascht wie die Sniper des IS auf dem Dach. Ein bedauerliches Mißverständnis. Sehr bedauerlich! Seit Mỹ Lai und einem Luftschutzbunker in Bagdad hat man nicht mehr so bedauert.
Zeitgleich zu diesem Eingeständnis des US-Außenministeriums: Da prügelt ein Parteigänger des amtierenden Präsidenten auf einen Journalisten ein, während sein Chef in Brüssel vor laufenden Kameras nachhaltig bewies, daß die Tante im Kindergarten einen lausigen Job an ihm tat. Wie alle anderen Erzieher, die ihr danach folgten.

Donald Trump popelte vor laufenden Kameras in der Nase und die gesamte Führungsriege der NATO drängelte sich, um ihm genau diese Hand zu schütteln. Da fragt man sich, welchen Geistes Kind diese Politiker trieb, diesem Barbaren den roten Teppich auszurollen anstatt die Begrüßung einem Hinterbänkler der dritten Garnitur zu überlassen. Eine handvoll Polizisten auf dem Rollfeld, ein Taxi und irgend etwas zu knabbern für die Zeit im Stau.
Selber schuld! Man wußte doch nur zu genau, wen man sich da eingeladen hatte. Einen pöbelnden Kleiderständer aus Washington, der die Hoffnung seiner Verbündeten repräsentiert, daß das amerikanische Impeachment-Verfahren mehr als reine Theorie ist. Ein Kleiderständer, der mittlerweile durch offizielle Untersuchungen gegen ihn so unter Druck geraten ist, daß ihm außer der aggressiven Flucht nach vorne nichts bleibt. Warum hat man nicht nach Großbritannien geschielt? Fast 2 Millionen Engländer unterschrieben eine Petition, dem Staatsgast Donald Trump das traditionelle Dinner mit der Königin zu verweigern, da man »der armen, alten Queen« diese Peinlichkeit ersparen wolle. Hätten die nun düpierten NATO-Oberen etwas daraus gelernt, so hätten sie Trump auf dem Flughafen eine goldenen Kutsche für eine Stadtrundfahrt hingestellt. Mit acht weißen Schimmeln und wäre ungestört unter seinesgleichen geblieben.
Für den kommenden G7-Gipfel böte sich das noch an.

Im unüberhörbaren Murmeln der Gebete um die vorzeitige Absetzung Trumps geht übrigens die Erkenntnis etwas verloren, wer dessen Nachfolger wäre. Nach dem jetzigen Stand der Dinge ist das Vizepräsident Mike Pence, der zwar unfallfrei mit Messer und Gabel hantiert, aber im übrigen keine wirkliche Alternative darstellt.

»Sehr geehrter Herr Präsident Trump,

im Namen der Partei Alternative für Deutschland (AfD) gratulieren wir Ihnen mit großer Freude zur heutigen Amtsübernahme der 45. Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Mögen sich als Mensch ihre Hoffnungen erfüllen, und mögen Sie als Präsident der USA Ihre Ziele erreichen.
Aufgrund Ihrer bisher getätigten Aussagen verfolgen wir als Deutsche und Europäer hoffnungsvoll Ihre außenpolitischen Positionen, weil sich diese wohltuend vom Kurs der vergangenen Jahrzehnte unterscheiden. Sie kündigen einen Weg der Nichteinmischung, der Lösungen und der Ordnung an. Sie haben die stabilisierende Funktion von Grenzen als einer zivilisatorischen Errungenschaft erkannt.[…] Sie sind ein Mensch, der die Dinge rasch anpackt. Wir wollen dies ähnlich halten und möchten bereits im Glückwunschtelegramm eine Botschaft an Sie senden: Unterstützen Sie uns bitte in unserem Bestreben, die Feindstaatenklausel aus der UN-Charta zu entfernen. Wir sind der Überzeugung, dass Frieden, Sicherheit, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und nicht zuletzt auch Wohlstand zu Hause beginnen.«

Yours sincerely,
Frauke Petry and Jörg Meuthen

Warum bleibt eigentlich ausgerechnet Russlands Präsident Putin der einzige, der zu einer adäquaten Reaktion gegenüber Trump fähig ist?
Er lacht ihn öffentlich aus.

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19 Kommentare zu Neulich aufm Bahnhofsklo

  1. OldFart sagt:

    Hinsichtlich des Kollateralschadens in Mossul fände ich es sehr interessant zu erfahren, ob es sich für die Opfer und Hinterbliebenen anders angefühlt hat, von einem unzivilisierten und ungebildeten Rüpel im Amt des POTUS in Freiheit und Demokratie gebombt zu werden, als von seinem untadelig kultivierten und friedensnobelpreisbehängten Vorgänger.

    Außerdem: gesetzt dem Fall, die Angehörigen des Attentäters von Machester würden ihr Bedauern ausdrücken und nachdrücklich betonen, daß die Sache ganz anders gedacht gewesen war und nur etwas außer Kontrolle ablief – wär dann wieder alles gut? Also ein gemeinsames “achso, na dann!” von Presse, Politik und Öffentlichkeit und das wars dann?

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  2. Pantoufle sagt:

    Moin OldFart

    Zu Punkt 1: Nein.

    Die Erwähnung von Punkt 2 habe ich mir zähneknirschend geschenkt. Der »Kampf gegen den weltweiten Terrorismus« hat mittlerweile Hunderttausende Menschenleben gekostet; je nach Gemüts- und Nachrichtenlage mal mehr und mal weniger bedauernswerte Tote. Man muß das nicht wiederholen.

    Nein, da ist ein anderer Punkt, der mich interessiert. Warum lassen die sich von diesem Clown auf der Nase herumtanzen? Man hätte annehmen können, daß es innerhalb der NATO noch einen kleinen Rest Selbstbewußtsein oder wenigstens theoretisch eine autarke Handlungsfähigkeit geben könnte. Wie sehr weicht das offizielle Bild des Ordnungssystems NATO tatsächlich von der eigenen Selbstdarstellung ab? Daß diese Art Ordnungssysteme ohnehin zerfallen, ist die eine Seite, über ihren tatsächlichen Zustand aber weiß man streng genommen nichts. Was mich überrascht hat, ist der Graben der sich auftut, wenn die politischen Geisterfahrer Europas sich Russland als finalen Feind auserkoren haben und jetzt auf jemanden treffen, der Weltpolitik, die Politik der Allianzen und gediegener Feindbilder, ausschließlich aus der Perspektive eines Krämers betrachtet. Eines Kleinkrämers – Mieder, Streichhölzer und Kurzwaren – aber eben nicht als Teil einer alten Allianz. Dessen strategische Interessen sich darauf beschränken, eine Mauer zwischen sich und Mexiko zu errichten. Und dessen wirtschaftliches Streben darin besteht, seine Waffensysteme an denjenigen zu verkaufen, der es sich leisten kann. Erst Riad und dann Brüssel. Den Vatikan vergessen wir mal eben – ein Tankstop.

    Wenn die Kriegsministerin v.d. Leyen seit geraumer Zeit davon träumte, daß deutsche Panzer wieder vor Moskau stehen, so hat dieser Wahn jedenfalls einen deutlichen Dämpfer bekommen. Sie hat nicht genug Geld für die Luftunterstützung. Im Gegensatz zu einigen Scheichtümern, die wiederum nicht an einer Belagerung Stalingrads interessiert sind. Daß ausgerechnet Saudi-Arabien nicht unbedingt die Speerspitze im Kampf gegen den IS darstellt: Geschenkt! Genau darum ging es eben nicht. Säumige Zahler – wie sehr aus der Luft gegriffen sich der Vorwurf immer darstellen mag -, markiert momentan die Grenzen des Engagements vom Hauptzahler der NATO. In dem Punkt ist der US-Präsident deutlich klarer im 21. Jahrhundert angekommen als Europa, dessen Ideen und Vorstellungen sich lustvoll an die 70er Jahre klammern. Intellektuell bewegt sich Trump damit auf dem Niveau anderer Kiosk-Besitzer. Es wäre verfehlt, eine wie auch immer geartete Leistung dahinter zu suchen. Aber diese Leichtigkeit, mit der sich europäische Großmachtsträume in Nebel auflösen können, überrascht dann doch. Und das alles mittels einer Stockpuppe ohne Manieren.

    Derjenige, der sich moderne Waffen leisten kann, führt keine Stellvertreterkriege. Er führt seine eigenen. Die Wohlstandsgesellschaften, die sich den Luxus der Stellvertreter bisher leisten konnten, haben Zahlungsschwierigkeiten. Die benötigten Streiter aus den eigenen Reihen zu rekrutieren – in einer Gesellschaft, in der die Grenze des persönlichen Risikos darin beseht, ohne Fallschirm auf eine Küchenleiter zu steigen… den Genuß von Biotomaten und fairem Kaffee nicht zu vergessen! Das alles riecht danach, daß die zukünftige Kernkompetenz der NATO darin bestehen könnte, die Küsten des Mittelmeeres zu bewachen. Eine Rolle, mit der sie bereits jetzt hoffnungslos überfordert ist, aber man wächst ja mit der Herausforderung.

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      “Warum lassen die sich von diesem Clown auf der Nase herumtanzen?”

      washington ist rom und der grösste geldgeber der NATO, 45 ist der POTUS, verrückt, narzistisch, machtgeil, dumm wie ne bürste und zeigt das auch offen. die USA sind nun mal mit ihrem militärapparat nach wie vor die einzige echte weltmacht und ein imperium. da will man sich besser nicht ernsthaft mit anlegen.

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  3. Pjotr56 sagt:

    Alles in allem einverstanden. Für meinen Geschmack kommt die Führungsriege der NATO, die begierig nach Trumps popeliger Hand greift, nur zu gut weg, denn die gesamte NATO ist seit der Auflösung des Warschauer Pakts 1991 nicht nur komplett überflüssig, sondern verantwortlich für eine ganze Reihe völkerrechtswidriger Angriffskriege. Wer derartig ekelerregenden Dreck am Stecken hat, der stört sich an dem klebrigen Popel an der Hand des POTUS nicht.

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  4. Pjotr56 sagt:

    Acht Fragen zu Trump & Co. – und acht halbwegs vernünftige Antworten:
    https://augenaufunddurch.net/2017/05/23/russiagate-whatevergate/

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  5. DasKleineTeilchen sagt:

    he obviously doesnt give a single fuck:

    “US-Präsident Donald Trump hatte offenbar kein Interesse daran, Gentilonis Ausführungen zu folgen. Während der Ansprache des Gastgebers trug Trump keine Kopfhörer für eine Simultanübersetzung. Gentiloni sprach auf Italienisch.”

    (and no; 45 doesnt speak italian, I checked that.)

    he just KNOWS, he can do what he want, even to piss the hosts right in their faces…

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    • Pantoufle sagt:

      Moin, kleines Teilchen

      Das ist genau der Punkt, an dem der ausgezeichnete Text vom Teusch in meinen Augen ein wenig krankt. Dieses unterschwellige »die Vernünftigeren werden sich schon irgendwann mäßigend bemerkbar machen.«

      Das, was uns als groteskes Kasperletheater erscheint, kommt bei den Rednecks unter Trumps Wählern ja vollkommen anders an. Die feiern ihn genau deswegen ab. Wenn er von seiner Tournee zurückkommt, mag das außenpolitisch ein Fiasko gewesen sein – die Fans aber werden sagen: »Denen hat er’s aber richtig gezeigt!« Was es dort zu sehen gab, hat sie schon bei der Wahl nicht interessiert, sonst wäre Trump unter »ferner liefen« gestrandet.
      Das wissen Trump und seine Schergen natürlich ganz genau. Deswegen wird beim Papst etwas auf die Bremse getreten (Religion, christlich, heilig, Wähler), während man es beim Italiener oder Deutschen ruhig etwas krachen lassen darf.

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      • DasKleineTeilchen sagt:

        “Dieses unterschwellige »die Vernünftigeren werden sich schon irgendwann mäßigend bemerkbar machen.” exakt. reinstes wunschdenken und wird nicht passieren.

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        • Pantoufle sagt:

          Föllich OT

          Ich lese, ich lese, aber ich finde es nicht: »Linkspartei weit von Regierungsfähigkeit entfernt!« Sacht Tommy Oppermann. Was ich aber nirgendwo in dem Artikel finde, ist der Hinweis »…und wir hamm Chulz!« Gehts noch weiter wech?

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        • DasKleineTeilchen sagt:

          aber immer!

          „The GMB union has suggested the failure could have been avoided, had the airline not outsourced its IT work.

          BritishAirways denied the claim, saying: „We would never compromise the integrity and security of our IT systems“.

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      • DasKleineTeilchen sagt:

        falsha battn.

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  6. OldFart sagt:

    Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, daß die schlimmsten Menschenschinder und Verbrecher wie KZ-Wächter, Nazi-Richter und die Strategen des globalen Staatsterrors und des Neoliberalismus immer ein biblisches Alter erreichen und friedlich entschlummern – während all unsere Lieblinge und Sympathieträger schon in einem Alter dahinscheiden, das nach aktueller Lage nur knappst über das uns zubemessene Renteneintrittsalter hinausgeht?

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