Neues aus der Mottenkiste

Diesmal: Die deutsche Sprache ins Grundgesetz – mal wieder. Letzten Montag (21.2.11) traf man sich im Bundestag zur Konferenz „Sprache ist Heimat“. Volker Kauder, Norbert Lammer, Wolfgang Börnsen (alle CDU) und andere pusteten wieder einmal in die deutsche Leitkultur-Trompete.

Die geladenen Gastredner (u.a. Herta Müller und Helmuth Karasek) waren redlich bemüht, diesen Unsinn als solchen zu entlarven. Soweit, so schlecht.

Alleine die Vorstellung, daß deutsche Politiker mit ihrem orwellschen Neusprech, mit dem sie sich ans Volk, das doofe, wenden, sich als Hüter der deutschen Sprache aufspielen, empfinde ich als blanken Hohn. Die Argumentationsdecke für diese Ideen ist dann auch denkbar dünn. Das immer wiederkehrende Argument von rein deutschsprachigen Pausenhöfen von Schulen oder dem Vorantreiben von Deutsch als Wissenschaftssprache verrät, daß man wohl selber nicht genau weiß, was das eigentlich soll. Deshalb an dieser Stelle einige Hinweise von mir an die Adresse von Volker Kauder & Co :

Deutsch ist bereits die Amtssprache in Deutschland. Jeder, der einmal auf einer Behörde ein deutschsprachiges Formular ausfüllen musste, hat das schmerzlich erfahren.

Art. 3 Absatz 3 GG :

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

So, damit wäre ja eigentlich alles gesagt! Natürlich würde ich mir wünschen, daß alle anderssprachigen Gäste in unserem Land nach einiger Zeit deutsch lernen würden – es vereinfacht die Kommunikation – aber einen Rechtsanspruch braucht es nicht.

Wer denn die deutsche Sprache auf internationalem Parkett, in Politik und Wissenschaft stärken möchte, der verzichte doch bitte auf so peinliche Auftritte wie Guido Westerwelle nach der letzten Bundestagswahl, als er auf (englischsprachige) Fragen von BBC Reportern mit „…es ist Deutschland hier…“ antwortete – natürlich auf deutsch oder dem, was er dafür hielt.

Auch die Aussage auf diesem Kongress der Vorsitzenden des Bundestags-Kulturausschusses Monika Grütters, daß Bundespräsident Christian Wulff sich in die Gästebücher im Ausland auf deutsch statt in der jeweiligen Landessprache eintragen solle, ist eher kontraproduktiv.

Daß die deutsche Sprache Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Bereich der Wissenschaft eine so große Bedeutung hatte, lag an der Qualität der Veröffentlichungen – nicht am Gesetzesrang der Sprache.

Respekt kann man nicht erwarten: Man muß ihn sich verdienen

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