Nachwuchs-Autoren

Die sehr geschätzten 42er Autoren haben vor Jahr und Tag einmal versucht, die untere Grenze dessen auszuloten, was man als Manuskript bei einem Verlag zur Veröffentlichung unterbringen kann. Den drei Autoren Tom Liehr, Michael Janßen und Michael Höfler ging es bei diesem Experiment darum, die Fragwürdigkeit sogenannter Zuschußverlage offenzulegen, die jungen Möchtegern-Autoren mit vollmundigen Versprechen das Geld aus der Tasche ziehen.
Die Schriftsteller („Es ist extrem schwer, schlecht zu schreiben“) schickten ein ca. achthundertseitiges Exposé eines fiktiven Rico Beutlich an verschiedene Verlage, deren Lektoren dem „Werk“ eine goldene Zukunft verhießen.

So antwortete die Deutsche Literaturgesellschaft, die Lektorenkonferenz und Verlagsleitung würden eine Veröffentlichung befürworten. Rico könnte für schlappe 8.119,11€ für die Taschenbuchausgabe mit einer Veröffentlichung rechnen – gebunden wären es dann 16.687,28€.

Leseprobe (ohgottohgott: das Uhrheberrecht!!!!) :

„Kevin-Lukas wachte auf. Und er kuckte aus den Fenster und was er da sah war auch nicht gut, alles voll Regen. Grosse Tropfen, kleine Tropfen und dazu sehr viele mittelgroße Tropfen sind auch da … Ziemlich nass die Sache.“

All denjenigen, die diese Geschichte noch nicht kennen, sei dringend geraten, sich das anzusehen. Vorzugsweise an einem verregneten Sonntag – es rettet ihn: Rico Beutlich!

Die Sache ist nun vier Jahre her, aber die Situation hat sich offenbar nicht geändert. Anders ist es kaum zu erklären, wie einige Manuskripte die gedruckte Form erreichen. Oder kann sich jemand erklären, warum man die Biographie einer 27jährigen kaufen sollte? Nein, sie ist nicht Überlebende eines Schiffsuntergangs oder unheilbar krank, sondern hat ihre Jugend vor einem Computer-Bildschirm verbracht – womit ihre Lebenserfahrung auch schon hinreichend beschrieben wäre.
Nein, keine manische Leseratte oder vollsinniger Mensch würde so etwas anfassen. Genau so wenig wie die Memoiren einer biederen Hausfrau, die dort auf ihren Erlebnissen mit einem Bademeister Rettungsschwimmer in epischer Form herumreitet.

Und trotzdem existieren diese Bücher. Mehr noch: Die Autoren brauchten keinen Pfennig für die Veröffentlichung zu bezahlen – sie wurden sogar bezahlt. Das Küken mit den Computern immerhin mit 100.000€ Vorschuss. Da sich beim Lesen des Werks sofort der Gedanke an eine Neuauflage von „Kevin-Lukas“ aufdrängt, sucht man Gründe für die Veröffentlichung. Bei der Hausfrau sieht es wenigstens textseitig etwas besser aus, da man dort auf professionelle Hilfe beim Schreiben zurückgriff – wenn sich auch inhaltlich Abgründe auftun.

Warum also diese Bücher?

Nun, die Hausfrau ist (noch?) verheiratet mit einem ehemaligen Bundespräsidenten, der seine Karriere im Schnelldurchlauf erledigte, die andere Hinterbänklerin der dritten Garnitur bei der Piratenpartei. Damit ist vordergründig erklärt, wie es zur Veröffentlichung kam. Und jetzt wird es noch komplizierter: Während man das Buch der Hausfrau mittlerweile kostenlos aus dem Internetz herunterladen kann, ist die unerlaubte Vervielfältigung – vulgo: der Download – des Machwerks vom Küken verboten.

Der Zusammenhang von Piratenpartei und verbotenem Download ist amüsant – der von der Höhe des Vorschusses und des Verlages nicht. Der Verlag scheint bei der Veröffentlichung andere Parameter im Auge gehabt zu haben. Bertelsmann und die Piraten? Sollte man sich etwa für vergleichsweise bescheidene 100.000€ eine Lenkwaffe gegen diese Partei gekauft haben?
Bei der Hausfrau dagegen spielt Geld mittlerweile keine Rolle mehr: Es ist nur wichtig, das der Schmu die größtmögliche Verbreitung findet, um den Gatten zu kompromittieren. Ging die Initiative dazu vom Verlag aus oder gab es interessierte Kreise, die ihre Beziehungen spielen ließen?

All das aber sind absurde Verschwörungstheorien, die ein Qualitätsmedium wie die Schrottpresse nicht in die Welt setzen würde. Was aber hinreichend wiederlegt ist, ist die Behauptung, daß es “extrem schwer ist, schlecht zu schreiben”.
Deswegen ist der Artikel jetzt auch beendet.

Leider ist es wohl tatsächlich so: Rivva

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0 Kommentare zu Nachwuchs-Autoren

  1. Der Emil sagt:

    Auch den “Feuchtgebietem” habe ich mich verweigert (gut, ins Hörbuch hatte ich reingehört, aber nach drei Minuten war die Sache vergessen). Das eine hier genannte Werk hatte ich als PDF – die Betonung liegt auf HATTE – nach Seite 8 wurde es nach /dev/nul verschoben-

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  2. “Nachwuchsautoren”? Das kucke ich mir mal “interessiert” an 😀 Es wird eh zuviel gelabert …

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