Nachrichtendienstlicher Fallout

Nun ist die Schrottpresse nicht gerade das Fachmagazin für Neues aus der Wehrtechnik, aber an dieser Nachricht kann man schlecht vorbeigehen.
Natürlich hat die NSA nicht nur das Mobiltelephon der Kanzlerin© abgehört sondern auch das anderer Politiker und Staatsoberhäupter. Unter anderem auch das der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. Das hat nun bei der Beschaffung neuer Kampfjets für die Força Aérea Brasileira, der örtlichen Luftwaffe, zu einer Änderung ihrer Beschaffungspolitik geführt.

Die immerhin größten Luftstreitkräfte Südamerikas entschlossen sich nach über einem Jahrzehnt Verhandlungen über einen Nachfolger der in die Jahre gekommenen Dassault Mirage 2000 überraschend für die schwedische Saab JAS 39 Gripen. Eigentlich galt der Deal mit dem US-Konzern Boeing und seiner F-18 Super Hornet als sicher, wenn auch noch die französische Dassault Rafale wenigstens im Gespräch war.
Dieser Handel ist jetzt offenbar geplatzt. »Das NSA-Problem hat es den Amerikanern verdorben«, so ein brasilianischer Regierungs-Insider.
36 schwedische Gripen NG sollen es nun sein – hübsch verpackt und mit allem Drum und Dran – für nicht mal 4,5 Millarden US-Dollar. Das ist ein Betrag, bei dem auch Boeing schluckt. Aus Kreisen des Rüstungsgiganten kommen dann auch Fragen nach dem Wert der Spionageergebnisse der NSA: »War das vier Milliarden Dollar wert?«

Die Frage könnte lauter werden. Der neu entstandene Markt für Drohnen könnte ebenso leiden. Der Verdacht, daß in der Software dieser Waffensysteme passende Hintertüren für NSA und/oder US-Militär eingebaut sind, kam schon bei den für Deutschland vorgesehenen Euro-Hawk auf; es gab unter anderem dazu bereits eine kleine Anfrage der Partei DIE LINKE am 13.5.13.
Dieselben »Hintertüren« wären selbstverständlich für jede Art Elektronik denkbar: Seien das Waffensteuerung oder Avionik. Das Flugzeug schießt nicht mehr oder hebt gar nicht erst vom Boden ab. Das massive Aufrüstungsprogramm der USA im nahen Osten legt solche Notbremsen nahe, vor allem, wenn zwischen Vertragsabschluß und Lieferung die Regierungen der Kunden mehrfach wechseln können.

Einige Armeen in der Welt werden sich fragen, ob die USA wirklich die besten Verbündeten sind, die man sich wünschen sollte – und treffen mit dieser Frage den Nerv, der am empfindlichsten reagiert: Den des Geldes.

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0 Kommentare zu Nachrichtendienstlicher Fallout

  1. gnaddrig sagt:

    Recht so, Brasilien! Man sollte sich nicht allzuoft die Butter vom Brot nehmen lassen, und wer es doch versucht verdient sich was auf die Finger.

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    • pantoufle sagt:

      Na ja: Es ist nur das Militär, aber der Tarif hat schon mal was.

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      • gnaddrig sagt:

        Absolut. Und wenn jemand es schafft, den Schnüfflern und ihrer Dienstherrschaft deutlich zu machen, dass das so nicht geht und vor allem nicht einfach als unvermeidlich akzeptiert wird, ist das grundsätzlich begrüßenswert. Und ein Deal von 4,5 Milliarden USD ist tatsächlich nicht mehr Portokasse, das tut schon weh.

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  2. Der Duderich sagt:

    Ich gehe mal davon aus (denke mal, dass ist gar nicht so off-Topic) dass die Absatzzahlen der X-Box one unter anderem daran leiden, dass der Hersteller Microsoft ist und dieses Teil mit Überwachungstechnologie (Kamera, Mikrofon) ausgerüstet ist. Es ist davon auszugehen, dass bei einem wie auch immer begründeten Anfangsverdacht ein Datentransfer zwischen Microsoft und Geheimdiensten bereits ausgehandelt ist. So könnten Verdächtige (und Oppositionelle) schön auf ihrem Sofa gefilmt und belauscht werden – während diese sich in häuslichen Schutz wähnen. Eine Masturbationsphantasie aller Geheimdienste und Weltenlenker.
    Nachtigall, ik hör Dir tropsen!

    Grüße, Dude

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  3. pantoufle sagt:

    Wenn es nur das letzte Gran war, das zu dieser Entscheidung geführt hat, solls mir recht sein.
    Wir werden uns wohl öfter fragen müssen, was die ach so praktischen kleinen Helferlein im Haushalt so weitermelden. Fefe hat dafür neulich auf einen Wiki verlinkt. Mitmachen ist möglich.
    Gruß
    das Pantoufle

    Nachtrag: es ist mir sowieso mehr als schleierhaft, wie man sich als vollsinniger Mensch eine Kamerera mit Internetverbindung freiwillig ins Wohnzimmer stellt. Da braucht man keinen Geheimdienst, um dem Missbrauch Tür und Tor zu öffnen.

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  4. opalkatze sagt:

    Das Fachorgan wäre http://augengeradeaus.net/, und über den Gripen findste jM in der NZZ.

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  5. pantoufle sagt:

    Moin Katze
    Die NZZ hatte ich schon auf dem Schirm, sie kommt allerdings nicht direkt als Quelle vor, weil es da doch sehr um die Schweizer Baustelle geht. Die Schweizer sind – nicht nur was die Beschaffungsmodalitäten betrifft – ein schwieriger Kunde. Die haben noch keinen Jet in ihrer Geschichte bestellt, den sie nicht nach ganz eigenen Vorstellungen modifizieren ließen. Bis ein Jet in der Schweiz fliegt, ist er im Rest der Welt veraltet. Und dort war er auch niemals so rasend teuer wie hinter den Bergen.
    … was bei der aktuellen und historischen Bedrohungslage der Schweiz aber auch nicht so entscheident ist.

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