Na, wie war denn Ihr Sonntag so?

Hachgottchen: Ist das alles wieder aufregend! Angela Merkel kandidiert wieder. Die Kanzlerin, die einzige, die alternativlose Retterin des Abendlandes wie wir es kennen. Zwar hat sie und ihresgleichen all diejenigen schon lange abgehängt die sie 2017 wählen sollen, aber was soll’s? Die kennt man wenigstens noch und weiß was man erwarten kann. Im Gegensatz zu Trump, dem Donald, dem unbekannten aus den US of A.

Sie wird also wieder sternengleiche Kanzlerin wie Steinmeier Bundespräsident wird. Freunde, Leute, Landsleute: Genießt diese Wahl – es wird die letzte sein, die im alten Schunkelrythmus passiert. Danach ist Schicht im Schacht. Dann wird AFD oder irgend eine andere Partei von Deppen und hemmungslosen Faschisten in das Bett springen, das man ihnen jetzt bereitet. Ein Schwanengesang ist das, was wir gerade hören. Trump hat es vorgemacht und die interessierten Kreise haben den Text des Liedes verstanden. Obama hat die Kanzlerin deswegen gelobt, weil sie sich an den Mast des Schiffes binden ließ im Gegensatz zu Söder, Seehofer und Herrmann, die ihr Wachs aus den Ohren prokeln .

Komm, preisvoller Odysseus, du großer Ruhm der Achäer,
Lenke dein Schiff ans Land und horche unserer Stimme.
Denn hier fuhr noch keiner im schwarzen Schiffe vorüber,
Eh’ er dem süßen Gesang gelauscht aus unserem Munde,
Dann aber scheidet er wieder, beglückt, und weiß um ein Neues,
Denn wir wissen alles, was je im Felde von Troja
Die Achäer und Troer vom Rat der Götter geduldet,
Wissen, was irgend geschieht auf der vielernährenden Erde!

Das passt, das passt! Chabos wissen wer der Babo ist! Ach, und überhaupt: Florian Kohlweg, der pickeligelgesichtiger AFD-Chef im Landkreis Kassel, ist bei einer Feier (?) angegriffen worden. Zwei Kopfnüsse hat er kassiert und ist vorsichtshalber erst mal ins Krankenhaus gegangen. Verdacht auf eine leichte Gehirnerschütterung. Als wenn es da übermäßig viel zu erschüttern gäbe. Horst Wessels Traum, er kennt den Angreifer – den aus dem linken Spektrum. Märtyrer der Bewegung: Hoffentlich ist der behandelnde Arzt nicht Jude oder – noch schlimmer – Syrer.
Also hör mal zu, Du kleiner Pisser. (Nichts für ungut: Ich darf Dich doch so nennen, gefühlte 40 Jahre älter als Du?) Jede Vorschulgang aus Ludwigslust zwischen Sport in der letzten Stunde und Mittagessen bei Mami ist härter als Du. Kopfnüsse und es floß nicht einmal Blut? Aus »heiterem Himmel« hast Du die verdienten Kopfnüsse bezogen und nicht zurückgeschlagen? Beim Zuhälter Wessel gab’s wenigstens noch Kugeln und eine Leiche. Oh Zeiten, oh Sitten! Ja, da singe ich doch ein Liedlein, ein aufrichtendes!

Die Straße frei
Den braunen Bataillonen
Die Straße frei
Dem Sturmabteilungsmann!
Es schau’n aufs Hakenkreuz voll Hoffnung schon Millionen
Der Tag der Freiheit
Und für Brot bricht an«

Und den Attentäter aus dem »linken Spektrum«, den bewahren wir uns für die Zeit nach der Machtergreifung auf. So macht man das doch bei Euch.

Link via Doctor’s Gedanken

Aodhán O’Riordáin, Ire, Labour Party, Industrial and Commercial Panel. Link via daMax

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13 Kommentare zu Na, wie war denn Ihr Sonntag so?

  1. Publicviewer sagt:

    Da hab ich was:
    „War einmal ein Revoluzzer
    im Zivilstand Lampenputzer;
    ging im Revoluzzerschritt
    mit den Revoluzzern mit. Und er schrie: ‚Ich revolüzze!‘
    Und die Revolüzzermütze
    schob er auf das linke Ohr,
    kam sich höchst gefährlich vor.“

    Erich Mühsam

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  2. Thelonious sagt:

    Herr Lapuente schreibt über den 18. Brumaire und verlinkt auf das Angebot von Amazon. Die einzige Kundenbewertung soll hier festgehalten werden: “ich habe das Buch zurückgeschickt, weil es unmöglich zu lesen war. Es hätte für die Schule sein sollen, ich habe mich dann aber für ein leichteres entschieden”

    Noch Fragen?

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    • OldFart sagt:

      Ich gebe hier jetzt mal den Versteher: Die Rezensentin meint mit “schwer zu lesen” bestimmt, daß der Druck irgendwie nix taugt. An Druckerschwärze gespart, zu geringer Kontrast, hatte ich auch schon. Und mit “etwas Leichteres” meint sie sicher nur die schiere Masse des Buchs. Die kann je nach Ausführung von 180 bis 300 Gramm rangieren. Das ist wortwörtlich untragbar in einer Schultasche. Schwerer als ein Handy? Das geht ja gar nicht!

      Ich verweigere mich kategorisch jeder anderen Erklärung. Alles andere wäre, bruhahaha, ogottogott – nein, besser nicht drüber nachdenken. Ich sags mal so: das Ergebnis wäre meiner eh schon derangierten Meinung über die Leut’ nicht zuträglich.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin Thelonious

      Lapuente. Lange nicht mehr gelesen (nicht wertend). Das habe ich jetzt mal nachgeholt. »Man sollte sich dieser Tage ein bisschen mehr mit dem Bonapartismus beschäftigen. Und dafür etwas weniger mit dem Faschismus.«

      Ich weiß nicht, womit man sich gerade beschäftigen soll. Ein gutes Buch lesen ist sicherlich nicht die schlechteste Lösung. Bei mir war’s gestern Nacht die Odyssee. Das Bedürfnis nach einer ganz neuen (oder uralten) Theorie hatte ich jedenfalls nicht. Mein Bedürfnis nach Theorien ist ohnehin ziemlich gedeckt. Jörn Schütrumpf schreibt im Blättchen »Trumps Wahlsieg ließ lediglich die Computersimulation von einer heilen Welt zusammenbrechen und eröffnet nun den Blick auf die reale Szene.« Und die stellt sich so ganz anders dar als es die linken Theoretiker gerne hätten. Es ist die »falsche« Seite, die aufbegehrt. Die auf der »richtigen« Seite sind dermaßen mit ihren aufgesetzten Wertediskussionen beschäftigt, daß der Staub den sie aufwirbeln, sich längst als undurchsichtiger Dunstschleier vor die tatsächlichen Probleme gesetzt hat. Die lebenslängliche Beschäftigung mit N-Worten, Gender oder Biogemüse hat zwar zu einem regen Vereinsleben geführt, eine »Politisierung der Massen« allerdings nachhaltig verhindert; das war wohl auch die Absicht dahinter. Es ist kein »Gefühl« sozial und wirtschaftlich abgehängt zu werden, sondern Realität. Wer das am lautesten sagt, gewinnt. Dafür braucht man keinerlei theoretischen Unterbau.

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  3. Beim fast regierungsamtlichen Verlautbarungsorgan Tagesschau.de las ich letztens die nicht humoristisch gemeinte Schlagzeile: “CDU wirbt um “Modernisierungsverlierer.” Man wird doch wohl nicht Hartz IV und die unmenschlichen Sanktionen abschaffen, den Billiglohnsektor austrocknen, den Mindestlohn um zehn Euro heraufsetzen? Nö, schon die Ankündigung, dass man sich um die Opfer der eigenen Politik kümmern will, muss reichen, denken die mit den Bohnen in den Ohren. Solange man dort noch glaubt, die Wörter “Modernisierung” und “Reform” stünden alternativlos für Privatisierung des öffentlichen Eigentums und Verschlechterung der Sozialleistungen und es gäbe nur ein Vermittlungsproblem, man müsse den Leuten nur die Notwendigkeit solcher Maßnahmen besser erklären, ist dieses Werben eine Lachnummer.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin Jules
      Ich weiß gar nicht, was Du hast! Die hauen doch richtig in die Vollen:

      »Weil wir das Ziel haben, dass sich die Ereignisse des vergangenen Jahres nicht wiederholen dürfen, haben wir alle diese Maßnahmen innerhalb kurzer Zeit ergriffen und werden, falls die Situation es verlangt, weitere erforderliche Maßnahmen beschließen.«

      Da bleibt doch keine Frage offen und kein Auge trocken! Da passiert endlich mal richtig was. Maßnahmen ergreifen und wenn erforderlich weitere Maßnahmen ergreifen.

      Man muß nicht einmal der AFD nahestehen, um das sinnentleerte Herausposaunen von solchen Sprachhülsen erbärmlich zu finden. Allein das Wort Modernisierungsverlierer ist die eingestandene Niederlage der kommerziellen Begriffserfinder; für die user-experience eines vollendeten Wahlerlebnis schalten Sie bitte sämtliche Sinne ab.

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  4. Pantoufle sagt:

    Mal eben was ganz anderes: Mag hier jemand die 80er? Ich hab da ein Video von dem leider viel zu früh verstorbenen Kevin Gilbert und seiner Band Toy Matinee.

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    • Der Duderich sagt:

      Mann, das ist jetzt aber ECHT mal off topic!

      😛

      P.S.: Und erinnere mich bitte nicht mehr an die 80er! Da trug ich neongiftgrün farbende Netz(!)-Muscel(!)-Shirts! Und zwar OHNE selbstironische Brechung.
      Ich versuche seit 30 Jahren, das zu verdrängen…

      Uff, das ist ja jetzt OT zu OT!

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      • DasKleineTeilchen sagt:

        schreiend orangefarbene stretch-jeans, die die primären sexualorgane beider geschlechter en detail als skulptur jedem präsentierte, der das nicht sehen wollte.

        tröste dich, du bist nicht alleine…

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  5. DasKleineTeilchen sagt:

    “…die Kanzlerin deswegen gelobt, weil sie sich an den Mast des Schiffes binden ließ.”

    exakt. bock hat “DerZustand” nämlich nicht im geringsten, I can tell.

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  6. tikerscherk sagt:

    Moin Pantoufle; Ich sag nur: Totensonntag.

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