Na? Und wie war Euer Wochenende?

(Die Überschrift ist nur eine kleine Gifterei an Kumpel da/vax)
Der Think-Tank der Schrottpresse (»ost-westlicher Ivan«), bestehend aus Redaktionskampfhund Oskar und Pantoufle, legte eine kontemplative Meditation über das ein, was einem so alles als »Nachricht« verkauft wird.

»Selbst in Russland werden Wahlen nicht so plump gefälscht wie in der Ostukraine. Interessant ist daher nicht, welches Ergebnis verkündet wird, sondern eher, was Putin als Nächstes tut.«

Diesen Absatz kann man kaum anders verstehen, als daß Putin diese Wahl höchstpersönlich initiiert hat. Eigenartig. Am Freitag klag das noch so:

»USA werfen Putin mangelnde Einflussnahme vor – Russlands Präsident hatte gefordert, die Abstimmung der Separatisten in der Ostukraine zu verschieben«

Was so ein unpassendes Wahlergebnis alles an Schlagzeilen hervorbringt? Das schreit natürlich nach einer unmißverständlichen Reaktion der freiheitlichen Kräfte des Westens:

»Die EU-Außenminister beraten am Vormittag über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland.«

Die Übergangsregierung in Kiew meldet sich natürlich ebenfalls. Präsidialamtschef Sergej Paschinski:

»Das ist nichts anderes als eine Informationskampagne, um Verbrechen zu vertuschen.«

Womit man den Boden sprachlich erfassbarer Inhalte endgültig verlassen hätte.

Kommen wir also besser wieder auf den Boden klarer Worte und simpler Sachverhalte zurück. Wer wäre dafür nicht besser geeignet als ein General – als Militär natürlicher Feind komplexer Zusammenhänge:

»Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove forderte Putin zum Abzug seiner Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine auf und stellte der Ukraine unter Umständen einen Nato-Beitritt in Aussicht. “Natürlich ist es an der Ukraine zu entscheiden, ob sie sich der Nato anschließen möchte”, sagte der US-General gegenüber der Bild-Zeitung. “Wir zwingen niemanden beizutreten.”«

Verständlich, daß der wackere Soldat lieber den ganzen Kuchen ohne Pufferzone zur Krim oder der russischen Grenze überhaupt hätte. Aber wie er schon betont: Gezwungen wird niemand! Und eine Osterweiterung der NATO über die Grenzen der ehemaligen DDR hinaus wird es auf keinen Fall geben. Um der Sache etwas Schwung zu verleihen und den Entscheidungsprozeß voranzutreiben, setzt man bis auf weiteres auf irreguläre Söldnertruppen des bewährten Anbieters Academi (ehm. Blackwater). Diese auf Seiten der ukrainischen Regierung kämpfenden Marodeure sind sicherlich Garant dafür, dem nächsten Referendum etwas mehr Rechtsstaatlichkeit zu verleihen.

Daß das Referendum der Separatisten unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten eine Farce war, ist die eine Sache. Es waren unter anderem keine OSZE-Beobachter vor Ort – was man aus westlicher Sicht im Moment allerdings nur sehr, sehr leise bedauern kann. (BTW: Was ist eigentlich mit den Amateurspionen unter dem Deckmäntelchen OSZE, die man gerade wieder zurückerhielt? Da ist so eine eigenartige Funkstille.)
Das Zustandekommen des Referendums zeigt auch eines: Die Grenzen des angeblichen Einflusses Moskaus, genau wie die Sinnlosigkeit, diesen eigentlich regionalen Konflikt auf einen Generalangriff gegen Russland umzumünzen. Man sollte dieses Abstimmungsergebnis nicht als Loslösung von der Ukraine begreifen, sondern als – durchaus demokratisches – Bestehen auf einem Selbstbestimmungsrecht, als Ruf nach einer überfälligen Föderalisierung.

Der Westen hat in der Vergangenheit schon weitaus plumpere Wahlfälschungen als demokratisch und rechtsstaatlich legitimiert: In diesem Fall ist es eine Warnung, sich endlich mit den regionalen Problemen auseinanderzusetzen. Es sind eben nicht pauschal von Russland gesteuerte Terroristen und Kriminelle, die der Regierung in Kiew misstrauen. Die Erkenntnis mag unerwünscht sein, aber sie diskreditiert endgültig das Bestreben Kiews, den Konflikt durch einen Bürgerkrieg zu lösen – als wäre das überhaupt jemals eine Option gewesen!

Wenn Russland nun das Misstrauensvotum gegen Kiew als Wille des Volkes respektiert, sollte sich die EU dieser Sichtweise anschließen. Es kostet und verpflichtet zu nichts. Es böte aber die Möglichkeit einer wenigstens vorläufigen Entspannung und wäre erheblich konstruktiver als weitere Kontosperrungen und Einreiseverbote gegen Russland zu verhängen. Das interessiert nicht nur in der Ostukraine niemanden.

Das wirkliche Problem ist eine vollkommen hysterisch aus dem Ruder gelaufene ukrainische Übergangsregierung. Unter den gegebenen Bedingungen haben die vorgesehenen Präsidentschaftswahlen am 25. Mai dieselbe Legitimation wie das Referendum in der Ostukraine: Gar keine!

 

Über das Referendum auf Heise.de: LINK

P.S. UND WENN ICH JETZT NOCH EINEN VOLLBART IM ABENDKLEIDFUMMEL SEHE, RASTE ICH AUS!!!!

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0 Kommentare zu Na? Und wie war Euer Wochenende?

  1. Der Emil sagt:

    Ich könnte Dir da ein Bild von mir schicken 😉

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  2. piet sagt:

    Referenden sind mir Wurst.

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  3. pantoufle sagt:

    *leises, aber sehr nervöses mit den Fingern auf der Tischplatte tippen.*

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  4. Juri2013 sagt:

    liebes pantoufle

    mir ist auch daran gelegen, das erkannt wird, welche aufgabe diese wurst hat – aber anscheinend ist der entmenschlichung kein einhalt zu gebieten. jede synapse muss verwirrt und kontrolliert sein(getriggert). mein trigger sitzt ähnlich locker wenn ich das alles so verfolge.

    nur kenne ich meine ziele zu genau, alle binsenweisheiten helfen nicht mehr weiter – ich will am liebsten nur schrauben und weiter(durch)fahren…

    Oskar eine gute Gesundheit wünsch,

    danke,
    Juri2013

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