Moin allerseits

Ein hübsches Fundstück bei der Grillratte

Ein hübsches Fundstück bei der Grillratte

Eine Entschuldigung – hier stand lange nichts Neues und auch jetzt stehts hier nicht. Angedeutet hatte ich es ja bereits: Ich bin wieder weg von Zuhause und verdiene mein Brot mit einem neuerlichen Ausbruch von Schwachsinn einiger Werbetreibender. Ein hartes Brot, ein ödes Brot und Zeit zum Schreiben bleibt eben kaum bis gar nicht.
Das wenig »Internetgucken«, zu dem ich komme, ist auch nicht zur Motivation geeignet. Geht es mir alleine so oder ist im Moment eine gewisse Öde angesagt? An der Nachrichtenlage kann es nicht liegen; alles ist so übelkeitserregend wie immer. Wenn auch die ganz großen Katastrophen ausstehen… kommt noch, kommt noch.
Nichts habe ich mitbekommen: Der Tag der deutschen Einheit war wohl gerade und der Militärseelensorger hat seine übliche blecherne Rede gehalten. Warum fällt mir beim Anblick dieses Bundespräsidenten immer das Synonym »robustes Mandat« ein? Bei Flatter war die Rede im Wortlaut verlinkt; der Versuch, sie zu lesen endete nach 30 Sekunden. Die Zeit ist mir zu schade.

Den Fabian von Kästner habe ich gerade beendet, jetzt ist Manns Mephisto dran. Am Kästner kaue ich aber insgeheim noch. Das war schwer zu lesen – einerseits eine gehörige Portion Neid auf diese große Kunst und das saubere Handwerk Kästners, auf der anderen eine Enttäuschung, daß da jemand so schreibt, wie man immer selber mal wollte… Viel zu kurz war das Buch. Warum habe ich das eigentlich nicht früher gelesen? Ausgerechnet um dieses Buch hatte ich einen Bogen gemacht.
Aber wie man sicher merkt: Dieses Werk habe ich persönlich genommen. Stilistisch und inhaltlich.
Was für ein Könner!

Der Julius Streicher der Blogsphäre verspritzt sein Gift ungehemmter denn je: Der Troll »Der Herr Karl« läuft ja gerade zu Hochform auf – jedenfalls bezüglich seiner Lautstärke. Inhaltlich schwer zu unterbieten – dagegen ist PI ja geradezu Volkshochschule. Der hätte seinen Blog »Ziegenhodensuppe« nennen sollen – der Name war nur schon vergeben. »Der Stürmer« auch.
Widerwärtig.

Auf dem Nachttisch liegt auch noch »Die Verwirrungen des Zöglings Törleß« von Musil. Vielleicht ziehe ich das dem Klaus Mann erst einmal vor. Oder auch nicht.
Im Moment lese ich und mag nicht schreiben. Es ist das Einzige, was ich in dieser Ödnis noch kann. Mit einer Entschuldigung an meine Leser verbleibt
das Pantoufle

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0 Kommentare zu Moin allerseits

  1. Der Fabian ist ein Kleinod. (Ich hab ihn auch später als alle anderen Bücher des verehrten Herrn Kästner gelesen – keine Ahnung, warum.)
    Übersteh deine Tour und lies den Musil zuerst 🙂

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  2. pantoufle sagt:

    Moin, Susanne
    Fabian – genauer gesagt: »Der Gang vor die Hunde«. Ein schönes Hardcover vom Atrium-Verlag, guter Druck und ordentliches Papier. Ich hatte eigentlich kein Geld mehr, aber dann habe ich es mir im wahrsten Sinne vom Munde weggekauft.
    Einen Freund wie den Labude hätte ich selber gerne; ich wollte mir mal einen schreiben, den ich Cleeverbeck nannte, aber das ist etwas anderes. Weiter weg als von Labude kann man hier gar nicht sein. Es ist nervtötend geistlos und stumpf. Nicht einmal das Gewerbe beherrscht man. Den Mangel an Intellektualität könnte man ja noch ertragen, aber dann auch noch den am Handwerk… Es ist schon recht scheußlich.
    Den Mephisto habe ich beiseite gelegt. Routiniert und – wie sagte Tucholsky so schön: »Sauber in der Tendenz«. Sicherlich ein großer Roman, aber er hat etwas von Brötchenarbeit. Es ist so unruhig, er will mit jeder Zeile gefallen.
    Mal sehen, das Erstlingswerk des Musil. Die ersten Seiten sind schon ganz hübsch, aber nicht so ein Schock wie Kästner. Gott sei Dank. Ein Buch dieser Couleur pro Jahr reicht 🙂

    Eine schöne Woche noch wünscht Dir
    das Pantoufle

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  3. tikerscherk sagt:

    Mir scheint ich komme um den Kästner nicht herum. Vielleicht erhellt es die düstere Ödnis der Vorkatastrophenruhe.
    Wünsche, trotz allem, eine schöne Woche.

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  4. Stony sagt:

    Es ist nervtötend geistlos und stumpf. Nicht einmal das Gewerbe beherrscht man. Den Mangel an Intellektualität könnte man ja noch ertragen, aber dann auch noch den am Handwerk… Es ist schon recht scheußlich.

    Du beschreibst meinen Arbeitsalltag! -.-

    Den Törleß fand ich Anfangs etwas fad, mit der Zeit nahm es allerdings ordentlich Fahrt auf, die Erzählungs wuchs mit ihrem Protagonisten. Nachdem ich es ausgelesen hatte, eilte ich in die nächste kleine Buchhandlung und erstand den Mann ohne Eigenschaften – dessen tausend Seiten indes waren zu viel des Guten, zumindest was den Rest des Wochenendes betraff. Einen gewissen Suchtfaktor hat er schon, der Musil. Wobei man seiner umworteten Zeit doch etwas abgewinnen (können) muß.

    Apropos: hast Du eigentlich ausschließlich deutschsprachige Autoren auf Deiner Leseliste, oder durchläufst Du nur gerade eine Phase?

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    • pantoufle sagt:

      Moin Stony
      »Du beschreibst meinen Arbeitsalltag! -.-«. Das tut mir ehrlich leid – bei mir ist so eine Nummer die Ausnahme. Normalerweise habe ich einen schönen und anregenden Job… mit den üblichen Aussetzern: Diesem zum Beispiel!

      Den Mann ohne Eigenschaften habe ich ziemlich verschlungen – aber auch nicht an einem Wochenende. Der Törleß stand schon seit Längerem auf der Liste.

      Nö, eine Phase ist das nicht. Deutschsprachige Literatur und die russischen Klassiker (die ich bedauerlicherweise allerdings nicht im Original lesen kann) sind Programm.
      Da ich seelisch ohnehin mehr im 19. und dem frühen 20. Jahrhunderts beheimatet bin, habe ich eher ein Problem mit lebendigen Schriftstellern.

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      • Stony sagt:

        Nun, gar so schlimm ist es dann letztlich doch nicht für mich. Die Beschreibung greift erst, wenn ich meinen Blick hebe und mein Gehör auf die Umgebung richte. Ich arbeite mit meinen Händen und was ich zu verrichten habe läuft meist auf einer eher automatisierten, qausi ins Unterbewußte verschobenen Ebene ab. Von daher ist mein Kopf frei und hängt Gedanken nach, die er von hier nach da und hintenrum wieder nach vorne schiebt, immer die nächste sich aufdrängende Frage hinterfragend, wenig zielgerichtet, im Bewußtsein, daß es keine letzte Antwort gibt, geben kann. 😉

        *

        Bei den Philosophen beschränke ich mich auf wenige, längst verstorbene Deutsch(sprachige)e. Was den ästhetischen Genuß, Inspiration oder schlicht auch Freude angeht, im besten Fall dem Sublimat all dieser, bin ich recht offen, über Epochen, Kulturen und Sprachen (letztere recht eingeschränkt) hinweg. Einzig, die sich mir, je, erschließende Qualität, ist hier mein Kriterium.
        Umso dankbarer bin ich für einen ebensolchen Zugang zu für mich Neuem, oder aber auch (fast) vergessenen Altbekannten. Dies ist auch der Grund, warum ich immer wieder gern hier einkehre. Meinen Dank nochmals dafür.

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