»Mit mir wird es keine PKW-Maut geben!« Der Jahresrückblick

Brothers in arms

Goldene Worte einer Kanzlerin, die symptomatisch für das Jahr 2014 stehen – das Jahr, das sich weniger durch das, was passierte auszeichnete als vielmehr das was nicht geschah.

Edward Snowden. Erinnert sich noch jemand an diesen Namen? Das war doch der…? Genau! Der mit dem Untersuchungsausschuß des Bundestages. Seine Arbeit nahm der Ausschuß pünktlich mit der Beendigung genau dieser Affäre auf, die im Sommer ein gewisser Herr Pofalla verkündete. Im Zuge der weltweiten Abhöraffäre der NSA war dieses Gremium einberufen worden, die tonnenweise vorliegenden Beweise des Whistleblowers einem parlamentarischen Weichspülgang zu unterziehen, um den Verbündeten jenseits des Atlantiks vor unangemessenen Fragen zu schützen. Das macht man unter Freunden nicht, solche Fragen zu stellen.
»Wer die Mobiltelefone der Bundeskanzlerin abhört, der hört im Zweifel auch die Telefone der Bürgerinnen und Bürger ab.« Zweifellos! Wenn jemand so eine maßlose Überwachung in die Wege leiten würde. Die Bundesgeneralanwaltschaft, die das untersuchen soll, beschließt für den Rest des Jahres Arbeitsverweigerung und findet weder Beweise für die weltweite Ausschnüffelung noch für das Abhören irgend welcher Kanzler-Handys. Da kann der Ausschuß untersuchen, was er will – das Urteil liegt bereits vor Sichtung der Beweise auf dem Tisch. Da sage noch jemand etwas gegen die langsam mahlenden Mühlen der Justiz: Generalbundesanwalt Range kommt in neuer Rekordzeit zu diesen finalen Ergebnissen.
Daran sollte sich das bayrische Gericht, das die Morde der Nazi-Organisation NSU untersuchen soll, mal ein Beispiel dran nehmen.

Was man unter Freunden auch nicht macht, sondern mit ihnen zusammen, beschreibt ein von 6500 auf 500 lesbare Seiten eingedampftes Dokument, das dem amerikanischen Kongreß Aufschluss über die Methoden der Wahrheitsfindung seiner Geheimdienste vermitteln soll. Wegen der darin beschriebenen Methoden von Folter hatte man nach Beendigung des zweiten Weltkrieges japanische Offiziere vors Kriegsgericht gestellt und aufgehängt – eine Angst, die die Folterknechte von heute nicht haben brauchen. Die Renaissance des Mittelalters ist in vollem Gange – sich die Methoden des Gegners zu Eigen zu machen eine wenig überraschende Facette der asymetrischen Kriegsführung.

Am vergangenen Mittwoch fordert Range nach einer Sitzung des Rechtsausschusses die komplette Fassung des Folterberichts an. Angeblich wolle er bis dahin anhand der veröffentlichten Kurzfassung prüfen, ob es Anhaltspunkte für ein Ermittlungsverfahren gebe.
Mit dem Abschluß des Verfahrens darf sicherlich noch dieses Jahr gerechnet werden. Nach Lage der Dinge erscheint es unwahrscheinlich, daß sich Beweise zu Folter finden, geschweige denn Verantwortliche zur Verantwortung gezogen werden.

»So geh’n die Gauchos, die Gauchos, die geh’n so!« Als Botschafter des guten Geschmacks verhöhnt die Weltmeister-Elf den geschlagenen Gegner. Wir sind schon wieder wer! Ausgerechnet Argentinien, daß doch so vielen Nazis nach 45` Unterschlupf und Schutz gewährte. Alles schon vergessen? So halten sich die Folgen für die Vortänzer des Volksgeschmacks in überschaubaren Grenzen… verhaltene Kritik allenthalben »Das darf man zwar denken, aber nicht so laut sagen«.
»Wenn man schon nicht denkt, dann soll man das wenigstens laut sagen«, so die offizielle Interpretation der Pegida. »So geh’n die Deutschen, die Deutschen, die geh’n so!« In Dresden und anderswo geht die Saat der Ära Merkel an milden Winterabenden spazieren. Kein Elsässer, kein Ken Jebsen noch ein anderer, wegen derer man erfolgreich jede Friedensdemonstration wußte zu verhindern. Das Volk marschiert und sein Herz schlägt so laut rechts, daß nicht einmal die NPD – bzw deren traurige Reste – Anschluß findet. Das »Internet« reibt sich verwundert die Augen und versucht zu begreifen, wie man über der eigenen Nabelschau die SA übersehen konnte. »Von hier kommen sie jedenfalls nicht!« Na, dann ist ja gut.

So gesehen fast das Einzige, das 2014 passiert: Die unausbleibliche Reaktion darauf, was passiert, wenn nichts passiert. Mike Browns Mörder muß sich vor keinem Gericht für sein Verbrechen verantworten. Rassistisch motivierten Polizei-Terror ist gesellschaftsfähig, der gegen »den Islam« Staatswohl. Die Bundeswehr bleibt in Afghanistan – die Niederlage bewachen. »Mit mir wird es keine PKW-Maut geben!« aber Hakenkreuzschmierereien auf Moscheen. Der Verfassungsschutz ermittelt während der nächsten 48 Stunden.

25 Jahre nach dem Mauerfall ist das Ziel beinahe erreicht: 2014 passierte nichts. Oder fast gar nichts, und das war immer noch zuviel. Das Volkswohl ist eine Dauerkonserve, die sich gegen das Öffnen sträubt.

War sonst noch was? Nein, eigentlich nicht.

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0 Kommentare zu »Mit mir wird es keine PKW-Maut geben!« Der Jahresrückblick

  1. lazarus09 sagt:

    Moin pantoufle ..das hat doch alles Slapstick und Stand up Comedy Qualität .
    ..wenn der Miesere (CDU) ins Micro stöhnt „Ich will gerne nochmal unterstreichen, dass unsere deutsch-amerikanischen Beziehungen wichtiger sind als das schwierige Thema NSA“ wartet man eigentlich nur noch auf die Lacher aus der Konserve . Oder wenn das Ministerium für Wahrheit durch die Meinungsschmiede der „Bertelsmann-Stiftung“ den LOKUS die Zuwanderungspolitik in Sachen Fachkräftemangel erklären läßt und meint „Qualifizierte Zuwanderer können oft mehr als Deutsche“ ..klar in den 60’70’80‘ war sich der Michel zu fein für die „Drecksarbeit“ drum mussten Deutsche Arbeitsämter “ Gastarbeiter“ rekrutieren und heute ist der Michel eben zu doof. Lacht hier einer … ? Energiewende kommerzieller Nordsee-Windpark “Riffgat” … ? Lebensversichererrettung. Weil, äh, die nicht genug Gewinn machen..? Hartz IV als offener Strafvollzug…? Rentenbetrug…? Steuererleichterungen und Sonderprivilegien für Superreiche zu Lasten der mündigen lohnabhängigen Bürger …? Das schwarz-rote Marionettentheater überweist Steuergelder lieber an ihre Herren in der Hochfinanz statt es für Infrastruktur und zum Wohle aller anzulegen … nach belieben erweitern.. Und der Michel ..? NIX..!!11!!… WO BLEIBEN DIE LACHER VOM BAND … ??

    Hab‘ ich nix besseres zu tun als dauernd auf diesen Mist hinzuweisen …? Bringt eh nix .. Ich geh in meine Garage, da kommt wenigstens was bei raus .. Cheers @ all

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    • pantoufle sagt:

      Moin Lazarus

      Hoffentlich hast Du die Feschttage schmerzfrei überstanden; irgend wann sollte man ja genügend Erfahrung haben, um den schlimmsten Auswüchsen aus dem Wege zu gehen…

      Ich glaube ja auch nicht, daß es noch irgend einen Sinn ergibt, die ollen Kamellen zum x-ten Mal aus dem Fenster zu schmeißen. Aber so ein Jahresrückblick gehört ja doch irgendwie dazu. Auch wenn einem beim Schreiben auffällt, daß gar nichts passierte. Dagegen waren die bleiernen Kohljahre geradezu Hüpfburg. Was lustiges zum berichten habe ich einfach nicht!
      Der blöde w124 ist gestern liegengeblieben; Spritpumpe sagt keinen Mucks und ich dachte, ich hätte das endlich im Griff. KPR getauscht, Überspannungsrelais repariert (gehen auch nachvollziehbar), neuen Motorkabelbaum gestrickt (hatte damit nix zu tun, war aber fällig). Am Ausgang vom KPR liegt Spannung, Pumpe surrt nicht. Es nervt! Ich hätte mich lieber angenehmeren Dingen gewidmet, aber jetzt muß ich sehen, wie ich die Karre wieder auf den Hof kriege und mich bei Bodenfrost unters Blech legen. Nächste Baustelle: Benzinpumpe direkt/elektrische Anschlüsse. Das ist so ziemlich das Einzige, was ich noch nicht hatte. Wenn man einmal den Gammel anfasst…

      Jetzt erst mal durch die Gegend telephonieren, wer Lust hat, mich ausgerechnet jetzt nach Hause zu schleppen. Sind zwar nur 10km aber wenn mich jetzt jemand anrufen würde, hätte ich vermutlich meine Migräne.

      Da weiß man doch wieder, was man an Motorrädern hat 🙁

      Dem Rest, der hoffentlich ohne solchen Unsinn die letzten Tage des Jahres verbringen darf, eine gute Zeit.

      Nachtrag:
      Heidi Hetzer (das ist der Link unten rechts »…fährt um die Welt« ist gerade in Laos und hat ganz andere Probleme:

      Es ist einiges am Auto zu reparieren. Hudo bekommt neue Kolbenringe ( 3 waren zerbrochen, der 1. und 5.und 7. ) , 2 neue Pleuellager, eine Zylinderkopfdichtung, ein Löffel ist an der Pleuelstange abgebrochen. Das ist eine ganze Menge und da die Kolbenringe etwas zu dick sind, muss der Kolben auch bearbeitet werden. Sie hofft am 28.12. weiter fahren zu können. Bis dahin sollen alle Teile angefertigt und wieder eingebaut sein.

      Und das mit ihrem 100-Jahre alten Auto oder wie alt die Schleuder ist! Pah – das wenigliche Benzingepumpe…

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  2. tikerscherk sagt:

    (for sth. completely different: wo ist den Dein Archiv-Widget zum Stöbern in Deiner Blog-Vergangenheit?)

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    • pantoufle sagt:

      Moin Tikerscherk

      Wo keine Vergangenheit ist, da ist auch kein Widget. Ob ich die alten Texte hier wieder unterbringe, weiß ich noch nicht. Wer will, kann sie ja im Rauchersalon lesen.
      Das eine oder andere stelle ich vielleicht hier wieder rein; an der Tänzerin feile ich momentan herum, weil ich mit einigen Teilen nie zufrieden war… mal sehen. Wie ja gerade leicht zu erkennen war, gibt es keine Vergangenheit im Netz. Warum sollte sie also ausgerechnet hier stattfinden.

      Mit etwas melancholischen Grüßen

      Pantoufle

      Rakete zwischen den Jahren

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  3. Duderich sagt:

    Geiles Bild!!!
    Gibt’s das auch als Weihnachtskarte?

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