Meinungsführerschaft

Na, dann will ich auch mal: Friedenswinter, Montagsdemo – gab`s sonst noch was? »Zeig mir Deine Mitdemonstranten und ich sag Dir, wer Du bist!« Es ist heutzutage gar nicht so einfach, für oder gegen etwas zu demonstrieren – einmal ganz unabhängig von der Frage, ob es irgend etwas bewegt. Aber das sei hier nicht Sinn der Übung. Demonstrieren an sich ist eine Art der Meinungsäußerung, die als fester Bestandteil der Demokratie gilt. Ein Recht, eine Möglichkeit, die im Übrigen von der Idee her anonymisiert ist. Man muß die Demonstration anmelden, nicht namentlich die Teilnehmer und schon gar nicht deren Gründe mitzulaufen. Wie gesagt: Das war die Idee.

Bundesweit: 1,3 Millionen, Bonner Hofgarten 350.000, Amsterdam: 400.000, New York: 1.000.000, Den Haag: 550.000. Nicht Zahlen, sondern Teilnehmer und natürlich keine aktuellen Zahlen, sondern von 1981 – 83. Es ging um den NATO-Doppelbeschluss. 4.000.000 Menschen unterzeichneten 1980 den Krefelder Appell, der sich gegen die Stationierung von Atomraketen in Europa wandte. Gegen die russischen SS20 auch, wenn auch erheblich leiser. Der damalige Bundesverteidigungsmister Hans Apel ließ Flugblätter verteilen, auf dem die Köpfe des Appells als »von drüben bezahlt« denunziert wurden.
Immerhin tat es ein Minister. Man nahm also sowohl den Appell wie auch die Demonstrationen offenbar ernst.

Sowohl von den Teilnehmerzahlen wie von offiziellen, verleumderischen Hochglanzbroschüren ist das Jahr 2014 Lichtjahre entfernt. Von einem Minimalkonsens, wie ihn der Krefelder Appell darstellte, ebenso. Gewaltfreie Blockaden von US-Militäreinrichtungen? Im 21. Jahrhundert ein nahezu undenkbares Phänomen. Und das liegt keinesfalls daran, daß man in ruhigeren Zeiten lebt.
Die Broschüren des Verteidigungsministers sind verschwunden, ersetzt durch meist recht schlampig erstellte Webseiten, in deren Artikeln versucht wird, dieses Niveau noch zu unterbieten. Erbärmliches Outsourcing: Das hat man davon, wenn nicht mehr die Bundesdruckerei dafür verantwortlich ist.
Aktuell im Trend ist nicht, gegen was demonstriert wird, sondern wer da mittut. Der Zweck spielt faktisch keine Rolle mehr.

»Ja, wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin?« Der eine läuft angeblich in Richtung einer Bühne im Schützenfestformat, weil da ein relativ unbekannter Radiomoderator seine wenig originellen Ideen absondert, der andere sucht die Nähe zu Sarah Wagenknecht oder irgend einem anderen Prominenten, der auch durchaus dagegen ist. Wenn man sich nicht bereits im Vorfeld darüber informiert hat, wo man keineswegs hinlaufen sollte.
Folgt man dem öffentlichen Diskurs, ist der Demonstrant von heute beschränkt, vollkommen inkompetent und hilflos auf der Suche nach einer eigenen Meinung. Oder von Putin bezahlt; wenigstens darin besteht noch eine schwache Ähnlichkeit zu den 80er Jahren.

Jetzt rächt sich, daß zu den Unterstützern nicht Namen wie Heinrich Böll, Robert Jungk oder Luise Rinser zählen. Die Meinungsführerschaft ist aus intellektuellen Höhen in die Gosse geraten. Das Missverständnis dabei: Nicht die großen Namen der Unterstützer adeln den Sinn. So wenig wie die der kleinen, niederen, die sich als Speerspitze versuchen. Das Ziel ist ja viel, viel größer als die Zwerge, die mit einem Megaphon bewaffnet versuchen, ein paar Jünger zu sammeln. Diese handvoll Menschen, die dann dort mitlaufen, wären im Normalfall keine Zeile wert. Sie hat es zu allen Zeiten gegeben – auch in den Achtzigern, als es gegen den Doppelbeschluss ging. Eigenartigerweise sind sie jetzt ein Thema. Der Verschwörungstheoretiker von heute würde geheimnisvoll fragen: Wer bezahlt eigentlich diejenigen, die alles dafür unternehmen, daß man sich nicht wenigstens auf den Minimalkonsens »Frieden« einigt?
Wer vor Jahrzehnten in Brockdorf, im Wendland oder in Berlin demonstrierte, ist sicherlich einer bemerkenswerten Anzahl von Individuen begegnet, deren Meinung man keinesfalls teilte. Spinner der verschiedensten Couleur, die Farbtupfer hinterließen. Am Zweck der Übung ließ das niemanden zweifeln und um wieviel ärmer wäre es ohne sie gewesen? Die Gegenwart ist die Uniformität der Fußgängerzonen als Maßstab beim Widerspruch: Friedensprotest ja, aber nur auf asphaltierten Wegen.

Wie wichtig ist dabei eigentlich die Rolle von sozialen Netzwerken und Blogs? Sicherlich wichtig darin, daß man sein »Like« unter irgend einen knappen Meinungsauswurf setzt. Damit ist der Meinungsäußerung in der Regel Genüge getan und der Rest des Tages gehört einem selbst. Nimmt man als Maßstab die Zahl der »Likes« oder Kommentatoren, handelt es sich um eine verschwindende Minderheit, nicht der Rede wert und bestenfalls als Sekte zu behandeln. Wenn dieser Eindruck das ach so umfassende Internet darstellen soll, ist noch reichlich Platz nach oben. So man beim Beispiel Sekte bleibt, vermisst man allerdings die Kirche. Die Teilnehmerzahlen beim öffentlichen Protestieren sind ebensowenig der Rede wert; wenigstens im Vergleich zur Vergangenheit. Umso genüßlicher sezieren diejenigen die ohnehin nicht mittun, diejenigen die wenigstens ihren Hintern auf die Straße bekamen. Da steht der Denunziation und Mißgunst Tür und Tor offen und auf einmal bekommen die Ferkel eine Stimme, die ihnen aus den verschiedensten Gründen ohnehin nicht zusteht.

Im Grunde bleibt zu wünschen, daß sich eine gewisse Naivität durchsetzt – oder »Einfachheit des Gedankens« -, die vor allem dem eigentlichen Ziel dient. Einem Friedenswinter. Diese Naivität sollte sich jedermann bewahren. Sei es aus Gründen der Faulheit oder wegen der Immunität gegenüber den platten populistischen Einflüsterungen. Es gibt immer noch die Kunst des nicht Zuhörens. Niemand ist gezwungen, dem Geschrei eines Ken Jebsens zu lauschen so wenig wie denen hysterisch kreischender Blogs und Netzwerke. Dort sitzt die eigentliche Minderheit, die Stimmen, die niemand ohne rot zu werden zitieren mag. Sich deren aus jedem Wort rinnenden Zwecks zu verweigern, ist das, was man getrost als Lob der Faulheit auf seine Fahne schreiben darf.

Es gibt sie doch, die Stimmen, denen man zuhören sollte. Sie sind gar nicht so schwer zu finden. Und bei ihnen findet sich auch ein Grund, um für den Frieden auf die Straße zu gehen – gegen alle Stimmen.
»Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolken den Regen«

Nostalgie

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0 Kommentare zu Meinungsführerschaft

  1. Bernhard Meyer sagt:

    Jebsen ist oft zornig, aber ich kann seinen Zorn verstehen. Er stolpert manchmal vor Zorn, aber er hat allen Grund. Ich habe seinen Interviews sehr viel zu verdanken, sie erweiterten meinen Horizont und weckten mich aus dem politischen Tiefschlaf. Ich habe in diesem Jahr enorm viel gelernt. Nicht nur von ihn natürlich, aber er löste bei mir Erkenntnis- und Lektürelawinen aus.

    Dass ihm allerhand angehängt wird, hat mich natürlich auch neugierig gemacht, und ich bin dem nachgegangen. Ich fand einen notorischen Hetzer und wie er es geschafft hat, durch gezielte Zitatverkürzung einen Holocaustleugner aus Jebsen zu machen – ein absurder Gedanke, für alle, die seine Arbeit kennen.

    Die Gaza-Bombardierungen und die israelische Siedlungspolitik hat ihn wütend gemacht und er hat gescholten mit einer Ungebremstheit, die hierzulande gefährlich ist. Der kleinste Fehler und sie kleben dir das „Antisemitismus“-Etikett an. Manche schreiben Essays über „inhärenten Antsemitismus“ oder suchen „antisemitische Stereotype“ in seiner Rede. All das klebt an ihm und diese Meinungen pflanzen sich virusartig fort.

    Und jetzt spalten sie, was eigentlich eine Friedensbewegung sein sollte. Man könnte glatt glauben, da steckt die CIA dahinter, so glatt, wie die Spaltung funktioniert und wie die Leute in ihrer noch nie dagewesenen Berührungsangst dem üblen Spiel folgen. Manchmal denke ich, es herrscht hier ein absurder ungesunder Sauberkeitswahn: Bloß nichts anfassen, was du nicht kennst, nicht hingehen, nicht hinhören, weil Ansteckungsgefahr. „Ein interessantes Buch. Was – das kommt vom Kopp-Verlag? Fass das nicht an!“ oder „Der hat das „N-Wort benutzt! Der gehört nicht zu uns.“
    Es ist einfach schade, nein, es ist zum Verzweifeln!

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    • LaGioconda sagt:

      Lieber Bernhard Meyer,
      mich treibt ähnliches um wie Sie. Ich will was tun, auf einer Friedenskundgebung zumindest herumstehen, einfach, um da zu sein. Wir Linken dürfen aber nicht, weil die Mahnwachen Pfui sind.

      Ich hab es satt, dieses Pfui. Ich schätze Jutta Ditfurth und sie hat sicherlich – vor allem mit ihrer „Grünen-Kritik“ – vollkommen recht. Sie mag auch Recht haben mit ihrer Kritik an Elsässer. Aber was hat sie bewirkt? Mit permanenter radikaler Obstruktion erreicht man letztlich gar nichts.

      Es geht jetzt aber um die Wurscht. Es geht um Krieg und Frieden und da interessiert mich Frau Ditfurths Fehde mit Elsässer herzlich wenig. Jebsen tut unheimlich viel, geradezu hyperaktiv, man sollte das schon unterstützen. (Dieses Nachgeplapper von Antisemitismus ist eine üble Brodersche Kampagne, der GottseiDank einige jüdische Persönlichkeiten entgegentreten, indem sie sich für Gespräche mit Jebsen zur Verfügung gestellt haben).

      Es ist allerhöchste Zeit, sich jetzt gegen den neuen Kalten (?) Krieg zu wenden. Und das funktioniert nicht, wenn wir jeden Demonstranten neben uns durchleuchten und uns fragen, ob seine Kritik am kapitalistischen System antisemitisch ist, weil ja soviele Banker Juden sind. Ich bin es leid! Wir lassen uns Fesseln anlegen, resignieren, und lassen Merkel machen.

      Wenn man uns mal fragt: warum habt Ihr nichts getan?, sollen wir dann antworten: weil alle sagen, dass Ken Jebsen Antisemit ist? Nein, danke!

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      • Bernhard Meyer sagt:

        Liebe LaGioconda,
        Ja! Lasst uns am 13.12. hingehen und demonstrieren.
        Und lachen wir den Sauberkeitswahn aus, wo wir können.

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  2. Joachim sagt:

    War die Menschheit jemals anders? Und das Netz für den Schwachsinn, die Lethargie ihrer Nutzer zu kritisieren ist momentan ungeschickt. Nicht wenig Blogger versuchen die Dinge zu ändern, jeder auf seine Art. Du doch auch. Nicht wenig Menschen stellen sich dem entgegen, politisch, gesellschaftlich und versuchen, etwas zu tun. Die Regierungen stellen Überwachung, Verbote, Sperren und Märchen von bezahlten Kommentatoren oder gar Terror entgegen. Regierungen versuchen gerade das „Virtuelle“, diesen Spiegel des Realen zu kontrollieren, einzudämmen, mit allen Mitteln zu einem one-way-Konsummedium zu machen, die Angst vor Kommunikation zu schüren. Und die Leute lieben Serien wie Brot und Spiele. Und was willst Du tun, wenn heute Dein Werk geschlossen wurde?

    Gut, wir können auf sie einschlagen, weil die Welt kompliziert geworden ist. Ich sage es mal absolut übertrieben einfach:

    Sie werden traurig. Sie werden unfähig zu handeln, wenn wir das jetzt auch noch tun in diesem Land wo Arbeitslosigkeit nicht nur wirtschaftliches aus bedeutet sondern auch ein Makel ist. Jeglicher Gedanke an Gemeinschaft wird im Keim erstickt. Man wagt es ja noch nicht einmal, jemandem zuzusprechen; man könnte Gutmensch genannt werden. Oder die Reaktion „was will denn der von mir“ erhalten. Die Leute haben Angst voreinander und Angst Fehler zu machen.

    pantoufle, es ist alles richtig was Du sagst und früher war Einiges besser. Wenigstens die Zahl der Demonstranten. Aber jetzt ist jetzt. Und ich werde den Scheiß keinesfalls akzeptieren. Und wenn es noch einmal zehntausende von Jahren dauert.

    Gestern hat mich ein Kind angelächelt. Ist das nichts?

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  3. flatter sagt:

    Ich finde Jebsen unerträglich, und es bedarf keiner Kampagnen, um seine Texte ihrer Tendenzen zu überführen. Er arbeitet permanent mit Assoziationen, an die sich alles Mögliche hängen lässt, in denen auch Neonazis finden, was sie gern hören. Das ist die primäre Technik von Demagogen, dass sie mehrdeutig bleiben, es ist die von Trollen, derart Aufmerksamkeit zu errregen und eine Diskussion in die Endlosschleife zu schicken, weil sie nicht eindeutig Position beziehen.
    Ich will daher (und werde es auch nicht) hier nicht über Jebsen diskutieren, sondern diese strategische ‚Offenheit‘ auf die sogenannten „Friedensdemos“ beziehen. Sie sind genauso abstrakt wie das Gelaber der Demagogen. Die großen Friedensdemos und -Aktivitäten wie oben benannt, hatten konkrete Anlässe und Ziele. Ende der Irakkriege, Ende des Wettrüstens, gegen den NATO-Doppelbeschluss. Da kann man ganz klar sagen: Ich will das jetzt und das jetzt nicht. Dann geht man hin oder lässt es. Aber irgendwie für Frieden sein, irgendwie gegen irgendeinen Kapitalismus, dann halt auch gegen Wucherer und Israelis und dann doch wieder jüdische Politiker und Bänker, das ist Bullshit. Einen Pudding muss niemand spalten.
    Wenn ich jemandes Meinung hören will und sie (weiter) publizieren, dann weil sie mir etwas sagt, ich etwas daraus lernen kann, sie konkret ablehne oder befürworte. Die Trolle, die ewig durch die Diskussionen gerollt werden, bringen nichts auf die Beine und kein Denken oder Tun weiter. Ihre größten Kompetenzen sind ihre Eitelkeit und ihr Talent, Ablehnung zu provozieren, aus deren Ablehnung sie ihren Zuspruch beziehen. Das braucht kein Mensch.
    Also meine Bitte: Formuliert konkrete Forderungen und Ziele, wenn ihr etwas bewegen wollt. Dann spart man sich das Gekeile um die Frage, was solche B-Promis eigentlich meinen und was nicht, ganz von selbst.

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  4. ebelyn sagt:

    Jebsen mag polemisch oder sogar demagogisch sein – ich glaube, dass er ein aufrichtiges Ziel hat: den Imperialismus von heute zu benennen und zu bekämpfen. Bis zu seinem Rauswurf hat er seine Narrenfreiheit beim RBB genutzt, Themen wie 9/11 oder die israelische Siedlungspolitik überhaupt zu problematisieren, wo ganze Redaktionen genau das ’no go‘ als Schere im Kopf haben: VTs eben und antsemitisch sowieso.
    Warum nicht Dinge in ihrem Gehalt ansehen und sagen: „richtig“ bzw. „falsch“ ? Weil die rechten Leute auch darauf einsteigen könnten? Genau dieser Vorbehalt vernebelt doch hier die Erkenntnis. und spaltet – wenn ‚die‘ das auch finden, kann es ja nicht stimmen.
    Es wird gefoltert in Guantanamo und die israelische Armee hat auf diesem türkischen Schiff damals Leute plattgemacht und in der Ukraine sind auch Interessen bei der Arbeit zu beobachten und die ganze Welt wird von Geheimdiensten überwacht und und… das ist der Stand der Dinge. Ich nehme die Taboos nicht an und bin damit vermutlich außerhalb des Diskurses. Das Problem sind doch aber die Menschenrechtsverletzer und nicht vor allem die, die (wie auch immer) darüber reden. Warum also nicht zur Demo gehen und einfach mal ganz blöd gegen Krieg und für Frieden sein? Weil’s naiv ist, ich weiß…

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    • Thelonious sagt:

      Ebelyn: Schließen sich die Begriffe „demagogisch“ und „aufrichtig“ nicht aus? Und was deckt Jebsen denn eigentlich auf? Ich höre und lese das immer wieder. Mir selbst fällt es schwer, bei ihm etwas zu finden, das vorher nicht schon (mit wesentlich mehr Tiefgang) veröffentlicht wurde. Damit meine ich jetzt nicht seine Beiträge zu 911, mit diesem Thema beschäftige ich mich nicht. Der einzige 911er, der mich interessiert, kommt aus Zuffenhausen. Saugmotor oder doch besser Turbo? Ich finde den Sauger besser, aber der Turbo macht mehr Druck.

      Jebsen ist ein verdammt mieser Rechercheur. Was er oftmals als Fakten verkauft, hält keiner oberflächlichen Prüfung stand. Ich vermute, dass er das nicht mit Absicht macht. Er kann es einfach nicht besser. Aber wenn die grundlegenden Tatsachen schon nicht stimmen, wie sieht es dann mit der Analyse aus? Kann ich einen Kreis richtig berechnen, wenn ich für pi irgendetwas ungefähr zwischen drei und vier einsetze?

      Und so verbleibt er oberflächlich im Unverbindlichen. Ein bisschen Frieden und der Kapitalismus ist jetzt auch nicht so toll. Das kann jeder unterschreiben, die NPD oder sogar Frau Merkel oder Herr Gauck. Veranstaltungen auf denen ich diese beiden antreffen könnte, vermeide ich. Ich könnte dann für meine gute Kinderstube nicht einstehen. Aber man verhaut keine Pastoren oder Pastorentöchter auch wenn sie es verdient haben.

      Du schreibst gegen Guantanamo oder den Überwachungsstaat müsse man auf die Straße gehen.
      Bei zweiterem gebe ich dir recht. Aber Guantanamo? Was juckt es, wenn hier ein paar tausend Hansel gegen Guantanamo demonstrieren. Nicht mal in den USA hilft das.
      Guantanamo ist so böse und so weit weg. Es ist eine wohlfeile und gänzlich nutzlose Aktion, dagegen zu protestieren. Disneyland für Betroffenheitsbürger. Latschdemos ohne Konsequenz. Lasst uns alle kuscheln gegen Guantanamo.

      Natürlich ist Guantanamo eine Sauerei. Aber mir fehlt die Frage nach dem „warum“. Ach, die Amerikaner sind so blöd und konservativ. Sind sie nicht. Zumindest nicht alle. Sie sind nicht blöder als der typische CDU- AFD-Wähler und die haben wir hier zuhauf.

      „Be safe – buy Kalashnikov“ Vier Stunden habe ich AKs vor dem Buckingham Palace verkauft. 15 Euro pro Kilo im Internet. Der Andrang war groß. Zwei Jahre auf Bewährung, aber nur, weil die Waffen nicht funktionstüchtig waren. Familienväter. „Ich will ja nur Frieden“. So argumentierten sie. „Lizzy, you’re an asshole“. Das mussten sie unterschreiben. Kein Problem, denn sie waren ja irgendwie antimonarchistisch und antikapitalistisch. Etwa 700 Kilo wurden verkauft. An Friedensapostel. Das wäre in Deutschland oder Frankreich oder Italien nicht anders gewesen. AK 47, das Geschenk für die ganze Familie.

      Vier Stunden Friedensarbeit. Wie Ken Jebsen. Ohne theoretischen Hintergrund. Frieden ist geil. Aber der Islami. Gegen den muss man sich doch noch wehren dürfen. Oder der Kommunist. Halt irgendwelche Terroristen. Oder Kapitalisten. Egal. Hauptsache gegen irgendjemand. Unsere Gesellschaft braucht Feindbilder.

      Protest entsteht aus einer genauen Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten, nicht aus einer banalen indifferenten Empörung. Die Montagsdemos kommen über das übliche Skandalgeschrei nicht hinaus und verschwinden dadurch im weißen Rauschen der öffentlichen Kommunikation. „Empört euch – indignez vous“, so schrieb Stéphane Hessel. Die Jebsensche Manier hat er damit nicht gemeint. Pantoufle fordert einen neuen Adorno. Mir reicht schon ehrliches Nachdenken. Die Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten. Ich erwarte nicht, dass du mir den Habermas machst. Deine Gedanken aus deiner Lebenswirklichkeit. Das ist interessant. Darüber lässt sich diskutieren. Nicht über Jebsen.

      „Warum also nicht zur Demo gehen und einfach mal ganz blöd gegen Krieg und für Frieden sein? Weil’s naiv ist, ich weiß…“ Solche Sätze ärgern mich. Sie zeugen von intellektueller Faulheit. Aber so faul bist du gar nicht, sonst hättest du hier nicht gelesen und geschrieben. Du kokettierst. Die Lage ist viel zu ernst, um zu kokettieren. Ebelyn zeigt Thelonious, wie sie oder er die Welt sieht. Ohne Jebsen. Ohne Adorno und ohne Kant, Hegel und Marx. Dann können wir uns unterhalten. Und voneinander lernen. Gemeinsam demonstrieren. Oder streiten.

      Ich habe nichts gegen die Montagsdemonstranten. Ich bin selbst einer. Nicht für den Weltfrieden, sondern gegen S21. Am Montag treffen wir uns zum 250ten mal. Wir haben verloren. Das ist verdammt bitter. Aber beim Bierchen danach können wir uns trösten, weil wir ehrlich zueinander sind. Da gibt es die CDU-Wählerin, die Angst um ihre Villa hat. Den SÖS-Aktivisten. Den 80-jährigen Altkommunisten. Und wenn der sich zu der CDU-Wählerin setzt und anfängt mit ihr zu reden, dann könnte ich dahinschmelzen. Das hat nichts mit Querfront zu tun, sondern mit Respekt. Kein bisschen Frieden. Argumente. Konfrontation. Der Gesprächspartner soll sich anstrengen. „Ich bin naiv …“ zählt nicht. Naiv ist blöd und beschränkt.

      Pantoufle hat Recht, wenn er die intellektuelle Auseinandersetzung fordert. Sie findet nicht oder nur in kleinen Zirkeln statt. Das ist nicht Jebsens Schuld. Er ist nicht fähig, solche Diskussionen anzuregen oder zu führen. Schuld sind Leute wie du, die sich nicht trauen, ihre eigenen Gedanken darzulegen. Erst einmal braucht es keinen neuen Adorno. Es reicht, seinen eigenen Standpunkt kritisch zu überdenken. Darzulegen und dafür einzustehen. Kritik ist dann drin. Natürlich. Aber es ist keine Kritik an der Person, sondern an den Gedanken. Selbstbewusstsein.

      ICH denke, also bin ich.

      Dich trifft es nur aus Zufall und mit einer gehörigen Portion Sympathie.

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      • Joachim sagt:

        „Dich trifft es nur aus Zufall und mit einer gehörigen Portion Sympathie“ soll wie verstanden werden? Wechseln wir die Positionen, dann wird aus „Du“ das „ich“ und umgekehrt. Aber klar, meine Sympathie hast Du, wenn Du an Rationalismus appellierst.

        Wir haben eine Ist-Situation, dumme Kommentare im Netz, dumme Journalisten oder welche, die es nicht besser können. Wir haben dumme Politiker, dumme Blogger und die Menschheit ist noch nicht so weit, mit dem Netz umgehen zu können. Vollkommen verdrehte Gedanken, auch in diesem Neuland. Die ganze Welt ist dumm. Und behauptet das genaue Gegenteil. So wie hier beschrieben:

        http://www.indiskretionehrensache.de/2014/12/wirtschaftsstandort-deutschland/

        War es jemals anders? Muss nicht jede Generation die Dinge auf’s neue lernen? Ein Adorno findet sich in jeder Generation. Mir reicht schon ehrliches Nachdenken. Das ist der Kernsatz.

        Da gehe ich spazieren, über einen Weg auf dem Felde. Da ist eine Pfütze, wo mich doch der Sonnenuntergang und die Hand meiner Frau so viel mehr interessiert. Die Schuhe sind nass, Kälte sickert durch meine Strümpfe bis in meine Zehen herein. Doch da ist die Sonne, die Hand.

        Gehe ich dann hin und fordere die Abschaffung der Pfützen? Schimpfe ich über die blöden unbefestigten Feldwege? Wird mir die Sonnen vermiest? Natürlich, klar. Doch man hätte einfach um die Pfütze herum gehen können. Kann die Pfütze irgend etwas zerstören?

        Nein. Ach, geh mir einfach aus der Sonne. Ich mag Pfützen. Ich mag auch jeden Fehler, besonders dann, wenn ich ihn selbst machte. Nur so kann man besser werden.

        Selbstverständlich sind Zeitungen nicht mehr das, was sie mal waren. Selbstverständlich existiert die Weltbühne nicht mehr. Selbstverständlich ändert es die Dinge, wenn jeder kommunizieren darf. Brecht hat es voraus gesehen. Radiotheorie. Wieso erwartet man jedoch, dass es nun alles gut wird? Vielmehr war die Zensur vorauszusehen. Ja Zensur, Meinungsblasen, Realitätsverleugnung wegen der eigenen elaborierten Position. Der politische Umgang mit dem Netz ist weit absurder, als jedes Karlchen. Diese Einführung neuer Variablen, um die Dinge nach den eigenen Interessen zu verdrehen, die zerstört Brechts Vision.

        Und genau dagegen wehre ich mich im Internet, auf einer Mailingliste und Kommentaren und Blogartikeln, mit jedem Gespräch und jedes mal, wenn ich jemandem den Rechner vom Boden aufkratze. Nicht perfekt, nicht statisch, vielleicht unklug, Verschwendung und naiv, aber kontinuierlich. Naiv bin ich weil es einen Weg gibt, Dinge richtig zu tun. Occam’s razor, so weit es mir vergönnt ist. Richtig ist es, Kindern Musik beizubringen, die alten „Lieder“, etwas von den Generationen vor uns. Damit sie nicht alles neu erfinden müssen. Und dann lächeln sie schon mal oder lauschen, wo ihr ansonsten leichter Hang zu ADHS normalerweise etwas ganz Anderes bewirkt. Keep real! Geht doch.

        Eine andere Sicht stammt von der großartigen vera, auf die ich vorhin anspielte:
        http://opalkatze.wordpress.com/2014/11/28/bemerkenswert-beleidigt

        Nicht weil sie jemanden weinerlich nennt, sondern weil sie viel weiter denkt, als ich es jemals könnte.

        Stammtische und die Diskussionen existieren schon, seit die erste Pfütze den ersten Menschen gezwungen hat, sich irgendwo aufzuwärmen. Und he, selbst der Schimmelreiter ist eine Geschichte am Stammtisch. Eine Legende war der Anlass, Aberglaube. Hätte ich das deshalb nicht lesen sollen? Ach, diese blöde Storm, Hein und Hauke, Gespenster oder Kritik an einer vollständig rationalisierten Welt? Man muss die Dinge nur sehen. Die einfachste Theorie ist immer vorzuziehen.

        Vervielfache die Dinge nicht über das Notwendige. Ein Herr Karl sollte nicht künstlich vervielfacht werden. Trolle soll man nicht füttern.

        Es gibt eine Alternative: Mach es besser. Frustriert Dich, dass es nicht wirkt? Scheiß Pfützen aber auch.

        Reduziere die Variablen auf das Wesentliche. Die Dummköpfe werden nicht aussterben. Kontingenzprinzip könnte ich nun spöttisch sagen. Dumm sind sie, weil sie Widerspruchsfreiheit unberücksichtigt lassen. Pfützen, nichts als Pfützen. Man kann sie umgehen. Man kann sie sogar mögen. Doch Schimpfen nutzt nichts. Falsch ist eben falsch. Man kann sich in zwei reißen und mit den Füßen aufstampfen, es wird nicht richtiger.

        Und wie Thelonious mit seinem Schlusssatz gut belegte: Auf gewisser Ebene bist Du ich und ich Du. Kritisieren darfst Du nur, wenn Du die Sache liebst. Schon alleine, weil Du Dich immer selbst zuerst kritisierst.

        Dampfmaschine? Ich liebe Dampfmaschinen in jeder Form.

        Sie… – oh nein, das bleibt dem Leser als Übung überlassen.

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        • pantoufle sagt:

          Moin Joachim

          Ja, Vera ist wirklich großartig. Und ich verrate Dir ein Geheimnis: Wenn einem ihre Klugheit irgendwann etwas zu sehr auf den Löffel schlägt, kann man sie zum Essen einladen. Ganz in ihrer Nähe ist ein wunderbarer Italiener mit Raucher und nach einer Flasche Wein wird sie dann auch ganz normal. Spätestens nach einem Grappa stehen sich Tiramisu und Vera Auge in Auge gegenüber und einer von beiden wird diesen Tag nicht überleben. Nein, ich meine nicht verfressen, aber schon ein wenig Genußsüchtig 🙂

          Ja, es wird mal wieder Zeit für einen schönen Artikel über Trecker oder Dampfmaschinen oder… Katzen-Content wäre auch nicht schlecht. Irgend etwas, wodurch man sich von den anderen abhebt.
          Hunde-Content?

          Und was den ganzen anderen unheiligen Rest betrifft: Nun habe ich meinen Senf über die Montag, Dienstags und den Winterfrieden abgegeben und damit soll es auch gut sein. Bei den Aluhüten für Ken, Ditfurths Selbstdarstellungspräsenz, Hannemanns Watchsite und wie die sich selbsternannten Linienwächter nennen, ist genügend Porzellan zerschlagen worden. Man glaubte, es wären die Nachttöpfe des Gegners, doch war es letztlich das eigene Essgeschirr – Tafelsilber inklusive. Die Friedensbewegung, wie sie einmal dastand, ist Geschichte und eine Wiederauflage in weite Ferne gerückt. Schlimmer noch: Man hat einen Prototypen entwickelt, wie man sie auch in Zukunft schon in den Anfängen verhindern kann. Die Trolle stehen auf den Trümmern des eigenen Vorgartens und brüllen etwas von Sieg. Schrille Behauptungen, verquere Schlüsse und Hinrichtungen ohne Richterspruch: Früher nannte man es Lynchmob, heute freie Meinungsäußerung. Wegsehen, wegsehen. Oder auch nicht.

          Aus der ND von heute Nacht:
          »Update 21:15 Uhr: In Dresden kehrt langsam wiede Ruhe ein, aber was für eine Demo: Bis zu 11.000 Menschen (nach Angaben der Veranstalter) sind heute gegen den rechten #Pegida-Aufmarsch auf die Straße gegangen. Nach unterschiedlichen Angaben standen ihnen zwischen 6.000 und 8.000 Pediga-Demonstranten entgegen, die gegen eine – ihrer Meinung nach – zu lasche Asylpolitik und die vermeintliche Islamisierung Deutschlands protestierten. Die Polizei war mit 1.200 Beamten vor Ort. Festnahmen scheint es keine gegeben zu haben.«

          Es gibt also noch Hoffnung.

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          • Joachim sagt:

            Jo, es gibt noch Hoffnung. Das hat mich sehr positiv überrascht. Ich kann Dir da nur zustimmen und deshalb nur noch sagen was fehlt – aus meiner Sicht. Nein, nicht Perfektion sondern das, was dies hier vermittelt. Lassen wir mal die Anspielung auf bewustseinserweiternde Substanzen weg, dann bleibt etwas, das uns fehlt.

            http://youtu.be/TVeyC849E54

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    • pantoufle sagt:

      Moin Thelonious

      Jetzt kaue ich schon die halbe Nacht an »…fordert einen neuen…« und mir fällt eigentlich kein passender Name ein. Jerry Rubin eventuell, Gustav Landauer sowieso und dann wird es langsam unscharf. Robert Jungk wäre denkbar.
      Was eigentlich? Vielleicht Menschen, die nicht zur selben Zeit mit der Formulierung von Forderungen und ihren Akne-Problemen zu kämpfen haben.

      Sollte man als Konsequenz naiv an diese Sache herangehen, wenn schon weit und breit keine richtungsweisende Auseinandersetzung sichtbar ist? Ich denke ja. Zwar teile ich Deine Einstellung gegenüber dem Begriff »naiv« in diesem Zusammenhang – meine es auch nicht in genau diesem Wortsinn – aber was bleibt als Alternative? Die Auseinandersetzung im Netz über das Thema ist schon lange nicht mehr hilfreich. In den sozialen Netzwerken tobt ein hirnloser Lynchmob durch die Kommentarspalten, daß einem übel wird. Nicht das, was ein Jebsen oder Elsässer sagt, erregt die schlichten Gemüter, sondern die scheinbare Führungsrolle, die man versucht ihnen streitig zu machen. Die Kritik an den mitlaufenden Nazis ist ja schon lange in den Hintergrund getreten. Wer mitläuft, ist sowieso einer. Ob es Reinhard Mey oder Sarah Wagenknecht ist: Alles Nazis, Querfro… endlich durch eine wohlformulierte 140-Zeichen-Botschaft aus der eigenen Bedeutungslosigkeit heraustreten.

      Die »Einfachheit des Gedankens« kann hilfreich sein. Intellektuelle Auseinandersetzung ja, aber man sollte sich auch darüber im klaren sein, wo sie nicht stattfindet. In den Kommentarspalten finden sich für zwei Fragende einer, der seine Führerschaft anbietet. Dieses bedauerliche Missverhältnis scheint niemandem aufzufallen so wenig die die Schlichtheit der Heilsbotschaften. Da ist die Naivität, die es abzulehnen gilt. Nicht aber die Einfachheit, diesen Diskurs komplett zu ignorieren und seine eigen Botschaft zu formulieren.

      Bei uns ist es kein tiefergelegter Bahnhof, sondern Schacht Konrad. Ich bin mir sicher, daß in den Reihen derjenigen, die gelegentlich auf die Straße gehen, auch ein paar NPD-Wähler (oder was der Volksgenosse gerade wählt) mitlaufen. Das diskreditiert den Widerstand in keiner Weise. »Protest entsteht aus einer genauen Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten, nicht aus einer banalen indifferenten Empörung.« Hilfreich dafür kann der Besuch einer lokalen Kneipe sein, in dem diejenigen, die es angeht, miteinander beim Bier sitzen.
      Und sei es nur deswegen, weil dort niemand mit einem Screenshot oder einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat von Facebook wedelt.

      Das (deutsche) Netz zeigt wenigstens für mich im Moment auf, wozu es nicht taugt. Ich nehme das mit Bedauern zur Kenntnis.

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      • Thelonious sagt:

        Mojn pantoufle,

        jetzt sind wir wieder beim Thema Netz. Den Frust, den du diesem Medium gegenüber schiebst, kann ich nachvollziehen. Was hilft dagegen? Ich übe mich in Selbstbeschränkung. Das fällt mir nicht schwer, da ich hoffnungslos altmodisch bin und die analoge Kommunikation, das persönliche Gespräch, bevorzuge. Was könnten wir beide bereden, wenn wir einen Abend gemütlich beieinander sitzen. Im Netz brauchen wir dafür unter Umständen Monate.

        Andrerseits ermöglicht uns das Netz die Kommunikation mit Leuten, die wir sonst nie getroffen hätten. Dieser Vorteil ist zugleich ein Nachteil, denn wir treffen auch auf viele Arschlöcher. Aber ihr Anteil bleibt – meines Erachtens – über die Generationen hinweg gleich. Nur nehmen wir sie jetzt wahr. Wir sind dazu gezwungen. Der unsympathische Typ, der fünf Häuser weiter wohnt – ihn können wir ignorieren. Die Kommunikation mit ihm beschränkt sich auf ein höfliches „Guten Tag“. Nie kämen wir auf die Idee, mit ihm ein längeres Gespräch zu führen. Fertig, wir haben nichts mit ihm zu tun. Deswegen ist er aber trotzdem existent. Nur nicht in unserer täglichen Lebenswelt.

        In blogs oder Foren treffen wir ihn jedoch plötzlich. Er gibt seine Meinung zu einem Thema ab und wir lesen diese und ärgern uns. Wie kann man bloß so blöd sein. Jetzt wird uns seine Existenz bewusst. Aber vorhanden war der Honk immer.

        Ich habe dir einmal geschrieben, dass die Kommunikation im Netz auf Stümperei basiert. Das liegt zum einen an dem noch relativ neuen Medium, dessen Möglichkeiten wir noch gar nicht abschätzen können. Zum anderen liegt es daran, dass diejenigen, die es nutzen zwar das technische Verständnis besitzen, aber oftmals keine Ahnung von (schriftlicher) Kommunikation und den Konsequenzen haben. Ich gehe sogar so weit, dass viele, die wir im Netz treffen, sogar zum ersten Male versuchen zu kommunizieren. Natürlich reden sie jeden Tag. Mit den Arbeitskollegen, mit der Familie, den Nachbarn oder am Stammtisch.

        Hin und wieder treibe ich mich in einem Fußballforum herum. Dort kann man das sehr schön beobachten. Leute, die noch nie im Leben einen Brief geschrieben haben, versuchen sich plötzlich in schriftlicher Kommunikation. Und das geht dann ordentlich in die Hose und so lese ich häufig den Satz: „Das habe ich doch gar nicht so gemeint, sondern…“ Einen Gedanken mündlich zu erklären, geht einfach. Hier ein Einschub, da eine Nachfrage und am Ende passt das schon einigermaßen. Vor allem weil die Worte flüchtig sind. Im Forum stehen sie da. Jeder kann sie nachlesen. Also eine neue Erklärung. Wieder Arbeit. Hach, ist das anstrengend. Bei manchen fließt der Schweiß in Strömen.

        „Bayern München ist ein Scheißverein.“ Schon klar, aber warum? Bei der Begründung wird es für viele dann schon eng. Zu viele Gedanken und zu wenig Buchstaben. Der Ärger über das eigene Unvermögen macht sich durch Pöbeleien Luft. Und das bei einem solch einfachen Thema.

        Um wie viel schwieriger ist dann beispielsweise eine Diskussion über gesellschaftliche Verhältnisse? „Hartz IV ist Scheiße.“ Wahlweise ist dann daran der Kapitalismus, „die da oben“, die Ausländer oder das Wetter schuld. Letztendlich ist dies das Niveau, das wir auf vielen blogs vorfinden. Eine Analyse findet nur rudimentär statt. Nicht jeder ist dafür geboren, sich mal zwei oder drei Wochen hinzusetzen, und seine Gedanken so exakt wie möglich in einen Text zu bringen. Ich halte das jedoch nicht für schlimm. Denn trotzdem finde ich bei solchen Diskussionen auch interessante Gedanken. Auch wenn sie manchmal nur bruchstückhaft dargestellt sind. Weiterdenken muss ich sie dann für mich selber. Aber auch das ist ein Gewinn.

        Ein interessantes Experiment wäre es doch einmal, ein Thema über ein halbes Jahr zu behandeln. Kommentare werden erst dann freigeschaltet, wenn der Kommentator einen eigenen Artikel zum Themenkomplex im blog veröffentlicht. Sauber dokumentiert, mindestens zwei A4 Seiten lang und vom blogbetreiber freigegeben, denn dieser bestimmt über die Qualitätsanforderungen. Wer mitreden will, muss vorher auch gedankliche Arbeit leisten und diese verteidigen. Was käme dann bei den Diskussionen heraus?

        Vielleicht eine echte Auseinandersetzung über ein Thema, ohne die sogenannten Meinungsführer. Denn es zählte nur der originäre Gedanke. Wahrscheinlich wäre die Anzahl der Teilnehmer sehr beschränkt.

        Und was die sozialen Netzwerke betrifft. Nun, in die versiffte Bahnhofskneipe gehe ich auch nur, wenn ich es will. Dann darf ich mich aber auch nicht über die merkwürdigen Gestalten dort wundern. 🙂

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      • pantoufle sagt:

        Moin Thelonious

        »Ein interessantes Experiment wäre es doch einmal, ein Thema über ein halbes Jahr zu behandeln. Kommentare werden erst dann freigeschaltet, wenn der Kommentator einen eigenen Artikel zum Themenkomplex im Blog veröffentlicht.«

        Das ist ja lustig: Genau das ging mir eigentlich auch schon länger durch den Kopf. Die Plattform »Vocer« verfolgt einen ähnlichen Ansatz und im Grunde vermute ich einen ähnlichen bei diversen Blogs wie Carta oder le bohémien.
        Es ist im übrigen ja auch das, was ich am Raucherzimmer schätze – wir sprachen bereits darüber. Vermutlich ist das auf Dauer die einzige Lösung, die Bestand haben wird. Spätestens, wenn es um Bezahlung bei einer Plattform geht – aktuell wie der Krautreporter oder das, was der Spiegelfechter da gerade versucht –, ist es wohl die einzige Möglichkeit, einen konkreten Gegenwert zu liefern: Sauber aufbereitete Themen und eine gut moderierte Diskussion. Wer das nicht will, kann ja zu Speichel Inline gehen (Dank an Flatter für das schöne Wort).
        Ein weiterer Vorteil läge darin, daß sich über ein halbes Jahr ein Thema vollkommen anders darstellt. Nicht Neuigkeit, Streichholz Hashtag oder hysterischer Aufschrei.
        Und wie Du so richtig sagst: Die Anzahl der Teilnehmer wäre überschaubar sowie die Art einer solchen Kommunikation das besten denkbare Trollfilter darstellen würde.

        Der qualitative Vergleich Netz und »real live« hakt natürlich an allen Enden und Ecken. Schriftliche Kommunikation und eine Flasche Wein beim Essen können unterschiedlicher nicht sein. Beides hat seine starken Seiten. Hattest Du mal einen Brieffreund oder Freundin? Die Langsamkeit, diese Behäbigkeit hat unbedingt ihre guten Aspekte (siehe erster Absatz). Die Verflachung und Beliebigkeit – Du nennst es Stümperei – hat ja viel mit der vom Benutzer erwarteten Geschwindigkeit zu tun, mit der sich das abspielt. Dem scheinbaren Druck, dem sich die meisten ausgesetzt sehen. Schnelle Frage, noch schnellere Antwort.
        Unabhängig von der Unfähigkeit vieler zu schriftlichen Auseinandersetzung: Das ist ja kein Problem des Netzes, sondern dem Verfall einer Schriftkultur ganz allgemein. Man hat eben keinen Brieffreund mehr, sondern Twitter.

        Aber während ich das schreibe, kommt mir auch dieser Gedanke falsch oder unvollständig vor: Die Menschen schreiben ja eigentlich wieder viel mehr. Einige jedenfalls oder genauer gesagt »wahrnehmbarer«. Das Medium Netz ist ja bis auf weiteres noch textbasiert. Daran konnte Katzen-Content und Youtube bislang zwar kratzen, es aber es nicht vollständig zu ihren Gunsten ändern. Sieht man sich die Menge der Blogs an, verbietet sich eigentlich pessimistische Kritik. Auch wenn es »nur« ein Kochblog ist oder die liebevoll gepflegte Seite über Mimosenzucht.

        Was man davon zur Kenntnis nimmt, wo sich die Wahrnehmung abspielt, ist eine andere Sache. Ich verstehe gelegentlich meine eigenen Konsumgewohnheiten in dieser Hinsicht selber nicht. Warum lese ich dieses und jenen Unsinn, warum geht mir dieser Troll auf den Geist und jener Kommentator? Warum beherrsche ich nicht die Kunst des Weghörens? Bei dem angesprochenen Nachbarn 5 Häuser weiter links kann ich es doch auch. Im Netz fühle ich mich gelegentlich wie in einer Kneipe, in der ein zunehmend besoffener werdender Gast die anderen solange zu Weißglut bringt, bis ihn der Wirt am Schlafittchen packt und vor die Tür setzt. Nur daß im Netz kein Wirt ist, sondern irgend jemand was von »Meinungsfreiheit« und »Besoffene sagen die Wahrheit – auch bei 2,8 Promille!« faselt. Da ist die Eckkneipe »Zum goldenen Blattschuß« ehrlicher.

        »… aber vorhanden war der Honk immer« Ob die Verteilung von Arschlöchern im Verlaufe der Evolution immer die Selbe geblieben ist, wäre ein interessantes Thema. Für entscheidender halte ich allerdings die Frage, ob sich die Größe der Megaphone, die man ihnen in die Hand drückte, verändert hat. Genau da beginnt mein Pessimismus. Wenn Charlie bei mir eine »fast schon krankhafte« Aversion feststellt, ist da sicherlich etwas dran. Im Gegensatz zu ihm bin ich allerdings nicht der Meinung, daß Ignorieren den Idioten beseitigt. Das wäre das perfekte Argument für einen Nichtwähler: »Wenn ich den AFD nicht beachte, existiert er nicht.« Aber das nur nebenbei.

        Auf die Dauer hilft vermutlich nur der von Dir vorgeschlagene Gedanke: Ein Thema über einen längeren Zeitraum von ausgesuchten Kommentatoren auszuarbeiten. Das wäre dann ein geschlossenes Blog, mit Einladung oder einer anderen Hürde. Ob man das dann noch Blog nennen sollte, ist die andere Frage. Aber vielleicht brauchen wir diese Art von Blogs wie sie sich im Moment darstellen tatsächlich nicht. Eine zunehmende Zahl von Bloggern beantwortet diese Frage mit »Nein«. Entweder dadurch, daß sie aufgeben oder wie im Fall des Spiegelfechters einen »Club« daraus machen. Das letzte Wort darüber ist noch lange nicht gesprochen.

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  5. pantoufle sagt:

    Moin @all

    @Flatter
    Diese Unbestimmtheit der Forderungen ist auch mir ein Dorn im Auge. Da wären allerdings einige »aber«, die mir dazu einfallen würden.
    Eines davon ist die Entpolitisierung der Gesellschaft. Wenn ich geschrieben habe, daß die Meinungsführerschaft aus intellektueller Höhe in die Gosse geraten ist, so meint das den Verlust an öffentlich wahrnehmbaren Diskurs. Kein Dutschke, Böll, keine Frankfurter Schule… kurz: Keine intellektuelle Standortbestimmung, die wenigstens als Leuchtfeuer gelten mag. Statt dessen TV-Philosophen, mit denen vorgeführt wird, daß man auch mit einem Philosophiestudium Seite an Seite mit Udo Lindenberg und Heidi Klum vor die Kameras kommt.
    Allein die Vorstellung, daß ein windiger Radiomoderator an die Stelle von Habermas tritt – da beginnt sie, die Gosse.

    Ob die konkreten Ziele vieler Aktivitäten – vor allem jene vor dem Mauerfall – von vornherein so klar definiert waren, wie sie sich in der Nachschau für uns darstellen, wage ich zu bezweifeln. Was sie in meinen Augen wichtig machte, war eine Gegen-Kultur, die aus ihr hervorging, die Suche nach gesellschaftlichen Alternativen. In der diskutiert es sich über die Ziele einer Friedensdemo deutlich anders als in der unbestimmten Gemengelage des Neokolonialismus, der sich »Angst« und »Alternativlos« auf die Fahnen geschrieben hat.
    Dazu kommt ein Effekt, den ich meine zu beobachten, der sich darin äußert, daß kein gefühlter Generationswechsel bei einer außerparlamentarischen Opposition stattfindet. Die Kinder der Demonstranten der 80er scheinen bereits als Spießer den Kindergarten zu verlassen. Das Auftreten einer 21jährigen unterscheidet sich nur unwesentlich von Oma Bethmann – vielleicht abgesehen davon, daß Oma mutiger ist und in etwa weiß, wovon sie redet. Allein optisch ist dann ein steineschmeißender schwarzer Block schon eine Erholung.

    Ich mache mir über konkrete Forderungen und Ziele im Moment keine Illusionen: Es wird sie in absehbarer Zeit nicht geben. Dazu fehlt der gesellschaftliche Konsens oder wenn man so will: Ein Krefelder Appell. Was ich mir aber durchaus vorstellen kann, ist, daß sich so etwas entwickelt, wenn sich nur erst einmal wieder genügend finden, die gemeinsam mit einem Schild (oder Pechfackel und Mistgabel) in der Hand spazieren gehen.
    Die Frage mit den selbsternannten Führerlein erledigt sich dann vermutlich von selber.

    @Bernhard Meyer

    Wie Du vielleicht feststellst, haben hier die wenigsten Lust, sich über Ken Jebsen zu unterhalten; man hat eine dedizierte Meinung über ihn und die ist nicht gut. Dem schließe ich mich an.
    Man braucht nicht die Antisemitismus-Keule zu zücken, um ein ungutes Gefühl bei solchen Menschen zu bekommen. Wie Flatter schon sagte: »die primäre Technik von Demagogen (ist), dass sie mehrdeutig bleiben«. Das hat einen eigenartigen Effekt, wenn man ihnen zuhört. In der freien Rede kann die Wahrnehmung derart sein, daß die Punkte, denen man im ersten Augenblick zustimmen würde, bei der ersten Nachfrage rückstandslos in sich zusammenfallen. Nur kann man bei einer Rede in den seltensten Fällen nachfragen.

    Ich würde mich persönlich gar nicht davon ausnehmen; man fällt gerne darauf herein. Es ist ein psychologisches Problem, das nicht nur für Jebsen gilt. Ein Hilfsmittel, zu dem ich gerne greife, ist, eine Transkription des gesprochenen Wortes zu machen. Wenn man erst einmal schwarz auf weiß liest, was solche Menschen von sich geben, den Text einer kritischen Analyse unterzieht, erledigt sich in der Regel jegliche Faszination von selber. Mach es ruhig einmal: Du wirst überrascht sein, was für ein Unsinn sich zeigt (und welch schwere Arbeit eine Transkription ist).

    Ein anderer Punkt besteht darin, daß sich eine Persönlichkeit nicht durch die Menge oder Unbildung ihrer Kritiker definiert. Mehr noch: Es adelt sie auch nicht. Man muß sich von der Trotzhaltung lösen, daß da eine »Lichtgestalt« ist, die gegen alle Widerstände und Unterstellungen bei ihrer Meinung bleibt und allein deswegen einen Wert darstellt. Das würde in letzter Konsequenz Jebsen Seite an Seite mit einem renitenten Rentner stellen, der mit bemerkenswertem Fleiß jeden Falschparker aufschreibt und sich so unvergesslich in die Erinnerung seiner Nachbarn einpaukt.
    So vertritt sich kein intellektueller Standpunkt.

    Was den Sauberkeitswahn betrifft: Ich weiß, was Du meinst. Es gibt aber so etwas wie den Wert einer Quelle oder eines Argumentes. Und es gibt ein Gesetz, das sich Ockhams Rasiermesser nennt. Es beschreibt in etwa die Sauberkeit einer Begründung:

    Von mehreren möglichen Erklärungen desselben Sachverhalts ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.

    Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält, die in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.

    Damit fallen CIA und Verschwörungstheorien in aller Regel unter den Tisch.
    Und was die Sauberkeit von Quellen betrifft, so sollte man allein aus praktischen Erwägungen einen Bogen um den Kopp-Verlag machen. Es macht erst einmal die eigene Argumentation angreifbar. Das ist ganz unabhängig davon, daß dieser Verlag rechtsradikales/faschistisches Gedankengut verbreitet. Selbst wenn dort etwas stehen sollte, was bei erstem Anschein den Tatsachen entspricht. Tucholsky hat es einmal so formuliert: Der Pharisäer hat gelegentlich recht, aber nie in den Gründen.

    Und im Übrigen: Willkommen auf der Schrottpresse!

    @Joachim

    Früher war einiges besser? Es war anders und wir haben gelernt, was es bedeutet. Mein Interesse an Nostalgie hat rein ästhetische Gründe: Ich halte die Gasturbine für eine überflüssige Erfindung und bevorzuge die Dampfmaschine. Früher hatten die Damen schönere Kleider – man war ohnehin besser angezogen und eine Weltreise war ein Abenteuer. Weiße Flecken auf der Landkarte und eine echte Arbeiterbewegung… Jugendstil meiner Seele 🙂

    Das ist gar nicht übertrieben einfach formuliert. Es ist eine Traurigkeit und man darf sie auch so nennen, sollte es. Man kann die Isolation, in die man die Menschen treibt, mit politischen Kampfbegriffen beschreiben oder mit den Worten, die die Opfer selber benutzen würden. War die Menschheit jemals anders? Sagen wir mal, sie tendierte eher zur Gruppenbildung. Zur USPD zum Beispiel oder dem Spartakusbund.
    Die allgemein akzeptierten Widerstandsformen haben sich gewandelt und unterliegen ebenso einigen Irrtümern. Ein Blog oder ein soziales Netzwerk ersetzt keine Organisation oder Zusammenschluß; ein beliebter Denkfehler. Wir können unsere Interessen nicht dadurch outsourcen, indem wir die Likes und virtuellen Freunde mit Zustimmung und Solidarität verwechseln. Diesem Märchen fallen ja nicht einmal Sozialromantiker wie ich zum Opfer. Und wenn ich selber ein Blog unterhalte, dann natürlich deswegen, um möglichst viel Zustimmung zu bekommen, was gut für meine Seele ist! Harrharrharr!

    Mein Kinder lächeln momentan wegen Absenz gerade nicht. Dafür versuchen unsere neuen Kätzchen mich anzufallen. »Ich springe ihn an und du stellst ihm von hinten eine Pfote! Dann bringen wir ihn zu Fall und durchsuchen seine Taschen nach Fressbarem! Du fängst an und ich umzingele ihn!«
    So geht das hier ab! Ich bin Opfer!

    @ebelyn

    Ein wenig Naivität hat noch niemandem geschadet, wie Du ja in den Kommentaren oben leicht nachvollziehen kannst. Was die Thematisierung gewisser Streitthemen wie 9/11 u.Ä. betrifft, sei auf das verwiesen, was ich Bernhard mit Wilhelm von Ockham versucht habe nahezubringen.
    Ob Jebsen das »aufrichtiges Ziel hat: den Imperialismus von heute zu benennen und zu bekämpfen« ist ein Thema, über das man notfalls diskutieren könnte. Vielleicht würde man sich dabei seinen Intensionen nähern. Aber mal unter uns: Wofür denn das alles? Ist das mit irgend einem Erkenntnisgewinn verbunden? Wenn ich auf irgend einer Friedensdemo mitlatschen will, brauche ich doch nicht das Statement eines Ken Jebsen und seine Interpretation dessen, was ich dort mache.
    Darin liegt doch momentan genau der Fehler. Krampfhaft an den Haaren herbeigezogene Begründungen, die auf der intellektuell äußert wackeligen Basis eines Radiomoderators beruhen. Oder irgend eines Bloggers oder Neurechten wie Jürgen Elsässer.

    Wenn ich für den Frieden demonstrieren will, verschwende ich nicht meine Zeit mit der Mohrenwäsche derjenigen, die mir meine Ziele vorschreiben wollen. Ein wenig mehr Selbstbewußtsein darf`s dann schon sein. Und was mich persönlich betrifft, so würde ich – sollte ein Mangel an Begründungen existieren – mich eher an geistig Lichtjahre über Jebsen stehende halten. Sarah Wagenknecht zum Beispiel.
    Uffrejen könnte ik mir… uffrejen!

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    • Bernhard Meyer sagt:

      OK. Hier nie mehr ein Wort über den unbedeutenden Radiomoderator. Deine Wertschätzung von Sara Wagenknecht teile ich. Anstelle des unbedeutenden Radiomoderators hätte ich auch ein anderes Bespiel nehmen können: die Kloaffäre. Für mich war das auch gespeist durch diese Rührmichnichtan-Haltung, jedenfalls, wenn man den Anfang in der zurückgezogenen Raumvergabe sieht. Nur nicht „antisemitisch“ wirken, also wird das Thema gemieden. Aus der NATO austreten zu wollen, ist fast ebenso gefährlich, weil man dann „regierungsunfähig“ ist. Die Regierungsbildung in Thüringen bzw. deren Medienbegleitung, zeigt, dass jede beliebige Unterstellung, jeder Dreck denkbar ist, mit dem man beworfen werden kann. Soll man immer versuchen dem auszuweichen, was irgendwelche unbedeutenden Medienmenschen massenwirksam aufbauschen können?

      Natürlich kann ich verstehen, dass man sich unangreifbar halten will, wenn man politisch etwas erreichen will. Vermutlich kommt die Überempfindlichkeit daher, dass eine ausgleichende Vielfalt bei den Zeitungen, im Rundfunk und Fernsehen fehlt. Ein starres, uniformes Meinungsklima verfestigt sich, Dreck bleibt darin haften und wird nicht mehr ausgebleicht durch andere Standpunkte. Also muss ich mich anstrengen, immer so zu wirken, als ob ich ganz bei den Guten stünde.

      Wie kann man den Pudding an die Wand nageln? In einer ARD-Reportage wurde gezeigt, dass an dem angeblichen „Fachkräftemangel“, über den seit Jahren geklagt wird, nichts dran ist. Ingenieure, die uns angeblich so fehlen, müssen Hunderte von Bewerbungen schreiben. Sechs Bewerber auf eine Stelle, ist für die Unternehmen zuwenig Auswahl. Also führt man Green- und Blue-Card ein. Aus vielen notleidenden Ländern kommen bestausgebildete Ingenieure zu uns und helfen, die Gehälter zu drücken. Während man zunächst festgelegt hatte, dass die Ingenieure aus dem Ausland mindestes 65000 € Jahresgehalt bekommen müssen, damit die deutschen nicht gegen billigere ausländische ausgetauscht werden, hat man inzwischen des Betrag auf 32000 € gesenkt. Was uns von allen Seiten als Mangel verkauft wurde, diente nur der Kostensenkung für Unternehmen.

      Zurück zum Pudding: Wer ist dafür haftbar, dass praktisch alle Medien und die Politik die Propagandalüge verbreitet haben? Sind/waren die jeweiligen Sozial- und Arbeitsminister gekauft? Wie hat man die Medienleute rumgekriegt? Hin und wieder ein brauner Umschlag („die einfachste Erklärung ist immer die wahrscheinlichste“) oder ist es doch komplizierter? Vielleicht kann Ulfkotte ein paar Hinweise geben, über „Gekaufte Journalisten“ hab ich da und dort etwas gehört. Bestellt hab ich das Buch erst, nachdem ich den ARD-Bericht gesehen hatte, heute Morgen hat es die Post gebracht. Aber verdammt! Der Verlag! Ich muss es mit größter Vorsicht lesen. 😉

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    • pantoufle sagt:

      Du hast aber auch ein Talent, hier nicht willkommene Namen zu nennen…ts,ts,ts…
      Da muß ich aber warnen: Nicht vor mir und was meine Stammkommentatoren dazu sagen ist ihre Sache – ich mische mich da im Zweifelsfalle nicht ein. Aber warnen vor meinem Haus- und Hoffaschisten Herrn Karl muß ich dann doch. Der liest hier immer fleißig mit, onaniert dann öffentlich und trägt es in die Weiten des Internets. Bei Dir hat er auch schon mitgelesen und nun ist es wie ein schwerer Verkehrsunfall der Evolution: Karlchen klebt auf dem Asphalt, die braune Suppe fliest, alle suchen vergeblich die Reste eines Gehirns – man kann andererseits aber auch nicht wegsehen. Es ist so schön unappetitlich.
      Sag also nicht, es hätte niemand gewarnt.

      Ulfkotte? Islamophobie, Panikmacher, Kopist, unseriös. Ulfkotte, M. Broder, Sarrazin & Co: Eine Mischpoche.

      Zum Rest äußere ich mich mal nicht. Ich bin mitnichten der Meinung, daß hier in Deutschland irgend etwas gefährlich ist. Schon gar nicht, solange man es lediglich auf Blogs oder Foren äußert. Beispiel Herr Karl: Man kann jeden noch so absurden Unsinn behaupten, jede justiziable Denunziation absondern, verunglimpfen oder Falschaussage machen – nichts passiert. Man kann und darf alles. Darin sind sich Karl und Ulfkotte gleich: Gesinnungslose, kleine Ganoven, die man unfassbarerweise frei laufen läßt.
      Ups – ich wollte mich ja nicht zu Ulfkotte äußern… na ja: Kann ja mal passieren.

      Überhaupt sind Verschwörungstheorien nicht mein Ding: Der kleine, braune Umschlag schon gar nicht; die meisten Journalisten würden eher aus eigener Tasche bezahlen, wenn sie nur in der oberen Liga mittun dürften. Bestechung wäre rausgeworfenes Geld.
      Es ist überdies gar nicht so leicht, jemanden zu bestechen (teuer, hinterläßt Spuren, ist nachweisbar) – viel einfacher und erheblich effizienter ist es, ihn dazu zu bringen, aus eigenen Stücken für Deine Interessen zu arbeiten. Was zudem den Vorteil hat, daß er diese Interessen nach kurzer Zeit für seine eigenen hält. Also vielleicht besser Orwells 1984 lesen statt Ulfkotte.

      Das ist im übrigen auch der einzige Grund, warum ich nicht daran glaube, daß diverse Blogger für ihren faschistoiden Unsinn, den sie erbrechen, von »irgend jemand bezahlt« werden. Unabhängig davon, daß sie keine 10 Cent wert wären: Ein kleiner, wohlwollender Kommentar hier, eine Verlinkung da, eine positive Erwähnung und ihre krankhafte Eitelkeit verdrängt den letzten Rest an Selbsteinschätzung oder Misstrauen. Ihre unendliche Gefallsucht läßt sie in jede noch so plumpe Falle hineintapsen. Spaßeshalber habe ich das vor geraumer Zeit einmal ausprobiert und das Ergebnis wäre Stoff genug für eine Doktorarbeit gewesen. Unabhängig davon war es ein Brüller, weil es alle Beteiligten nach der zweiten Zeile wenigstens ahnten, während das »Opfer« bis zum bitteren Ende winselte. (Nicht wahr Karlchen? Du erinnerst Dich? Sie hieß »Melina«, hatte einen wunderschönen osteuropäischen Akzent und soooo lange Haare 😀 ).
      Jedenfalls schleimst Du Dich einfach bei solchen Idioten eine gewisse Zeit ein und auf wundersame Weise schreiben sie zukünftig nur noch, was Du hören willst. Zuckerchen, Zuckerchen – dafür zückt doch keiner die Briefbörse! Funktioniert totsicher! Lebenslange Garantie!

      Ja, Du solltest das Buch mit größter Vorsicht lesen. Warum schreibt er das? Und warum schreibt er über etwas, was Uwe Krüger bereits auf wissenschaftlicher Basis sauber und ohne Geschrei formuliert hat. Genau genommen nur eine schlechte Kopie. Braucht Ulfkotte Geld – besticht ihn keiner mehr? Oder ist es schlichter Futterneid, weil er sich in seriösen Büros nicht mehr sehen lassen kann? Gehen seine islamophoben Theorien gerade nicht gut, weil andere dieses Feld erfolgreicher beackern?
      Wenn getretene Hunde Bücher schreiben, ist immer Vorsicht angebracht. Und wenn jemand verschwörungstheoretisch argumentiert, darf man auch mal in der selben Art zurückfeuern.

      Und natürlich darfst Du hier gerne eine Lanze für Ken Jebsen brechen. In ganz kleine Stücke, wenn Du willst. Du kannst auch gerne berichten, was er so erzählt. Ich hab mir gerade mal die (erstmalige) Mühe gemacht und mir das angehört. Davon eine Transkription zu machen, würde an Rufmord grenzen.
      Vielleicht sollte ich mal… das Beste von. Aber das überlasse ich lieber Ratten, die sich von solchem Müll ernähren. Herrn Karl zum Beispiel 🙂

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      • Bernhard Meyer sagt:

        @ pantoufle
        Zunächst zur Klarstellung: Ich schätze unseren Radiomoderator wegen seiner Interviews bzw. seiner Gespräche. Weil er diese Arbeit macht und dieses Format anbietet. Eine oder zwei Stunden lang verbringt er mit einem interessanten Menschen und lässt den erzählen. Das bringt mir enorm viel. Seine Monologe liegen mir nicht so.

        Es war mir schon klar, dass ich mit Ulfkotte provoziere, aber ich habe dafür einen Grund. Der Mann war mir völlig unbekannt. Dann brachte Jebsen das Interview mit ihm. Und sofort dachte ich: „Das schaue ich mir NICHT an! Warum? Ist das nicht ein Nazi oder ist das der islamophobe Verschwörungstheoretiker?“ So ungefähr, mit etwas weniger Silben, dachte es im Bauch. Irgendwelche Twitter-Schnipsel fliegen durch die Gegend und plötzlich WEISS man, der und der ist ein Antisemit, islamophob usw. Ich bin selbst hereingefallen, wogegen ich dauernd predige.

        Inzwischen fand ich in der Huffington Post folgende Zeilen:

        „So trat er unter anderem der Partei „Bürger in Wut“ bei und warnte vor einer „Islamisierung“ Deutschlands. Seit 2008 erscheinen seine Bücher ausschließlich in dem für verschwörungstheoretische Inhalte bekannten „Kopp-Verlag“, für den auch Eva Herman publiziert.“

        Den ersten Satz sehe ich als wichtige Information, den zweiten als Diffamierung mittels negativ konnotierten Verknüpfungen.

        Das kommt aus der untersten Schublade, aber so was kriegt man laufend zu hören und das kotzt mich an. Ich bin moralisch gefestigt genug, dass ich ein Buch lesen kann, ohne mich zu verderben. Ich werde meinen Horizont durch seine Perspektive erweitern können und seine Erfahrungen von seinen Deutungen unterscheiden. Ich habe nichts gegen geistige Schubladen, wenn man sie sich selbst durch Lebenserfahrung erworben hat und in der Lage ist, gelegentlich umzusortieren, aber alles gegen solche, die man irgendwo billig per Twitter oder im Forum aufgeschnappt hat.

        Noch etwas: Würde der Name „Friederike Beck“ auch erschreckte Reaktionen auslösen? Ich habe vor einem halben Jahr ihr Buch „Guttenberg Dossier“ gelesen und dort sehr viel und zum ersten Mal etwas über diese transatlantischen Kaderschmieden gelesen. War sehr erhellend und hat mich zu weiterem Lesen angeregt. Und Ulfkottes Buch handelt ja auch davon, ich schau mir so etwas gern aus verschiedenen Perspektiven an.

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        • pantoufle sagt:

          Moin Bernhard

          Ich habe nicht in Abrede gestellt, daß Du alt genug bist, selber zu entscheiden, was Du liest oder nicht. Auch kann ich es durchaus vertragen, wenn hier der Name Ulfkotte oder Jebsen auftaucht. Von meinen Lesern erwarte ich allerdings auch, daß sie zur Kenntnis nehmen, daß ich unter Umständen eine andere Meinung über die zur Debatte stehenden Personen habe.

          Wenn jemand über den Kopp-Verlag mit »für verschwörungstheoretische Inhalte bekannt« urteilt, ist das eine recht höfliche Umschreibung des Sachverhaltes. Finde ich. Sage ich auch ganz laut. Ich halte ihn für einen Faschisten-Verlag. Dort wird eine Weltsicht gepredigt, die ich ablehne. Reichsflugscheiben. Das ist unterste Schublade, genau wie »germanische Medizin«, »Die Waffen-SS – Mythos und Wirklichkeit«, »Hitler überlebte in Argentienien« oder »die schleichende Islamisierung Europas«. Letztgenannter Titel übrigens von Ulfkotte.

          »Würde der Name „Friederike Beck“ auch erschreckte Reaktionen auslösen?«
          Wenn Du Dich hier in den Kommentarspalten etwas umsehen würdest, könntest Du schnell erkennen, daß hier so ziemlich gar nichts zu erschreckten Reaktionen führt. Du solltest aber auch nicht erschrecken, wenn »diese Namen« hier zu Schulterzucken oder Gleichgültigkeit führen. Diese Gefahr ist bei weitem größer als die Vermutung, daß einem beim Koppverlag irgend etwas begegnet, das dem Erkenntnisgewinn dient.

          Und im übrigen sei angemerkt, daß es auch niemanden hier interessiert, daß Du ein Buch von Ulfkotte liest, sondern was Du daraus für Schlüsse ziehst. Darüber kann man unter Umständen diskutieren – Bücher lesen tun wir hier alle recht viel. Der Name eines Autors löst hier keine letalen Schockeffekte aus – ich für meinen Teil habe auch Hitlers »Mein Kampf« gelesen, wenn auch ohne jeden Gewinn. Aber immerhin mal gelesen.

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  6. waswegmuss sagt:

    Gefällige Dienstbarmachung nenne ich es wenn Leute Leute zu Meinungs“führern“ machen.
    Indem weil ich in einem Maibritt-Illner-Umfeld arbeite wurde schon der Satz „Markus Lanz ist auch nur ein Österreicher mit Schnauzbart“ sehr verübelt.
    Im Prinzip reichen die Klassiker. Es ist schon alles gesagt – auch von den Kleinen, wie Kurt Schwitters – der wohl von der Aufarbeitung des ersten Weltgemetzels aufgezehrt wurde – und auch Kästner, den ich mehr schätze als den aufgeständerten Tucho.

    http://www.erichschaffner.de/

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    • pantoufle sagt:

      Da ich mich des öfteren schon als Tucholsky-Fanboy geoutet habe… man, man: Was für eine Einleitung!
      Ich schätze ihn jedenfalls seit Kindesbeinen an. Was nichts gegen Kästner sagen soll.
      Ein schönes Gedicht allemal; ich kannte es noch nicht. Besten Dank

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  7. waswegmuss sagt:

    Jetzt aber wo es hingehört.

    Stumm

    Ein Wurm hängt am Angelhaken
    Ein Fisch beißt in den Wurm
    Der Fisch beißt auch den Angelhaken
    Die Angel zieht den Fisch
    Nun hängt der Fisch an der Angel
    Die Angel zieht ihn in die Luft
    Der Fisch stirbt in der Luft
    Die Angel stirbt den Fisch
    Ein neuer Wurm hängt am Angelhaken
    Ein neuer Fisch beißt in den Wurm
    Und neues Leben blüht aus den Ruinen.

    K.S.

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  8. Charlie sagt:

    Ich persönlich empfinde Deine inzwischen fast schon krankhafte Auseinandersetzung mit dem Karl-Troll nur noch als peinlich – ein Vollidiot, der als solcher lange und klar erkannt ist und dennoch stets weiter Deine Aufmerksamkeit erhält, muss sich ja ermächtigt fühlen, mit seinem Mist fortzufahren.

    Mich hat dieser Spinner ja auch eine gewisse Zeit lang heimgesucht; ich habe ihn allerdings konsequent ignoriert und seine ständigen Spamnachrichten schlicht und ergreifend gelöscht – und siehe da: Ich war recht schnell wieder karlfrei.

    Aber diese Binsenweisheit wird Dir vermutlich nicht viel sagen, wenn Du Dich einerseits als Verehrer Tucholskys bezeichnest und im selben Atemzug bekennst, dass Du das Gedicht „Primaner in Uniform“ von Kästner bislang nicht kanntest, das ja nun zur „Grundausstattung“ jeder höheren Bildung gehört, die sich Gehör verschaffen möchte. Karl könnte so einen Blödsinn folgenlos schreiben, der kennt das Gedicht und die damit zusammenhängenden Furchtbarkeiten vermutlich wirklich nicht – aber jemanden, der trotz eigener massiver sprachlicher und intellektueller Mängel nicht müde wird, den Troll immer wieder zu kritisieren und dabei auf einem ähnlichen unterirdischen, oft auch menschenfeindlichen Niveau agiert, kann ich nicht mehr ernst nehmen.

    Du hast Dich in meinen Augen nicht in dem Moment disqualifiziert, als Du Deine bisherigen Ergüsse im Netz gelöscht hast – sondern erst dann, als Du danach wieder angefangen hast, neue Pamphlete unter einer neuen Adresse ins Netz zu stellen. Schlichte Gemüter haben Dich seinerzeit gefeiert, als Du Deinen alten Blog gelöscht hast (aus natürlich gänzlich anderen Gründen als ich) – ich dachte mir aber damals schon, dass ich von diesem Wegelagerer und Karltroll-Fütterer gewiss erneut hören werde. Ich habe mich nicht getäuscht – und auch diesmal ist es natürlich nichts Substanzielles, was ich da zu lesen bekomme.

    Ich hasse es, wenn ich Recht behalte.

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    • Joachim sagt:

      Dummerweise hast Du aber nicht Recht behalten. Jedenfalls irgendwie. Wir diskutieren schließlich.

      Es braucht diese Auseinandersetzung und zwar heute mehr denn je. Einen Blog abzuschalten, sich einen Rauchersalon zu errichten ist folgerichtig, nach dem was geschehen ist. Ebenso wie wieder zu bloggen, den Kreis zu trennen und gleichzeitig zu schließen. Nein? Es ist nicht Dein und nicht mein Blog. qed.

      Es ist die Auseinandersetzung mit den Dingen, die Vorstellung wie es sein sollte, wie es war und warum es nicht mehr so ist. Soweit ich pantoufle verstehe hat er doch vollständig Recht. Das sieht man deutlich an meiner Kritik – so irgend jemand überhaupt etwas darin, in meiner „Kritik“ sieht. Nicht das dies wichtig wäre. Wichtig ist: Kritik wäre unverschämt, wenn er nicht Recht hätte, wenn seine Aussage nicht für notwendig hielte, wenn Auseinandersetzung unnötig wäre. Ich bin anderer Meinung, natürlich. Aber nur weil pantoufle die Vorlage gibt und Thelonious sich damit ernsthaft auseinander setzen. Es sind nicht die Aussagen, die ich in Zweifel ziehe.

      Und deshalb versuche ich wenigstens zu verstehen, auch wenn ich naiv daneben liege. Ich muss nicht Recht behalten und kann es deshalb auch nicht hassen, wenn es so wäre.

      Nehmen wir nur kleine Beispiele. Der Abschnitt um „Ein Recht, eine Möglichkeit, die im Übrigen von der Idee her anonymisiert ist. „. Oh, ein Schal, der das Gesicht bedeckt ist da schon schlecht. Und schalte Dein Smartphone aus, sonst bist Du in der Datenbank. Am besten bist Du einfach dumm und wohlgefällig, gehst gar nicht hin. Wir haben uns daran gewöhnt. Schau mal, so sieht das sonst aus:

      http://blog.todamax.net/wp-content/uploads/2014/12/hoppenbrock-berlin-police.jpg
      (und hier ist mit Absicht auf Max und nicht auf den Zeichner verlinkt. Das schafft ihr schon)

      Oder, da wo sich „Drei in meinem Namen“ versammeln, da muss das in Bayern angemeldet werden. Folgerichtig muss da ja auch deutsch in der Familie gesprochen werden. Oh Mist, da wird es nichts mehr mit der Zweisprachigkeit des Zuwachses. Oder gilt das für gute Teutsche nicht? Egal, das bayrische Versammlungsrecht ist in meinen Augen verfassungswidrig.

      Ob Appel Flugblätter verteilt oder „putinversteher“ der Vorteilname verdächtigt wird, das macht nicht den Unterschied. Pantoufle bringt die Beispiele. Staatlich verordnete Sicht der Welt. Dummheit. Wundern tut mich freilich, dass dies niemand sieht, ganz als würde der Scheiß noch funktionieren. Nur pantoufle meint: „Niemand ist gezwungen..“. In der Tat. Die Folge ist: man sollte sich nicht verarschen lassen. Das tun wir (als Gesellschaft) aber. Da darf und muss man protestieren.

      In der Tat kann man die Krise kriegen und Ignoranz ist ein zweischeidiges Schwert. Was für den Karl und für Trolle gilt, bedeutet nicht, dass man sich selbst zu der verschwindenden Minderheit zählen muss. Es ist ein schmaler Grad. Man muss sich immer wieder neu positionieren bei einem wandernden Ziel. Bei einen politischen Ziel, dass eine ganze Gesellschaft von Solidarität auf Individualität um eicht. Die schwarze Null, koste es was es wolle. Leistung ist gemeint. Leistung, von der nur Andere profitieren. Es ist wie Weihnachten: „Oh Weihnachtsmann, ob Weihnachtsmann, gib alles her“. (Aus einem Kinderlied, dass ich dann verworfen habe. Die armen Kinder…). Nur dass Du hier der Weihnachtsmann bist.

      Was meinst Du, ist da etwas Substantielles, das ich da bei Dir lesen kann? Eine rhetorische und fiese, provokante Frage. Ich darf die stellen. Nein nein, Unsinn schreibst Du nicht. Deshalb darf ich das.

      Ja, provokant, jedoch eine Frage ohne Antwort. Was passiert morgen? Hast Du recht behalten? Natürlich! „ICH denke, also bin ich“. Du hast Recht. Jeder hat irgendwo Recht.

      Ich persönlich finde, recht zu behalten ist sehr einfach, wenn man die Kriterien selbst auswählt. Gut gut, das habe ich gerade selbst getan. Aber ich muss ja auch nicht Recht behalten.

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      • Joachim sagt:

        Pantoufle, ich muss mich korrigieren. Gestern war ein sch…ß Tag. Wenn der einzige Lichtblick des Tages eine relativ nette Frage Deines Chefs ist, dass weißt Du, das ist ein sch…ß Tag.

        Mein Text war schon richtig. Bis auf die Worte dazwischen. Gereicht hätte nach einiger Überlegung: „hast Du aber nicht Recht“, „es ist nicht Dein und nicht mein Blog“, „unverschämt“, „ist da etwas Substantielles(?)“ und so weiter in diesem Sinn.

        Mein „hat er doch vollständig Recht“ gab mir zu denken. Es ist fast so, als hättest Du eine Sockenpuppe plaziert, um nachzuweisen, das es so ist. Unabhängig davon, ob es so sein könnte, wie absurd, falle ich auch noch darauf rein… Okay, der Tag war sowieso versaut. Aber es ist bald Weihnachten. Auf dem Weihnachtsmarkt wird für Tierfutter gesammelt. Ich fütter eben die Trolle direkt.

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