Mein Herr: Mit Verlaub – Sie sind ein Schwein!

„Oskar! Oooskar!! SpOn! Hast du das auch gelesen?“ Auf meinen Kampfhund ist Verlass! Er liest den Spiegel immer vor mir, zerkaut ihn dann genüsslich und lässt mir nur das (geänderte) Titelblatt. Dann sieht er mich mit großen, weidwunden Augen an und bellt, daß es sich nicht lohne, diesen Sülz zu lesen. Das ist grundsätzlich in Ordnung, der Speichelfluss des Hundes kann die Lektüre des Blattes auch nicht nennenswert unangenehmer machen als der Inhalt an sich ist – es ist Montag, Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer schlägt wieder ihm Rahmen seiner begrenzten intellektuellen Möglichkeiten um sich. Oskar: Ein Keks! – er sei dein!

Diesmal geht es um… die Spannung steigt.. unerträgliche Stille… der Sabber tropft: Japan! Natürlich nicht Japan, sondern alle, die sich dafür einsetzen, das sich so eine Katastrophe in Deutschland nicht wiederholt. Das sind die „Berufs-Betroffenen“, „Mahnwachen-Manischen“ und Atomgegner überhaupt.

Eingangs stellt Herr Fleischhauer fest, daß andernorts in Europa erst einmal still gewartet wird, bis „belastungsfähige“ Informationen vorliegen, während in Deutschland schon gemahnwacht wird. Das kann ich wenigstens von meinem Standort „irgendwo in Europa“ nicht bestätigen: Die Neuseeländer, Australier, Briten und Amerikaner, mit denen ich täglich zusammenarbeite, warten seltsamerweise nicht in der von Herrn Fleischhauer beschrieben Weise. Das mag damit zusammenhängen, das einige von ihnen direkt betroffen sind – sei es, das ihre Familien im Einzugsbereich der Katastrophe leben oder sie dort Freunde haben – oder wir Kunden und Kollegen in Japan haben, deren Schicksal uns sehr wohl berührt. Die Demonstrationen in Deutschland finden hier in England jedenfalls eine positive, wenn zuweilen auch kritische, Resonanz.

Die verwegene Idee, die eigene Twittermeldung zu posten, in der man unterstellt, das die Atomkraftgegner ja nur auf diesen Unglücksfall gewartet hätten, um auf die Straße zu gehen, wird vom Bundestagsabgeordneten Volker Beck mit „Inhuman, widerlich und zynisch“ gewertet. Wo er recht hat, hat er recht. Herr Fleischhauer: Da haben sie aber Glück gehabt, das sie das nicht hier bei uns in der Nähe abgesondert haben. Da hätten weder Oskar noch ich ihnen helfen können; da lacht der Zahnarzt, der Optiker und Oskar…. ich, Humanist, der ich bedauerlicherweise bin, laufe nach Pflaster…

Dann kommt das Kapitel : „Wie Apokalyptiker ticken“. Hier kommen eine Klamotte mit den Zeugen Jehovas. Wer den Konflikt zwischen Robert Koch und Max Pettenkofer nicht nachvollziehen kann, zieht eben die Zeugen Jehovas aus dem Zylinder und glaubt weiterhin an Miasmen. Wie so oft kann man den Mittelteil getrost und ohne Verlust übergehen, wäre da nicht die Einleitung über die Dinge, an denen man auch noch sterben könnte. Energiesparlampen zum Beispiel. Und der Autoverkehr. Oder wie Sie sagen: Wer lebt, setzt sich Risiken aus. Oder wer so etwas wie Sie in diesen Zeiten schreibt, setzt sich Risiken aus… aber das haben nicht sie gesagt, sondern ich. Nein, nein: Bevor sie hier nach dem Staatsanwalt wimmern oder der Polizei – ich tue ihnen nichts! Nicht einmal Oskar! Wir rufen nicht einmal dazu auf! Wir rufen vielmehr alle Leser dazu auf: Lasst ihn in Ruhe! Fasst ihn nicht an!

Der Herr kommt nicht auf schwere Säbel – er ist nicht satisfaktionsfähig.

Herr Fleischhauer, mit Verlaub: Sie sind ist Schwein.

Stichwort Apokalypse: Fernseher einschalten!

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0 Kommentare zu Mein Herr: Mit Verlaub – Sie sind ein Schwein!

  1. Klicka Klacka sagt:

    Die Apokalyse ist näher als man denkt

    0

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