Matussek can’t dance

Matussek, Matthias, der Franz Josef Wagner der »Welt«. Nichttänzer. Journalist.
Weil Matussek Journalist als Berufsbezeichnung angegeben hat, fühlt er sich hin- und wieder verpflichtet für Geld zu schreiben. Nicht nur darin ähnelt er F.J.Wagner. Immer wenn der Schnaps zur Neige geht.

»Was zunächst auffällt: Sie können gar nicht tanzen.
Meistens ist es eine Art Gefuchtel zu Lärm mit verzerrten Gesichtern. Was daran liegt, dass sie nicht tanzen wollen, sondern demonstrieren. Ihr Tanz ist kein Ausdruck von Freude und Lebenslust. Sie tanzen aus Prinzip. Um gegen das Tanzverbot zu protestieren. Und meistens sprechen sie schwäbisch. Oder sie berlinern und tragen schwarze Halstücher, was genauso grausam ist.«

Was zunächst auffällt: Er kann gar nicht schreiben.
Meistens ist es eine Art Gefuchtel zu selbsterzeugtem Lärm mit verzerrtem Gesicht. Was daran liegt, daß er gar nicht schreiben will, sondern missionieren. Sein Gejaule ist kein Ausdruck von Freude und Lebenslust. Er jault aus Prinzip. Um gegen die Tanzenden zu protestieren. Und meistens schreibt er abgehackt. Oder katholisch und trägt dabei schwarze Umhänge, was genauso grausam ist.

Es fällt schwer, sich mit diesem Geschreibsel ernsthaft zu beschäftigen. Matussek fiel vor einiger Zeit mit dem Zitat »… dann bin ich halt homophob!« sowohl auf, wie auch aus der Rolle. Später erklärte er diesen Satz für Satire – eine Erklärung, die sich bei seinem Artikel geradezu aufdrängt.

»Christlich ist unsere Herkunft, unsere Tradition, christlich ist unser Menschenbild (“Die Würde des Menschen ist unantastbar”), christlich ist unsere Bildung, christlich ist unsere gesamte Anthropologie inklusive der gleichen Rechte für Frauen, die erkämpft wurde, christlich auch die Aufklärung seit Thomas von Aquin, christlich die Überzeugung, dass Männer, die sich küssen, nicht an Kränen aufgehängt werden und Frauen, die sich in einen anderen Mann vergucken, nicht gesteinigt werden sollten«

Allein dafür sollte man ihn an den Füßen aufhängen, während »Verstehen Sie Spaß?« der letzten 20 Jahre aus dem Fernseher vor ihm läuft. Diesen Unsinn sachlich zu widerlegen ist reine Zeitverschwendung: Nicht durch das Christentum, sondern dagegen mußte es durchgesetzt werden. Aber ein Filou ist er ja, der Matussek. »[…] nicht gesteinigt werden sollten«. Konjunktiv. So recht glaubt er zwar daran, daß sich der (tote) Revolutionär Jesus über ein wenig Getanze an seinem Todestag ärgert, aber nicht an den Blödsinn, den er selber schreibt.

Egal! Wer zahlt, glaubt.

»Nun, was die „individuellen Glaubensansichten Einzelner“ angeht: So ganz individuell sind sie nicht, immerhin bekennen sich zwei Drittel unserer Gesellschaft als kirchensteuerzahlende Christen, die am Karfreitag den Tod unseres Herrn am Kreuze betrauern.«

Ein interessanter Ansatz, der nahelegt, daß sämtliche Steuerzahler Auslandseinsätze der Bundeswehr, Stuttgart21 oder die Elbphilharmonie befürworten. Na schön: Das Beispiel hinkt. An Gott muß man glauben, nicht aber daran, daß mit unseren Steuergeldern etwas Vernünftiges geschieht. Ergo muß man wohl auch an Matussek glauben, bevor einem dieses Argument einleuchtet. Aber stellen wir trotzdem einmal fest: Sein Kreuz, seine Leiche! Reliquienverehrung einer rückwärtsgewandten Sekte.

Das Endspiel einer Fußballweltmeisterschaft ist ein Straßenfeger oder die Ponderosa-Ranch – der Karfreitag ist es nicht. Davon kann sich der Herr Qualitätsjournalist gerne selbst überzeugen. In jedem beliebigen Kneipenviertel, wo die Kirchensteuerzahler an den Theken feiern. Aus Dankbarkeit für das extralange Wochenende.

Nuff said

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0 Kommentare zu Matussek can’t dance

  1. waswegmuss sagt:

    Soso, dieser Herr hat also Angst vor Schwulen und Lesben. Bekennend. Die sind doch harmlos.

    Ich schweife ab.

    Was nun – und ja, ich bin ziemlich katholisch – dieses Tanzverbot betrifft: Warum sollten andere etwas tun oder unterlassen nur weil ich einer Religion angehöre. Genauso wenig muss ich etwas tun weil Jesus am Kreuze gestorben wurde. (Diese Geschichte ob er denn überhaupt gelebt hat oder nur eine Erfindung von Paulus war lassen wir mal außen vor.)
    Es ist auch nicht das Wort des Mattuseck,. Was hier gewaltig auf dem Senkel geht ist der krampfhafte Versuch ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Daher Zustimmung.

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    • pantoufle sagt:

      Ob jemand an einem bestimmten Tag nur ungesäuertes Brot essen darf, nicht arbeitet oder nur ungekochte Spaghetti ohne Salz verzehren darf, ist mir vollkommen gleichgültig – jeder, wie er mag. Wenn sich aber eine Glaubensgruppe allein dadurch in ihren Riten gestört fühlt, wenn Ungläubige im selben Stadtteil im Keller tanzen oder Filme sehen, die bei ihnen auf dem Index stehen, ist das in keiner Hinsicht mehr vermittelbar.

      Dazu kommt speziell im Fall Matussek etwas anderes – und das ist, was Du ansprichst: Im Grunde kümmert es es ja nur eine homöopathische Minderheit. Diejenigen, die Matussek tatsächlich ansprechen will, sind die, die sich daran überhaupt nicht mehr erinnern können, daß es dieses Gebot gibt.
      Dazu stellt sich die Frage, was die Riten einer Glaubensgemeinschaft wert sind, wenn sie mittels Gesetz geschützt werden müssen. Entweder sind sie gesellschaftlicher Konsens oder Ausstellungsstücke im Museum. Der selbsternannte Prophet Matussek, der den Untergang verkündet, so die Gebote nicht eingehalten werden, ist einfach nur lächerlich. Aber auch für ihn gilt natürlich, daß er seinen Fruchtbarkeitstanz im Rahmen der Meinungsfreiheit hüpfen darf. Nur sollte man das nicht mit Katholizismus verwechseln. Oder den Werten, die dieser Religion vielleicht einmal besaß.

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  2. flatter sagt:

    Kurz mal zur Behauptung von dem Clown: 2012 waren noch 63% der Bevölkerung (schlimm genug) Mitlglieder in den steuerpflichtigen Sekten, von denen mitnichten alle zahlend.
    Die zahlenden wiederum werden in den Berufsgruppen Gesundheits- und Sozialwesen nachgerade zur Mitgliedschaft genötigt,, da der Markt von christlichen Trägern durchseucht ist, die Nichtchristen diskriminieren – was übrigens mit dem Diskriminierungsverbot des GGs im Einklang steht. Gottes Ratstuss wohl.

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    • pantoufle sagt:

      Die Zahlen hatte ich gestern Nacht nicht mehr gefunden. Diese Zahler aber mit »Likes« zu verwechseln, ist schon dreist von diesem Schaumschläger.
      Die stattfindende berufsbedingte Nötigung ist noch einmal ein ganz anderes Kapitel.

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    • waswegmuss sagt:

      Da gibt es noch eine Sparte im Bereich „funktionaler Dilettantismus“: Die Kammern. Sie verdienen ihr Geld durch Zwangsmitgliedschaften. Mit diesem Geld werden demokratiefeindliche Aktionen wie Freihandelsabkommen etc. vorbereitet und durchführt. Sie haben vollkommen unkontrolliert das Recht Prüfungen durchzuführen und Bewertungen vorzunehmen.
      Dagegen sind die „Sekten“ nur Folklore – und mit dem Aussterben von unentgeltlich arbeitenden Personal in Form von Brüdern und Nonnen letztendlich nicht mehr rentabel. Somit dürfte der konfessionelle Klassendruck demnächst Geschichte sein. Da hilft auch das Überführen solcher (Unter-)Organisationen in Stiftungen auch nicht weiter.

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  3. flatter sagt:

    Der Anteil von Kirchengeldern in der Finanzierung aller Tätigkeiten von Caritas und Diakonie beträgt insgesamt etwa zwei Prozent. Die beiden Kirchen finanzierten von den rund 37 Milliarden Euro Kosten der Einrichtungen in der Trägerschaft von Caritas und Diakonie im Jahr 2003 insgesamt etwa 830 Millionen Euro.“ (Wikipedia, ungeprüft). Das sind Großkonzerne, nicht nur Sekten. Sie werden sich ggf. noch weiter den Nichtkonfessionellen als Sklaven öffnen müssen, aber ihre tragende Säulen sind nicht die Ehrenamtlichen, sondern Immobilien, Kapital und Einnahmen aus den Geschäften.

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  4. daMäx sagt:

    Schön geschrieben. Nuff said.

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