Locker bleiben

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Das Leben Die Kommentarfunktion der anderen. Da lob ich mir die Editierbarkeit auf dem eigenen Blog und schreibe lieber hier.
Die Kiezneurotiker schreibet von einem Konzertbesuch und fängt sich nun sicher wieder einige »Abo-Kündigungen« ein, diesen finalen Aufschrei des altbewährten Lesers, wenn es nicht nach seiner Meinung zugeht. Und da ist auch schon der erste: »Örgs, Onkelz-Rotz. Und tschüss.« Auf die allgemein beliebten, differenzierten Kommentare von »skFFM« wird man in Zukunft wohl vergeblich warten. Das ist bitter und da tröstet es auch wenig, daß morgen wieder die Sonne über dem Horizont erscheint, wenn auch über verbrannter Erde – einem Trümmerfeld zerstörter Sympathie und Zuneigung.
Armer Kiezneurotiker!
Die Schrottpresse, Fachblatt für Trost und starker Schulter zum ausheulen, bietet von dieser Stelle selbige zum anlehnen an, ersatzweise Streicheln des Redaktionskampfhundes Oskar für 7 Minuten.

Soso… die Bösen Onkelz waren es also, in deren Getümmel sich Kiezneurotiker begeben hat. Die Meinung der Schrottpresse über diese Band ist bekannt und hat an entsprechender Stelle bereits zu bemerkenswerten Reaktionen von Fans dieser Band geführt. Diese fielen nicht allein durch originelle Rechtschreibung, sondern auch durch ein gar wunderliches Weltbild auf. Muß man deswegen auf ein Konzert dieser Band?
Hochachtung jedenfalls erst einmal, wenn es ein vollsinniger macht. Das hätte die Redaktion der Schrottpresse nicht getan: Nicht wegen Angst, sondern weil es unnötig ist, der 100.000 und Einte Besucher zu sein. Eintritt bezahlen für so etwas schon mal gar nicht und damit kommen wir langsam zu den Punkten, die mir an Kiezneurotikers Reisebericht weniger gefallen.

Fangen wir mal an…

Die Herde, die spätestens 1933 hinter den romanischen Fackeln des Führers und seinen Kumpanen hinterherdackelte, waren auch keine Nazis. Oder nur sehr wenige davon. Das waren genau diejenigen, die KN richtigerweise als als Ausgegrenzte und Verlierer bezeichnet. Vergleichsweise wenige braune Hemden marschierten damals einer Masse von zivil gekleideten voran. Das Wort Holocaust fiel so wenig wie »Bomben auf Engeland«.
Was erwartet man denn nun auf einem Böse Onkelz-Konzert? Hakenkreuzfahnen schwingende, die nationale Erhebung herbeiflennende Menge rasierter Thor Steiner-Kunden? Ein Eins-zu-Eins Abklatsch bekannter Bilder aus den Geschichtsbüchern? Das wäre nicht nur naiv. So wenig die »Nationale Alternative« oder »Bürgerbewegung pro Deutschland« eine Nachfolgepartei der NSDAP ist oder auch nur oberflächliche Ähnlichkeit damit hätte. Der Rechtsradikalismus des 21. Jahrhunderts sieht anders aus, hat ein anderes Publikum und tritt anders auf. Niemand im ungarischen Parlament trägt Thor Steiner und auch nicht bei der englischen UKIP.

»Da vorne steht der Weidner mit seinem Charisma, von dem ich froh bin, dass er es zur Mäßigung nutzt. Würde er heute vor diesen Hunderttausend den Marsch aufs Kanzleramt oder – ein wenig niedrigschwelliger – aufs nächste Flüchtlingsheim proklamieren und sich gleich an die Spitze setzen, dürfte ihm ziemlich sicher mehr als die Hälfte ihm folgen.«

Mehr als die Hälfte, möchte man meinen. Diejenigen, denen das Eintrittsgeld für die Show fehlte, wahrscheinlich auch.
Da liegt verborgen unter der zertrammpelten Wiese in Hockenheim ein Henn-Ei-Problem. Die Masse der Entrechteten ist nämlich nicht wegen der mäßigendenen Kommentare Weidners dorthin gekommen. Wetten das? Und – wenn wir gerade bei Flüchtlingsheimen sind – werden bei den dortigen Pogrom-Imitationen auch nur selten Nazi-Symbole offen zur Schau getragen. Das sind nämlich meist keine Nazis, sondern ganz einfach gestrickte Bürger. So wie bei den Montagsspaziergängen.
BTW: Stephan Weidner wurde bei solchen Gelegenheiten meines Wissens dort niemals angetroffen, um zu Mäßigung aufzurufen. Da könnte er einmal seinen Einfluß auf die Massen nutzbringend zur Geltung bringen. Wenn nicht da, wo sonst? Nur gegen Bezahlung auf der Bühne?

Die Beobachtungen von Kiezneurotiker (denen meine Hochachtung und mein Interesse gilt) sind erwartbar. Naiv wäre es gewesen, auf dem Hockenheimring eine Wiederauflage der Nürnberger Parteitage zu erwarten. Nicht minder naiv ist es allerdings, dort nicht den potentiellen Pool der nächsten Mitläufer wahrzunehmen.
Ernst Röhm hatte auch mal zur Mäßigung aufgerufen.

Pegida marschiert mit mutig festem Schritt

Herr Weidner: Ihr Einsatz!

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0 Kommentare zu Locker bleiben

  1. flatter sagt:

    Na toll, mir zuvorgekommen! Danke auch! Pff …

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  2. Raze sagt:

    OK, dann muss ich wohl doch was schreiben. Als jemand, der auch da war, und jemand, der tatsächlich wegen der Show hin ist.
    Natürlich, Nazikram war auf dem Gelände nicht zu sehen. Den filtert die Security doch vorher raus, und die Faschos kennen das doch von den Demos. Da dreht man doch einfach das Shirt auf links, klebt die Tattoos ab, und dann war’s das. Die beiden Figuren in den Landser – Shirts, die auf dem Fussweg zum Ring rumlungerten, haben das wohl auch gewusst.
    Dass da welche vom rechtem Rand unterwegs waren, musste auch ein Herr Weidner zugeben, als er erwähnte, dass die Schwarzen vom Personal an den Bierständen davon erzählt haben.
    Nun ja. Die braune Pest ist leider überall, und gerade bei solchen Veranstaltungen. Kenne ich leider schon aus dem Rest der Metalszene.
    Natürlich ist das ein Sammelpunkt für die Mitläufer. Und dass die Nazis gerne mit Musik ködern, wissen glaube ich auch alle. Mussten die Ärzte ja auch mal feststellen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Band was mit den Rechten zu tun haben will. Das stört doch im Ernstfall nur beim Geldzählen. Mir gefällt diese Einstellung genau so wenig wie z.B. Lemmys Sammlertick bezüglich Nazikram.
    Du hast nen Punkt mit Deiner Ansicht. Aber ich habe das Gefühl, Du unterscheidest manchmal nicht zwischen denen auf der Bühne (die wahrscheinlich einfach nur ein gutes Geschäft machen wollen) und denen vor der Bühne (die grösstenteils einfach jemand suchen, den sie anhimmeln können).
    Verflixt. Jetzt muss ich wohl doch selbst was schreiben.

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  3. pantoufle sagt:

    Moin Raze

    »Aber ich habe das Gefühl, Du unterscheidest manchmal nicht zwischen denen auf der Bühne (die wahrscheinlich einfach nur ein gutes Geschäft machen wollen) und denen vor der Bühne (die grösstenteils einfach jemand suchen, den sie anhimmeln können).«

    Hmmm… Also wenn Du hier schon mal gelesen hast, weißt Du wahrscheinlich, daß ich in diesem Gewerbe arbeite. Eine Unterscheidung mache ich da schon aus rein beruflichen Gründen.

    Aber der Punkt ist ein anderer. Pfaffen, Journalisten, Politiker und eben auch Musiker stehen auf irgend einer imaginären Bühne und streuen ihre Weisheiten unters Volk, das doofe. Aus den unterschiedlichsten Gründen, wobei Geld sicherlich den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt. Einige ganz wenige haben es auch begriffen: Damit geht man eine Verantwortung ein! Der Rest hat es auch begriffen: »Oh prima! Das kann man erstklassig missbrauchen!«

    Beiden Seiten gemein ist der Begriff der Verantwortung. Ob sie ihn konstruktiv wahrnehmen, ist dabei das, worum es in meinem kurzen und durchaus freundlich gemeinten Statement ging. Eines meiner Kinder ist ein Metal-Head und hat einen guten Reicher dafür entwickelt, wo das Ei faulig braun riecht. Es ist also nicht so, daß das grundsätzlich bei den Fans im Verborgenen bliebe – in wie weit die engstirnige Indoktrination des Erzeugers das in diesem Fall gefördert hat, ist hierbei nebensächlich. Auch eine Frage der Verantwortung.

    Bei der unterstellten Verantwortung spielt es eben auch eine Rolle, an welche mehr oder weniger edlen Instinkte von der Bühne herunter dabei appelliert wird. Die Meinung, daß die Bösen Onkels nicht gerade für Völkerverständigung, Humanität und Frieden stehen, sei mir bitte gelassen.

    Die Unterscheidung von Musiker und Publikum? Sie wird an einer Stelle schwammig und unscharf. Dann nämlich, wenn ein einzelner Mensch vor 30.000 oder mehr anderen Menschen das alleinige Rederecht und Wahrheitsanspruch von seiner Kanzel vertreten darf und die selige Menge auch noch den letzten Scheiß als Offenbarung abfeiert. Dem Menschen dort oben hat keine Schule, kein Psychologe und kein Weiser beigebracht, wie man diesen Rausch, in dem man sich »dort oben« befindet, bei guter geistiger Gesundheit übersteht. Wenige lernen es, die meisten nicht und die allermeisten sind glücklicherweise viel zu schnell wieder aus den Schlagzeilen, als daß sie viel Unheil anrichten könnten.
    Die jubelnde Menge sieht den Besoffenen und möchte selber gerne so besoffen sein. Oder die Botschaft glauben, weil sie glauben wollen, weil sie von so vielen Gläubigen umgeben sind. Zutiefst verständlich, aber eben auch eine technische Grundlage des Faschismus. Das sollte man wissen – beide Seiten sollten es begreifen und entsprechend kritisch mit diesen Gefühlen umgehen.
    Da treffen sie sich, der Botschafter und sein Volk! Was im Metal mit Runenromatik und einer kleinen Friedhofsschändung noch ganz putzig sein mag, kann aber auch schnell in unangenehmere Bereiche abdriften.
    Dafür mache ich nicht die Fans verantwortlich, sondern diesen Mechanismus, der dahintersteckt.

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    • Raze sagt:

      Also den letzten Absatz kann ich unterschreiben. Und dein Bild von den Onkelz – na ja, sie stehen tatsächlich nicht dafür. Ich glaube, ich habe es durchblicken lassen: Es geht ums Geld. Und was ich ihnen vorwerfen kann, ist, dass sie die Verantwortung, von der du sprichst, nicht übernehmen wollen.

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  4. flatter sagt:

    Immer diese Diskurshanseln. Am Ende bleibt nie wer zum Aufhängen. Boooring!

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    • So isses doch! Endlich sagt’s mal einer. Laterne Laterne Sonne Mond und Sterne. Wie viele faschistoide Texte muss man eigentlich bei euch Alphabloggern noch bringen, um endlich aus der Blogroll zu fliegen? Und wenn wir gerade dabei sind: Die Shitstorms sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Keine Morddrohung. Kein Hashtag. Und gerade mal zwei Abokündigungen. Lausig. Toll übrigens auch, dass der Zitiernazi aka der Schrottpresser den einzigen Absatz mit einer ekelhaften Wortdopplung rausklaubt, um ihn hier prominent auszustellen. Methoden wie unter Stalin. Einfach widerlich.

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    • pantoufle sagt:

      So,jetzt ist aba echt Schicht im Schacht! Mich Alphablogger nennen und noch so ganz nebenbei Väterchen Stalin dafür verantwortlich machen!
      Und faschistoide Texte kann ich selber – da brauche ich nicht über den Gartenzaun zu pinkeln! Drei Ausrufezeichen. Drei! Nein: Vier! Fünf!

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  5. Publicviewer sagt:

    Keine Ahnung was einen auf einen Onkelz-Konzert dackeln laesst?
    Noch weniger, warum Flatter so einen Wind darum macht, ausser vieleicht die Leserkompetentz seine Leser a la Fefe zu testen…was im Uebrigen eben auch nur eher mehr Verwirrung als Klaerung der ohnehin immer komplizierteren werdenden Zusamenhaenge des Weltgeschehens macht….
    Just my 2 cents folks so wie Lazarus vielleicht antworten wuerde….

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  6. Stefan R. sagt:

    Wow, bei einem Alphablogger kommentieren – die Ehre, die Ehre! 😉
    Mir waren diese Onkelz immer irgendwie suspekt, habe die sie nie gemocht. Was ich von denen mitbekommen habe, war entweder maßlose Selbstüberhöhung, die wohl irgendwie ironisch sein soll (was sich mir aber nie erschlossen hat) oder passiv-aggressive Pose des ewig missverstandenen, geprügelten Hundes. Das hat mit Haltung oder Selbstbewusstsein wenig zu tun, sondern eher mit Selbstmitleid. Vom Verhalten dieses Sängers bei Gericht will ich gar nicht erst reden.
    Natürlich sind die Onkelz keine Nazis, ihre Fans sicher mehrheitlich auch nicht. Wie Frei.Wild nicht, wie Gabalier nicht, wie Laibach nicht. Sie haben über die Jahre ein erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt, denen, die sich an den Rand gedrägt fühlen, höchst effektiv die Kohle aus der Tasche zu ziehen. Aber die Grundhaltung, die da zelebriert wird, erkenne ich momentan an diversen Stellen der Republik wieder, und mir ist nicht wohl dabei.

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  7. waswegmuss sagt:

    Könnt ihr nicht mal auf Cui-Bono-Modus umschalten?

    Das war keine Reunion von den BösenOnkelz. Kevin Russel brauchte Geld und seine Kumpels haben ihm geholfen.(http://www.sueddeutsche.de/panorama/prozess-wegen-fahrerflucht-brutale-szenen-1.1004525)
    Das hat nichts mit Nazis zu tun. Die Veranstaltung heißt: “Jeden Morgen stehen 100.000 Idioten auf…”

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  8. Lazarus09 sagt:

    Pöhse Onkelz …. das sind doch die mit dem unglaublich miesen Leadsänger Rennfahrer der vollgedröhnt in anderer Leute Auto fährt und danach die Fliege macht ..oder ?

    waswegmuss Er hat seine Strafe abgesessen. Die Sucht überwunden.
    Von daher Strich drunter.

    ..der hat gar nix abgesessen soweit ich weiss du Nase.. *warte nachguck * Klar,von seinen 2 1/4 Jahren ,nach 3 Monaten raus zur Drogentherapie .. Sucht überwunden,Strich drunter, jo klar doch * facepalm * ach so, ne beschissene Entschuldigung für das arme Schwein was er zum Krüppel gefahren hat hatte wohl auch nicht …

    Ich würde auf keines seiner Konzerte gehen oder seinen Schund kaufen ..ich würde aber auch nicht sPD wählen ..oder Mutti 😉 nix für ungut …

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  9. Ach nein. Nicht diese bescheuerten »Onkelz«.

    Deren fans hatten früher zumindest die drollige angewohnheit, menschen, die sich auf schulfeten mit ausländern abgaben oder so eine rein zu hauen. Davon habe ich immer noch eine narbe mitten im gesicht. Ein schönes andenken, das ich gewiß niemals vergessen werde.

    Die »Onkelz« haben aufgehört »Türken raus« zu grölen, weil es dem geldverdienen abträglich wäre, sich so zu verhalten. Ob die nun »rechts« sein sollen oder nicht, ist mir egal. Ausgemachte arschlöcher sind sie doch auch so.

    Sicher. Sich ignorant und arschig zu verhalten ist äußerst »cool«. Sich in die herde einzureihen, einem arschloch hinterherzurennen ist allerdings dämlich, wird trotzdem gern getan. Es gibt so viel tolle musik, die spaß macht, daß es mich wundert, daß tatsächlich jemand bei den »blöden onkelz« hängen bleibt.

    Dumme musik für dumme menschen.

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