Links

Seit geraumer Zeit steht auf der Toilette unten im Flur ein (Wie nennt man das? Seifenspender? »Eine Spende ist eine freiwillige Zuwendung für einen religiösen, wissenschaftlichen, gemeinnützigen, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Zweck.« Wikipedia.) Seifenspender.
Es wurde mir beim Schreiben schnell klar, daß ich diesen Satz keinesfalls an den Anfang stellen sollte.
Jedenfalls »spendet« der Apparatus Seife in der Geschmacksrichtung Melone. Eine Idee unsere Jüngsten. Meine Vorstellung der Frucht Melone scheint ein Leben lang eine Falsche gewesen zu sein. Außerdem enttäuscht das Produkt auch dahingehend, als daß das Melonenaroma nicht dazu führte, daß sich der Kleine regelmäßig oder auch nur situationsgebunden die Hände wäscht.
Nicht empfehlenswert.

Was wollte ich sagen? Ach ja, Links. Was einem am Morgen so auffiel und wozu man eigentlich etwas sagen könnte. Andere Blogs machen das auch so.

Link Nummer 1. Jens Rehländer »Aus für Spiegel Plus? Keiner kauft Nachrichten im Netz«
Bezahlter Journalismus für mehr Qualität? Da hatte der eine oder andere ohnehin Zweifel.

»Dass Spiegel Online „auf Anspruch“ gepolt werden sollte, ist mir in den letzten Monaten ohnehin verborgen geblieben. Im Gegenteil: Eher registriere ich seit über einem Jahr mit wachsendem Unbehagen ein Ausfransen in Richtung Non-Nachrichten und Nonsens.«

Rehländer bemerkt zu recht, daß sich Häme darüber nicht empfiehlt, auch wenn das in diesem Fall nicht so einfach ist. Auch in Zeiten des Internets müssen Journalisten überleben. Nur eben nicht so.

In den USA gibt es übrigens immer weniger […] Nachrichtenredakteure. Das erledigen inzwischen Nachrichtenroboter.

Link Nummer 2. Isabelle Klein und André Beyer »Pop ist kein weißer, heterosexueller Mann«
Frauen auf der Bühne, Frauen hinter dem Mischpult, Frauen in der Produktion.

»Wir schauen nicht nur auf, sondern auch hinter die Bühnen, blicken in Labelbüros, Musikredaktionen und hinter die Mischpulte.«

Was stört mich nur an diesem eigentlich interessant geschriebenen Artikel? Natürlich habe ich als heterosexuelle, alter, weißer, männlicher Tontechniker einen etwas anderen Blick auf die Szene. Man hat nicht mal eben hinter das geschaut, was man für die Kulisse hält, sondern steckt rettungslos drin.
Ja, es gibt weniger Frauen als Männer in diesem Gewerbe. Nein, es werden nicht mehr oder weniger zotige Witze über sie gerissen als über jedes andere Opfer, das sich anbietet. Eher weniger. Und ein entschiedenes Nein: Frauen werden keinesfalls als »zweitklassig« oder Quotenfüller betrachtet. Es ist im Gegenteil eher so, daß man automatisch davon ausgeht, daß eine Frau ihren Job eher beherrscht als ein Mann. Was schlicht damit zu tun hat, daß eine Frau erfahrungsgemäß in dem Gewerbe mindestens doppelt so gut sein muß wie ihre männlichen Kollegen um ernst genommen zu werden. Darin liegt die eigentliche Ungerechtigkeit, aber auch der Grund, weshalb sie in der Regel  Ansehen genießen.
Der Artikel von Isabelle Klein und André Beyer ist wie gesagt lesenswert. Man darf gespannt sein auf ihre nächste Reportage: Gender auf der Bohrinsel, Frauenquote in der Hochseefischerei – Maurer, die letzte Domäne der heterosexuellen, zotenreißenden weißen alten Männer.

Link Nummer 3. Laurie Penny: »Es ist nicht elitär, dem Faschismus ins Auge zu blicken und ihn zurückzuweisen«

»Wenn du wütend und aufgebracht bist, heisst dies nicht, dass du realitätsfremd bist. Wenn du findest, dass am Wahltag grosses Unheil angerichtet wurde, macht dich das nicht zu einem bourgeoisen Lockvogel. Es bedeutet nur, dass du vernünftig bist. […]
Sollte in diesem lackierten, lügenden Bündel aus Persönlichkeitsstörungen namens Donald Trump etwas Positives zu finden sein, dann ist es das: Er versuchte nicht mal ansatzweise, seinen Narzissmus zu verstecken, seine Bewunderung für Diktatoren oder seine Vision der gesamten verfluchten Welt als nächsten Ankauf für sein zwielichtiges Portfolio. Er war offen rassistisch, sexistisch und fremdenfeindlich – und das mit wachsender Intensität, weil es sich beim griesgrämigen, verängstigten Teil seiner Basis auszahlte.«

Ein Wutausbruch, wie man ihn gerne mag. Großartig zu lesen, undifferenziert und man muß dabei nicht einmal in allen Punkten ihrer Meinung sein.

Link Nummer 4. Majid Sattar: »Was Martin Schulz in der Hauptstadt werden könnte«

Schöne Analyse zur Personalie Schulz auf der faz.net.

»Eines muss man den deutschen Sozialdemokraten lassen: Gemessen an ihren Aussichten, den nächsten Bundeskanzler zu stellen, führen sie gerade ein ziemliches Theater auf. Das Ganze folgt nicht einmal einem Drehbuch, was zur Folge hat, dass unfreiwillig komische Szenen auf der Bühne dargeboten werden.«

Link Nummer 5. Michael Spreng: »Gabriels Wartezimmer«

Wenn man die SPD und ihre Protagonisten noch ernst nimmt.

»SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seine Partei in den Wartesaal gesetzt und sie muss ungeduldig zusehen, wie andere Züge abfahren, aber der eigene nicht kommt. Und das sie laut Fahrplan noch mehr als zwei Monate warten sollen.«

Halten wir fest: Die Bundestagswahl 2017 dient dazu, Angela Merkel im Amt zu bestätigen und gleichzeitig den Erfolg der AFD in Grenzen zu halten. Nicht weniger, aber eben auch kein Komma mehr. Die Wahl, die keine ist; die sich nicht einmal den bloßen Anschein gibt eine zu sein.
Orban, Netanjahu, Kaczynski, Erdoğan, Trump und auf der Türschwelle Madame Le Pen: So also stellt sich der Untergang des Abendlandes dar – Angela Merkel als alternativlose Eigenurin-Therapie. Sigmar Gabriel? Weniger als zierendes Beiwerk.

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10 Kommentare zu Links

  1. OldFart sagt:

    > sie muss ungeduldig zusehen, wie andere
    > Züge abfahren, aber der eigene nicht kommt.

    Das Bild gefällt mir. Es gibt mir eine gewisse Genugtuung. Ich erleide als Bahnpendler am eigenen Leib tagtäglich zweimal (hin und zurück) die Resultate der neoliberalen Privatisierungsorgie, an denen diese Verbrecher tatkräftig gewirkt haben (Bahn, Post, Rente, etc.) und immer noch wirken (Autobahn, etc.). Ich wohne nicht auf Sylt, aber auf meiner Bahnstrecke gehts seit Jahren genauso zu, wie es letzte Tage von dort durch die Presse ging. Alltag für den irrelevanten Plebs.

    SPD – mögen sie ewig auf Ihren Zug warten. Möge er dann ganz ausfallen. Dann hätten die SPD und ich zumindest wieder EINES gemeinsam. Tit for tat. Nur fair. Feeling slightly better, but still pissed.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin OldFart

      Das wäre eine ausgleichende Gerechtigkeit, wenn die Gemeinsamkeit nur darin bestehen würde. Seite an Seite im Fahrplan blättern: »Er sollte doch um 12:34 Uhr ankommen!«

      Man sieht (wie mir beim Schreiben dieser Zeile auffiel) daß ich schon länger nicht mehr Bahn gefahren bin – vermutlich gibt es gar keine Fahrpläne mehr aus Papier.
      Aber es heißt ja auch nicht mehr Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

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  2. dergl sagt:

    Alle lesenswert, meiner Meinung nach. Nummer 2 hat mich ein wenig gewundert, zeigt aber letztendlich nur, dass ich von der Materie keine Ahnung habe beziehungsweise dass es größere bis große Unterschiede gibt, je nach dem was man auf und mit Bühnen etc. macht. Meine persönliche Erfahrung (gut, eben nicht in der Sparte) war eher so wie du das beschreibst. Ich habe oft als einzige Frau im Team oder einzige Frau in dem Genre einen gewissen Respekt genossen, als ich noch mit Theatern machte, aber wie gesagt andere Sparte und folglich vielleicht ganz anderer Umgang. Obwohl da auch viele Frauen nicht klar kamen.

    Palmolive hat ein Duschgel mit Schokogeruch, gibt es auch als Seife. Ich kenne dein Kind nicht, aber vielleicht zieht das. „Unserer“ – ist ja nicht mein eigener – wusch sich damit plötzlich für jeden Mist die Hände. Dann gibt es saisonal auch noch jede Menge meines Erachtens bestialisch stinkendes Seifenzeug mit Zimt-, Lebkuchen- etc. Aroma, vielleicht hat irgendwas davon den gewünschten Erfolg. Klammer für die Nase nicht vergessen 😉

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    • Pantoufle sagt:

      Moin, Dergl

      Das ist ein Problem, wenn man »mal kurz hinter die Kulissen« und gleichzeitig nach schreiender Geschlechterungerechtigkeit schaut. Man wird bestimmt fündig – keine Frage. Ob sich dabei das Showgeschäft als sinngebendes Beispiel anbietet, ist allerdings eine andere Frage.
      Was die beiden Autoren völlig außen vor gelassen haben, sind die materiellen Aspekte des Gewerbes.
      Einige meiner Kolleginnen habe, sobald sie ein gewisses Maß an Professionalität erreicht und die Möglichkeit hatten, mit fliegenden Fahnen in besser Jobs gewechselt. Das ist nur zu verständlich: Das, was ich mache, ist ein Knüppeljob, schlecht bezahlt, als Selbstständiger mit großer Unsicherheit verbunden, verheiratet sollte man besser nicht sein (ich kenne kaum einen älteren Kollegen, der nicht mindestens einmal geschieden ist) und Zukunftsaussichten stark von körperlicher Verfassung und Leidensfähigkeit abhängig. Das muß man schon sehr mögen, um das 30, 40 Jahre zu machen, mal ganz davon abgesehen, daß es nur den wenigsten vergönnt ist, das in einem internationalen und dementsprechend interessanten Umfeld zu betreiben.
      Es gibt eigentlich so gut wie nichts, was für diese Arbeit spricht außer dem Flair, etwas außergewöhnliches, im Randbereich einer bürgerlichen Existenz zu tun. Das hat sich erst im Laufe der letzten Jahre geändert, nachdem man beschlossen hatte, das als Ausbildungsberuf (Veranstaltungstechniker) zu etablieren: »Komm zum Rock’n’Roll und lerne die Stars aus der Nähe kennen!« Diese Idiotie hat sowohl den Zulauf an weiblichem Personal wie an sonstigen Idioten schlagartig vermehrt. Menschen, die ernsthaft glauben, es mit einem Acht-Stunden-Job zu tun zu haben, mit Urlaubs- und Rentenanspruch und was dergleichen mehr ist. Und so benehmen sie sich auch. Unbrauchbar – ganz gleich, ob Männchen oder Weibchen.

      Meinen Kindern habe ich jedenfalls strickt untersagt, in dieser Branche tätig zu werden (Papi: Du kennst die doch alle und ein Wort von Dir…) Nix da! Es reicht, wenn Papi beim Zirkus ist.

      Was erzähle ich: Da gips ein Video. Warum hammse die nicht interviewt?

      https://www.youtube.com/watch?v=kPMRkQK2szI&feature=youtu.be

      Ach, und wenn wir gerade dabei sind: Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr mal einen Text dazu geschrieben. Vielleicht interessierts Dich.

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      • dergl sagt:

        (Hoffentlich klappt es mit dem Kommentar, ging schon zweimal nicht)

        Den Text habe ich wieder erkannt, werde ihn aber in Ruhe noch mal lesen, danke. Das was du breschreibst erinnert mich ein bisschen an die Verantstaltungskaufleute auf meinem Campus als ich umschulte, denen irgendwie so gar nicht realistisch klar war was sie da machen (etliche aus irgendwelchen Praktika bei Konzertveranstaltern geflogen, weil nicht alles Glamour ist, aber die Arbeit nicht einkalkuliert wurde) und auch an das Speditionsgewerbe. Mein Stiefvater ist da tätig, die Arbeitskonditionen klingen nicht so sehr anders als deine, nie da, wenig Geld, mies versichert, und wer Pech hat hasst seine Strecke. Ihm war’s Glück in soweit hold, dass er 20 Jahre hauptsächlich in Frankreich gearbeitet hat und er ein großer Fan von Land und (einigen) Leuten (nicht Le Pen und Co.) ist, aber er sagt, viele Kollegen halten das auch nicht aus. Seinen Sohn hat er äußerst selten gesehen. Es gibt eben mamchmal so einen Hype um bestimmte Berufe, auch unter dem Aspekt Da müssen unbedingt mehr Frauen rein, aber die “Nachteile” werden dann unter den Tisch geschwiegen, wäre ja schon “Diskriminierung” in der Sicht einiger Leute.

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        • DasKleineTeilchen sagt:

          “(Hoffentlich klappt es mit dem Kommentar, ging schon zweimal nicht)”

          ich hab wenigstens das geheimnis der verschwundenen absende-felder entdeckt; wenn du deinen text geschrieben hast und *danach* alles per noScript freigibst, musst du noch mal ins txt-feld klicken und voilà: sende- und namensfelder klappen auf.

          weird.

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  3. Schöne Idee mit der Link-Liste. Und für den Junior empfehle ich die “Geschmacksrichtung” bzw. Duftnote Red Bull.

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    • Pantoufle sagt:

      Ja, ich dachte, ich mach mal was völlig neues. Das Unerwartete ist ja das meistverkaufteste Element des Internets… scheiße, schon wieder über 140 Zeichen -, jetzt jedenfalls.

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  4. DasKleineTeilchen sagt:

    schreibste eigentlich noch was über den maximo leader? auch wenn eigentlich alles gesagt ist, eines hat mir doch sehr gefallen:

    “… verkündete im Staatsfernsehen, dass die Leiche Fidels auf dessen eigenen Wunsch eingeäschert werde.”

    danke fidel; kein beschissen-absurder mumienkult. das ist doch mal was.

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