Liebe Partei DIE LINKE.

Fehlt es Eurer Partei an einem Rainer »kein Kommentar« Brüderle, an einem Wolfgang Kubicki, der sich vor laufenden Kameras weigert, mit Messer und Gabel zu essen – wenigstens, wenn Damen am Tisch sitzen? Vermisst Ihr in Euren Reihen einen Peer »Pinot« Steinbrück, der zum Gaudi aller vorgibt, Sozialdemokrat zu sein? Keine Kampfdrohne des Neoliberalismus wie Angela Merkel zeigt sich in Euren Reihen?

Na, dann muß man sich eben etwas anderes ausdenken, um sich für die nächste Bundestagswahl zu diskreditieren. Eure Idee mit der Einkommenshöchstgrenze von 500.000 Euro pro Jahr ist da ein guter Start. 156.000 Treffer findet man auf einer bekannten Suchmaschine für »die Linke 500.000«; lediglich 10 bei »die Linke 500.000 zurückrudern«. Da kann Katja Kipping dementieren, was das Zeug hält: Das Kind ist nach dem Brunnensturz bereits elendig ersoffen. Liebe Linke: Es geht gar nicht darum, über Sinn und Unsinn einer solchen Forderung zu streiten. Ob Menschen unbedingt 40.000 Euro im Monat verdienen müssen, ist eine Frage, die nicht im Bundestag entschieden wird – darüber wird wahrscheinlich erst dann ernsthaft geredet, wenn sich das Heer der Hartz IV Empfänger mit Fackeln und Mistgabeln auf der Straße trifft. Aber diese Bundestagswahl findet in einem Land statt, in dem die Fernsehserie »Dschungelcamp« für den Grimme-Preis vorgeschlagen wird. Es ist das Land, in dem es eine »mutige Entscheidung« genannt wird, wenn die Bundesstaatsanwaltschaft die NSU-Mörderin Zschäpe wegen Mittäterschaft anklagt und nicht nur wegen groben Unfugs.

Liebe Linke: Ich habe bei der Niedersachsenwahl links gewählt, trotz des offensichtlichen Mangels an Bodenhaftung Eurer Partei. Das wird mir im Oktober sicherlich nicht noch einmal passieren. Dann werde ich mich wieder geruhsam zur Partei der Nichtwähler gesellen. Mangels Alternativen. Oder sollte die »Tierschutzpartei« mittlerweile mehr Substanz aufweisen als Ihr?

Begreift Ihr es nicht? Es geht bei Euch schon lange nicht mehr darum, irgend welche utopischen Maximalforderungen in die Schlagzeilen zu bringen: Es geht um die pure Existenz, um das reine Überleben. Macht Euch nicht lächerlich. Ob sich die FDP für Steuererleichterungen bei Mövenpick einsetzt oder Ihr Euch für eine 100% Besteuerung für Superreiche ist im Grunde ein und dasselbe: Klientelpolitik. Wie schon gesagt: Es geht dabei gar nicht um Sinn oder Unsinn einer solchen Forderung. Es geht aber um die Existenz einer Medien-Demokratie, bei der jede unbedachte Äußerung sofort unwiderruflich unters Volk gebracht wird. Man liest die Schlagzeile, nicht das Dementi.

Vermögenssteuer? Ja, aber immer doch! Aber bitte in einer Form, daß diese Forderung auch durchsetzbar ist.
Erinnert Ihr Euch vielleicht an die Forderung von Bündnis90/die Grünen aus dem Jahr 1998, bei der es darum ging, den Preis für einen Liter Benzin auf 5,- DM festzusetzen? Die Forderungen waren:

Verdoppelung des Benzinpreises in Deutschland innerhalb von vier Jahren. 5 DM pro Liter
Benzin in zehn Jahren.
Nationaler Alleingang beim Einstieg in eine CO2 /Energiesteuer.
Kürzung der Neubaumittel für den Bundesfernstraßenbau von 4,5 Milliarden pro Jahr um drei Milliarden DM auf 1,5 Milliarden DM.
Abschaffung der Steuerbefreiung Flugbenzin und damit drastische Verteuerung von Flugpreisen.
Einführung einer neuen Energiesteuer auf Heizöl, Erdgas und Strom, die um sieben Prozent pro Jahr erhöht werden soll.

Es wäre sicherlich recht amüsant, Jürgen Trettin diesen Katalog wieder einmal vorzulegen; Macht macht vergesslich.

Liebe Partei die LINKE: Ich würde Euch ja gerne wählen… wegen Sahra Wagenknecht, Gregor Gysi – auch wegen Katja Kipping, aber so geht das nicht. Nutzt doch einfach die Steilvorlagen aus, die die anderen Parteien Euch mit ihren Plattitüden liefern. Das ist doch schon so unterirdisch, daß das beste Wahlversprechen ist, keines zu haben.

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0 Kommentare zu Liebe Partei DIE LINKE.

  1. altautonomer sagt:

    Pantoufle: Deine Stimme würde nicht besonders ins Gewicht fallen, falls Sarah Wagenknecht noch einmal ihre Herkunft vergisst und BILD zum richtigen Zeitpunkt ein weiteres Interview zum Thema “Wie tief darf das Dekoltee der Frauen im Bundestag sein?” gibt, um Wählerstimmen unter Bildlesern abzugreifen.

    Ich hatte vielleicht ne Krawatte, als ich das las und erinnerte mich sofort an die Kampagne von Campact im vergangenen Sommer, die die Opalkatze auf ihrem Blog verbreitete und ihre Leser dort zum Mitmachen aufrief. 500.000 lehnten die kostenlose BILD zum Jubiläum schriftlich ab und Frau Wagenknecht gab in dieser Zeit dessen ungeachtet fröhlich ihre Eitelkeitsinterviews. Unberechenbar die LINKE, wenn es um den Erhalt ihrer BT-Privilegien geht.

    “BILD: Wie tief darf ein Dekolleté im Bundestag eigentlich sein?
    Wagenknecht: „Frau Merkel hat mit ihrem dekolletierten Abendkleid viel Spott und Kritik auf sich gezogen. Auch wenn sie es natürlich bei einem anderen Anlass getragen hat. Ich finde auf jeden Fall: Der Bundestag ist kein Ballhaus. Hier werden Dinge beschlossen, die das Leben von Millionen Menschen betreffen. Da sollte die Bekleidung schon angemessen sein. Also nicht der Super-Mini und das ganz tiefe Dekolleté auch nicht.“

    http://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/1501.sahra-wagenknecht-wie-tief-darf-ein-dekollete-sein.html

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  2. pantoufle sagt:

    Grrrr: Ich habe auch unterzeichnet. Und auch ich habe mich darüber maßlos geärgert. Das Interview war an Instinklosigkeit kaum zu überbieten; eigentlich nur noch dadurch, daß sie es auch noch auf ihrer eigenen Homepage anbietet. Das ist schon unterirdisch.
    Ja, und nu??
    Was soll ich machen? Das meine Stimme nicht nur Frau Wagenknecht, sondern eben jedem in dieser Partei gleichgültig ist, muß man hinnehmen. Wenn ich über die Bedeutung der Linken spreche (eventuell auch meinem Wahlverhalten; so ich denn wähle), dann spielt Körbchengröße und Dekolleté keine Rolle. Ich heiße nicht Niebel, Kubicki oder Brüderle. Wenn Sahra Wagenknecht das selber in die Diskussion bringt, schäme ich mich für sie – das ist weit unter ihrem Niveau.
    Wenn Gysi und Wagenknecht das Rednerpult im Reichstag betreten und gelegentlich das gesamte Parlament (soweit überhaupt anwesend) intellektuell deklassieren, freut es mich. Ich möchte diese Stimmen nicht missen. Dazu müssen sie gewählt werden, wozu ich mich zähneknirschend bereit erklären würde. Mangels Alternative.
    Deinen Einwand konsequent zu Ende gedacht, wäre auch die LINKE unwählbar.
    Und da ist es schon wieder: Das kleinere Übel! (Wenn ich nur daran denke: Ich habe vor Urzeiten ein einziges Mal die Grünen gewählt… ICH bin schuld… ich wars…).
    Wenn ich mich dazu entschließen sollte, die LINKE abzuschreiben, so werde ich das aus politischen Gründen tun und werde versuchen, mich von Entgleisungen wie dem Bild-Interview wenn möglich nicht beeinflussen zu lassen; auch wenn`s schwer fällt.

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  3. Frau Lehmann sagt:

    Ach, was ist das für ein Elend. Wer gewählt werden will, muss? auf sich aufmerksam machen. Und wenns in diesem Land scheinbar nur um das Erregen von Aufmerksamkeit geht und Personalien, um überhaupt ein Ohr/Auge zu erreichen… Liegts an uns potenziellen Wählern? Oder hat sich DIE LINKE auch innerlich schon so sehr angepasst, dass nichts mehr von ihnen zu erwarten ist? Das ganze Wahlsystem ist nur noch eine Farce.
    Ich kann mich erinnern, dass ich vor Jahren eine Diskussion mit einem Mitglied der WASG hatte und ich ihm enttäuscht vorgeworfen gefragt hatte, warum sie sich haben breitschlagen lassen, eine Fusion einzugehen. Seine Antwort: Es sei darum gegangen, schnellst möglich über die 5%-Hürde zu kommen bei der Wahl. Da kann jemand auch noch so idealistisch sein, der Politikbetrieb reduziert letzendlich alles auf die Macht. So geht nichts, gar nichts 🙁

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    • pantoufle sagt:

      Wir leben auf einem kleinen Dorf (SPD-regiert). Ich wähle nicht SPD. Wenn hier Landtagswahlen sind, gewinnt bei uns die SPD (weil ich dann SPD wähle). Ich engagiere mich in unserem Kaff (im Rahmen von SPD-Leuten) als Linker (weil ich hin- und wieder SPD wähle). Die SPD macht hier eine gute Politik für die Menschen und ihre (meine) Interessen. Man kennt sich, man spricht miteinander und hat nichts gegen Fremde, solange sie von hier sind.
      Die LINKE hat sich hier noch nicht sehen lassen. Das ist schade, weil die meisten von uns vernünftigen Argumenten durchaus aufgeschlossen sind (solange sie von Fremden kommt, die hier geboren sind). Ein kleines, unbesiegbares Dorf eben.
      Wenn man den Umkreis der nächsten fünf Dörfer verlässt, hat das schlagartig ein Ende. Es sieht offensichtlich so aus, das politische Arbeit nur in kleinen Zellen sinnvoll funktioniert. Bildet also Zellen. Bildet rote Zellen. Dann funktioniert es auch.

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  4. Charlie sagt:

    “Rote Zellen” zu schaffen, ist auch keine wirkliche Lösung. Im Wohnort meiner Eltern z.B.: Das ist auch ein Dorf, auch SPD-regiert, zum Glück ohne FDP, dafür aber mit Grünen und der Linken im Kreistag. Nur. Mit den Linken redet niemand – es ist, als wären die gar nicht anwesend. Alles, was entschieden wird, wird unter SPD, CDU und Grünen ausgekungelt, da können sich die Linken auf den Kopf stellen. Dabei haben die absolut brauchbare Vorschläge für die Region – die nützen nur nichts und niemandem, wenn die übrigen Mitglieder des Kreistages nicht einmal zuhören, wenn sie vorgetragen werden.

    In der besagten Region ist die Linke daher schon vor Jahren dazu übergegangen, auf anderem Weg etwas zu tun – nämlich über Bürgervereine, die Hartz-Terror-Opfern helfen zum Beispiel, oder eine Kooperation mit einem Behindertenverband u.v.m. Dazu muss man sie allerdings nicht wählen. – Besagte “Zellen” gibt es dort also, sie werden von BürgerInnen und Betroffenen auch sehr rege in Anspruch genommen – in den lokalen Medien kommen sie aber nicht vor und in Wahlergebnissen schlägt sich das auch nicht nieder.

    Dieses politische System – insbesondere die “Alt-Parteien” und natürlich die Medien betreffend – ist einfach nur vollkommen verrottet und verkommen, da ist nichts mehr zu machen, fürchte ich. Denn über die NPD denkt man auf der kommunalen Ebene gelegentlich ja schon (wieder) ganz anders: “Wie die taz am 27. August 2008 berichtet, wolle die CDU im Kreistag nicht alle NPD-Anträge ablehnen, „nur weil sie die NPD stellt“. Vielmehr käme es laut Roland Märtz, CDU-Fraktionsvize Nordsachsens und gleichzeitig Bürgermeister von Doberschütz, darauf an, ob die Vorschläge “gut für den Kreis” seien.” (Quelle)

    Ich befürchte auch, dass Teile der Linken bereits korrumpiert sind (nicht zuletzt die Regierungsbeteiligung in Berlin bzw. die dort geleistete “politische Arbeit” hat das ja eindeutig belegt) – und wenn diese Partei tatsächlich eine ernst zu nehmende Größe erreichen würde (wovon, glaube ich, niemand ausgeht), wären die kapitalhörigen U-Boote der Marke Schröder, Steinbrück oder Fischer schneller am Ruder als wir hicksen können. Die Piratenpartei hat es ja gerade vorexerziert.

    Hopfen und Malz sind verloren – ein anderes Resümee kann ich kaum ziehen …

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    • pantoufle sagt:

      Hier redet auch niemand mit ihnen (den LINKEN) mangels Masse. Ansonsten scheint das bei Euch auch nicht viel anders zu sein als hier: Dringende Probleme werden in Eigeninitiative (Vereine, kurzfristige Zusammenschlüsse) angegangen und gelöst. Da spielt »die Politik« zwar mit (was soll der Bürgermeister machen, wenn seine Frau in dem Verein ist), aber es sind ganz klar die Bürger, die dort aktiv werden, wo die Offiziellen blind durch die Gegend laufen.
      Im Grunde ist das auch gar keine schlechte Lösung. Es soll etwas passieren und es soll schnell passieren. Die Tendenz, alles zu verwalten und Probleme zu deligieren ist ohnehin zunehmend fragwürdig. Ein wenig Eigeninitiativwe ist gut für den Blutdruck und wenn die Parteien mitspielen: Um so besser.
      Im regionalen Rahmen funktioniert das ja auch teilweise recht gut – in der nächsten Verwaltungsebene fehlt dann schon das Problembewusstsein, die Abgehobenheit beginnt früh. Das muß nicht einmal böser Wille sein: Unter einem gewissen Maß an Betriebsblindheit leiden wir alle.
      Das es einen Unterschied zwischen Kommunalpolitik und Landespolitik gibt, ist keine revolutionäre Erkenntnis – bei uns im Dorfe funktioniert es ziemlich gut – bei anderen gar nicht (siehe Deinem Link). Wo es eben überhaupt nicht mehr funktioniert, ist der Bereich, wenn die Gehälter in die Nähe derer von Sparkassendirektoren kommen: Da ist Hopfen und Malz verloren

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