Lebensfreude ohne Sicherheit geht nicht

Tja, letzte Woche! Manchester, Saudi-Arabien, G7 (oder sollte man besser G6 sagen?), Nordkoreas Raketen erweisen sich als begrenzt lenkbar und natürlich schreit die Zeit nach verschärften Sicherheitsgesetzen. Sehr, sehr interessante Zeiten, in denen wir leben.

»Lebensfreude ohne Sicherheit geht nicht. Wie in den Vorjahren sind Rucksäcke und selbst mitgebrachte Getränke auf dem Festival-Gelände Tabu. Die Polizei in Uniform und Zivil sowie 70 private Sicherheitskräfte haben die Besucher im Blick.«

»Je besser die Festivalbesucher sich an die Regeln und Vorgaben halten, desto wirkungsvoller, schneller und effektiver sind die Kontrollen am Eingang zu den Campingflächen und an den Einlässen ins Festivalgelände.«

InFranken.de

Die zivilen Beamten und Besucher sind aufgefordert, auf ungewöhnliches schmallippiges und sonstig auffälliges Verhalten zu achten. Also besser keine schnellen Bewegungen, torkelnder Gang, Schubsereien im Moshpit oder auffällig große Zigaretten. Still lächelnd vergnügt.

»… wie in den Vorjahren sind… Tabu!« Ach, da können sich diejenigen, die schon jahrelang auf Festivals gehen, nicht daran erinnern? Macht nichts! Gewöhnt Euch besser daran: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist. Verträumtes Lallen im Dreivierteltakt.
[*Klugscheißmodus* Besagtes Zitat stammt übrigens nicht aus der Feder des Libretisten von Johann Strauss, sondern von Publilius Syrus, erstes Jahrhundert v.Chr. »Feras, non culpes, quod mutari non potest« */Klugscheißmodus* Der Säzzer]

Der prototypische Dialog in einem Hotel in Essen:
»Könnte ich das Raucherzimmer vom letzten Mal wieder haben?«
»Wir bieten unseren Gästen den Service eines rauchfreien Hotels!«
»Das, was ich vor zwei Monaten hatte, Erdgeschoß…?«
»Unser Haus ist bereits seit Jahren rauchfrei!«
»Wie lange arbeiten Sie hier schon?«
»Wir müssen Sie darauf aufmerksam machen, daß Sie bei Nichtbeachtung unserer Nichtraucherregel mit einer Reinigungspauschale von Euro einhundert belangt werden!«
»Ja, rauchen ist ja auch sehr ungesund!«

Surrealistische Momente in der Hotel-Lobby als mentales Überlebenstraining im 21. Jahrhundert.

Problemkamera Panono ist pleite.
Problembären, Störche oder Illtisse wurden bereits thematisiert, aber Kameras? Der Hersteller der »innovativen 360-Grad-Ballkamera« ist zahlungsunfähig. Im Jahre 2014 wurden über Crowdfounding-Plattformen über 2,8 Millionen Dollar eingesammelt und nun sind sie pleite.
Das ging aber schnell! Immerhin fast drei Millionen Dollar. Wie konnte das nur passieren und das bei einem solch innovativen Produkt?

Die Panono hat 36 Module, die 360°-Bilder aus allen Richtungen liefern. Eine Revolution der Selfie-Photographie. Außerdem kann man sie weg hoch weit schmeißen, wenn man sie wieder auffängt. Sonst ist sie im Arsch. Und das wäre doch schade bei einem Kaufpreis von 2150 € + Versand + ~110 € für Tasche und Selfie-Stöckchen. 2259,81€ im Set um genau zu sein.
Und nun ist man insolvent. Wie konnte das nur passieren? Ob der Verkauf besser angelaufen wäre, wenn man die Panono 360° nach dem Wegschmeißen nicht wieder auffangen müßte? Oder wenn Ricoh nicht die ebenfalls nicht schmeißfeste Theta-S bereits 2013 für schlappe 350€ auf den Markt geschmissen hätte?

Die größte und am schwersten zu beantwortende Frage allerdings bleibt, wer zum Teufel beinahe drei Millionen Dollar in so einen absurden Nonsens investiert. Mutwillig weggeschmissenes Geld.

Kleiner Nachtrag, weil gerade frisch reingekommen:

Wer sein Geld für Apple-Produkte rausschmeißt, sei gewarnt.
»Sechs Jahre alte Air- und Pro-Modelle sind künftig „obsolet“ und werden nicht mehr repariert. Auch das letzte 17-Zoll-Gerät und ein beliebtes altes iPhone sind betroffen.«

Sechs Jahre! Sollte also zufällig ein Gerät dabei sein, daß den vorgesehenen konstruktiven Zusammenbruch überlebt hat, macht man ihm durch eine andere Hintertür den Garaus.

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5 Kommentare zu Lebensfreude ohne Sicherheit geht nicht

  1. DasKleineTeilchen sagt:

    panono, schatz, panono.

    die nummer war wirklich zum scheitern verurteilt; mässige bildqualität mit 3MP-modulen, 6 statt 36 cams hättens auch getan (10° pro cam…wozu?!?), nicht bruchfest, waaaaaaay to expensive („wir wollen uns auf den profisektor konzentrieren“ ablach!) und sie habens in 3 jahren nicht mal geschafft, ne standalone-anwendung anzubieten (claud rules, weeste?).

    tja.

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    • Pantoufle sagt:

      Wenn man aber auch nicht alles copy&pastet! Danke, dudu.

      Ohne Klaut geht heutzutage eh nix mehr. Dieses schwarze Sicherheitsloch ist eine andere Schreibweise für total modern – ich seh die War-Photographers förmlich vor mir, wie sie sich die Bälle zuschmeißen. Veröffentlicht wird dann immer das von der Gegenseite. Oder auf Pressekonferenzen: Man sieht jetzt immer diejenigen, die bis dato unsichtbar im Hintergrund vor Lachen auf dem Boden lagen. Auch nicht schön.

      Das ganze Projekt ist sowas von Scheiße; vom ersten bis zum letzten Tag. Aber von den drei Millionen Dollar… Geld verschwindet ja bekanntlich nicht – es sucht sich nur ein neues Herrchen.

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  2. flatter sagt:

    Rauchen beim Essen finde ich scheiße. Mit Rauchen in Essen habe ich keine Probleme.

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