Kurze Notiz am Rande

So, so! Es gibt Neuigkeiten im Fall des ehemaligen IWF-Chefs Strauss Kahn. Das ist zwar nicht vollkommen überraschend, aber immerhin bemerkenswert. Da außer der Fußball-WM im Moment auch rein gar nichts los ist, werden diese je nach Anspruch mit „Spektakulär und Sensation“ getitelt (Spiegel, Bild, Welt) oder aber man geht es gemächlicher an (der Rest).

So richtig sensationell ist es ja auch gar nicht: Das Zimmermädchen könnte gelogen haben – die ermittelnde Staatsanwaltschaft schließt das nicht mehr völlig aus – und die daraus resultierende Anklage wegen Vergewaltigung würde wackeln. Das ist natürlich erst einmal gut. Es wäre ein Verbrechen gegen Frauen weniger auf der Welt passiert und da sollte man sich erst einmal freuen.

Was von der ganzen Aufregung bliebe, wäre etwas, was man bei viel gutem Willen als „freiwillige sexuelle Handlung“ bewerten könnte, die in dieser Form wohl nicht justiziabel wäre und die Strauss-Kahn in erster Linie seiner Frau erklären müsste.

Wie wie „freiwillig“ man den Geschlechtsverkehr zwischen einem IWF-Banker und einem Zimmermädchen finden soll, steht auf einem anderen Blatt. Wenn man einmal den Gedanken an Aschenputtel beiseite lässt („ich werde meine Frau verlassen, ich habe Geld wie Heu – wir gehen irgendwo hin, wo uns niemand findet… zum Beispiel nach Lichtenstein…“), bleibt eine schmuddelige, unanständige Geschichte übrig. Sex und Macht – ob die Hamburg-Mannheimer Versicherung ihre Mitarbeiter nach Ungarn ins Bordell einläd oder sich Strauss-Kahn eine Hotel-Bedienstete grabscht: Diese Milieus erschaffen sich ihre eigene Moral und die stinkt zum Himmel!

Strauss-Kahn ist für den Moment im Kreise zivilisierter Menschen diskreditiert, seine Nachfolgerin gewählt – das ist zwar keine ausgleichende Gerechtigkeit, aber immerhin besser als gar nichts.

Nur für einen kurzen Moment angenommen, das Zimmermädchen hätte tatsächlich gelogen, so wäre das nur eines gewesen: Berechtigte Notwehr!

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0 Kommentare zu Kurze Notiz am Rande

  1. der_emil sagt:

    Hm. Ich weiß ja nicht, aber falsche Beschuldigungen mit „sexueller Gewalt“ oder „Kindesmißbrauch“ kann ich in keinem Fall als Notwehr, schon gleich garnicht als „berechtigte“ Notwehr ansehen/bewerten …

    Assange hat da ja auch noch Probleme mit sehr speiziellen Definitionen von Vergewaltigung zB …

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    • pantoufle sagt:

      Moin Emil
      Ich bin etwas erschrocken noch einmal kurz in mich gegangen, habe meiner lieben Frau den Artikel und Deine Bedenken zum Lesen gegeben, bevor ich eine Antwort darauf geben wollte.
      Also, ich sehe das folgendermaßen: Kindesmissbrauch ist ein anderes Paar Schuhe – das gehört in diesem Zusammenhang nicht hier hin. Im Fall von Strauss-Kahn ist der Begriff der sexuellen Nötigung – wie immer der in der Praxis ausgesehen haben mag – nicht von der sozialen Stellung der Beteiligten zu trennen. Das Beispiel Assange verfängt da eben nicht, weil die „soziale Stellung“ der Beteiligten vergleichbar war. Ich halte das ebensowenig damit vergleichbar wie die Affäre des Wetterfrosches Kachelmann mit einer Geliebten. Ich unterstelle dem millionenscheren Banker Strauss-Kahn ein Selbstverständnis, bei dem er davon ausgeht, daß „die Welt ihm Untertan“ ist. Damit ist er nicht alleine: Es gibt eine (höhere) Gesellschaft, die die Welt für einen Selbsbedienungsladen hält – nicht nur in sexueller Hinsicht! Es ist eben nicht wie weiland bei Willhelm Busch „der Hang zum Küchenpersonal“, sondern eine geldgeadelte Menschenverachtung.
      Wenn die Hamburg-Mannheimer (und nicht nur die) ihre Orgien mit Huren feiert, dann müssen in diesem Zusammenhang eben auch die Worte „Menschenhandel“ und „Sklavenhaltermentalität“ fallen.
      Hätte sich der IWF-Chef eine vertrocknete Schnepfe uralten Geldadels geangelt: Ich hätte nicht einmal mit der Schulter gezuckt und damit wäre ich nicht alleine geblieben…

      http://www.sueddeutsche.de/karriere/berufsalltag-zimmermaedchen-ich-haette-nie-gedacht-dass-ich-einmal-so-tief-sinken-wuerde-1.1111120

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      • der_emil sagt:

        Soziale Stellung hin oder her.

        Unrecht ist und bleibt auch eine falsche Verdächtigung / falsche Beschuldigung / Verleumdung / üble Nachrede.

        Mich gegen Unrecht mit Unrecht zur Wehr zu setzen, Unrecht gar als “berechtigte Gegen- / Notwehr” anzusehen halte ich für falsch ( d’accord vielleicht bei “verständlicher {Über-}Reaktion”). Es ist das Austreiben des Teufels mit dem Beelzebub. Weil Chinesen Produktpiraterie betreiben, wirft die NATO mal eben ein paar (Atom-)Bömbchen auf das Land?

        Und gerade im Bereich „sexuelle Nötigung / sexualisierte Gewalt“ (und in dem anderen von mir angesprochenen) erfolgt eine Vorverurteilung des (zu Unrecht?) Angeschuldigten bis hin zur Vernichtung seiner wirtschaftlichen und sozialen Existenz (was gerade diese beiden Bereiche für mich zu so hochsensiblen Bereichen macht und mich zur Erwähnung beider brachte).

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        • pantoufle sagt:

          Du hast auf eine bestimmte Art und Weise recht – und ich auch! Ich wollte mich am Wochende mal mit Cleeverbeck treffen. Vielleicht kann man dabei das Thema vertiefen… was natürlich nichts daran ändert, das Du hier jede Art von Widerspruch äußern kannst, wenn Dir danach ist 🙂
          Liebe Grüße und ein schönes Wochende
          Pantoufle

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